Erfahrungsbericht Limerick, SoSe 2022

Limerick, Summer semester 2022 (Bachelor)

Vorbereitung und Ankunft

Ich wollte schon von Beginn meines Bachelorstudiums an ein Auslandssemester machen, und dabei war Irland immer mein Favorit. Ich finde das Land sehr sch├Ân und hatte auch Lust, mal an einer richtigen Campus-Uni zu studieren und das Leben dort mitzukriegen. Au├čerdem fand ich die Vorstellung, mein (fachliches) Englisch zu verbessern und keine Sprache neu lernen zu m├╝ssen, verlockend. Das Bewerbungsverfahren ist ziemlich unkompliziert und Frau Lorenz beantwortet auch schnell und unkompliziert alle Fragen, die noch offen bleiben. Die Uni Limerick schickt, sobald man offiziell auch da angenommen wurde, einen 8-Wochen Countdown per Mail, in dem alle wichtigen Infos zusammengefasst sind. Insgesamt waren alle sehr darauf bedacht, einem die Vorbereitung und Ankunft so leicht und unkompliziert wie m├Âglich zu machen!

Mein Hinflug ging am 16. Januar von Frankfurt nach Dublin. Die Uni in Limerick bietet einen kostenlosen Shuttleservie vom Dublin Airport nach Limerick (direkt vor die Haust├╝r) an. Ich habe meiner Villageverwaltung vorher mitgeteilt, wann ich ankomme. In Dublin am Flughafen hat dann jemand mit einem Schild f├╝r alle Studierenden der Uni Limerick gewartet. Nachdem wir noch eine Stunde auf einige andere Fl├╝ge gewartet haben, ging es dann mit allen im Reisebus los Richtung Limerick. Ich w├╝rde allen empfehlen, das Angebot des Shuttles anzunehmen, da es kostenlos und sehr bequem ist, andere Busse nicht direkt zur Uni fahren und man sogar schon die M├Âglichkeit hat, Leute kennenzulernen. Die Fahrt nach Limerick dauert ca. 2,5 Stunden. Ich wurde direkt in meinem Village rausgelassen, konnte mir dort an der Rezeption meine Schl├╝sselkarte abholen und dann auch direkt mein WG-Zimmer beziehen.

Die ersten Tage in Limerick fand dann eine kleine Einf├╝hrungswoche f├╝r alle internationalen Studierenden statt, so dass auch der Start ins Uni-Leben gut organisiert und begleitet wird.

Wohnungssuche und Unterkunft

In Limerick gibt es grunds├Ątzlich zwei Optionen: Man kann sich privat eine Wohnung oder WG in der Stadt suchen oder sich auf ein Zimmer in den Student Villages bewerben, die haupts├Ąchlich auf dem Campus der Uni sind. Ich pers├Ânlich hatte Lust, das Campusleben richtig mitzukriegen und habe mich deshalb f├╝r diese Option entschieden. Da ich eigentlich fast meine komplette Zeit auf dem Campus verbracht habe, und der auch sch├Âner / gem├╝tlicher ist als die Stadt, war ich mit dieser Entscheidung absolut zufrieden. Wenn man sich entscheidet, ein Zimmer in der Stadt zu suchen, kann man mit etwas Gl├╝ck ein bisschen Geld sparen (meiner Erfahrung nach haben die Zimmer dort). Daf├╝r muss man allerdings auch jeden Tag mit dem Bus zum Campus hin und zur├╝ck fahren, was zwar nicht allzu teuer ist (ca. 90 Cent pro Fahrt mit der Leap Card), aber auf den Monat gerechnet dann doch wieder einiges ausmacht. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten.

Ich habe im Thomond Village (Achtung: Es gibt eines on-campus, in welchem ich gewohnt habe, und eines off-campus in der Stadt) gelebt und war damit auch absolut zufrieden! Die Mietpreise sind leider ├╝berall in Irland sehr hoch, so dass ich f├╝r mein Zimmer ca. 800ÔéČ im Monat bezahlt habe. Ich habe in einer 6er-WG gelebt, die international gemischt war. Im Thomond-Village hat jedes Zimmer ein Doppelbett (was alle Villages au├čer Plassey haben) und ein eigenes Bad. Die K├╝che und ein gro├čes Wohnzimmer mit Esstisch und St├╝hlen, Sofas und einem Fernseher sowie den Balkon haben wir uns geteilt. Im Village gibt es einen Laundry-Room in dem man f├╝r 3ÔéČ waschen und f├╝r nochmal 3ÔéČ auch den Trockner benutzen kann. Die Rezeption ist jeden Tag bis abends besetzt, dort kann man eigentlich immer hin wenn es irgendwelche Probleme gibt.

Das Leben auf dem Campus ist ein tolles Erlebnis, das sich vom Uni-Alltag in Deutschland mal ein bisschen unterscheidet. Wer gerne zu Fu├č zu den Vorlesungen geht und auch die verschiedenen Angebote der Clubs und Societies ausnutzen will, dem w├╝rde ich eine Unterkunft auf dem Campus sehr empfehlen. Ich hatte au├čerdem gro├čes Gl├╝ck mit meiner WG, da ich mich mit all meinen Mitbewohner*innen super verstanden habe und wir auch alle sehr viel und gerne Zeit miteinander verbracht haben. Ich fand es aber auch super, in einem ganzen Haus voller WGs zu leben und mich auch mit den anderen (haupts├Ąchlich internationalen) Studierenden zu connecten.

Das Bewerbungsverfahren f├╝r die Student Villages l├Ąuft online ab, man kann dabei verschiedene Priorit├Ąten angeben und erf├Ąhrt einige Wochen sp├Ąter, ob und welcher Platz einem angeboten wird.

Leben und Studieren

Studium

Alle Kurse an der UL (abgesehen von den Fremdsprachen) werden auf Englisch abgehalten. Daf├╝r reicht ein B2 Sprachniveau aber absolut aus. Die Dozierenden geben sich meiner Erfahrung nach gro├če M├╝he, die internationalen Studierenden so gut es geht zu unterst├╝tzen. Was die Wahl der Kurse angeht hat man die ersten zwei Wochen die M├Âglichkeit, alle Kurse anzugucken und anschlie├čend (in Absprache mit Frau Lorenz und dem oder der Koordinator*in vor Ort) eine Entscheidung zu treffen. Um die verlangten 20ECTS-Punkte zu erreichen, muss man im Regelfall vier Kurse belegen. Ich habe mich f├╝r einen Psychologie-Kurs (Political-Psychologie), zwei Soziologie-Kurse (Sociology of Crime, Deviance and Social Control und Sociology of Love and its dark side) und einen Literatur-Kurs (Feminist Literary Theory) entschieden. Ich fand es super, die M├Âglichkeit zu nutzen, mal v├Âllig andere Kurse und F├Ącher zu studieren, da ich f├╝r meinen Psychologie-Bachelor schon so gut wie alle Kurse abgedeckt hatte und mir alle Kurse nur als unbenotete Zusatzleistungen in mein Transcript schreiben lassen wollte. Da viele der Kurse eigentlich f├╝r den Master oder das vierte Bachelor-Jahr vorgesehen waren und ich noch dazu fachfremd war, habe ich mich Anfang des Semesters mit allen Dozierenden kurz abgesprochen ˘ÇŹ┤ die Teilnahme war aber nie ein Problem, und ich habe mich trotz den ungewohnten F├Ąchern nicht ├╝berfordert gef├╝hlt und alle Kurse gut bestanden. In jedem Kurs gibt man zwei Pr├╝fungsleistungen ab, eine zur H├Ąlfte des Semesters und eine am Ende. Dabei kann es sich um Referate, kurze Essays oder Klausuren handeln. Ich fand meine Kurse alle extrem interessant und w├╝rde jeden davon weiterempfehlen, wobei ich insbesondere an den nicht-psychologischen F├Ąchern viel Spa├č hatte. Sociology of Crime war mein Lieblingskurs und ich w├╝rde ihn weiterempfehlen, da die Dozentin auch besonders engagiert und selbst von ihrem Fach absolut begeistert ist. In vielen Kursen wird zus├Ątzliche ein Tutorium angeboten, welches mal mehr und mal weniger genutzt wird, aber meistens auch sehr interessant ist.

Alltag und Freizeit

Abgesehen von den Kursen ist auch das Leben auf dem Campus super vielf├Ąltig und spannend. Es gibt eine riesige Sportarena mit Fitnessstudio, Schwimmbad, Kletterhalle und allen m├Âglichen Trainingsfl├Ąchen. Um diese zu nutzen, bietet es sich besonders an, sich Anfang des Semesters bei Clubs und Societies anzumelden. Hier sind wirklich alle Interessen vertreten - fast jede Sportart wird in Form eines Clubs angeboten, aber es gibt auch eine Feminist-Society, eine Foto-Society, eine Crafting-Society und vieles mehr. Ich habe mich f├╝r den Boxing-Club und den Outdoor Pursuits Club (OPC) entschieden. Insbesondere den OPC w├╝rde ich absolut weiterempfehlen! F├╝r 5ÔéČ Semesterbeitrag kann man 3-mal die Woche in der (wirklich gut ausgestatteten, relativ gro├čen) Kletterhalle klettern gehen und auch sichern etc. lernen. Au├čerdem wird fast jedes Wochenende ein Ausflug angeboten. Mal geht es wandern, mal klettern und mal zum Caving (wof├╝r man aber vorher mal zum Training gehen muss). Insbesondere durch die Wanderausfl├╝ge mit dem OPC habe ich wirklich wundersch├Âne Ecken in Irland entdeckt, die ich privat wahrscheinlich niemals bereist h├Ątte. Auch als Wander-Anf├Ąngerin hatte ich super viel Spa├č und habe, abgesehen davon, auch wirklich viele nette Leute durch den OPC kennengelernt.

Neben den Clubs und Societies ist auch das Leben auf dem Campus an sich nie langweilig. Ich habe viel Zeit mit meiner WG und den anderen (vor allem internationalen) WGs in unserem Haus verbracht. Au├čerdem bietet die Uni fast jedes Wochenende einen Tagesausflug an die verschiedensten Orte in Irland an, was auch eine tolle und g├╝nstige M├Âglichkeit ist, was vom Land zu sehen. Gerade f├╝r die St├Ądte wie Cork, Galway und Dublin w├╝rde ich aber auf jeden Fall empfehlen, einen privaten Ausflug mit Freund*innen zu planen und in den Hostels zu ├╝bernachten. F├╝r andere Ziele, insbesondere Nationalparks oder abgelegenere Orte, w├╝rde ich die Ausfl├╝ge aber sehr empfehlen, da diese sonst schwer zu erreichen sind.

Die Stadt Limerick ist zwar nicht die sch├Ânste in Irland, aber ein Ausflug in die lokalen Pubs lohnt sich nat├╝rlich trotzdem immer.

Das Leben in Irland ist generell teurer als in Deutschland. Neben den sehr hohen Mietpreisen f├Ąllt das beim Lebensmitteleinkauf und insbesondere bei alkoholischen Getr├Ąnken und Essen in Restaurants auf. Vom Campus aus sind die n├Ąchsten Superm├Ąrkte Lidl und Aldi. Beide sind zu Fu├č in ca. 30 Minuten zu erreichen, es gibt aber auch jeden Montag einen kostenlosen Shuttle-Service zum Lidl und zur├╝ck. Alternativ kann man sich an der Rezeption des Villages kostenlos Fahrr├Ąder ausleihen.

Fazit

Mein Auslandssemester in Irland war eine wirklich tolle Erfahrung! Ich habe mich sehr in das Land verliebt und werde definitiv nochmal dort hin reisen. Das Leben und Studieren haben mir sehr gut gefallen, und ich habe wirklich nette Menschen kennengelernt, mit denen ich auch nach meiner R├╝ckkehr noch Kontakt habe. Ich kann ein Auslandssemester in Limerick absolut empfehlen und w├╝rde mich jederzeit wieder daf├╝r entscheiden!