Erfahrungsbericht

Paris, Sorbonne 4EU+, Sommersemester 2025 (Master)

Im Sommersemester 2025 hatte ich die Gelegenheit, ein Auslandssemester an der Sorbonne in Paris zu verbringen. Ein Erasmus-Aufenthalt war für mich schon lange ein großer Traum – und dass ich diesen Traum ausgerechnet in Paris verwirklichen konnte, hat mich besonders glücklich gemacht. Im folgenden Bericht möchte ich meine Eindrücke und Erfahrungen schildern und diese thematisch gegliedert darstellen. Vorbereitung:
Die organisatorischen Vorbereitungen für mein Erasmussemester verliefen insgesamt recht reibungslos. Bereits etwa ein Jahr vor dem eigentlichen Start des Erasmus begann die Vorbereitung, sowohl von Seite der Universität Heidelberg als auch von der Sorbonne. Beide Universitäten informierten mich regelmäßig per E-Mail über die jeweils nächsten Schritte, inklusive konkreter Fristen, was eine gute Orientierung war und dafür sorgte, dass ich keine wichtigen Deadlines versäumte.
Sprachlich habe ich mich mit einem Französischkurs am Zentralen Sprachlabor der Universität Heidelberg vorbereitet. Dieser diente jedoch eher zur Auffrischung, da ich durch mein Abitur schon einigermaßen fließend französisch sprechen konnte. Rückblickend würde ich auf jeden Fall empfehlen, bei Beginn des Erasmussemesters mindestens ein Sprachniveau von B2 mitzubringen. Fast alle Lehrveranstaltungen an der Sorbonne finden auf Französisch statt, ebenso die Prüfungen – ein gewisses Maß an Sprachsicherheit ist daher notwendig. Was die Kurswahl betrifft, möchte ich vor allem einen Punkt betonen: Die konkreten Informationen zu den Kursen erhält man erst sehr kurzfristig, oft nur wenige Tage vor Semesterbeginn. Das vorläufige Learning Agreement, das im Vorfeld einzureichen ist, dient daher eher als Orientierungshilfe und ist rein provisorisch. Ich habe mich dabei an den Kursen des vorangegangenen Sommersemesters orientiert (in meinem Fall 2024). Die endgültige Kurswahl erfolgt dann vor Ort. Während der Einführungsveranstaltungen wird ausführlich erklärt, wie das individuelle Kursprogramm zusammengestellt wird, je nach Fachrichtung unterscheiden sich die Verfahren. Aus diesem Grund kann ich dir nur ans Herz legen, möglichst früh anzureisen, um keine Informationsveranstaltung zu verpassen.
Ich war im Fachbereich Soziologie eingeschrieben und musste dort 50 % meiner ECTS Punkte absolvieren. Die restlichen Leistungspunkte habe ich durch zwei Sprachkurse (Grammatik und allgemeiner Sprachkurs) sowie zwei Sportkurse ergänzt – in Soziologie können Sportkurse tatsächlich als reguläre Studienleistung angerechnet werden, was ich sehr praktisch fand. Alle Prüfungen musste ich mitschreiben, doch in Absprache mit den Dozierenden wurde bei der Bewertung nicht mein sprachliches Niveau, sondern ausschließlich der inhaltliche Lernerfolg beurteilt. Mit entsprechender Vorbereitung sind die Prüfungen also durchaus machbar. Deutlich herausfordernder gestaltete sich hingegen die Wohnungssuche im Vorfeld. In dieser Phase war ich oft frustriert, denn auf zahlreiche Bewerbungen erhielt ich entweder eine Absage oder gar keine Rückmeldung. Letztlich hatte ich Glück: Über die Agentur Inter Logement (Empfehlung!) fand ich ein kleines Einzimmerapartment im 6. Arrondissement – ein absoluter Traum. Auch wenn die Suche nervenaufreibend war, hat sich gezeigt: Am Ende findet sich immer eine Lösung. Es lohnt sich, dranzubleiben und nicht die Hoffnung zu verlieren. Unileben:
Was das Unileben betrifft, habe ich mich glücklicherweise schnell zurechtgefunden. Ich habe insgesamt sieben Kurse belegt und mich mit dem Arbeitspensum genau richtig ausgelastet gefühlt. So blieb mir neben dem Studium auch genug Zeit, um Paris ausgiebig zu genießen. Bei Fragen rund ums Studium konnte ich mich jederzeit an die Dozierenden oder meine Kommiliton:innen wenden. Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit. Allerdings habe ich es als eher schwierig empfunden, außerhalb der Seminare und Vorlesungen näheren Kontakt zu französischen Studierenden aufzubauen. Ich hatte den Eindruck, dass viele lieber unter sich bleiben, was es nicht ganz leicht machte, private Gespräche oder Treffen zu initiieren. Zum Glück hatte ich schon bei den Erasmus Begrüßungsveranstaltungen andere internationale Studierende kennengelernt, mit denen sich schnell Freundschaften entwickelt haben, so war ich auch sozial gut eingebunden. Inhaltlich bin ich in den Kursen gut mitgekommen. Oft wurden die Vorlesungen durch PowerPoint-Präsentationen begleitet, was das Verstehen erleichtert hat. Gerade wenn sprachlich mal nicht alles sofort klar war, konnte ich parallel mitlesen und so gut folgen. Leben in Paris: Paris hat mich schon in den ersten Tagen vollkommen in seinen Bann gezogen. Es gibt so unglaublich viel zu entdecken, dass Langeweile praktisch ausgeschlossen ist. Egal ob charmante Altbauviertel, Shopping-Boulevards oder ruhige Parks: Jeder Tag brachte neue Eindrücke mit sich. Besonders praktisch fand ich das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz. Mit dem Navigo-Pass kommt man unkompliziert in alle Ecken der Stadt und sogar Ausflüge ins Umland, etwa nach Versailles oder in kleinere Dörfer außerhalb von Paris, sind problemlos möglich. Da ich zum Zeitpunkt meines Erasmus-Aufenthalts bereits über 26 Jahre alt war, konnte ich leider keine der Altersvergünstigungen in Museen, im Nahverkehr oder bei Kulturveranstaltungen in Anspruch nehmen. Wer unter 26 ist, profitiert hier aber definitiv – viele Museen sind kostenlos, und auch Tickets für Konzerte, Theater oder die Oper sind stark vergünstigt. Generell ist Paris eine teure Stadt, insbesondere was die Lebenshaltungskosten betrifft. In Restaurants starten Hauptgerichte meist bei 15 Euro, und auch im Alltag summieren sich die Ausgaben schnell. Ich hatte Glück, da sich ein Lidl direkt in meiner Nähe befand, so konnte ich verhältnismäßig günstig einkaufen. Außerdem habe ich oft die App Too Good To Go genutzt. Damit lassen sich in vielen Cafés, Restaurants oder Supermärkten vergünstigte Lebensmittel retten, eine nachhaltige und zugleich preiswerte Alternative. Wer gerne auswärts isst, wird dafür aber kulinarisch auf höchstem Niveau belohnt: Die französische Küche ist nicht nur vielfältig, sondern auch qualitativ herausragend. Für alle, die sich für Gastronomie und Kulinarik begeistern, ist Paris ein echtes Paradies. Was mich ansonsten besonders begeistert hat, war das vielfältige Kunst- und Kulturangebot. Ich habe selten so beeindruckende Museen und Ausstellungen erlebt. Auch die unterschiedlichen Arrondissements, jedes mit eigenem Charakter und Flair, haben mich fasziniert. Ich habe viele Abende mit Spaziergängen an der Seine verbracht oder mit Freunden in einem der zahlreichen gepflegten Parks die Stadt auf mich wirken lassen. Besonders ins Herz geschlossen habe ich den Parc Monceau, ein eher ruhiger, von Einheimischen geprägter Ort, der für mich zu einem echten Lieblingsplatz wurde. Paris hat so viele Seiten, von elegant bis unkonventionell, und genau das macht diese Stadt für mich so besonders. Mein persönliches Fazit:
Für mich war Paris die perfekte Erasmus-Stadt und ich habe meine knapp sechs Monate dort in vollen Zügen genossen. Nach meiner Zeit in Heidelberg habe ich mich schon länger nach dem Leben in einer größeren Stadt gesehnt, und Paris hat all das erfüllt, was ich mir davon erhofft hatte: kulturelle Vielfalt, ein riesiges Angebot an Veranstaltungen, Cafés, Museen, Parks und neue Eindrücke. Das Großstadtleben war genau das Richtige für mich, und es hat unglaublich gut getan, einmal aus dem gewohnten Alltagstrott auszubrechen und in eine neue Umgebung einzutauchen. Besonders bereichernd war es, eine andere Kultur nicht nur oberflächlich kennenzulernen, sondern wirklich in ihr zu leben – mit all ihren Eigenheiten, kleinen Herausforderungen und schönen Momenten. Ich kann es nur jeder und jedem wärmstens empfehlen, den Schritt zu wagen und ein Erasmussemester in Paris zu machen. Diese Zeit hat meinen Horizont erweitert und ich bin sicher, dass ich mich mein Leben lang positiv an diese besondere Erfahrung erinnern werde.