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Rede der AbsolventInnen auf der 4. Masterfeier am 4.12.2015 am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg

von Gidon Frischkorn, MSc, und Jan-Niklas Kramer, MSc

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
liebe Professorinnen und Professoren,
verehrte Gäste,

Ich, Jan-Niklas und mein Co-Redner Gidon, wir freuen uns, dass wir heute die Ehre haben, im Namen aller Absolventen einen kurzen Beitrag zur diesjährigen Diplom- und Masterfeier leisten zu dürfen. Mark Twain hat einmal gesagt, dass jede gute Rede ein Anfang und ein Ende braucht und beide Teile möglichst nah bei einander liegen sollten. In diesem Sinne werde ich zum Anfang kurz über unsere Studienzeit reflektieren, bevor Gidon zum Ende einen kleinen Ausblick auf das wagen wird, was uns alle in der Zukunft erwartet.

Nicht zum ersten Mal stehen wir Absolventen heute an einem Punkt, an dem wir einen Lebensabschnitt vollenden. Die unbedarften Kindertage ohne Pflichten und Aufgaben wurden von der Schulzeit mit Hausaufgaben und den ersten Prüfungen abgelöst. Mit dem Abitur fanden dann der Einstieg ins Studium und gleichzeitig ein erster Schritt in die Eigenständigkeit statt. Mit dem heutigen Tag beenden wir auch diesen Lebensabschnitt und erhalten unser Zeugnis für den Diplom bzw. Masterabschluss. Jetzt warten das Arbeitsleben und mit ihm neue Herausforderungen und Aufgaben.

Unschwer lässt sich darin ein gewisses repetitives Muster erkennen: Nachdem die Aufgaben und Herausforderungen des einen Lebensabschnitts bewältigt waren, warten sofort wieder die Herausforderungen des nächsten. Ganz ähnlich wie bei dem griechischen König Sisyphos (Bild: Sisyphos), der als Strafe immerzu einen Fels auf einen Berg rollen musste, nur um auf dem Gipfel mit anzusehen, wie dieser wieder den Hang hinunter rollte. Der Vergleich zwischen unserem Studium und der Strafe des Sisyphos hinkt natürlich an der einen oder anderen Stelle. Denn während Sisyphos beispielsweise immer wieder denselben Berg hinauf muss, stehen wir gerade oben auf dem Gipfel unseres Studiumsberges und schauen bereits, auf welchen Berg wir unseren Fels denn als nächstes schleppen möchten. Aber dazu kommen wir später.

Vor einigen Jahren standen wir alle mit unserem Felsen am Fuße dieses Studiumsberges und wie aufwendig der Weg auf diesen Berg tatsächlich sein würde, war damals wohl niemandem so richtig bewusst. Auf den Internetseiten der Universität Heidelberg stellt sich der Masterstudiengang Psychologie beispielsweise wie folgt vor:

„Striving for excellence ourselves, we expect from you, and offer to you, nothing more and nothing less than being among the best.“

Das hört sich nach einem verdammt hohen Berg an (Bild: Matterhorn)! Glücklicherweise konnten wir schon kurz nach Beginn des Aufstiegs aber feststellen, dass er doch nicht ganz so hoch war, wie wir vielleicht zu Beginn befürchtet hatten (Bild: Heiligenberg).

Auf diesen ersten Meter hoch auf den Studiumsberg haben wir uns alle erst einmal umgesehen, wer denn da noch so alles den Berg hochläuft, denn nichts ist schlimmer, als den ganzen weiten weg alleine gehen zu müssen. Und wenn ich mich heute umsehe, dann stelle ich erfreulicherweise fest, dass viele, mit denen man zu Beginn losgelaufen ist, auch heute oben angekommen sind. Relativ schnell machten wir dann mit den ersten Hindernissen in Form von Klausuren, Referaten oder Hausarbeiten Bekanntschaft, die uns das Leben den gesamten Berg hinauf schwer machen sollten. Wir haben mal recherchiert: Im Durchschnitt schreibt ein Psychologie Student während seines gesamten Studiums ca. 30 Klausuren, 10 Hausarbeiten, hält 12 Referate, verfasst 2 Abschlussarbeiten und muss 1 Poster gestalten und präsentieren. An dieser Stelle möchte ich all unseren Dozenten einen großes Dankschön aussprechen (obwohl sie natürlich für die ganze Quälerei verantwortlich waren), dass sie uns all die Kenntnisse vermittelt haben, die nötig sind, um auf einen solchen Berg zu steigen und dass sie uns das ein oder andere Mal inspiriert und begeistert haben und uns womöglich Wege auf den Gipfel dieses Berges gezeigt haben, die wir sonst nie gegangen wären: Vielen Dank dafür!

Doch der Aufstieg auf den Studiumsberg war keineswegs nur von schwierigen und steilen Wegen geprägt. Oft wird die Studiumszeit rückblickend als die beste Zeit des Lebens bezeichnet und ich bin überzeugt, dass auch wir eine Vielzahl an positiven Erinnerungen aus dem Studium mitnehmen. Daran hat nicht zuletzt auch die Stadt Heidelberg einen nicht unwesentlichen Anteil. Die Untere Straße in der Altstadt zum Beispiel (Bild: Untere Straße) ist quasi der Bergstollen des Studiumsberges, in den man abends hineingeht und morgens gar nicht weiß wo man eigentlich rausgekommen ist (Bild: Wölfe). Hinzu kommen regelmäßige Partys an unserem Institut, die auch von der Professorenschaft aktiv mitgestaltetet werden (Bild: Professorennacht).

Jetzt, nach dem letzten steilen Anstieg – der Masterarbeit - haben wir es heute endlich geschafft: Auch wenn der ein oder andere auf den letzten anstrengenden Meter vielleicht hin und wieder mit dem Gedanken gespielt hat den Fels wieder ins Tal rollen zu lassen, stehen wir nun auf dem Gipfel des Berges Studium. Ob unser Aufstieg dahin tatsächlich als die schönste Zeit unseres Lebens bezeichnet werden kann, lässt sich nur schwer sagen. Denn es liegen ja noch viele weitere Aufstiege vor uns. Eins lässt sich dennoch denke ich mit Sicherheit sagen: Dieser Aufstieg wird schwer zu toppen sein!

--- Gidon übernimmt ---

Da stehen wir also auf dem Gipfel des Berges „Studium“ und haben es geschafft! Dieser Moment allein macht eigentlich schon all die vielen Hindernisse und Rückschläge vergessen, die wir auf dem Weg dorthin überwinden mussten. Die Belohnung ist ein toller Ausblick und zumindest für eine Weile das Gefühl von Freiheit. Der Ausblick bietet ein Panorama auf all die anderen Berggipfel und die mit ihnen verbunden Aufgaben, die nun vor uns liegen (Bild: Bergpanorama). In nicht allzu weiter Ferne sieht man da zum Beispiel den Berg „Psychotherapieausbildung“ oder den Berg „Human Resources“ und natürlich auch den direkt Nachbarberg des „Studiums“, die „Promotion“. Kurzfristig bleibt der eine oder andere eventuell aber auch ohne neue Aufgaben und verbringt vielleicht etwas Zeit am Bergsee „Harz-IV“, wobei man allerdings schnell feststellen wird, dass das Wasser zum Baden wohl deutlich zu kalt ist.

Doch wie sie alle sicherlich sehen können, gibt es darüber hinaus auch abseits dieser augenfälligen Möglichkeiten eine große Menge anderer nicht minder interessanter Berge, die es sich lohnt zusammen mit seinem Fels zu erklimmen. Auch wenn die meisten von uns die wohl bekannten und nahen Alternativen wählen werden, so wird es bestimmt einige geben die auch die weniger offensichtlichen Möglichkeiten ausnutzen wollen. Erst mal genießen wir alle jedoch diesen Ausblick und schauen den Leuten weiter unten am Hang und auf den anderen Bergen bei ihrem Aufstieg zu.

Wie schon bei Sisyphos hat es ein Felsen allerdings so an sich, dass er nicht lange auf einem Gipfel liegen bleibt. Sie können sich alle vorstellen was passiert, wenn die Schwerkraft so ein Felsen unweigerlich wieder in das Tal hinunter zieht (Bild: Stein rollt Berg hinunter). In diesem kurzen Moment, bevor der Felsen richtig Schwung bei seinem Weg ins Tal aufnimmt, versuchen wir alle wohl ihm einen mehr oder weniger überlegten Stoß in die richtige Richtung zu geben, so dass wir möglichst nah am Fuße des Berges landen, der uns für die kommende Zeit am interessantesten erscheint.

Doch auch wenn der ein oder andere von uns feststellt, dass der von ihm gewählte Hügel ihm nicht zusagt, muss nicht jeder Weg bis zum Gipfel gegangen werden. Es gibt schließlich immer noch die Möglichkeit auf einen der vielen anderen Berge zu steigen. Während des Abstiegs können wir jedoch vorerst das Gefühl der Leichtigkeit genießen und müssen uns mit diesen Problemen nicht beschäftigen, während wir unserem Felsen dabei zuschauen wie er unweigerlich in Richtung der neuen Herausforderungen und Aufgaben rollt.

Irgendwie kann es aber auch frustrierend sein nach dem einen Berg direkt wieder auf den nächsten steigen zu müssen. Bleibt uns denn wirklich keine andere Wahl? Natürlich gibt es immer wieder Versuche, sich dieser Aufgabe zu entziehen und ein Leben als Aussteiger oder Eremit zu führen (auch abseits des Harz-IV Sees). Dafür werden sich erfahrungsgemäß die meisten von uns aber wohl nicht entscheiden. In diesem Fall werden also immer neue Aufgaben auf uns warten, die es zu bewältigen gilt. Das Schöne dabei ist ja auch, dass wir uns in den meisten Fällen selbst für die Aufgaben entscheiden können, die wir bewältigen wollen. Diese Freiheit, den eigenen Weg mit den entsprechenden Aufgaben und Herausforderung zu gehen, können wir demnach nicht hoch genug schätzen. Insbesondere in einer Zeit in der wir so direkt mit den Schicksalen anderer Menschen konfrontiert sind, die vor viel größeren Problemen fliehen als wir das tun müssen.

Für diesen jetzt vor uns liegenden Weg auf einen von uns gewählten Berg können wir denke ich dankbar sein für das Wissen und die Fertigkeiten, die wir bei dem bisher gemeisterten Weg auf die hinter uns liegenden Berge gesammelt haben. Ich denke, dieser Berg „Studium“ hier in Heidelberg mit all seinen Eigenheiten und Hindernissen hat uns soweit dies möglich war sehr gut auf diese kommenden Herausforderungen vorbereitet. Es bleibt jetzt an uns den eigenen Beitrag zu leisten um sich diesen neuen Herausforderungen zu stellen und unsere Freiheiten zu nutzen.

So hat Albert Camus in seinem Werk „Der Mythos des Sisyphos“ dazu gesagt:

„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und auf zu neuen Taten!

(Bild: Freud)


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© Copyright Psychologisches Institut. Created: 7.12.2015; last rendered by JF on 7.12.2015.
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