Aarhus WS 2012/13 (BSc)

xNo longer available: Aarhus, Winter semester 2012/2013 (Bachelor)

Ich war im Wintersemester 2012/13 als Erasmusstudentin in Aarhus in Dänemark. Das Auslandssemester habe ich als siebtes Semester an den Bachelor angehängt, weil es sich für mich vorher nicht angeboten hatte, ich aber sehr gerne noch ins Ausland gehen wollte. Für Aarhus habe ich mich entschieden, weil ich gerne in ein Land mit einer mir unbekann- ten und doch nicht zu schwer erlernbaren Sprache gehen wollte. Außerdem hatte ich auch Lust darauf, ein skandinavisches Land kennenzulernen, die Stadt Aarhus gefiel mir in ihrer mittleren Größe und Lage am Meer und die Universität Aarhus machte auf mich einen guten und strukturierten Eindruck. Meine Entscheidung habe ich definitiv nie bereut: Aarhus ist eine lebendige Stadt, in der kulturell einiges los ist und in der sich niemand langweilen muss! Im Meer baden geht je nach Kälteempfindlichkeit und Verrücktheit bis in den Herbst hinein und lohnt sich.

Bewerbung, Vorbereitung, Wohnen

Bewerbung und Vorbereitung waren erstaunlich einfach und unkompliziert; von Heidelberg und Aarhus kamen jeweils alle relevanten Anweisungen und ich musste sie eigentlich nur noch ausführen. Besonders einfach war die Zimmersuche, sie bestand nämlich mehr oder weniger aus dem Setzen einiger Häkchen in der Bewerbung. Aarhus garantiert bei rechtzei- tiger Bewerbung allen Erasmus-Studenten einen Wohnheimsplatz. (Wer als Präferenz ”nicht zu teuer“ angibt, darf sich nicht wundern, wenn er sehr weit ausserhalb landet!) Ich zog in ein hübsches und sehr nah an der Universität gelegenes Häuschen, das optisch an die Villa Kunterbunt erinnert und ausser von mir noch von 12 anderen Erasmus-Studenten bewohnt wurde. Mit anderen Erasmus-Studenten zusammenzuwohnen hat natürlich den Vorteil, dass immer jemand ansprechbar ist, der in einer ähnlichen Situation steckt, dass sich dadurch viele Fragen ganz von selbst klären und dass ein möglicher Freundeskreis einem quasi in die Küche gesetzt wird. Andererseits habe ich zwischendurch auch eine Freundin ein bisschen beneidet, die in einem Wohnheim mit vielen Dänen wohnte und dadurch mehr Kontakt zu dänischen Studenten hatte. Sprache Dänisch ist schriftlich für uns Deutsche relativ einfach - die meisten Wörter kommen einem irgendwie sehr bekannt vor und die Grammatik ist nicht besonders kompliziert. Wer deswegen denkt, er könne die Dänen verstehen, wenn sie reden, der irrt gewaltig! Im Dänischen werden halbe Wörter verschluckt und die andere Hälfte klingt auch meistens anders als gedacht. Mir ging es nach zwei Monaten so, dass ich das meiste, was ich sagen wollte, auch irgendwie ausdrücken konnte - nur bei den Antworten musste ich grundsätzlich nochmal nachfragen. Im Vorfeld Dänisch zu lernen ist etwas schwierig: In Heidelberg bieten weder das Sprachlabor noch die Volkshochschule Dänischkurse an. Weil ich Lust hatte, trotzdem nicht ganz unvorbereitet nach Dänemark zu kommen, kaufte ich mir ein Buch zum Selbststudium, was ich aber wegen meiner Bachelorarbeit nicht sehr detailliert durcharbeitete. In meinem Semester bot leider auch die Uni Aarhus keinen vorbereitenden Sprach- und Kulturkurs an, der normalerweise wohl im August stattfindet und der sicher sehr empfehlenswert ist. Ich erfuhr leider erst zu spät, dass es möglich gewesen wäre, an einem Sprachkurs für internationale Studenten teilzunehmen, der an einem anderen Ort stattgefunden hatte. In Dänemark selbst ist Da ̈nisch lernen mit ein bisschen Motivation allerdings kein Problem mehr! Es gibt na ̈mlich intensive Sprachkurse auf verschiedenen Niveaus, die gratis sind und pro Woche 2 * 2.5h dauern, siehe auch http://www.laerdansk.dk/aarhus/. Wer vorher auch nur ein kleines bisschen Da ̈nisch irgendwo anders gelernt hat, sollte sich trauen, einen Einstufungstest zu machen und dann eventuell das erste Modul zu überspringen. Es ist auch nicht verkehrt, sich in Dänemark sofort bei der Sprachschule zu melden und nicht darauf zu warten, bis die Uni einen in der Einführungswoche darauf aufmerksam macht. Möglicherweise darf man dann nämlich schon früher anfangen und muss nicht drei Wochen auf den Kursbeginn warten.

Uni

Die Uni kümmert sich besonders zu Beginn sehr gut um ihre internationalen Studenten. Sie veranstaltet z.B. eine Einführungswoche, bei der es Informationen zu allem Wichtigen gibt, hauptsächlich aber die Gelegenheit, Leute kennenzulernen und umsonst dänisches Essen zu probieren. Außerdem bekommt jeder Austauschstudent einen studentischen Mentor als Ansprechpartner. In Aarhus ist es üblich, dass Austausschstudenten in der Psychologie nur relativ wenige Kurse belegen - genauso wie die dänischen Masterstudenten auch. Ich selbst hatte zwei Kurse, drei wären auch möglich gewesen. Die Auswahl der englischsprachigen Kurse ist nicht besonders groß, wer sich traut, sollte also unbedingt in Betracht ziehen, dänische Kurse zu belegen! Ich traute mich nicht, denn die Vorstellung, bei 15 ECTS-Punkten auf mein Dänisch angewiesen zu sein (so viele bekommt man nämlich für einen Kurs), machte mir dann doch etwas Angst. Ich hatte also Kurse, die ich in Deutschland nicht unbedingt gewählt hätte - umso interessanter war es, sich innerhalb eines Semesters ziemlich tief einzuarbeiten! Die Kurse bestehen hauptsächlich aus dem Lesen, Präsentieren und Diskutieren von Literatur; als Prüfungsleistung dienen 15- bis 20-seitige Essays. Eine Anmerkung noch zur Kurswahl: Manche Kurse sind für Bachelor- und Masterstudenten wählbar, manche nur für Masterstudenten. Wer als Masterstudent gerne mit Dänen im Kurs sein möchte, sollte einen von letzteren wählen. Insgesamt sind nämlich mehr Erasmus- Studenten noch im Bachelor, sodass die Kurse auf Bachelorniveau relativ voll mit Erasmus- Studenten und relativ leer von Dänen sind.

Finanzielles

In Dänemark ist - wie zu erwarten - alles ein bisschen teurer als in Deutschland. Am deutlichsten ist der Unterschied bei den Mieten zu spüren (ich habe circa 400 Euro für ein kleines Zimmer bezahlt) und in Restaurants und Cafes. Das merken allerdings auch die anderen Studenten, sodass sich ein Großteil des Erasmus-Lebens entweder draußen oder bei Leuten zu Hause abspielt, was billig und umso schöner und intensiver ist! Ausserdem gilt in Dänemark wohl der Grundsatz ”entweder richtig teuer oder ganz umsonst“: Es gibt sehr viele kulturelle Angebote, die nichts kosten oder für die man irgendwoher Freikarten bekommen kann. Die Stadt Aarhus verteilt z.B. an ihre neuen Bürger Gutscheine, die man in Theatern, Museen und Schwimmbädern einsetzen kann. Informationen dazu gibt es auf Dänisch unter http://www.aarhus.dk/aarhus/Fribilletter.aspx

...und sonst

Wer Dänen kennenlernen möchte, muss selbst aktiv werden! Andere Austauschstudenten zu treffen ist natürlich sehr einfach - alle sind angewiesen auf neue Freundschaften. Wer damit zufrieden ist, kann gut ein ganzes Semester mit Spaniern, Belgiern, Franzosen und natürlich Deutschen verbringen und dabei Englisch reden. Aber wer gerne auch Einheimischen treffen möchte, muss sich ein bisschen bemühen - sie haben schließlich aus ihrer Sicht schon genug Freunde. Ich selbst bin in Aarhus in zwei Chören gewesen, wo außer mir nur Dänen mitgesungen haben. Nicht nur, dass das Singen sehr viel Spass gemacht hat, ich habe durch die Chöre auch Kontakt zu Dänen bekommen, Dänisch geredet, dänischen Kuchen gegessen und zwei richtige dänische Weihnachtsfeiern miterlebt! Und übrigens - der Mut, nicht ins Englische zu wechseln und sich mit seinem Dänisch ein bisschen zum Narren zu machen, wird belohnt!

Fazit

Aarhus ist ein absolut lohnendes Erasmus-Ziel! Ganz besonders natürlich für Leute, die sich von etwas Dunkelheit und Regen nicht abschrecken lassen und sich umso mehr über in-der- Sonne-strahlenden Schnee, Kaffee und Kuchen in Chorproben, Bier an Freitagnachmittagen und legendäre dänische Julefrokost freuen!