Wieso Salamanca?

Salamanca, Summer semester 2023 (Bachelor)

Salamanca war mir vor meiner Bewerbung nicht wirklich ein Begriff, ich verband damit eher einen Familiennamen aus Breaking Bad als eine spanische Stadt. Dass meine Wahl auf Salamanca fiel, war ehrlich gesagt ein pragmatischer Grund: Es war die einzige spanische Uni, die keinen Sprachnachweis erforderte. Für mich ideal, denn zum Zeitpunkt meiner Bewerbung begrenzte sich mein Spanisch ungefähr auf ¡Vamos a la playa! und ¡Una cerveza, por favor! und die Sprache zu lernen war meine größte Motivation nach Spanien zu gehen. Insofern kam ich mit relativ wenigen Vorerwartungen in die ähnlich wie Heidelberg große Studentenstadt, die etwas abgelegen in der ländlichen autonomen Region Castilla y Léon liegt.

Bewerbung und Vorbereitung

Der Bewerbungsprozess ist eigentlich relativ unkompliziert. Heidelberg bzw. unser Institut macht es einem zwar etwas schwerer als andere Unis, da bei uns ein Dozenten-Gutachten gefordert wird. Wenn ihr euch darum aber schon früh genug kümmert, habt ihr keinen Stress. Um nach Kursen für das Learning Agreement (oder einfach so aus Interesse) zu schauen, klickt auf den folgenden Link: https://guias.usal.es/node/127644 . Falls nicht mehr aktuell, googelt einfach nach dem aktuellen Guía académica der USAL für den grado en psicología. Nach der Zusage bekommt ihr dann irgendwann eine Mail von der USAL und müsst euch dort online registrieren sowie (leider) deren obligatorische und nicht gerade günstige Kranken- und Unfallversicherung abschließen. Was ich zudem empfehlen kann: Sucht mal auf Facebook nach „Erasmus Salamanca“. Dort findet ihr viele Gruppen und Links zu Whatsapp-Gruppen, was durchaus nützlich sein kann, wenn man sich vorab schon mal ein bisschen vernetzen will. Und, wichtig: falls ihr, wie ich, noch kein oder wenig Spanisch könnt, geht vorher unbedingt in einen Sprachkurs, sodass ihr mit wenigstens ein paar Vorkenntnissen ankommt.

Wohnung

Ich habe hier in vorherigen Erfahrungsberichten den Tipp gelesen, dass man sich leicht vor Ort ein günstiges Zimmer suchen kann. Hätte ich mich mal daran gehalten… Da ich Ende Januar, kurz vor Beginn, aber in WhatsApp-Gruppen immer wieder auf Nachrichten von Leuten stieß, die bereits vor Ort waren und sich bei der Suche schwer taten, machte sich irgendwann Panik bei mir breit. Was ist, wenn ich in Salamanca ankomme, und alle guten Zimmer bereits vergeben sind? Als ich in einer WhatsApp-Gruppe für Psychologie-Studis dann eines Tages ein ansprechendes Zimmerangebot fand, schlug ich sofort zu. Dieses Zimmer hatte ich dann bereits vor meiner Ankunft zugesichert bekommen. Nach den ersten Tagen in diesem Zimmer, merkte ich aber recht schnell, dass es mir nicht gefällt. Es war viel zu hellhörig und dunkel; in mein ins Patio blickende Fenster verirrte sich nur wenig Tageslicht. Auch die Lage war nicht ideal. Nun muss man zwar akzeptieren, dass der spanische Standard generell niedriger ist als in Deutschland. Doch in diesem Zimmer fühlte ich mich überhaupt nicht wohl. Ich suchte auf Idealista nach anderen Angeboten und wurde zum Glück fündig. Anfang März zog ich dann in ein Zimmer im Barrio del Oueste, dem Studentenviertel. Die psychologische Fakultät befindet sich leider ziemlich abgelegen im Norden der Stadt. Daher empfehle ich, nach einer Wohnung im nördlichen Teil des Zentrums oder im Barrio del Oueste zu suchen. Es bringt nichts zu nah an der Fakultät zu wohnen, da ihr sonst in einem langweiligen Viertel ohne junge Leute seid, und lange ins Centro laufen müsst. Den Fehler habe ich mit meinem ersten Zimmer begangen. Preislich ist der Wohnungsmarkt Salamancas zum Glück deutlich entspannter als der von Heidelberg. Meine Miete lag bei 210 bzw. 250 € monatlich (+ ca. 40 € Nebenkosten).

Leben in Salamanca

Salamanca hat ein tolles historisches Zentrum mit der vielleicht schönsten Plaza Mayor Spaniens. Was ums Zentrum herum gebaut wurde ist aber fast schon großstädtisch anmutend und nicht besonders schön. Neben dem Zentrum ist eigentlich nur noch das bereits erwähnte Barrio Del Oueste mit seiner Street Art interessant. Am Wochenende lohnen sich Ausflüge ins Umland, z.B. ins Bergdorf La Alberca. Viele Trips werden vom Erasmus Netzwerk (ESN Salamanca) oder privaten Anbietern organisiert. Die Angebote sind meistens günstig und insbesondere am Anfang des Semesters gut geeignet, um Leute kennenzulernen. Neben solchen Tages- oder Wochenendausflügen werden auch andere Aktivitäten organisiert, z.B. Language Exchange, Karaoke oder diverse Motto-Partys, die es einfach mal auszuprobieren lohnt. Für Ausflüge empfehle ich vor allem den Anbieter Salamanca Erasmus Trips.

Das Nachtleben Salamancas hat viel Potenzial mit super vielen Studentenbars und Clubs. Wenn man aus Heidelberg kommt, kann man es kaum glauben, wie viel Auswahl es gibt. Leider lässt der Musikgeschmack der Spanier jedoch zu wünschen übrig. So wird in 95 % der Clubs und Bars überwiegend eintöniger Reggaeton gespielt. Zum Glück gibt es das Paniagua, eine etwas abgeranzte aber legendäre Bar, wo nur englische Lieder gespielt werden. Am Wochenende ist das „Pani“ der Place to be und Treffpunkt und erste Anlaufstelle für Erasmus-Leute, bevor man zwischen 2 und 3 in die Clubs weiterzieht. Das Nachtleben in Spanien beginnt und endet spät.

Studieren an der USAL – Tipps für zukünftige Studis

Am Anfang war jeder überfragt und überfordert. Uns wurde zwar eine Info-Veranstaltung für Psychologie angeboten, die jedoch erst zwei Wochen nach Semesterbeginn stattfand. Also zwei Wochen zu spät. Insofern musste man sich alles irgendwie selbst zusammenreimen. Um zukünftigen Studis zu helfen, teile ich an dieser Stelle mal Infos, die mir damals geholfen hätten. Ich hoffe ich schweife nicht zu sehr ab.

Die spanischen Studierenden haben ein festes Curriculum je nach Studienjahr. Da man als Erasmus-Student an Kursen aller Jahre teilnehmen kann, muss man sich seinen Stundenplan selbst zusammenbasteln. Hier hilft das Horario (gibt’s online beim Guía Academica), in dem alle Veranstaltungen verzeichnet sind. In der Regel gibt es pro Kurs jede Woche eine dreiviertelstündige Vorlesung (Teoría) und zwei Praxis-Einheiten à 70 Minuten in kleineren Gruppen (Prácticas). Abweichungen hiervon gibt es für Kurse mit weniger Credits oder bei den Optativas aus dem vierten Studienjahr. Je nach Nachnamen werden die Spanier für die Teoría in zwei Gruppen (A und B) und für die Prácticas nochmals in weitere Untergruppen (A1-A3 bzw. B1-B3) aufgeteilt. Die Veranstaltungen in diesen (Klein-)Gruppen finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Als Erasmus-Student seid ihr, egal was euch manche unwissenden Professoren vielleicht sagen werden, nicht an diese Gruppen durch euren Nachnamen gebunden. Stattdessen entscheidet ihr euch pro Kurs für eine Gruppe, so wie ihr es zeitlich am besten koordinieren könnt.

Achtung: Nur für die erste Woche des Semesters gilt ein Sonder-Stundenplan (steht auch im Horario). Warum auch immer, finden in der ersten Woche nur Teorías statt. Es ist vollkommen in Ordnung, in der ersten Woche in verschiedene Kurse hineinzuschnuppern. Dies würde ich euch auch ans Herz legen, da ich von vielen Erasmus-Studis gehört habe, die unzufrieden mit ihren Kursen oder Profs waren. Schaut, ob ihr die Dozierenden gut verstehen könnt (manche reden schnell oder nuscheln) und ob sie euch symapthisch sind, und fragt die Kommilitonen nach dem Arbeitsaufwand. Dieser kann sich je nach Kurs erheblich unterscheiden, ungeachtet der Credits. Das Learning Agreement könnt ihr vor Ort nochmal ändern, es ist nichts in Stein gemeißelt. Um Zugang zu den Kursen auf Moodle (bzw. „Studium“, wie es hier heißt) zu erhalten, müsst ihr euch nach Änderung der Learning Agreements ans Sekretariat wenden. Eine Selbsteinschreibung ist leider nicht möglich.

Am Ende des Semesters stehen Klausuren an. Meist handelt es sich um Multiple-Choice-Fragen (hier nur als „Tipotest“ bekannt), die sich in ihrer Schwierigkeit je nach Kurs und Prof sehr unterscheiden können. Für falsche Antworten gibt es leider so gut wie immer Punktabzüge. Die Klausurnote bestimmt in der Regel zu 60 oder 70 % die Gesamtnote. Der Rest wird durch die Note aus den Prácticas bestimmt. Je nach Kurs gehen dazu schriftliche Abgaben, Gruppenarbeiten, Präsentationen oder auch die Anwesenheit in die Note mit ein. In den meisten Prácticas herrscht Anwesenheitspflicht, die unterschiedlich genau kontrolliert wird.

Das spanische System hat zur Folge, dass die Spanier 4 Jahre lang den Großteil ihres Studiums mit den gleichen 35 Leuten in ihrer Kleingruppe verbringen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sie Austauschstudis nicht sehr offen gegenüber sind. Ich habe mich darüber mit vielen Anderen unterhalten und fast alle waren enttäuscht von den spanischen Kommilitonen. Hinzu kommt, dass die wenigsten gut Englisch sprechen und sich auch nicht bemühen ihr Spanisch für die Kommunikation mit einem Nicht-Muttersprachler anzupassen. Das spanische System fördert auch nicht wirklich den Kontakt mit anderen Sprachen und mit englischsprachigen Papern kommen spanische Psychologie-Studierende, wenn überhaupt, nur selten in Berührung. Es hat mich beinahe schockiert mit was für einer Selbstverständlichkeit das Spanische überall im Studium vorherrscht. Zwar gab es zum Glück auch ein paar offenere Spanier (insbesondere nach der Erledigung gemeinsamer Gruppenarbeiten hatte ich den Eindruck, dass das Eis gebrochen und der Kontakt leichter war), aber grundsätzlich blieb die überwiegende Mehrheit aller Austausch-Studis unter sich in einer „Erasmus-Bubble“.

Meine Kurse an der USAL

Da die Kurswahl ĂĽberfordernd sein kann, gebe ich hier Empfehlungen und Einblicke, was ich so erlebt habe. Wenn ihr euch Kurse anrechnen lassen wollt, ist Salamanca eine gute Wahl, da es z.B. Pendants zu Gesundheitspsychologie, Diagnostik, Diff I und II, A&O u.v.m. gibt. Es werden nur Kurse auf Spanisch angeboten.

Diferencias Individuales: Eine klare Empfehlung! Antonio (die Profs redet man hier mit Vornamen an) ist super nett, hilfsbereit und fair. Er legt allerdings Wert auf Anwesenheit (auch in der Teoría) und lässt diese mit 10 % in die Gesamtnote einfließen. Die Note für die Prácticas bestimmte eine Gruppenarbeit, die wir zu einem selbstgewählten Zeitpunkt in einem Livestream online präsentieren sollten. Als Ausgleich für die Arbeit fielen während des Semesters viele Prácticas aus. Als einziger Erasmus-Studi im Kurs landete ich in einer Gruppe mit 6 Spaniern. Die Gruppenarbeit war super chaotisch und bei unserem Livestream ging schief, was nur schief gehen konnte. Es war aber eine lustige Erfahrungen und vom Prof (der sich unseren Livestream sicherlich nie angeschaut hat) bekamen wir sogar die Bestnote (wie vermutlich jede Gruppe, die irgendwas auf die Beine gestellt hat). Die Klausur ist gut machbar. Es hatten sich auf dem Fragenblatt allerdings mehrere Fehler eingeschlichen, die dem Prof erst während der Klausur auffielen, uns so unterbrach er uns zweimal, um uns zu diktieren, wie die Fragen bzw. die Antwortmöglichkeiten eigentlich hätten lauten sollen.

Diagnóstico Psicológico: Dieser Kurs war bei internationalen Studis beliebt und bestand aus zwei Teilen, mit verschiedenen Profs. Die erste Hälfte bei Guadalupe hat mir sehr gut gefallen und war mein Lieblingskurs! Sie ist eine sehr sympathische Professorin und eine der wenigen, die regelmäßig auf uns Erasmus-Studis zukam und Hilfe anbot. In ihren Prácticas wurden wirklich interessante Fallbeispiele aus klinischen, forensischen oder schulpsychologischen Kontexten bearbeitet. Hierfür standen u.a. Ergebnisse aus verschiedenen psychologischen Messinstrumenten zur Verfügung, sowie Hintergrundinfos, diagnostische Interviews und mehr. Diese mussten miteinander in Verbindung gesetzt werden, um schließlich z.B. mit Hilfe des DSM eine Diagnose vorzuschlagen oder um die Schuldfähigkeit angeklagter Straftäter zu beurteilen. Auch der zweite Teil des Kurses war interessant, als z.B. Unterschiede zwischen psychologischer und medizinischer Diagnostik diskutiert wurden. Auch auf Schwächen von DSM und ICD wurde eingegangen und alternative Diagnose-Systeme vorgestellt. Allerdings war der zweite Prof nicht so gut strukturiert, was die Klausurvorbereitung ein wenig erschwerte.

Psicología de la Salud: Achtung! Gruppe A und B hatten unterschiedliche Dozentinnen. Die von Gruppe A hatte den Ruf extrem streng zu sein, gab Studierenden, die nur wenige Minuten zu spät waren, den Todesblick und verweigerte ihnen den Zutritt zum Raum. Außerdem war sie die Einzige, die bereits während des Semesters eine zusätzliche Klausur verlangte. Wenig überraschend wechselte ich daher zu Gruppe B bei Beatriz, einer Praktikerin, die jahrelang als Psychologin in einem Krankenhaus gearbeitet hat. Aber auch Beatriz hatte es in sich. Wenn sie am Ende der Vorlesung ein paar Minuten übrig hatte, nahm sie gerne mal zufällig Leute dran und ließ sich die Stunde zusammenfassen oder stellte kritische Nachfragen. Auch ich war leider einmal einer der Glücklichen, und sollte in der ersten Woche (auf Spanisch!) den anderen 120 Studierenden erklären, mit welchen Sofortmaßnahmen Psychologen in Deutschland intervenieren, um bei Opfern akuter Krisen ein Trauma zu vermeiden. Da ich dies nichtmals auf Deutsch hätte beantworten können, stammelte ich nur „No lo sé“, womit sich Beatriz aber nicht zufrieden gab und weiter nachhakte. Bis auf diesen Tiefpunkt war der Kurs aber in Ordnung und Beatriz war bei den Spaniern trotz alledem überraschend beliebt. In den Prácticas sollten öfters Interventionen geplant und zum Teil vorgestellt werden. Hier konnte ich die Professorin durch Bezug auf empirische Forschung schwer beeindrucken. Ansonsten waren die Prácticas nämlich sehr unwissenschaftlich. Die Spanier sprachen in ihren Vorträgen munter Empfehlungen aus ohne diese jemals zu begründen oder mit einer Quelle zu belegen. Wenn wir keine Intervention aus dem Bauch heraus zaubern sollten, schauten wir uns in den Prácticas schon mal Hollywood-Filme an. Was ich persönlich an diesem Kurs jedoch wirklich gut fand war, dass ausführlich auf die Rolle der Familien bei der Versorgung chronisch Kranker eingegangen wurde und auf psychologische Dynamiken, die sich hierbei ergeben. Ein interessanter Aspekt, der in Deutschland, soweit ich weiß, überhaupt nicht behandelt wird.

In der Klausur durften wir Erasmus-Studis uns zwischen Multiple-Choice oder einem Essay entscheiden, der sogar auf Englisch geschrieben werden konnte. Sehr nett, aber leider hat uns das vorher keiner mitgeteilt.

Recursos Humanos: In diesem Kurs könnte man theoretisch viel lernen und gerade, wenn man sich für A&O interessiert, sind die Inhalte spannend. Leider hörte sich der Prof gerne selbst reden und kam häufig vom Thema ab, deshalb war es manchmal schwer durchzuhalten. Nicht zuletzt, weil dieser Kurs einmal pro Woche im Block von 18 bis 20:45 Uhr stattfand. Für Deutsche also sehr gewöhnungsbedürftige Zeiten und in der letzten Stunde wurde ich meist von Müdigkeit und einem knurrenden Magen geplagt. Es handelte sich hierbei um den lernintensivsten Kurs, den ich hatte. Die spanischen Kommilitonen hatten richtig Panik vor der Klausur. Die MC-Fragen waren zwar nicht zu anspruchsvoll, aber in der Fülle des Lernmaterials lag die Schwierigkeit. Als Hindernis kam hinzu, dass die Klausur im Computerraum der Uni auf Moodle geschrieben wurde. Ich war zunächst beeindruckt, dass die Uni Salamanca lauter iMacs besaß. Die Begeisterung verschwand aber recht schnell, als ich einen von ihnen anschaltete und sah, dass auf den iMacs Windows XP installiert war. Da mein PC unfassbar langsam war, musste ich zwischendurch wechseln. Auch bei ein paar Kommilitonen stürzte während der Klausur auf einmal der Computer ab. Zum Schluss gab es dann auch noch einen Stromausfall und alle PCs fielen aus. Diejenigen, die noch nicht fertig waren, mussten sich am Handy auf Moodle einloggen, um die Klausur zu beenden. Es war die mit Abstand chaotischste Klausurerfahrung meines Lebens, aber ich muss jedes Mal lachen, wenn ich daran zurück denke.

Psicología Social II: Ein sehr interessantes Fach mit spannenden Fragestellungen, wie z.B. was gute und böse Menschen aus psychologischer Sicht ausmacht, bzw. inwieweit diese Unterteilung überhaupt gelingt. Die Klausur besteht aus „richtig oder falsch“ Fragen. Für jede falsche Antwort wird allerdings ein ganzer Punkt abgezogen, und so fielen in diesem Fach viele Leute durch und kaum jemand hatte gute Noten (sehr gute Noten sowieso nicht). Zudem kommt, dass die Dozentin sehr, sehr schnell redet. Daher würde ich den Kurs nicht empfehlen. Zumindest nicht, wenn man ihn sich anrechnen lassen möchte.

Sonstige Kurse und Tipps: Wählt auf keinen Fall Psicofarmacología. Hier flossen nach der Klausur zugleich bei spanischen und internationalen Studierenden die Tränen. Unter den Spaniern gibt es angeblich einige, die wegen diesem harten Kurs ihr Studium schon um mehrere Jahre verlängern mussten. Ansonsten habe ich Positives über Psicología del Deporte gehört, was ebenfalls bei Antonio ist, dem Prof aus Diferencias Individuales. Hier macht die bloße Anwesenheit 70 % der Note aus.

Zum Schluss noch drei Tipps:

  • Unterschätzt den Winter nicht! Ende Januar und Anfang Februar sind die Nächte eisig und wenn man morgens gegen 8:30 Uhr zur Uni läuft, herrschen schonmal Temperaturen von -11 Grad. DafĂĽr wird es im Laufe des Tages deutlich wärmer und es ist spĂĽrbar sonniger als zur gleichen Zeit in Deutschland. Auch sind die Tage länger.
  • Passt im Club auf eure Jacken auf! Ich wurde gewarnt, dass in Clubs und Bars extrem häufig Jacken, Taschen, etc. gestohlen werden und trotz der Warnung wurde auch mir meine einzige Winterjacke geklaut.
  • FĂĽr einen gĂĽnstigen Preis (ca. 180 €) bieten manche Erasmus-Organisationen eine fĂĽnftägige Rundreise in Marokko an. Wenn ihr direkt bei der Partner-Organisation bucht („Viaje en Marruecos“) wird es sogar noch gĂĽnstiger. Auch wenn es nichts direkt mit Salamanca zu tun hat, war diese Reise eines meiner absoluten Highlights. Vom Flughafen Madrid aus seid ihr ĂĽbrigens schneller in Marrakesch als in Deutschland, es lohnt sich also.

Mein ehrliches Fazit

Ich bin sehr froh, dass ich die Chance bekommen habe und nach Salamanca gehen durfte. Hier konnte ich in kürzester Zeit so viel Spanisch lernen, wie es woanders kaum möglich gewesen wäre. Natürlich war es anfangs ein Sprung ins kalte Wasser, aber genau den habe ich benötigt. Auch für die Leute, die ich hier kennengelernt habe, bin ich dankbar und blicke ich auf viele ereignisreiche Wochen und lustige Momente zurück. Es war ehrlich gesagt aber auch eine Zeit mit Höhen und Tiefen und anders als bei meinen vorherigen Auslandserfahrungen in Kanada und USA habe ich es als schwer empfunden (über die internationale Community hinaus) Anschluss zu finden. Damit war ich definitiv nicht der Einzige, meiner mexikanischen Mitbewohnerin ging es z.B. genauso. Sie hatte mit ihren spanischen Kommilitonen dieselben Erfahrungen wie ich und bei ihr konnte es ja nicht an Sprachbarrieren liegen. Auch wenn ich dies ein wenig schade finde und ich mich frage, ob es in Großstädten wie Madrid vielleicht einfacher ist und die Leute offener sind, hätte ich meine Zeit in Salamanca definitiv nicht missen wollen.