Therapieangebot im ZPP: Verhaltenstherapie
Am ZPP wird im Rahmen der Ausbildungsambulanzen reguläre Psychotherapeutische Behandlung durchgeführt. Diese werden mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet. Alle psychischen Störungen werden im ZPP behandelt. Dazu gehören zum Beispiel Depressionen, Ängste, Essstörungen, Zwänge, psychosomatische Störungen und viele andere Probleme. Die meisten Behandlungen werden als Einzeltherapien durchgeführt. Wir bieten auch zusätzlich spezielle Therapiegruppen an, z. B. für Depressionen, Borderline Störungen, Unsicherheit in sozialen Kontakten, Entspannungstraining.
Die ambulanten Psychotherapien am ZPP sind kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgerichtet. Die Verhaltenstherapie ist ressourcenorientiert, d.h. der Blickwinkel richtet sich nicht nur auf die Störungen oder problematisches Verhalten, sondern auch auf Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im therapeutischen Prozess herausgearbeitet und konstruktiv genutzt werden, um positive Veränderungen zu erreichen.
Der wichtigste Grundgedanke der Verhaltenstherapie ist, dass jedes menschliche Verhalten, „problematisches“ wie auch „gesundes“, erlernt wird. Dementsprechend kann es, falls nötig, wieder „verlernt“ bzw. durch bessere Verhaltensweisen ersetzt werden. Dies gilt gleichermaßen für „normales“ wie für „problematisches“ Verhalten, für Gedanken, Gefühle und körperliche Reaktionen. Beispielsweise können mit Hilfe der Verhaltenstherapie alternative, angemessenere Verhaltensweisen erlernt oder bislang fehlende Fähigkeiten neu erworben werden, um mit bestimmten Problemsituationen besser zurechtzukommen.
„Menschliches Verhalten ist in wesentlichen Zügen gelernt, kann also auch ver-, um- oder neu gelernt werden“ (Credo der Verhaltenstherapie; Reinecker, 1999, S. 88)
Im Mittelpunkt der heutigen Verhaltenstherapie steht das Ziel der Selbststeuerung bzw. die Hilfe zur Selbsthilfe. Hilfe zur Selbsthilfe meint, dass dem Patienten nach Einsicht in Ursachen und Entstehungsgeschichte seiner Probleme Hilfe zur Lebensgestaltung vermittelt und Methoden an die Hand gegeben werden sollen, mit denen er oder sie zukünftig besser zurechtkommt.
Dabei sollen in der Therapie Möglichkeiten geschaffen werden, neue Denk- und Verhaltensweisen auszuprobieren, um diese dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Zu der Therapie findet eine ausführliche, ganzheitliche Diagnostik statt, in der das problematische Verhalten, das den Patienten zu uns geführt hat, zusammen mit der jeweiligen Person möglichst genau untersucht wird. Ziel dieser sogenannten Verhaltensanalyse ist es herauszufinden, welche Faktoren zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptome bzw. des problematischen Verhaltens welche beigetragen haben und welche Faktoren helfen können, gesundere Verhaltensweisen zu entwickeln. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, in dem neben den Therapiezielen auch die Therapiemethoden festgelegt werden. Therapeutische Interventionen richten sich sowohl auf die belastenden Symptome (wie Schwierigkeiten in Sozialkontakten, Angst, Depressivität usw.) als auch auf die Problemursachen. Falls nötig, werden Ziele im Laufe der Therapie verändert oder gänzlich neu formuliert. Die Inhalte der Behandlung werden zwischen Therapeut und Patient abgesprochen, wobei die aktive Mitarbeit des Patienten eine zentrale Rolle einnimmt. So arbeiten Patienten aktiv am Therapiegeschehen mit, beispielsweise indem sie zwischen den Therapieterminen gemeinsam besprochene Übungen oder „Hausaufgaben“ durchführen und neue Verhaltensweisen im Alltag ausprobieren.
Ausführlichere Informationen zur Verhaltenstherapie findet der interessierte Leser beispielsweise in dem Buch „Wegweiser Verhaltenstherapie. Psychotherapie als Chance“ von Frederick H. Kanfer und Dieter Schmelzer, das 2005 im Springer-Verlag erschienen ist.
