Erfahrungsbericht - Ein Semester in Mailand

Mailand 4EU+, Winter semester 2024/2025 (Master)

Erfahrungsbericht - Ein Semester in Mailand

Vorbereitung und Anreise Die Bewerbung über das psychologische Institut in Heidelberg ist sehr einfach und man wird jederzeit bei Fragen unterstützt. Nach einer Zusage für ein Erasmus-Semester von der Seite der Uni Heidelberg wartet man einige Wochen auf Informationen aus Mailand. Bei mir gab es einige Schwierigkeiten bei der Zuordnung zu einer bestimmten mailändischen Fakultät, da es nur einen Masterstudiengang Psychologie auf italienisch gibt. Dadurch hat der Prozess der Bewerbung in Mailand etwas länger gedauert, dabei wurde man aber die ganze Zeit durch den italienischen Erasmus-Koordinator unterstützt. Am Ende hängt die Zuordnung zu einem Studiengang von den selbst gewählten Kursen ab. Im Verlauf des Bewerbungsprozesses und der Vorbereitungen auf den Aufenthalt in Mailand bekommt man immer rechtzeitig Informationen per E-Mail zugeschickt. Diese helfen, keine wichtigen Deadlines zu verpassen und einige wichtige Vorbereitungen für sein Erasmus-Semester zu treffen, sodass man entspannt nach Mailand starten kann. Auch hierbei steht der italienische Erasmus-Koordinator immer für Fragen oder Anmerkungen zu Verfügung. Bei einem Erasmus-Semester in Italien sollte man sich am besten frühzeitig um einen Codice Fiscale kümmern, da dieser für vieles in Italien benötigt wird (wie z.B. für einen Mietvertrag oder den Kauf eines Monatstickets für die öffentlichen Verkehrsmittel). Für die Anreise nach Mailand gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich habe für An- und Abreise den Zug gewählt. An manchen Tagen gibt es direkte Zugverbindungen von Mannheim nach Mailand, mit der man ca. 6/7 Stunden braucht. Aber auch Fernbusse wie Flixbus sind eine Möglichkeit, es gibt Direktverbindungen von Heidelberg nach Mailand, allerdings ist man hier ca. 9/10 Stunden unterwegs. Hier bietet sich der Busbahnhof Milano Lampugnano an, von dem man mit der Metro direkt ins Stadtzentrum fahren kann. Mailand besitz außerdem mehrere Flughäfen. Der Flughafen Aeroporto di Milano Linate ist direkt mit einer Metro Linie verbunden. Aber auch zum Flughafen Bergamo gibt es vom Mailänder Bahnhof Shuttlebusse.

Wohnungssuche und Unterkunft Eine Unterkunft in Mailand zu finden, ist nicht so leicht. Und auch die Unterstützung durch die Mailänder Uni ist in diesem Bereich nicht so gut. Es gibt Studierendenwohnheime, bei denen man sich nach der Bewerbung an der Mailänder Uni bewerben kann. Allerdings gibt es in den Wohnheimen oft relativ strenge Besuchsregelungen und häufig teilen sich zwei Studierende ein Zimmer. Andererseits kommt man durch die Wohnsituation schnell mit anderen Studierenden in Kontakt und findet schnell Anschluss. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, selbst nach einer privaten Unterkunft zu suchen. Hierbei lohnt es sich schon frühzeitig anzufangen und Geduld mitzubringen. Auch hier gibt es verschiedene Webseiten und Vorgehensweisen, einige Freunde von mir haben ihre Wohnung über Facebook-Gruppen gefunden, aber auch über Webseiten wie „spotahome“ oder „housinganywhere“, die zwischen Mieter und Vermieter vermitteln. Man sollte unbedingt darauf achten, nicht auf Betrüger hereinzufallen, und sich darauf einstellen, entweder beim Preis oder der Lage Kompromisse einzugehen. Dabei ist es sinnvoll, auf eine gute Anbindung der Wohnung an das öffentliche Verkehrsnetz zu achten, besonders die Nähe zu einer Metrostation kann ich empfehlen.

Universität & Studium Die Università degli Studi di Milano, auch „La Statale“ genannt, ist die staatliche Universität Mailands. Ihr Hauptgebäude, ein ehemaliges Krankenhaus aus dem 15. Jahrhundert, liegt nur wenige Gehminuten vom berühmten Mailänder Dom entfernt. Die einzelnen Lehrveranstaltungen sind jedoch je nach Fakultät auf verschiedene Standorte in der Innenstadt verteilt. Zu Beginn ist es wichtig zu wissen, dass es keine englischen Kurse für Psychologie gibt, es gibt aber einen Masterstudiengang „psicologia in sanità“, bei dem es Psychologie-Kurse auf italienisch gibt. Ich habe einen dieser Kurse belegt und fand ihn auch sehr spannend. Vom Inhalt ist er ähnlich zu unserer klinischen Psychologie Vorlesung, behandelt aber viele Themen ausführlicher und detaillierter. Meine anderen drei Kurse waren von dem Masterstudiengang „Cognitive Science“. Ich habe einen weiteren italienischen Kurs „Anatomisch-physiologische Grundlagen kognitiver Prozesse“ gewählt, in dem es vor allem um physiologische Grundlagen menschlicher Reizverarbeitung und Reaktionen ging, sowie neurologischer Grundlagen und Auswirkungen bestimmter Läsionen des ZNS. Meine zwei anderen Kurse waren auf englisch: „Advanced Cognitive Psychology“, in dem wir uns mit kognitiven Prozessen, verschiedenen Gehirnnetzwerken und Interozeption, aber auch den Schwierigkeiten und Herausforderungen kognitiver Forschung beschäftigt haben. Und „Neuroethics“, in dem es darum ging, verschiedene Themen der Neurowissenschaften und Herausforderungen neuer Neurotechnologien aus ethischen Standpunkten zu betrachten und zu diskutieren. Die eigene (vorläufige) Kurswahl bestimmt auch, welcher Fakultät man in Mailand letztendlich zugeordnet wird. Bei der Registrierung an der Universität ist Eigeninitiative von Vorteil, doch bei Fragen steht der Erasmus-Koordinator der Universität meiner Erfahrung nach schnell und hilfsbereit zur Seite. Die Vorlesungszeit beginnt im Wintersemester schon Mitte September bis Anfang Oktober, endet aber auch mit den Weihnachtsferien. Je nach Studiengang können die ersten Klausurtermine auch schon vor Weihnachten liegen, häufig kann man aber zwischen verschiedenen Terminen (dann auch im Januar und Februar) wählen. Je nach Kurs schreibt man am Ende eine Klausur, aber auch mündliche Prüfungen sind häufiger als bei uns in Deutschland. Es gab von der Uni das Angebot für kostenlose (online) Sprachkurse für Italienisch. Hierüber wird man aber auch per E-Mail rechtzeitig informiert. Man muss einen Eingangstest absolvieren und wird dann auf Grund der Ergebnisse dieses Tests einem Level/Gruppe zugeordnet. Allerdings fanden diese Kurse immer zweimal die Woche abends, online mit Anwesenheitspflicht statt, sodass ich mich persönlich dagegen entschieden habe. Wenn man aber italienisch lernen will, ist es ein gutes Angebot der Uni. Ansonsten gibt es noch die Organisation „Erasmus Student Network“ (ESN), die in Mailand vor allem zu Beginn des Semesters viele Veranstaltungen für Erasmus-Studierende organisiert. Dabei ist für jeden etwas dabei, die Events reichen von Stadtführungen über Musemsbesuche und Städtetrips bis zu Karaoke-Abenden. Das Schöne an diesen Veranstaltungen ist, dass man sehr viele andere Erasmus-Studierende trifft und schnell neue Kontakte knüpfen kann.

Leben in Mailand & Sprache Mailand ist eine lebendige Metropole, die unglaublich viel zu bieten hat – von Kunst und Kultur bis hin zu kulinarischen Erlebnissen und einem aufregenden Nachtleben. Die Stadt beeindruckt nicht nur als Mode- und Designhauptstadt, sondern auch mit ihrer Vielfalt an modernen Hochhausvierteln, historischen Bauwerken, charmanten Gassen und dem beliebten Ausgehviertel Navigli. Zur Fortbewegung ist das Monatsticket der Metro eine praktische und kostengünstige Option – besonders für Personen unter 26 Jahren, die es für nur 22 € nutzen können. Mit der Metro in Mailand ist man in der gesamten Stadt gut angebunden, zu Stoßzeiten fahren die U-Bahnen teilweise alle 90 Sekunden, sodass man trotz der Größe der Stadt schnell unterwegs ist. Auch wenn Italienischkenntnisse sicherlich von Vorteil sind, kommt man in Mailand meiner Erfahrung nach auch ohne große Sprachkenntnisse gut zurecht. Die Stadt bietet ein umfangreiches Kulturprogramm: Von Fußballspielen im Stadio San Siro bis hin zu klassischen Aufführungen im legendären Teatro alla Scala ist für jeden Geschmack etwas dabei. Zahlreiche Museen laden dazu ein, Kunst und Geschichte zu entdecken, während weitläufige Parks eine willkommene grüne Oase im Mailänder Trubel bieten. Besonders prägend für das Mailänder Lebensgefühl ist die italienische Ausgehkultur, die sich an jeder Ecke in Bars und Cafés widerspiegelt. Ein Highlight ist der Aperitivo – ein beliebtes Konzept, bei dem man am frühen Abend für einen kleinen Preis ein (alkoholisches) Getränk zusammen mit einer Auswahl an Speisen genießen kann. Je nach Bar variiert das Angebot von kleinen Snacks bis hin zu reichhaltigen Buffets. Auch die Umgebung Mailands hat viel zu bieten: Auf Tagesausflügen nach Bergamo, Como und Lecco konnte ich nicht nur das italienische Flair kleinerer Städte erleben, sondern auch einige Wanderungen unternehmen und die beeindruckende Natur genießen. Aber auch in Venedig und Rom ist man von Mailand aus sehr schnell. Es lohnt sich, einfach Italien, mit allem was es zu bieten hat, zu entdecken und kennenzulernen.

Fazit Mein Erasmus-Semester in Mailand war eine unglaublich bereichernde Erfahrung, die mich nicht nur akademisch, sondern auch persönlich weitergebracht hat. Obwohl der Bewerbungsprozess anfangs mit einigen Herausforderungen verbunden war, insbesondere bei der Fakultätszuordnung, wurde ich stets gut unterstützt und habe mich schnell in den Unialltag eingefunden. Die Kurswahl ermöglichte es mir, spannende Einblicke in verschiedene psychologische und kognitive Wissenschaften zu gewinnen. Mailand selbst hat mich mit seiner Vielseitigkeit und Lebendigkeit begeistert. Die Stadt bietet eine perfekte Mischung aus Kultur, Geschichte, modernem Stadtleben und kulinarischen Highlights. Besonders das Konzept des Aperitivo, die zahlreichen Museen und das breite Angebot an Konzerten und Veranstaltungen haben meinen Alltag bereichert. Auch das Reisen innerhalb Italiens war von Mailand aus unkompliziert, sodass ich nicht nur die Stadt selbst, sondern auch viele weitere beeindruckende Orte entdecken konnte. Mein Erasmus-Semester in Mailand war eine unvergessliche Zeit voller neuer Erfahrungen, spannender Begegnungen, neuer Freundschaften und kultureller Entdeckungen. Die Stadt mag anfangs überwältigend wirken, doch sobald man sich eingewöhnt hat, eröffnet sie unzählige Möglichkeiten.