Report about my semester abroad 

Madrid, Winter semester 2013/2014

Nach vier Semestern entschied ich mir für das Spanische Ausland, da ich meine Sprach- Kenntnisse wieder etwas aufbessern und Neues erleben wollte. Nach einigen Monaten kam dann der Bescheid: Madrid! Die Hauptstadt Spaniens mit etwa 5 Millionen Einwohnern sollte für die nächsten 5 Monate meine Heimat sein. Was für eine Chance! Ein riesiges kulturelles Angebot, Menschen aus aller Welt, Sonne und viele Erlebnisse. Hier ein paar Tipps und Erfahrungen zu meinem Aufenthalt und worauf man achten sollte:

Bewerbung und Vorbereitung:

Ich bewarb mich über die Psychologie- Fakultät, da mein Studiengang keine spanische Universität im Angebot hatte. Da ich zu 25% Psychologie studiere war es kein Problem über diese Fakultät ins Ausland zu gehen. Vorraussetzung ist lediglich ein 100%iges Studium der Psychologie im Ausland. Ausreichende Informationen bekommt man bei der Koordinationsleiterin Frau Lorenz. Bevor man sich für einen Erasmus Aufenthalt entscheidet, sollte man sich gut informieren, was die Anforderungen der Gastuniversität angeht und vor allem über die erforderlichen Sprachkenntnisse. Hier mein erster Tipp: Man sollte über einen Grundkurs in Spanisch hinausgekommen sein, da die spanischen Professoren meist nur Spanisch können und auch die Klausuren dementsprechend auf Spanisch sind. Aber nicht entmutigen lassen, denn an der Autónoma werden auch Sprachkurse während des Semesters angeboten, die auch angerechnet werden können und zudem umsonst sind. Vor der Abreise solltet ihr sicher gehen, dass ihr alle wichtigen Unterlagen dabei habt, oder auf dem Laptop abgespeichert habt, da man sie im Laufe seinen Studiums mehrfach braucht. Dies gilt auch für Passfotos. Entweder ihr bringt sie mit, oder macht vor Ort welche. In jedem Fall werdet ihr eine Menge brauchen, da die Spanier zu jeder Gelegenheit (Bib-Auswis, Studentenausweis, Fitnesssudio, Metrokarte etc) ein Passfoto verlangen.

Anreise:

Die Anreise nach Spanien ist gar kein Problem, denn sowohl Ryanair bietet billige Flüge an, als auch Iberia und andere Gesellschaften. Mit Gepäck kommt man bei Ryanair auf einen ähnlichen Preis und meist fliegen zu ungünstigen Zeiten, wie sehr früh am Morgen oder sehr spät am Abend. Nach meiner Erfahrung sollte man sich auf Verspätungen bei Hin- und Rückflügen nach und von Madrid gefasst machen. Der Madrider Flughafen (Barajas) scheint ab und an etwas überfordert zu sein...

Unterkunft:

Wenn dieser erste Schritt getan ist, steht folgende Frage im Raum: Wo werde ich wohnen? Zwar ist Madrid ein teures Pflaster, was Wohnungen angeht, dafür gibt es aber umso mehr Angebote. Zudem kann man sich an der Universität selber in einem Studentenwohnheim (Kostenpunkt ca 500 Euro/ Monat) unterbringen lassen. Ich möchte euch aber drauf hinweisen, was viele anfangs nicht wissen, dass die Autónoma Universität c.a. 20 min mit den sogenannten „Cercanias“ (Nahzug) vom Zentrum entfernt liegt. Hier fährt der letzte Zug in und aus der Stadt abends um 23 Uhr. Ich hatte das Glück eine wunderbare WG mit Spaniern und Italienern zu finden, die recht nah am Zentrum lag und noch dazu erschwinglich war. Solche WGs könnt ihr ganz leicht auf Internetseiten wie www.idealista.es, http://pisocompartido.es oder auch in Erasmus- Facebook- Gruppen finden. Ein kleiner Tipp hier: Am Besten ist es direkt anzurufen, denn auf e- mails wird meist nicht geantwortet. Für die Wohnungssuche sollte man sich ungefähr eine Woche Zeit nehmen, da ihr ja nicht die einzigen seid, die eine Wohnung suchen;) Am besten kommt ihr also ein paar Tage vor Uni-Beginn nach Madrid, sucht vor Ort eine WG und macht euch mit der großen Stadt vertraut.

Leben und Studium:

Leute kennen zu lernen ist im allgemeinen kein Problem, zumal die Autónoma in den ersten Wochen und übers Semester hinweg Trips, Reisen, Partys und Einführungswochen anbietet. In der ersten Uni-Woche gibt es eigentlich jeden Tag Programm, über Tanzkurse bis hin zu Fußballspielen und Poolparties. Das Ganze ist meiste zu sehr erschwinglichen Preisen und alle Fakultäten sind vertreten. Ich kann vor allem die Kurztrips in und um Madrid herum empfehlen! Segovia, Salamanca und Toledo sind in jedem Fall einen Ausflug wert! Diese Trips bietet meist auch die ESN Organisation an (http://www.esnuam.org). Wenn ihr es mal nicht mit der Uni schaffen solltet, bietet das ausgeklügelte Bussystem immer eine preiswerte und schnelle Möglichkeit in jede Stadt Spaniens (und auch bis Portugal) zu fahren! Diese Chance solltet ihr nicht ungenutzt lassen. Hier noch ein paar Tipps zu den Transportmittel: Madrid bietet für unter 23- Jährige ein „Jugend- Abo“ pro Monat an. Dieses könnt ihr an den sogenannten „Estancos“ (Tabakläden, die meist ein Hinweisschild haben, dass sie Abonos verkaufen) bekommen. Für die Autónoma ist das Ticket etwas teurer, da es in der Zone B1 liegt. Man zahlt ca. 40 Euro pro Monat, kann aber mit der Metro, Bus und den Cercanias zu allen Tages- und Nachtzeiten fahren. Alle anderen die ihre Uni im Zentrum A haben zahlen ein paar Euros weniger. Alle die über 23 Jahre sind zahlen auch etwas mehr. Man stellt bei der „Estanco“ einen Antrag (Passfoto und Pass mitbringen) für dieses Abo und kann es im Falle des B1- Abos nach 10 – 14 Tagen abholen. Ich rate euch möglichst früh dieses Abo zu beantragen. Seid ihr also in Madrid angekommen und an der Uni, sind die ersten Wochen etwas verwirrend und anstrengend was die Organisation der Studienfächer etc angeht. Hier kann ich nur aus meiner Erfahrung sprechen, dass die Büros für Austauschstudenten einem wirklich sehr gut durch das Labyrinth der Angebote und Kurse helfen und unterstützen. Auch hier keine Panik, wenn man mit seinem Spanisch nicht weit kommt. Die meisten Mitarbeiter sprechen Englisch. Noch dazu hat man einige Wochen Zeit seinen Stundenplan zu bearbeiten/ überarbeiten oder zu verändern. Wie ihr schon nach einigen Tagen feststellen werdet, ist das ganze Lehr- und Lernsystem etwas unterschiedlich zu dem Deutschen. In vielen Kursen werden praktische Teile verlangt und /oder Gruppenarbeiten. Diese Erfahrung habe ich in meinem Fach (Psychologie) vor allem gemacht. Aber auch andere Studenten, die ich kennengelernt habe, erzählten dasselbe. Diese praktischen Teile sind aber meistens kein Problem, denn man arbeitet mit anderen Studenten zusammen und auch die Professoren helfen gerne. Die Bibliotheken sind gut ausgestattet und man erhält meist eine Literaturliste oder einen Reader, den man sich im Fakultätseigenen Copy- Shop kaufen kann. Achtung, auch diese Literatur ist meist auf Spanisch. Es besteht aber teils die Möglichkeit sich Bücher auf Englisch zu suchen, falls die Spanischkenntnisse nicht ausreichen. An der Autónoma werden die Klausuren schon Mitte /Ende Januar geschrieben. Die Kurse enden schon vor Weihnachten, was aber auch bedeutet, dass die Studienzeit sehr knapp ist und die Professoren versuchen, möglichst viel Stoff zu vermitteln. Die Kurse sind nicht, wie ich es aus Deutschland kannte, 1 ½ Stündig und einmal in der Woche, sondern meiste sind es 3 Stunden in der Woche aufgeteilt auf zwei Tage. Meist wird die Doppelstunde für praktische Aufgaben genutzt. Desweiteren werden die Punkte anders berechnet. Die Noten gehen auf zehn Punkte, mit fünf von zehn Punkten hat man also bestanden. Diese Zehn Punkte setzen sich jedoch je nach Professoren ganz unterschiedlich zusammen. Ich empfehle, sich wirklich ganz genau zu erkundigen (beim Prof. oder Mitstudenten), wie sich die Punkte zusammen setzen. Manchmal zählen Anwesenheit, Klausur und Praxisteile unterschiedliche Prozentanteile. Dies kann unter anderem bedeuten, dass man mit einer bestanden Klausur nicht gleich den Kurs bestanden hat, da die Klausur weniger zählt, als der Praxisteil. Besser mehrfach informieren, nicht dass es am Ende zu bösen Überraschungen kommt...

Habt ihr diese erste Organisations- Woche hinter euch gebracht, eure Kurse zusammen und wisst welche Leistungen ihr erbringen müsst, habt nette MitstudentInnen kennengelernt und eine schöne Wohnung in Madrid, beginnt das wirklich tolle, abwechslungsreiche Leben neben dem Studium. Man ist ja schließlich nicht nur zum Studieren da, sondern auch für den kulturellen Austausch, neue Erfahrungen und für die Sprache in Spanien! Madrid bietet, wie schon gesagt, eine enorme Vielfalt an Vergnügungsmöglichkeiten und kulturellen Angeboten. Von Diskos und Erasmus- Parties (Kapital oder Joy), über Kulturzentren (sehr zu empfehlen: Tabacaleras, Patio Maravillas etc), Museen (Prado ist ein Muss), Parks (Parque de Retiro bei Sonne) und dem Rastro (bekannter Flohmarkt der jeden Sonntag stattfindet) ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Im Sommer (bis Oktober) finden abends oft die sogenannten „botellones“ statt. Ein gemeinsames Vortrinken in Parks. Eine preisgünstige Variante und gute Möglichkeit Leute kennenzulernen, denn der Eintritt für Clubs liegt meist bei 10 Euro. Am Besten ist es, sich bei Facebook in Erasmus/ ESN Gruppen anzumelden, denn hier bekommt ihr ständig Einladungen und Tipps zu Veranstaltungen und Parties. Teils kann man sich auch auf Listen für Clubs eintragen, wodurch der Eintritt meist billiger ist, oder ganz weg fällt. Diese ganzen Freizeit- und auch Uniaktivitäten reißen manch einem aber auch ein gehöriges Loch ins Budget. Zwar ist das Leben in Madrid vergleichsweise billiger, jedoch sind die Wohnungen meist teurer (zwischen 300 und 500 € und auch die Nebenkosten können im Winter sehr teuer werden, da es auch in Madrid sehr kalt wird). Dazu kommen noch die ganzen Aktivitäten und Reisen, die man auf keinen Fall missen will. Alles in allem muss man mit mindestens 200 Euro im Monat mehr an Ausgaben rechnen. Da kann es gut sein, dass der Zuschuss von Erasmus nicht reicht. Besser wenn man was angespart hat und somit alle Möglichkeiten ausschöpfen kann!

Alles in allem kann ich nur empfehlen, ein Erasmus Studium zu machen! Diese Erfahrung sollte man nicht missen. Im Nachhinein scheinen mir die 5 Monate sehr kurz und ich habe zwischendurch überlegt zu verlängern, da die kurze Zeit einem kaum erlaubt richtig Fuß zu fassen. Ich hätte gerne noch mehr Zeit mit meinen Freunden verbracht. Aber Madrid ist nicht aus der Welt und immer einen Wochenendbesuch wert!