Aarhus WS 2021/22 (BSc)

Aarhus, Winter semester 2021/2022 (Bachelor)

Ich erhielt durch das ERASMUS-Stipendium die Möglichkeit, zwischen August und Dezember 2021 an der Aarhus Universitet (AU) in Aarhus, Dänemark zu studieren.

Vor Beginn des Semesters

Ich habe die AU als sehr organisierte und gut strukturierte Universität kennengelernt. Besonders für internationale Studierende stehen unzählige Informationsseiten bereit, auf denen man sich ausführlich über Wohnangebote, notwendige Versicherungen, die Universität, etc. informieren kann. Hier stehen viele nützliche und alltagsnahe Tipps, es lohnt sich also auf jeden Fall, sich diese Seiten mal anzusehen.

Ich musste alles, was zur Registrierung an der Universität erforderlich war, wie auch die Kurswahlen bereits im März/ April bevor Semesterstart im August erledigen, sodass kurz vor dem Semester nichts mehr zu tun war. Wenn man Fragen hat, kann man dem International Office jederzeit schreiben und bekommt eine sehr freundliche und hilfreiche Antwort zurück.

Wohnen

Die AU bietet an, internationalen Studierenden über „AU Housing“ Wohnmöglichkeiten zu vermitteln. Das ist eine super Möglichkeit, die man auf jeden Fall nutzen sollte! Einige der Angebote liegen allerdings sehr weit außerhalb/ schon in anderen Städten. Daher lohnt es sich, die angebotenen Wohnungen vorher mal bei Google Maps zu suchen, um nicht von einem langen Weg zur Uni überrascht zu werden und seine Präferenzen richtig einstellen zu können.

Viele meiner Freund:innen in Aarhus haben in Dorms gelebt und haben ausnahmslos (!) davon geschwärmt. Die Wohnheime scheinen in Dänemark nicht so anonym zu sein wie in Deutschland. Stattdessen habe ich oft gehört, dass mindestens 1x pro Woche (oder öfter) gemeinsam gekocht und gegessen wurde, Partys organisiert wurden, etc.. Insbesondere wenn viele internationale Studierende in einem Wohnheim gewohnt haben, wurden viele gemeinsame Aktivitäten unternommen. Ansonsten bieten sie sicher auch eine tolle Möglichkeit, mal ein paar Einheimische kennenzulernen, was in den sonst fast ausschließlich für ERASMUS-Studierende ausgelegten Kursen etwas zu kurz kommen kann.

Von „International Houses“ habe ich eher Gemischtes gehört. Hier wohnen, wie der Name bereits verrät, ca. 6-10 internationale Studierende gemeinsam in einem Haus. Viele waren sehr begeistert von dem Gemeinschaftssinn in den Häusern, da auch hier gerne zusammen gekocht wurde, Filmabende gemacht und Tagesausflüge und Partys organisiert wurden. Negativ wurde v.a. berichtet, dass die meisten der Häuser relativ weit außerhalb lagen. Ansonsten sind sie sicherlich auch eine super Möglichkeit, um gleich am Anfang Freundschaften zu finden und sich nicht so alleine zu fühlen. Ich habe leider keinen Platz über AU Housing bekommen, da die AU meine E-Mailadresse mit einem Tippfehler abgespeichert hatte und daher die Registrierung nicht früh genug funktioniert hat. Denn hier ist ganz wichtig: Es gilt first come – first served! Am besten also den Beginn der Bewerbungsphase gleich in den Kalender eintragen und sich sofort am ersten Tag bewerben. Dann hat man auch wirklich sehr gute Chancen, einen Wohnplatz vermittelt zu bekommen. Das lohnt sich sehr, da die Wohnungen auf dem Privatmarkt sehr teuer sind (meines Eindrucks nach lag der Durchschnitt bei ca. 530€).

Studieren

Mir hat das Studieren an der AU sehr, sehr gut gefallen. Es gab bei der Kurswahl zwar keine Auswahlmöglichkeiten (ich musste 3 Seminare belegen und 3 wurden angeboten), aber mir hat jedes der Seminare sehr gut gefallen. Ich habe die Kurse „Spontaneous Cognition and Sleep“ (war wirklich super, das kann ich ganz klar weiterempfehlen), „Ethics and Moral Psychology” und “Applied Social Psychology” besucht, die alle auf Englisch stattfanden. Allgemein habe ich die Kursleitenden, wie auch die Fachkoordinator*innen im International Office als sehr engagiert und freundlich kennengelernt. An den Seminaren hat mir besonders gefallen, dass im Gegensatz zu deutschen Universitäten meines Eindrucks nach sehr viel mehr diskutiert und Wert auf die Anwendung des Wissens gelegt wurde. Gleichzeitig empfand ich die Lernatmosphäre als sehr angenehm und motivierend und die Seminarleitenden waren sehr um uns Studierende bemüht. Wenn man für einen Kurs eine Note haben möchte, muss man am Ende des Semesters eine Hausarbeit schreiben – Lasst euch hierbei nicht davon abschrecken, dass die Kurse mit 10 ECTS-Punkten bewertet werden. Man bekommt wirklich viel Hilfe bei den Hausarbeiten (auch wenn man zum Teil danach fragen muss) und sie sind bzgl. der Fragestellung auch nicht schwerer, als eine normale Hausarbeit in einem Seminar in Heidelberg. Außerdem vielleicht erwähnenswert ist, dass sich die AU Mühe gibt, in den meisten Kursen, die für internationale Studierende angeboten werden, die Prüfungen so zu legen, dass man vor Weihnachten fertig ist, um über Weihnachten nach Hause fahren zu können. Für alle meiner Hausarbeiten lag die Deadline am 21.12., aber auch Klausuren in anderen Fächern waren größtenteils noch im Dezember.

Leben in Aarhus

Erstmal vorab: Aarhus ist eine wirklich beeindruckende und wunderschöne Stadt, wie man sie aus Deutschland (finde ich) gar nicht so kennt.

Wenn man ein ERASMUS-Semester in Dänemark machen möchte, muss man damit rechnen, dass die Lebenserhaltungskosten sehr viel höher sind, als in Deutschland. Zwar ist auch die monatliche ERASMUS-Förderung höher als in anderen Ländern, aber man sollte sich vorher (wie bei jedem Austausch) auf jeden Fall informieren und überlegen, wie man das Semester finanziert. Es gibt dafür super Websites, die Informationen darüber geben, mit welchen Ausgaben man als Studierende*r monatlich in Aarhus rechnen kann.

Ansonsten empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich irgendwie ein Fahrrad zu organisieren, da Bustickets relativ teuer sind und man evtl. nicht unbedingt Lust hat, überall 30-45 min hinzulaufen. Die meisten internationalen Studierenden haben sich einfach nach der Ankunft in Aarhus um ein Fahrrad bei Swapfiets gekümmert, und das schien mir auch die beste Lösung zu sein.

Die Stadt Aarhus hat kulturell wahnsinnig viel zu bieten, von Museen (sehr empfehlenswert: Den Gamle By, das Gender Museum, Aros, etc.), szenischen Orten in Aarhus (Hafen, Deer Park, Strände) bis hin zu den vielen Kulturveranstaltungen, die man dort besuchen kann. Bis nach Kopenhagen ist es auch nicht weit (ca. 4h mit dem Flixbus), es lohnt sich auf jeden Fall mal ein Trip dorthin über’s Wochenende oder für ein paar Tage. Um abends wegzugehen bietet die Stadt auch viele tolle Möglichkeiten. Ein klarer Tipp ist auch, an den vielen Angeboten der Universität teilzunehmen. Das „Studenterhus“ („Studierendenhaus“) der Uni ist sehr engagiert und organisiert wöchentlich mehrere Events für internationale Studierende. Hierzu gehörten in meinem Semester z.B. Tagesausflüge an die Nordspitze von Dänemark, Vorträge / Events zum Kennenlernen der dänischen Kultur, gemeinsames Schwimmengehen, Karaokeabende, und und und… . Das Angebot ist sehr vielfältig, sodass für Jede*n etwas dabei sein sollte. Von Studenterhus wird auch die Einführungswoche organisiert, zu der es sich auf jeden Fall lohnt, hinzugehen. Sie hat super viel Spaß gemacht, war eine tolle Möglichkeit, Mitstudierende kennenzulernen, und war für mich ganz klar eines der Highlights des Auslandssemesters.

Fazit

Insgesamt kann ich ein ERASMUS-Semester in Aarhus ganz klar empfehlen. Aarhus ist eine wunderschöne Stadt, die über eine sehr gut organisierte und engagierte Universität verfügt und vor Freizeitmöglichkeiten nur so strotzt. Eventuell kann man sich überlegen, ein Semester hier eher im Sommer zu absolvieren, da der Winter schon relativ kalt und dunkel ist (aber auch nicht so schlimm, wie man am Anfang gewarnt wird). Ich würde aber das Semester in Aarhus jederzeit wieder machen und kann es ganz klar weiterempfehlen. Viel Spaß bei eurem Austausch!