Erfahrungsbericht Erasmus Madrid Sommersemester 2023

Madrid, Summer semester 2023 (Bachelor)

Vorbereitung

Die Bewerbung für mein Erasmus in Madrid lief sehr unkompliziert. Im Bachelor wird durch die Universität in Madrid B1 in Spanisch gefordert, aber kein Sprachnachweis verlangt und es standen auch mehr Plätze als Bewerber zur Verfügung, sodass noch Restplätze geblieben sind. Dadurch, dass ich erst im 6. Semester (Sommersemester) nach Madrid wollte, hatte ich genug Zeit mich darauf vorzubereiten, wobei viele Sachen, wie etwa Wohnungssuche, sowieso erst kurzfristig oder vor Ort organisiert werden können. Weil der Semesterstart in Madrid Ende Januar ist, empfiehlt es sich in Heidelberg Blockseminare zu wählen, weil man sonst einige Termine verpasst. Dafür kann man bei der Seminarwahl auch einen Härtefall wegen frühem Erasmusbeginn beantragen und dann bevorzugt für Blockseminare zugelassen werden.

Die Informationen der Universität in Madrid kamen für deutsche Verhältnisse erst relativ spät, z.B. kam Mitte Dezember die Information bzw. Einladung für einen 2-wöchigen Intensivkurs Spanisch Mitte Januar, so dass ich zeitlich da nicht mehr konnte, weil ich schon anders geplant hatte.

Ankunft & Wohnungssuche

Für die erste(n) Woche(n) hatte ich mir ein Airbnb mit Stornierungsoption gebucht und geplant erst vor Ort nach einer WG zu Suchen. Wenn man kann, empfiehlt es sich Zugang zu einschlägigen WhatsApp-Gruppen zu bekommen, weil dort immer wieder Wohnungsangebote reingeschickt werden, von Leuten die Madrid verlassen. Ich habe allerdings nur über Idealista gesucht und dort gab es auch einige Angebote. Von anderen, die sich vorher etwas online gesucht haben, habe ich gemischtes gehört. Bei einer Freundin hat es gut geklappt, aber ich hatte auch zwei Personen in meiner WG, die erst online vorher etwas anderes gefunden und gemie-tet haben und dann war es bei Ankunft nicht in dem Zustand wie angegeben. Die haben dann spontan etwas anderes gesucht und sind in meine WG gezogen. Ich würde unbedingt empfehlen im Stadtzentrum zu Wohnen, weil die Uni schon recht ab von Schuss ist und man so mehr von Madrid erleben kann.

Die Wohnungssuche vor Ort habe ich persönlich als eher stressig erlebt, weil ich gerne Sachen vorher organisiert habe, aber man wird auf jeden Fall etwas finden und nicht ohne Wohnung bleiben, weil das Angebot doch sehr groß ist. Ich habe mich dann relativ schnell für eine WG entschieden und dafür auch etwas mehr bezahlt, wenn man aber etwas entspannter ist und ein bisschen länger abwartet, kann man auch gute günstigere Angebote finden. Insgesamt war ich sehr glücklich in meiner WG in Chueca/Malasaña und hatte super Mitbewohnerinnen (eine Spanierin und andere Internationale), das ist aber auch immer etwas Glückssache, weil man die MitbewohnerInnen vor Einzug normalerweise nicht kennenlernt und alles über die Ver-mieter*innen läuft.

Direkt nachdem ich meinen Flug gebucht habe, habe ich auch für den Abend der Ankunft einen Termin für das Erstellen einer Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel gemacht. Das empfiehlt sich sehr, weil man das nur mit Termin machen kann und sonst nach Ankunft gerne mal 2-3 Wochen warten muss bis wieder Termine frei sind und so lange deutlich mehr für Ein-zeltickets zur Uni zahlt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind mit der Tarjeta Joven mit 8€ im Monat (ich glaube es war besonders subventioniert, sonst sind es ca. 20€) für das gesamten Verkehrsnetzt um Madrid unschlagbar günstig.

Zu Beginn des Semesters gab es eine Begrüßung aller Erasmus-Studierenden, bei der dann auch alles Organisatorische besprochen wurde und einer kleinen Campus-Führung. Zusätzlich gab es durch die Psychologiefakultät nochmal eine Willkommensveranstaltung für Erasmus-Studierende, bei der auch durch ESN-Freiwillige der Psychologie hilfreiche Tipps gegeben und eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet wurde.

Uni in Spanien

Ich habe in meinem Erasmus vier Veranstaltungen der Optativa belegt, die alle auf Spanisch waren und war damit recht zufrieden. Besonders empfehlen kann ich Sexualidad und Psicolo-gia de la cultura y del arte. Die Veranstaltungen findet man alle in dem Dokument Oferta Academica auf der Website der Psychologie. Man kann auch Veranstaltungen der Jahre 1-3 belegen und es gibt ca. 2 englische Kurse, allerdings habe ich gerade von den englischen Kur-sen eher nicht so Gutes gehört und die Noten dort waren für manche meiner Erasmus-Kommilitonen in den Kursen am Ende schlechter als in den spanischen Kursen. Außerdem ist der Arbeitsaufwand außerhalb der Optativa, glaube ich, deutlich höher. Wenn man kann, emp-fiehlt es sich auch, die Veranstaltungen möglichst auf wenige Tage verteilt zu wählen, damit man nicht wie ich an manchen Tagen nur wegen einer Stunde ca. 1 ½ Stunden zum Campus fahren muss.

Die Uni in Spanien habe ich anfangs als etwas stressig erlebt. Es gibt zwar den Guia Docente in dem Informationen zu jeder Veranstaltung stehen, aber ich habe trotzdem etwas gebraucht um zu verstehen, welche Veranstaltungen wie Anwesenheitspflicht haben (z.B. sogenannte practicas) und wie sich die Benotung zusammensetzt. Da würde ich euch empfehlen direkt andere Studierende zu fragen oder die Freiwilligen vom ESN, falls ihr nicht alles versteht. Die können euch auch hilfreiche Tipps zu Zusammenfassungen und Altklausurfragen geben!

Generell wird in Madrid erwartet, dass auch während des Semesters regelmäßig Aufgaben abgegeben werden. Es gibt viel Gruppenarbeit und teilweise wird auch aktive mündliche Be-teiligung verlangt. Es gibt auch manchmal Veranstaltungen, die während des Semesters große Abgaben haben und dafür am Ende keine Klausur, was auch sehr angenehm ist. Das war bei mir z.B. in der Veranstaltung Psícologia Communitaria so. Bezüglich der Abgaben kann man bei Bedarf mit den meisten Dozierenden gut reden und die eventuell auch auf Englisch schreiben außerdem lohnt es sich für die Klausur wegen der Wörterbuchnutzung extra Zeit zu beantragen, weil die Zeit doch manchmal recht kurz bemessen ist.

Ich hatte eigentlich geplant parallel zu den Kursen noch einen Spanischkurs zu belegen, allerdings ist die Einstufung (zu der man sich vor Semesterbeginn online anmelden muss!) erst relativ spät und die Sprachkurse lagen zeitlich nicht so toll, so dass sich bei mir am Schluss meine Veranstaltungen mit dem zugeordneten Sprachkurs überschnitten haben und ich keinen machen konnte. Ich glaube viele der deutschen Erasmus-Studierenden machen davor und parallel einen Sprachkurs und lernen sich dort gut kennen. Da ich in keinem Sprachkurs war hatte ich mit den anderen deutschen Erasmus-Studierenden nicht so Anschluss, was aber auch den Vorteil hatte, dass ich mehr mit anderen internationalen oder spanischen Studierenden zu tun hatte und ich viel Spanisch in meinem Erasmus gesprochen habe.

Zusätzlich war ich während der Zeit noch im Unichor, der mich auch sehr nett aufgenommen hat und wodurch ich nochmal mehr Kontakt zu lokalen Personen in der Uni hatte. Die Kon-taktaufnahme war nur anfangs nicht ganz einfach, weil das Musiksekretariat nie auf meine E-Mails geantwortet hat, aber im Zweifelsfall einfach dem Chorleiter direkt schreiben oder not-falls bei der Probe vorbeikommen um ein kleines Vorsingen auszumachen.

Leben in Madrid

Das Leben in Madrid ist trotz und wegen der Größe der Stadt sehr angenehm. Es gibt eine große Auswahl an Aktivitäten und Ausflugszielen rund um Madrid und auch andere Landes-teile sind aufgrund der zentralen Lage gut zu erreichen. Ich war eigentlich die meiste Zeit in Madrid und Umgebung und bin nicht so viel gereist, weil ich finde, dass Madrid so schon so viel zu bieten hat. Es gibt eine Fülle an Cafés, Bars und Restaurants in Madrid, von denen die meisten auch gut bezahlbar sind und wenn man weiß, wo man suchen muss findet man auch viele leckere vegetarische und vegane Sachen.

Ich habe in Madrid schnell andere Erasmus-Studierende kennengelernt und auch mit meinen WG-Mitbewohnerinnen viel unternommen. Schnell Kontakte knüpfen kann man auf jeden Fall in Sprachkursen, über die ESN-Events und das Integration Weekend. Ich war anfangs auch bei ein paar ESN-Veranstaltungen dabei, allerdings waren mir die insgesamt ein bisschen zu partylastig, so dass ich da nicht wirklich aktiv war.

Besonders genossen habe ich die Märkte die es in Madrid gab. Sehr schön fand ich besonders den Markt der Cámara Agraria (1. Samstag im Monat) bei Park Casa de Campo auf dem man lokale Produkte probieren kann und für 3€ eine paar Weine verkosten kann und den Mercado de Motores (meist 2. Wochenende im Monat).