Aarhus WS 2013/14

xNo longer available: Aarhus, Winter semester 2013/2014

Fahrräder, Meer, Wind, Backsteinhäuser, schöne Natur, nette Menschen und ganz viel Hygge – es gibt viele Gründe, eine Zeit lang in Dänemark zu leben und ich kann gerade Aarhus dafür sehr empfehlen! Warum mein Auslandssemester noch toller war, als ich mir es vorher jemals erträumt hätte und warum ich jedem empfehlen kann, in Aarhus zu studieren, möchte ich in diesem Bericht erklären. Ich versuche dabei, möglichst viele praktische Tipps zu geben, die hoffentlich zukünftigen Erasmus-Studenten in Aarhus den Einstieg etwas erleichtern können.

Erasmus-Bewerbung

Glückwunsch! Wer diesen Erfahrungsbericht liest, spielt höchstwahrscheinlich mit dem Gedanken, sich für das Erasmus-Stipendium zu bewerben und das kann ich nur wärmstens empfehlen! Allerdings stellt sich natürlich schnell die Frage: Wohin soll es gehen? Ich habe natürlich keinen Vergleich und kann nur für meinen Dänemark-Aufenthalt sprechen, aber im Endeffekt ist es, denke ich, nicht besonders wichtig, in welchem Land man letztendlich studiert. Viel wichtiger ist es, was man dort macht, wen man dort trifft und wie man die Zeit nutzt. Einige Überlegungen, die einem vielleicht bei der Entscheidung helfen können, sind:

  • Möchte ich eine neue Sprache lernen?

Hier bietet sich Dänemark definitiv an. Der Staat finanziert allen Personen, die sich in Dänemark anmelden, 3 Jahre lang einen kostenlosen Sprachkurs! Und der Vorteil ist: Wenn man Dänisch versteht, kommt man auch gut in Schweden und Norwegen gut zurecht, das heißt, man schlägt 3 Fliegen mit einer Klappe!

  • Was erwarte ich von der ausländischen Uni?

Es kann nicht schaden, sich vor dem Auslandssemester zu informieren, wie das Studium an der jeweiligen Uni genau abläuft. In Aarhus hatten wir zum Beispiel im Psychologie- Masterstudium nur 2 Kurse pro Woche, dafür mussten wir viele Texte zu Hause lesen.

  • Was erwarte ich generell von dem Auslandsaufenthalt?

Das ist natürlich eine Grundsatzfrage, die sich wahrscheinlich jeder stellt. Aarhus kann punkten mit wunderschöner Natur in nächster Nähe, tollen Stränden, einer sehr guten Uni und einer guten Infrastruktur sowohl innerhalb von Dänemark als auch ins restliche Skandinavien und nach Deutschland. Jedoch muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass Dänemark relativ teuer ist (wobei es einige Sparmöglichkeiten gibt, dazu später mehr) und man natürlich wettertechnisch etwas schlechter bedient ist als in anderen Teilen Europas (allerdings war ich positiv überrascht vom dänischen Herbst – wir hatten fast durchgehend Sonnenschein). Die Erasmus-Bewerbung an sich ist dann recht einfach: Man bewirbt sich bei dem Erasmus- Koordinator des eigenen Institutes mit den vorgesehenen Unterlagen (ich habe ein Motivationsschreiben, den Transcript of Records und das Learning Agreement dafür gebraucht). Ins Learning Agreement trägt man Kurse ein, die man während des Auslandssemesters gerne besuchen würde (Vorlesungsverzeichnis der Uni Aarhus: http://kursuskatalog.au.dk/en/). Für Masterstudenten in Psychologie werden einige, wenige Kurse auf Englisch angeboten. Wenn die Kurse für das Semester, in dem man im Ausland sein wird, zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht online sind, trägt man einfach aktuelle Kurse ein. Sobald man die Zusage für das Stipendium hat und die Vorlesungsverzeichnisse für das entsprechende Semester online sind, kann man im „Change of Learning Agreement“ die Änderungen eintragen. An der Uni Aarhus sollte man sich zu diesem Zeitpunkt gut überlegen, welche Kurse man tatsächlich wählen möchte, denn ein Wechsel ist später nicht mehr möglich!

Vorbereitungen für ein Semester Aarhus

Wenn man das Erasmus-Stipendium für Aarhus in der Tasche hat, kann man sich eigentlich sehr entspannt zurücklehnen. Die Uni hat ein perfekt organisiertes Erasmus-Programm und kümmert sich wirklich um alles. Der wohl größte Vorteil: Alle International Students bekommen von der Uni ein Zimmer vermittelt. Man kann dabei eine Präferenz angeben (Nähe zum Campus, möglichst billiges Zimmer, eigenes Bad) und zusätzlich markieren, ob man lieber in einem Studentenwohnheim, einem Shared House oder zur Untermiete wohnen möchte. Nimmt man das Zimmerangebot an, kann man zu Semesterbeginn direkt dort einziehen. Lehnt man es ab, muss man sich selbst etwas suchen (was in Aarhus SEHR schwierig ist, daher würde ich jedem empfehlen, das Angebot anzunehmen!). Ich habe ein Zimmer im Ravnsbjerg Kollegiet, einem großen Wohnheim etwas außerhalb von Aarhus bekommen (dabei wurde meine Präferenz leider nicht berücksichtigt, was wohl auch bei einigen anderen der Fall war). Ich musste mich zwar erst einmal daran gewöhnen, längere Wege zur Uni (8km) und in die Stadt (5km) zurücklegen zu müssen, fand es aber toll, mit vielen dänischen Studenten zusammenzuleben, da man gerade in Shared Houses oft „nur“ mit anderen Erasmus-Studenten zusammenwohnt. Außerdem ist in Dänemark das Fahrrad das Verkehrsmittel Nummer 1. Überall gibt es top ausgestattete Radwege, man kommt sehr schnell von A nach B (zur Uni habe ich etwa 25 Minuten gebraucht) und man kann sich tatsächlich von der Fahrrad-Begeisterung anstecken lassen (nicht zuletzt wegen des täglichen Sportprogramms, denn Aarhus ist sehr hügelig)! Apropos Fahrrad: In Aarhus braucht man unbedingt eins, es geht wirklich nicht anders (ich kenne zumindest keinen Studenten, der kein Fahrrad hatte). Am besten schaut man sich schon vor der Anreise einmal im Internet nach Angeboten um. In vielen Facebook-Gruppen verkaufen abreisende International Students ihre Fahrräder und auf der Seite www.dba.dk gibt es einige Kleinanzeigen für Fahrräder (am besten, wenn irgendwie möglich, die Anfrage auf Dänisch schicken, das wirkt Wunder!). Falls man dort kein Fahrrad findet, kann man sich für ein Semester im Studenterhus oder bei bikes4rent sehr günstig ein Fahrrad mieten. Ich persönlich habe mein Fahrrad bei www.bikes4rent.dk gemietet und kann das nur empfehlen! Zwar ist das Ausleihen nicht ganz billig (1095 Kronen für 4 Monate), aber wenn irgendetwas mit dem Fahrrad nicht in Ordnung ist (inklusive platte Reifen, leere Batterie am Licht etc.), wird alles kostenlos repariert. Wer lieber ein eigenes Fahrrad kaufen möchte, kann auch in großen Supermärkten wie Kvickly ziemlich günstig fündig werden. Ein weiterer Vorteil der Uni Aarhus ist die Tatsache, dass die International Students je nach Fakultät einen Mentor zugeteilt bekommen. Diesen kann man schon vor dem Auslandsaufenthalt alles fragen und dadurch, dass jeder Mentor für mehrere Studenten zuständig ist, kann man, wenn man möchte, schon einmal Kontakt zu anderen Erasmus- Studenten aufnehmen. Abgesehen davon sollte man sich vor dem Auslandssemester die Infos für International Students (http://www.au.dk/en/internationalcentre/) durchlesen, dort steht alles Wichtige. Ansonsten muss man eigentlich nur noch die Anreise organisieren. Von Heidelberg aus kommt man gut mit dem Zug in ca. 10 Stunden nach Aarhus. Ansonsten gibt es von Hamburg und Berlin auch recht günstige Busse. Der Flughafen Aarhus hat leider keine Verbindungen nach Deutschland, man kann aber z.B. von Frankfurt nach Billund fliegen, was ganz in der Nähe von Aarhus ist.

Endlich angekommen

Die Uni Aarhus tut wirklich alles dafür, dass man sich als Erasmus-Student von Anfang an wohlfühlt. Als ich in meinem Wohnheim ankam, hat meine Mentorin dort auf mich gewartet (man kann auch vom Bahnhof abgeholt und nach Hause gebracht werden), sie hatte schon meinen Schlüssel abgeholt und mein Name stand schon am Klingelschild. Das Semester startete dann mit einer Introduction Week für alle International Students, bei der wir ein tolles, volles Programm hatten (Barbecue, Vorträge, Kennenlern-Spiele etc.). Diese Woche sollte man auf keinen Fall verpassen, da man unglaublich schnell viele Menschen kennenlernt und da man ständig auf alle erforderlichen Schritte hingewiesen wird. Zum Beispiel muss man sich als International Student bei 2 verschiedenen Stellen der Stadt anmelden. In der Introduction Week kommen die jeweiligen Ansprechpartner in die Uni und man kann die Anmeldung dort direkt erledigen. Jeder bekommt dann nach etwa 2 Wochen eine CPR-Nummer (eine Identifizierungsnummer). Diese Nummer braucht man für sehr viele Dinge (z.B. Arztbesuche, Anmeldung im Fitnessstudio, Eröffnung eines Bankkontos, Anmeldung zum Dänischkurs...). Man sollte sich auf jeden Fall auch für die Veranstaltungen anmelden, für die man schon vor der Ankunft Links zugeschickt bekommt (wie z.B. Stadtführungen).

Dänischkurs – perfekt für alle, die Herausforderungen mögen

Wie oben schon erwähnt, kann man in Aarhus kostenlos einen Dänischkurs besuchen. Dazu meldet man sich so schnell wie möglich (sobald man die CPR-Nummer hat) bei Lærdansk (http://www.laerdansk.dk/en/) an. Als Anfänger hat man dort meist 2x2 Stunden pro Woche, so dass man in einem Semester 1-2 Module absolvieren kann (das entspricht dann einem Level von A1 bzw. A2). Allerdings sollte ich erwähnen, dass Dänisch ausgesprochen schwierig ist und man schon manchmal an seine Grenzen stößt, wenn man im Kurs die ca. 40 unterschiedlichen Arten, in denen Vokale ausgesprochen werden können, voneinander unterscheiden soll. Aber der Kurs macht wirklich Spaß und spätestens nach ein paar Wochen sind auf jeden Fall die einen oder anderen Erfolgserlebnisse zu verzeichnen!

Was Aarhus zu bieten hat

Schon die ersten Wochen in Aarhus können ein Highlight des Semesters sein, da Ende August immer die Aarhus Festuge (Festwoche) stattfindet: Eine Woche lang ist Aarhus in Feierlaune und überall gibt es Konzerte, Straßenmusiker und Veranstaltungen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich das Programm anzuschauen und möglichst viel mitzunehmen! Aber auch während des restlichen Jahrs hat Aarhus kulturell viel zu bieten. Im Konzerthaus (http://www.musikhusetaarhus.dk/forside/) gibt es viele tolle Konzerte; wer eine Stunde vor Beginn hingeht, hat die Chance auf sehr günstige Restkarten. Das ARoS ist ein Museum für Moderne Kunst und das Wahrzeichen der Stadt. Es kann sich lohnen, sich für 200 Kronen eine Jahres-Mitgliedskarte zu besorgen, mit der man auch eine Person kostenlos mitbringen kann. Den Gamle By ist ein wunderschönes Freilichtmuseum mitten in der Stadt, in dem man nicht einmal nach 5 Besuchen das Gefühl hat, alles gesehen zu haben. Die Stadt ist voll von schönen Cafés und Kneipen, allerdings ist das ganze ziemlich kostspielig. Sehr empfehlenswert ist deshalb das Studenterhus direkt gegenüber vom Campus. Dort gibt es nicht nur eine Bar mit mehr als 150 (!) verschiedenen Biersorten mit sehr studentenfreundlichen Preisen, sondern auch ein Café und viele von Studenten organisierte Veranstaltungen (http://www.studenterhusaarhus.dk/Welcome.aspx). Jeden Dienstag ist International Night, bei der es wöchentlich wechselnde Events wie Karaoke, Pub Quiz, OpenMicNight und verschiedene Parties gibt. Als International Student kann man sich als Volunteer im Studenterhus engagieren, was ich nur wärmstens empfehlen kann. Ich habe in der Bar-Group gearbeitet, was einem viele Vergünstigungen einbringt. Zusätzlich trifft man dort wirklich nette Menschen und kann an vielen Veranstaltungen, die eigens für die Volunteers organisiert werden, teilnehmen. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich möglichst schnell im Office des Studenterhus melden, denn die Volunteer-Jobs sind sehr begehrt! Im Norden und Süden von Aarhus gibt es jeweils sehr schöne Strände und in nächster Nähe gibt es wunderschöne Nationalparks (z.B. rund um Ebeltoft). Sehr praktisch ist auch eine sehr günstige Busverbindung nach Kopenhagen (http://www.abildskou.dk/).

Kurse und Prüfungen

Wie oben schon erwähnt, läuft das Studium in Dänemark etwas anders ab als man es in Deutschland gewohnt ist. Man hat weniger Präsenzzeiten, dafür mehr Arbeit zu Hause zu erledigen und dadurch auch viel Freiraum. In den beiden Kursen, die ich belegt habe, musste man pro Woche zwischen 2 und 4 Studien lesen, 1-2 kurze Referate halten und am Ende jeweils eine Hausarbeit schreiben. Die Semesterzeiten sind auch anders als in Deutschland:

Das Wintersemester dauert von September bis Januar, das Sommersemester von Februar bis Juni. Obwohl die Präsenzzeit vergleichsweise kurz ist, habe ich das Gefühl, viel gelernt zu haben. In Aarhus wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Studenten diskutieren und sich kritisch mit Studien auseinandersetzen. Auch das Verhältnis zu den Dozenten ist sehr gut und eng (z.B. werden alle mit Vornamen angesprochen).

Dänemark für Sparfüchse

Wie schon erwähnt, ist Dänemark leider ein recht teures Land. Wenn man aber ein bisschen Ausschau nach Angeboten hält, kann man die teuren Preise etwas umgehen. Günstige Supermärkte sind z.B. Fakta, Kiwi, Rema1000, Netto und Aldi. Außerdem gibt es im Studenterhus einige tolle Angebote: Einmal im Monat ist ein Flohmarkt, bei dem man wirklich tolle Kleidung für einen absolut minimalen Preis bekommen kann. Während meines Aufenthaltes gab es außerdem das „Friendship Ambassador“ Programm, wo jeweils ein International Student einem dänischen Studenten zugeteilt wurde. Zusammen hat man viele Ermäßigungen bekommen (z.B. Getränkegutscheine, ein kostenloses Essen in einem Restaurant, Rabatte in verschiedenen Läden, kostenlose Handball-Tickets). Als neu zugezogener Einwohner in Aarhus kann man sich außerdem im Bürgeramt ein Welcome Package abholen, in dem 6 Tickets enthalten sind, mit denen man Vergünstigungen in vielen Museen und anderen Einrichtungen bekommt (z.B. kann man damit auch kostenlos Schlittschuh laufen gehen).

Fazit

Insgesamt kann ich einen Aufenthalt an der Aarhus Universitet wirklich nur wärmstens weiterempfehlen! Die Uni bietet alles, was man sich als Erasmus-Student wünschen kann und die Stadt hat sehr viel zu bieten. Nach meiner Erfahrung kann ich gut verstehen, warum so viele Studenten sagen, die Erasmus-Zeit sei die tollste Zeit des Studiums!