Valencia, WS 2010/11 (BSc)

Valencia, Winter semester 2010/2011 (Bachelor)

Vorbereitung:

Ein Erasmus Aufenthalt ist auf jeden Fall auch ein kleines Abenteuer und viele Dinge lassen sich erst richtig vor Ort regeln, dennoch ist eine gute Vorbereitung wichtig und erspart Stress. Über die offiziellen Dinge wie Transcript of Records, Beurlaubung usw. denke ich muss ich hier nichts schreiben, aber es gibt noch einige andere Dinge die vorher abgeklĂ€rt werden soll- te. Dazu zĂ€hlt die RĂŒcksprache mit der Krankenkasse, ob der normale Auslandskranken- schutz genĂŒgt, oder ob noch eine zusĂ€tzliche abgeschlossen werden muss. Ich habe fĂŒr das halbe Jahr das ich in Valencia war eine Auslandszusatzversicherung beim ADAC abgeschlos- sen, musste aber glĂŒcklicherweise nie zum Arzt.

Auch wichtig ist, dass man ĂŒber ein Konto verfĂŒgt, von dem man gebĂŒhrenfrei im Aus- land Geld abheben kann. Ich habe mir hierzu ein Girokonto bei der Deutschen Bank eröffnet, das ist fĂŒr Studenten kostenlos und man bekommt im ersten Jahr eine gebĂŒhrenfreie Master- card, was sich zum fliegen mit Ryanair auch ganz gut eignet.

Falls man Auslandsbafög benötigt, sollte man sich auch hierum rechtzeitig kĂŒmmern. Formulare wie Mietbescheinigung, welche man erst vor Ort ausfĂŒllen lassen kann, kann man ohne Probleme nachreichen.

Kommen wir zur Sprache. FĂŒr mich war es wichtig, dass ich die Sprache mehr oder we- niger gut beherrsche, wenn ich nach Valencia komme. Nachdem ich an der Schule drei Jahre Spanisch gelernt hatte, aber davon nicht mehr viel ĂŒbrig war, machte ich einen A2 Kurs am Sprachlabor. Zudem paukte ich noch fĂŒr mich die Grammatik von B1 und Vokabeln bevor ich runter geflogen bin. Dort machte ich dann noch einen Intensivkurs B1 am Centre de Idiomas, welches zur Uni gehört. Um erste Kontakte zu knĂŒpfen kann ich so einen Intensivkurs nur jedem empfehlen, allerdings sind die Gruppen relativ groß. Es gibt aber auch sehr viele ande- re Sprachschulen in Valencia die Intensivkurse in kleineren Gruppen anbiete, diese kosten dann allerdings auch mehr. Ich kann nur empfehlen schon ein oder zwei Spanischkurse hier zu machen, da man sich mit Englisch doch relativ schlecht verstĂ€ndigen kann, so lief bei- spielsweise meine Wohnungssuche fast komplett auf Spanisch ab.

Zu guter Letzt solltet ihr euch in einem der Hostels (bspw. Purple Nest oder Hostel Cent- ral) ein Zimmer reservieren, sofern ihr nicht schon ein Zimmer fĂŒr euren Aufenthalt habt (ich persönlich wollte zuerst ein Zimmer sehen bevor ich es nehme, daher habe ich vor Ort was gesucht.) Ich kam die erste Woche im „Hostel Central“ unter, welches eigentlich ganz ok war, jedoch denke sich das „Purple Nest“ eignet sich besser, da wie ich spĂ€ter hörte, dort mehr ERASMUS-Studenten absteigen.

Ankunft/ Erste Tage

Ich flog am 28. August nach Valencia, um so noch ein paar Tage Zeit zu haben bevor der In- tensivkurs beginnt, um eine Wohnung zu suchen und die Stadt schon etwas kennen zu lernen, was ich als hilfreich empfand. Nach der Ankunft sollte man zum International Relations Offi- ce gehen und sich einschreiben. Hierbei bekommt man eine Mappe mit diversen Informatio- nen, z.B. einen Stadtplan mit den Buslinien, welcher sehr nĂŒtzlich ist. Falls man einen Sprachkurs machen will, sollte man sich rechtzeitig fĂŒr den Sprachkurs und den Einstufungs- test anmelden (beides geht auch ĂŒbers Internet). Nach der Einschreibung am International Relations Office könnt ihr auch direkt zu eurem Fachkoordinator oder ein paar Tage spĂ€ter, je nachdem wie schnell ihr euch fĂŒr eure Kurse anmelden wollt. Als ERASMUS-Student darf man auch noch einige Wochen nach Vorlesungsbeginn die Kurse wechseln.

Andere Dinge, welche man möglichst bald erledigen sollte, sind sich eine Spanische Simkarte zuzulegen und bei einem Tabaco sich eine „Bonotransbordo“ Karte zu kaufen (10 Fahrten fĂŒr Metro oder Bus kosten 7,55 Euro). Danach kann dann auch die Wohnungssuche starten.

Hilfreich sind dabei die Wohnungsangebote die in CampusnĂ€he aushĂ€ngen. DarĂŒber hin- aus gibt es im Internet unter www.loco.es viele weitere Angebote. Besichtigungstermine ĂŒber das Telefon auszumachen fand ich am Anfang relativ schwierig (sprachlich gesehen), aber nicht aufgeben hilft, wenn es sein muss eben mehrmals fragen. Ich habe den Fehler gemacht und nicht bereits am Telefon bestimmte Dinge wie Raucher-WG, etc. abgeklĂ€rt. Das steht oftmals nicht in den Anzeigen und hĂ€tte mir unnötige Besichtigungen erspart.

Ich persönlich habe eine Woche im Hostel gewohnt, bis ich eine passende Wohnung fand, bei vielen ging es aber auch schneller. Ich denke die beiden Hauptprobleme bei mir wa- ren, dass ich nur ein halbes Jahr bleiben wollte und viele (und vor allem Spanische WGs) su- chen Mitbewohner fĂŒr ein ganzes Jahr. Der andere Grund war, dass ich eine Wohnung wollte in der nicht ĂŒberall geraucht wurde. Schließlich fand ich nach einer Woche etwas mit dem ich zufrieden war. Ansonsten habe ich neben dem Suchen nach einer Wohnung auch in den ersten Tagen versucht etwas von der Stadt und dem Strand zu sehen. Ich muss aber auch zugeben, dass die ersten Tage fĂŒr mich nicht einfach waren, da ich wirklich niemanden kannte, den- noch sollte man sich auch hiervon nicht entmutigen lassen, mein Auslandssemester war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben.

Studium

Das Studium in Spanien ist etwas anders als in Deutschland. Die Kurse bestehen normaler- weise aus einigen Stunden in der Woche Vorlesung und ein paar Stunden Übung („practicas“). In Psychologie bestanden die Übungen hauptsĂ€chlich aus DurchfĂŒhren von Tests ĂŒber welche anschließend meist kurze Berichte geschrieben mussten.

Die AtmosphĂ€re an der Uni ist weniger distanziert wie bei uns, so ist man normalerweise mit den Professoren und Dozenten per Du. Meine Kurse waren ausschließlich in Spanisch, es gab auch manche in Valenciano (was man aber als nicht-Muttersprachler so gut wie nicht versteht), allerdings gab es keinen Kurs in Valenciano, den es nicht auch in Castellano gab. In Englisch wurden keine Kurse angeboten, jedoch waren manche Professoren damit einverstan- den, dass die Berichte der Übungen in Englisch geschrieben werden.

Ich versuchte in der Uni auch etwas Kontakt zu Spaniern zu knĂŒpfen, was allerdings nicht so einfach war. Ich konnte mich dennoch mit welchen anfreunden, welche mir auch dann bei sehr vielen Dingen halfen. Das Niveau empfand ich als etwas leichter als bei uns, allerdings hat sich das durch die Sprache (zumindest bei mir) wieder grĂ¶ĂŸtenteils ausgegli- chen. Da ich einfach viel Zeit aufwenden musste um die Skripts durch zu arbeiten. Die Klau- suren waren zumindest bei mir alle multiple choice, von Freunden aber weiß ich, dass es auch Klausuren mit offenen Fragen gab. Sollte dies der Falls sein, empfiehlt es sich mal mit dem Professor zu sprechen, einige haben mir spĂ€ter erzĂ€hlt, dass sie ihre Antworten in Englisch geben durften.

Freizeit/Nachtleben

In Valencia gibt es viele Dinge, welchen man sich in seiner Freizeit widmen kann. Allen vo- ran natĂŒrlich der Stadtstrand, an dem man Baden und die Sonne genießen kann. Ich ging auch gerne, wenn ich etwas mehr Zeit hatte, zum Strand „El Saler“. Dieser liegt sĂŒdlich von Valen- cia, der mit dem Bus gut zu erreichen ist. „El Saler“ ist ein schöner DĂŒnenstrand, an dem auch meistens weniger los ist als am Stadtstrand. Auch einen Ausflug zum See „La Albufera“ und dem Dorf El Palmar kann ich sehr empfehlen. In El Palmar kann man vor allem sehr gute Paella Gerichte essen. Zudem verfĂŒgt die Uni ĂŒber gute Sportanlagen und ĂŒber ein großes Programm an Kursen, zu denen man sich aber rechtzeitig anmelden muss.

Da es viele Studenten in Valencia gibt und auch viele Erasmus-Studenten ist eigentlich jede Nacht in den unzÀhligen Clubs und Bars viel los. Viele der Clubs sind in der NÀhe des Blasco, aber auch im Barrio El Carmen und vor allem im Sommer, in Strand und HafennÀhe.

Fazit

Ich habe aus verschiedenen GrĂŒnden lange ĂŒberlegt ein Auslandssemester zu machen, auch weil sich dadurch meine Studienzeit verlĂ€ngerte. Dennoch kann ich jedem nur empfehlen die- se Erfahrung zu machen. Ich habe viele nette und interessante Menschen aus verschiedenen LĂ€ndern kennen gelernt und somit auch viele Sachen gelernt, welchem man allein in der Uni nicht lernen kann. Ich Nachhinein wĂŒrde ich sogar sagen man sollte nicht nur ein Semester gehen, sondern ein ganzes Jahr, auch wenn man dadurch Zeit fĂŒr das Studium verliert, es lohnt sich auf jeden Fall. Valencia ist eine schöne Stadt, welche sich hierzu sehr gut eignet. Ich denke aber, das tun die meisten der angebotenen StĂ€dte. Ich kann nur sagen, dass ich mich gerne an dieses halbe Jahr und die schöne Zeit in Valencia zurĂŒckerinnere und auch immer wieder fĂŒr einige Tage nach Valencia fliegen werde.