Psychologisches Institut | Universität Heidelberg


Arbeitsmarkt-Information 1996 für Psychologinnen und Psychologen

Herausgeber

Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV)

Verfasser

Manfred Bausch

Tabellen

Ulrike Schneider, Ursula Slowik (ZAV)

Grafiken

Manfred Bausch, Ulrike Schneider (ZAV)

Gesamtgestaltung der Print-Version

Ulrike Schneider (ZAV)

Gestaltung der HTML-Version

Joachim Funke (Psychologisches Institut Heidelberg)

Stand

Juni 1996


Inhalt

  1. Vorbemerkung
  2. Überblick
  3. Entwicklung der Studenten- und Absolventenzahlen
  4. Beschäftigungssituation
  5. Arbeitsmarktdaten
  6. Entwicklung der Arbeitslosigkeit
  7. Die Struktur der Stellenangebote 1995 aus der Sicht der Arbeitsverwaltung
  8. Selbständigkeit und "Psychotherapeuten-Gesetz"
  9. Die besondere Situation der Diplom-Psychologen in den Neuen Bundesländern
  10. Tätigkeitsfelder
    1. Klinische Psychologie
    2. Lehre und Forschung
    3. Arbeits- und Betriebspsychologie
    4. Marktforschung und Werbung
    5. Schulpsychologie
    6. Verkehrspsychologie
    7. Forensische Psychologie
    8. Sonstige Tätigkeitsfelder
  11. Einstiegsgehälter
  12. Qualifikationsanforderungen
  13. Bewerbungshinweise


1. Vorbemerkung

In dieser Arbeitsmarkt-Informationsschrift wird der aktuelle Arbeitsmarkt für Psychologinnen und Psychologen beschrieben. Zu den Ausführungen sollen hier einige methodische Anmerkungen gemacht werden.

- Die verwendeten Begriffe "Bewerber" und "Arbeitslose" sind nicht identisch. Nach der statistischen Definition ist "Bewerber" der umfassendere Begriff, der neben arbeitslosen auch nichtarbeitslose Arbeitsuchende einbezieht.

- Die in dieser Schrift verwendeten Stellen-, Bewerber- und Arbeitslosenzahlen beruhen auf Bestandszählungen zu einem bestimmten Stichtag. Sie können deshalb allenfalls im langjährigen Vergleich zur Interpretation von Arbeitsmarktbewegungen mit herangezogen werden. Aus der Gegenüberstellung von Bewerber- bzw. Arbeitslosenbeständen und offenen Stellen können nur eingeschränkt Rückschlüsse auf die aktuelle Arbeitsmarktsituation gezogen werden.

- Neben den statistischen Daten liegen den folgenden Aussagen auch Erfahrungen und Beobachtungen aus der Beratungs- und Vermittlungsarbeit der zuständigen Berater und Vermittler der Bundesanstalt für Arbeit, aber auch Material aus Verbänden und Fachpublikationen, zugrunde.

- Aus Gründen der Lesbarkeit werden die Berufsbezeichnungen gelegentlich nur in männlicher Form verwendet. Alle Aussagen gelten jedoch uneingeschränkt auch für Frauen.

- Die Ausführungen in dieser Informationsschrift beschreiben die bisherige Entwicklung dieses Teilarbeitsmarktes und dürfen nicht als kurz- oder längerfristige Prognose verstanden werden.

2. Überblick

Das Interesse an einem Psychologiestudium ist, trotz der seit vielen Jahren diskutierten relativ schwierigen Arbeitsmarktlage bei den Studienberechtigten, nach wie vor sehr groß. Belegt wird dies unter anderem durch die Feststellung der ZVS, daß zum Wintersemester 1995/96 dreimal mehr Bewerbungen vorlagen als Studienplätze zu vergeben waren.[1] Im Studienfach Medizin betrug, zum Vergleich, das Verhältnis von Bewerbern zu Studienplätzen "nur" zwei zu eins.

Gegenüber den vorangegangenen Jahren hat sich zwar zu Beginn der neunziger Jahre der Arbeitsmarkt für Psychologen etwas freundlicher gestaltet. Die Belebung, die sich inzwischen allerdings wieder deutlich abgeschwächt hat, resultierte unter anderem aus der Nachfrage, die in den neuen Bundesländern entstanden war. Dort standen im Gegensatz zu Westdeutschland berufserfahrene Kräfte aus dem klinischen Sektor wegen der seinerzeit dort stark limitierten Studienmöglichkeiten nur in unzureichender Zahl zur Verfügung. Eine neuere Untersuchung belegt jedoch erstaunlicherweise, daß die Unterschiede hinsichtlich der Tätigkeitsfelder, der Tätigkeitsstrukturen sowie der Qualifikationsmerkmale weniger deutlich ausgeprägt sind als zunächst angenommen.[2]

Der Neuaufbau klinischer und therapeutischer Einrichtungen im Osten bot deshalb in der alten Bundesrepublik ausgebildeten Psychologen mit therapeutischen Zusatzkenntnissen und Bereitschaft zur Mobilität gute Aussichten, in entsprechende Dauerarbeitsverhältnisse einzumünden.

Gerade dieser Personenkreis hat traditionell in Westdeutschland einen eher schwierigen Arbeitsmarkt, da hier seit Jahren beobachtet werden kann, daß lediglich der Ersatzbedarf gedeckt wurde, der wegen des relativ niedrigen Durchschnittsalters der hier tätigen Psychologen gering ausfällt.

Insgesamt hat sich an der Dominanz der klinischen Studienschwerpunkte bei den Absolventen wenig geändert. Die schwierige Arbeitsmarktlage hat jedoch dazu geführt, daß die einseitige Ausrichtung auf den klinischen Sektor bei vielen Psychologen zugunsten einer zunehmenden Offenheit gegenüber der Entwicklung alternativer beruflicher Perspektiven in der Privatwirtschaft zurückgegangen ist.

Die kleine Zahl der Bewerber, deren Studienschwerpunkt im Bereich der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (ABO) lag, hatte bei der Suche nach angemessenen Beschäftigungsmöglichkeiten dagegen bei weitem nicht so große Schwierigkeiten. Konjunkturbedingt ging jedoch auch hier die entsprechende Nachfrage, die sich hauptsächlich auf Tätigkeiten im Personalwesen bezog, in der letzten Zeit deutlich zurück.

3. Entwicklung der Studenten- und Absolventenzahlen

Die Studentenzahlen sind seit Mitte der 70er Jahre von 13300 rapide auf über 24600 zu Beginn der 90er Jahre angestiegen[3]. In der gleichen Zeit stieg der Frauenanteil von 50% auf 64%. In den letzten Jahren weist die Studentenzahl insgesamt dagegen nur noch eine mäßig steigende Tendenz auf. Bei der Betrachtung der Erstsemesterzahlen wird die Entwicklung zum Frauenfach noch deutlicher. Gab es Mitte der 70er Jahre einen Anteil von gut 50% der Frauen an den Studienanfängern, so stieg dieser Wert kontinuierlich bis auf mehr als zwei Drittel im Wintersemester 1992/93. Die absolute Zahl der Studienanfänger hat sich dagegen seit 1985 nur noch mäßig erhöht und hat sich bei gut 3000 eingependelt. Aufgrund der scharfen Reglementierung des Zulassungsverfahrens durch Numerus clausus konnte im Durchschnitt der vergangenen Jahre nur etwa jeder dritte Student den gewünschten Studienplatz in Psychologie erhalten.

Abbildung 1: Studienanfänger im 1. Fachsemester Psychologie (jeweils zum WS)

Bei den abgelegten Diplomprüfungen im Fach Psychologie waren die männlichen Examenskandidaten gegenüber den Frauen noch in der Mehrzahl. Ab 1979 stieg dann die Zahl der Diplom-Psychologinnen kontinuierlich bis zum Jahr 1991 an, um dann 1992 einen Wert zu erreichen, der mit 1345 um mehr als 100% über dem von 1975 lag. Dagegen war die Zahl der männlichen Absolventen dieses Faches über die Jahre hinweg nur geringen Schwankungen unterworfen. Von der durchschnittlichen jährlichen Absolventenzahl von ca. 750 gab es nur gelegentlich größere Abweichungen. Im Jahr 1992 wurden zuletzt 692 frischgebackene Diplom-Psychologen gezählt.

Abbildung 2: Bestandene Diplomprüfungen im Fach Psychologie (alte Bundesländer)

Ein völlig anderes Bild ergibt sich bei den abgelegten Promotionen. Hier ist die Gesamtzahl der abgelegten Prüfungen zwischen 1975 und 1992 nur sehr verhalten von 155 auf 186 und damit nur um knapp 20% jährlich angestiegen. Die Zahl der Frauen, die im Fach Psychologie den Doktorhut erwarben, stieg im gleichen Zeitraum, absolut gesehen, ebenfalls nur geringfügig um 38 auf 81 an.

Abbildung 3: Promotionen im Fach Psychologie (alte Bundesländer)

Für die vergangenen 15 Jahre läßt sich aufgrund des vorliegenden Zahlenmaterials eine durchschnittliche Promotionsquote von etwa 13% ermitteln, die nur verhältnismäßig geringen Schwankungen unterworfen war. Bei den Frauen ist dagegen der Anteil derer, die nach dem Diplom noch erfolgreich ein Promotionsverfahren anhängten, kontinuierlich gesunken. Lag dieser Wert 1975 noch bei etwa 6%, so hat er sich seit Beginn der neunziger Jahre zwischen 4 und 5% eingependelt. Fazit: Soweit es die "Studierneigung" und inzwischen auch die Diplom-Abschlüsse betrifft, hat sich die Psychologie in der Tat zu einem Frauenfach gewandelt; was jedoch die Erlangung wissenschaftlicher Meriten angeht, unterscheidet sich dieses Fach in keiner Weise von den meisten anderen Disziplinen: die Frauen bleiben hoffnungslos in der Minderheit.[4]

4. Beschäftigungssituation

Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 1993 ermittelte für ganz Deutschland ca. 28000 berufstätige Psychologen, davon etwa 2000 in den neuen Bundesländern. Die Psychologinnen hatten dabei einen Anteil von 61% an der Berufstätigkeit.

Über die Verteilung auf verschiedene Tätigkeitsfelder zu Beginn der neunziger Jahre gibt eine Schätzung des "Berufsverbandes Deutscher Psychologen e.V." Auskunft. Danach waren in den alten Bundesländern 35% als Angestellte und Beamte in der klinischen Psychologie beschäftigt, 20% waren als klinische Psychologen selbständig tätig. 15% befanden sich im Bereich Lehre und Forschung, 12% in der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, 7% in Marktforschung und Werbung, 4% im Schulpsychologischen Dienst, 5% in der Forensischen Psychologie und 2% in der Verkehrspsychologie.

Abbildung 4: Verteilung der beruflichen Einsatzfelder bei Psychologen (1981 und 1991 im Vergleich)

Nennenswerte Bewegungen zeigen sich vor allem im Vergleich des Anteils der angestellten und beamteten klinischen Psychologen, der gegenüber 1981 um 6 Prozentpunkte auf 35% zurückgegangen ist und beim Anteil der Arbeits- und Betriebspsychologen; bei den letzteren ergab sich eine Steigerung von knapp 9 auf nunmehr 12%. Der Anteil der in freier Praxis tätigen Psychologen ist nur leicht um 1,2 Prozentpunkte auf 20% angestiegen; gut 60% der Selbständigen sind Frauen. Der Frauenanteil ist hier wohl u.a. deshalb so hoch, weil die selbständige Tätigkeit in eigener oder fremder Praxis eine besonders flexible Arbeitszeitgestaltung ermöglicht und damit die Verbindung familiärer und beruflicher Interessen erleichtert. Der Frauenanteil an allen Selbständigen lag zu Beginn der neunziger Jahre dagegen im Durchschnitt nur bei 25%. Z. B. waren ca. 7% der selbständigen Architekten, 16% der Rechtsanwälte, 22% der Steuerberater und 27% der niedergelassenen Ärzte Frauen.

Bei den angestellten Psychologen ergab sich dagegen eine Frauenquote von insgesamt 45%. Die Zahl der berufstätigen Psychologen ist in den alten Bundesländer von 1981 bis 1991 um ca. 11000 auf rund 28000 und damit innerhalb eines Jahrzehnts um über 60% angestiegen. Diese erstaunliche Expansion auf dem Arbeitsmarkt für Psychologen darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Erschließung neuer und die Ausweitung bereits vorhandener Einsatzfelder nicht allen Absolventen eines Psychologiestudiums den gewünschten Arbeitsplatz bescherten. Der Neuaufbau klinischer und therapeutischer Einrichtungen in den neuen Bundesländern, der auch zum Entstehen entsprechender Arbeitsplätze für Psychologen beigetragen hat, ist inzwischen weitestgehend abgeschlossen. Damit sind die aus dieser Ausbauphase resultierenden zusätzlichen Beschäftigungsimpulse mehr oder weniger zum Stillstand gekommen. Das Ende einer Art "Sonderkonjunktur" für klinisch orientierte Psychologen ist damit eingeläutet.

"Wirtschaftsnahe" Schwerpunktbildungen im Psychologiestudium, wie Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, werden in Zukunft sicherlich wieder eindeutiger als in der Gegenwart bessere Einstiegsmöglichkeiten bieten, als ein Studium, das auf Tätigkeiten in klinischen Einrichtungen abzielt. Zusätzlich eingeengt wird die Arbeitsmarktsituation der Psychologen durch die Tatsache, daß die Absolventen auf eine relativ junge Altersstruktur der zur Zeit berufstätigen Psychologen treffen. Der zu erwartende Ersatzbedarf wird also auch in den kommenden Jahren bescheiden ausfallen. Stellenausweitungen, die über diesen Ersatzbedarf hinausgehen, sind - vor allem aufgrund der angespannten Haushaltslage der öffentlichen Hand - in nächster Zukunft kaum zu erwarten.

5. Arbeitsmarktdaten

Der Arbeitsmarkt für Psychologen war - ähnlich wie bei den anderen sozialwissenschaftlichen Teilarbeitsmärkten - im vergangenen Jahrzehnt erheblichen Schwankungen unterworfen. Seit 1982 stieg die Zahl der arbeitssuchenden Psychologen von 3790 auf zunächst knapp über 7000 in den Jahren 1987 und 1988, um bis 1991 auf 4600 abzusinken. Im Jahr 1992 gab es dann wieder einen leichten Anstieg auf jetzt 4745 Bewerber der danach wieder auf 4568 im Jahr 1995 zurückging. Der Anteil der Psychologinnen unter den Arbeitssuchenden stieg im gleichen Zeitraum von 54% auf 68% an, was in etwa ihrem derzeitigen Anteil an den Absolventen entspricht. Die Zahl der offenen Stellen entwickelte sich in der betrachteten Dekade zunächst von 45 auf 328 im Jahr 1991 und fiel bis zum Ende des Jahres 1995 wieder stark auf 211.

Abbildung 4a: Arbeitsmarktentwicklung 1983-1994

Auch an dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, daß es sich bei den Zahlen zu den Bewerbern und Stellenangeboten jeweils um Stichtagserhebungen zum Ende des Jahres handelt, die nichts über Bewegungsvorgänge im Laufe des Jahres aussagen. Vermittlungszahlen werden dagegen im Laufe eines Jahres kumuliert.

Im Jahr 1982 wurden von den Fachvermittlungsdiensten der Bundesanstalt für Arbeit lediglich 323 Psychologen vermittelt; im Jahr 1987 konnten erstmals mehr als 1000 Psychologen vermittelt werden, im Jahr 1991 waren es sogar über 1100, erst 1992 sank der Wert wieder knapp unter 1000.

Abbildung 5: Entwicklung des Stellenbestandes für Psychologen

Abbildung 6: Entwicklung der Bewerberzahlen

Im Laufe des Jahres 1995 wurden in ganz Deutschland noch etwa 740 Psychologinnen und Psychologen vermittelt, darunter ca. 100 in den neuen Bundesländern. Damit scheinen sich die zusätzlichen Nachfrageimpulse, die in den vergangenen Jahren vom Einigungsprozeß ausgegangen waren, nicht mehr fortzusetzen. Unter den Vermittelten erreichten die Frauen 1982 einen Anteil von 56%, der 1995 auf gut 63% angestiegen war. Im Gegensatz zu den meisten anderen akademischen Berufen zeigt sich hier, daß Frauen genau so gut oder so schlecht wie ihre männlichen Kollegen in neue Beschäftigungsverhältnisse einmünden konnten.

Abbildung 7: Entwicklung der Vermittlungszahlen

6. Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Bei der Betrachtung der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen der Psychologen in den alten Bundesländern zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den Bewerberzahlen, die ja bekanntlich die nichtarbeitslosen Stellensuchenden mit einbeziehen. So gab es 1982 insgesamt 2216 arbeitslose Psychologinnen und Psychologen; ihre Zahl stieg bis 1988 kontinuierlich bis auf 4105 an, um in den Folgejahren bis 1992 auf 2913 abzusinken, wobei der Rückgang im letzten Jahr bescheidener ausfiel als in den vorangegangenen Jahren. Ein leichter Anstieg auf über 3000 Arbeitslose ist erstmalig wieder im Jahr 1993 zu erkennen. Die letzte Erhebung vom 30. September 1995 ergab 2995 arbeitslose Psychologen und signalisierte damit eine Stabilisierung dieses Teilarbeitsmarktes. Auch in den neuen Bundesländern hat sich die Zahl der arbeitslosen Psychologen mit 162 auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.

Der Anteil der Frauen betrug 1982 etwa 57% und lag 13 Jahre später bei 66% in den alten und bei 69% in den neuen Ländern; verglichen mit den Absolventen und Bewerberzahlen ergaben sich mithin auch bei den arbeitslosen Psychologen bezüglich des Frauenanteils keine nennenswerten Abweichungen.

Bei der Entwicklung der Altersstruktur der arbeitslosen Psychologen fällt auf, daß der Anteil der Jüngeren (bis 30 Jahre) kontinuierlich gesunken ist. 1982 befanden sich noch fast 27% in dieser Altersgruppe, im Jahr 1995 in den alten Bundesländern nur noch knapp 11% (Neue Länder: 13%). Dies mag damit zusammenhängen, daß vor allem jüngere Absolventen in den letzten Jahren zunehmend flexibel auf die Arbeitsmarktlage reagierten und sich mehr und mehr für die Entwicklung neuer beruflicher Perspektiven in der Privatwirtschaft interessierten. Zum Teil erwarben sie mit Hilfe der Fachvermittlungsdienste ökonomische Zusatzqualifikationen, vor allem im Personalwesen, die ihnen den Einstieg in Nachwuchspositionen der Wirtschaft erleichterten. Dagegen waren die Psychologen in früheren Jahren nur selten bereit, von ihrem meist klinisch geprägten Selbstverständnis abzurücken. Bedingt durch die schwierige Haushaltslage der Bundesanstalt dürften derartige Fortbildungsmaßnahmen mittelfristig allerdings nicht mehr in dem bisher gewohnten Maße zur Verfügung stehen.

Abbildung 8: Alterstruktur

Abbildung 9: Arbeitslosigkeit im Vergleich: Psychologen vs. alle Uni-Absolventen

Abbildung 10: Arbeitslosigkeit im Vergleich: Psychologen vs. alle Uni-Absolventen (nur Bundesgebiet West)

Abbildung 10a: Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Frauenanteil

Ein Vergleich der durchschnittlichen Entwicklung der Arbeitslosigkeit aller Universitätsabsolventen mit der Arbeitslosenkurve der Psychologen läßt allerdings ein insgesamt eher optimistisches Resumée zu. Seit 1991 ergeben sich für Personen mit einem Universitätsabschluß z.T. erheblich steigende absolute Zahlen, während die Arbeitslosigkeit bei Psychologen seit 1992 wieder leicht zurückging und auch 1995 (jetzt sogar incl. Neue Länder) nicht über dem Niveau von 1985 lag. Auch wenn man die Entwicklung seit der Einigung Deutschlands außer acht läßt, bestätigt sich dieses günstige Bild.

Vergleicht man die Struktur der Arbeitslosigkeit etwas näher mit der aller Uni-Absolventen, erscheint die Altersstruktur von Psychologen insofern günstiger als der Anteil der älteren Arbeitslosen (über 45 Jahre) mit 24% deutlich geringer ist als bei der Vergleichsaltersgruppe, die sich auf alle Akademiker bezieht; der entsprechende Wert betrug hier 32%.

Bei der Dauer der Arbeitslosigkeit gab es allerdings bei den Psychologen gegenüber dem Durchschnitt aller Uni-Absolventen einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Langzeit-Arbeitslosen (ein Jahr und länger arbeitslos).

Diese beiden Befunde zusammengenommen signalisieren, daß einerseits hohe Reibungsverluste bei der Suche nach neuen Stellen auftreten können, daß andererseits eine psychologische Ausbildung - auch wegen der großen Bereitschaft und Möglichkeit zur Selbständigkeit - im fortgeschrittenen Lebensalter eher vor Arbeitslosigkeit schützen kann als andere akademische Ausbildungsgänge.

Abbildung 11: Arbeitslose Uni-Absolventen in Deutschland nach Altersgruppen

Abbildung 12: Arbeitslose Psychologen in Deutschland nach Altersgruppen

Abbildung 13: Dauer der Arbeitslosigkeit bei allen Uni-Absolventen im Vergleich zur Dauer der Arbeitslosigkeit bei Psychologen

7. Die Struktur der Stellenangebote 1995 aus der Sicht der Arbeitsverwaltung

Der Nachfrageschwerpunkt lag 1995 nicht mehr so deutlich wie in der Vergangenheit im klinischen Sektor. Die Stellenangebote, die diesen Bereich betrafen, kamen vor allem wieder aus psychosomatischen Kliniken, Psychiatrie-Krankenhäusern, Rehabilitations- und gerontologischen Einrichtungen. Von den Bewerbern für den klinischen Bereich wurden einschlägige Berufserfahrungen und und für die jeweilige Tätigkeit passende therapeutische Zusatzqualifikationen erwartet. Kommunale Stellen, Vereine und Wohlfahrtsverbände suchten Psychologen vor allem für die Arbeit mit Behinderten und für die Erziehungs- und Familienberatung sowie in der Suchtkrankenhilfe. Nur in einem geringen Umfang wurden von den Dienst-stellen der Bundesanstalt Offerten aus der Privatwirtschaft registriert, u.a. aus Unternehmensberatungsfirmen oder aus Sozial- und Marktforschungsinstituten. Dagegen lagen nur wenige Angebote aus den Funktionsbereichen Organisations- und Personalentwicklung größerer Unternehmen vor, die sich an Arbeits-, Organisations- und Betriebspsychologen richteten.

Ein weiterer Nachfrageschwerpunkt lag wieder im Bereich der Erwachsenenbildung. Private Bildungsträger suchten Psychologen beispielsweise für die Durchführung von Trainings- und Motivationsmaßnahmen für schwervermittelbare Arbeitnehmer. Aber auch für die Aus- und Fortbildung im pflegerischen Bereich sowie für Fortbildungsmaßnahmen im öffentlichen Dienst wurden vereinzelt Psychologen - zunehmend auf Honorarbasis - gesucht.

An der eindeutig klinischen Ausrichtung der allermeisten Absolventen hat sich nichts geändert. Sie geht einher mit einer hohen Identifikation bezüglich entsprechender Berufsperspektiven; dieser Umstand erschwerte den Blick für Alternativen. In Ermangelung regulärer Arbeitsverhältnisse bildete für viele Psychologen die Gründung einer selbständigen Existenz trotz der damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken den einzigen akzeptablen Ausweg. Allerdings war gelegentlich auch für berufserfahrene, festangestellte Psychologen der Schritt in die Selbständigkeit eine durchaus attraktiv erscheinende Alternative.

Die unmittelbar nach dem Studium noch nicht vorhandenen therapeutischen Zusatzqualifikationen bildete für viele Absolventen eine unüberwindliche Hürde beim Einstieg in das Berufsleben. Entsprechende Zusatzqualifikationen, die vernünftigerweise in der Regel berufsbegleitend erworben werden müssen, waren häufig nur im Rahmen von Honorartätigkeiten - teilweise unter großen wirtschaftlichen Opfern - zu erreichen.

Die Psychologen in den neuen Bundesländern trafen - im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen - auf einen verhältnismäßig lebendigen Arbeitsmarkt.

Dabei streuten die Angebote über alle Einsatzfelder. Neben dem klinischen Bereich gab es auch eine Reihe von Vakanzen in der Wissenschaft oder in der Organisationspsychologie. Auch karitative Einrichtungen waren an gut ausgebildeten Psychologen interessiert. Die Tätigkeiten bezogen sich hier schwerpunktmäßig auf Familienberatung, Suchtberatung und Suchttherapie. In der Mehrzahl der Fälle wurden entsprechende Zusatzausbildungen vorausgesetzt.

Allerdings war die Arbeitsmarktlage regional unterschiedlich. Wegen der stärkeren Konkurrenzsituation hatten Psychologen der neuen Länder im Berliner Raum größere Schwierigkeiten bei der Stellensuche als in den übrigen Gebieten.

Insgesamt machten die zuständigen Vermittler die Erfahrung, daß arbeitslose Psychologen aus den alten Bundesländern bei der Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen - auch in den neuen Ländern - eine höhere Mobilitätsbereitschaft an den Tag legten als einheimische Absolventen.

Psychologen, die zur Einmündung in den Arbeitsmarkt zusätzliche Qualifikationen benötigten, boten die Arbeitsämter die Möglichkeit, sich vor allem in den Bereichen Suchttherapie, Sozialtherapie und Personalwesen fortzubilden.

Eine wichtige Ergänzung zu den Beobachtungen der Stellenentwicklung im Rahmen der bei den Arbeitsämtern gemeldeten offenen Positionen, bilden Erhebungen, die sich auf Veröffentlichungen von Vakanzen in den Printmedien beziehen. Wichtige Erfahrungen, die die Berater und Vermittler im Rahmen ihrer Kontakte gesammelt haben, werden hier teilweise eindrucksvoll bestätigt. Eine Untersuchung, die sich auf Annoncen in der "ZEIT"[5] stützt, kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, daß innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 1971 bis 1992 die Anteilswerte der Angebote aus dem öffentlichen Dienst insgesamt eine abnehmende Tendenz zeigten. Auch die Offerten von kirchlichen Trägern hatten am Ende der beiden Dekaden einen geringeren Anteil am gesamten Stellenaufkommen. Eine positive Bilanz kann dagegen für Angebote aus privaten Kliniken und Verbänden gezogen werden.

Auf einem geringen Niveau verharren über die Jahre hinweg die Angebote aus Unternehmen. Der letztgenannte Befund, der einer optimistischen Sicht auf den Arbeitsmarkt, z. B. für ABO-Psychologen, zu widersprechen scheint, mag teilweise mit der Beschränkung auf das ausgewählte Medium zusammenhängen. Möglicherweise hätte die Einbeziehung solcher Printmedien, die eine größere Rolle für Stellenausschreibungen der Wirtschaft spielen, ein etwas anderes Bild ergeben.

Die bereits referierten Umfrageergebnisse des BDP von 1981 und 1991 scheinen diese Vermutung eher zu unterstützen, weisen sie doch deutliche Steigerungsraten gerade für die Bereiche Marketing/Werbung und Arbeits- und Betriebspsychologie im Zehnjahresvergleich auf.

8. Selbständigkeit und "Psychotherapeuten-Gesetz"

Die Entwürfe zu einem entsprechenden Gesetz sind zwar zwischenzeitlich vorübergehend zurückgestellt worden, dennoch wird allgemein damit gerechnet, daß eine entsprechende gesetzliche Regelung, die sich wahrscheinlich an dem 1993 vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf orientieren wird, in der nächsten Zukunft unumgänglich wird. Deshalb lohnt es sich, im Zusammenhang mit der Frage der Selbständigkeit einen Blick auf den bisherigen Entwurf zu werfen.

Eine Gutachterkommission hat bereits 1991 festgestellt, daß etwa 5% der deutschen Bevölkerung eine ambulante psychologische Therapie benötigen, aber in ihrer Mehrzahl nicht erhält. Dies bedeutet, daß es - gemessen an dem gesellschaftlich errechneten Bedarf - zu wenige Psychotherapeuten gibt. Es erstaunt deshalb nicht, daß man oft mehrere Monate auf den Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung warten muß. Die bisherige Regelung, die den Psychotherapeuten eine Kassenabrechnung nur über einen zuweisenden Arzt erlaubte (sogenanntes Delegationsverfahren), war für den Zugang der Patienten zur Psychotherapie sicherlich oft eine zusätzliche Hürde. Aus diesen Gründen ist schon seit vielen Jahren, vor allem von den Psychologen selbst, eine neue gesetzliche Grundlage für die Psychotherapie gefordert worden, die möglichst derartige Hürden beseitigen sollte.

Eine stetig wachsende Zahl von Psychologen zieht die selbständige Existenz in eigener Praxis einer abhängigen Beschäftigung als Angestellter oder Beamter vor. Der Anteil der selbständig tätigen klinischen Psychologen lag denn auch 1991 nicht nur absolut sondern auch relativ mit ca. 20% über dem Anteil der ein Jahrzehnt zuvor ermittelt worden war (18,8%). Ein großer Teil dieser Psychologen entspricht wahrscheinlich damit dem Wunsch, in eigener Verantwortung psychotherapeutische Arbeit ohne den "Hemmschuh" von Dienst- und Fachvorgesetzten wahrzunehmen. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1991[6] hat sogar ergeben, daß für viele der ange- stellten Psychologen die Vorstellung, eine selbständige Tätigkeit aufzunehmen, sehr attraktiv erscheint.

Dennoch darf keinesfalls übersehen werden, daß eine wachsende Zahl von Psychologen auch deshalb in die Selbständigkeit zu wechseln versucht, weil die erhoffte Anstellung - und sei es nur auf Teilzeitbasis - sich nicht realisieren läßt. Dabei ist die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit besonders für Psychologen mit erheblichen Risiken behaftet: Praxisräume müssen angemietet werden, ein Patientenstamm muß vorhanden sein oder aufgebaut werden, man muß sich in die Fallstricke des komplizierten Abrechnungsverfahrens einarbeiten etc. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen konnten die Arbeitsämter in der Vergangenheit kleine finanzielle Starthilfen für den Aufbau einer selbständigen Existenz vergeben. Dennoch haben die zuständigen Berater der Bundesanstalt für Arbeit immer wieder beobachtet, daß ein beachtlicher Anteil der Psychologen, die sich aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit abgemeldet hatten, mit den harten Anforderungen an eine freiberufliche Existenz nicht zurecht kamen.

Auch in Zukunft werden viele Psychologen - ob aus eigenem Entschluß oder unter dem Druck eines schwierig bleibenden Arbeitsmarktes - den Weg in die Selbständigkeit gehen. Der Entwurf des Therapeutengesetzes wird - sollte er in der vorliegenden Form vom Bundestag ratifiziert werden - die Basis solcher Überlegungen sein müssen. Eines der Kernstücke ist dabei die gesetzliche Neuregelung des Erwerbs der psychotherapeutischen Zusatzqualifikation als Klinischer Psychologe. In der Vollzeitform soll sie in drei Jahren und berufsbegleitend in fünf Jahren absolviert werden. Die berufsrechtliche Anerkennung der Psychologen, die bisher schon psychotherapeutisch tätig waren, ist in einer Reihe von Übergangsvorschriften geregelt.

Der Berufsverband Deutscher Psychologen, der für sich in Anspruch nehmen kann, die weitaus meisten der berufstätigen Psychologen als Interessenverband zu vertreten, begrüßte im Prinzip den vom Bundeskabinett am 20. Juli 1993 verabschiedeten Entwurf. Als wesentliche Verbesserung wird unter anderem hervorgehoben, daß

Einige Punkte des Entwurfs werden jedoch nach wie vor vom Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) heftig kritisiert. Dazu gehört, daß im Gesetzentwurf nicht von einer Approbation, sondern von einer "Erlaubnis" die Rede ist, worin der BDP eine Abwertung der eigenverantwortlichen und selbständigen Berufsausübung im Bereich der Psychotherapie zu erkennen glaubt. Außerdem wird bemängelt, daß der Indikationskatalog unvollständig, die Behandlung von Psychosen unzureichend und die Behandlung von psychosomatischen Krankheiten überhaupt nicht berücksichtige.

In der vorgeschriebenen dreijährigen Ausbildung wird die Verpflichtung zur praktischen Tätigkeit für die Dauer von mindestens einem Jahr durchgehend an einer psychiatrischen Klinik als künstliche Barriere für die zukünftige Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten betrachtet. Insbesondere wird befürchtet, daß diese Institutionen auf unabsehbare Zeit nicht genügend entsprechende Stellen zur Verfügung stellen können.

Abbildung 14a: Ausbildungssschwerpunkte psychologischer Psychotherapeuten

Als Resumée kann festgehalten werden: Insgesamt wird in dem Entwurf die Position der bereits berufstätigen Psychotherapeuten durch das Erstzugangsrecht der Patienten und die Kassenzulassung erheblich gestärkt; auf der anderen Seite wird der Berufszugang für zukünftige entsprechend ausgebildete Therapeuten deutlich erschwert - insbesondere durch das vorgeschriebene einjährige Praktikum im klinischen Bereich ("Psychiatriejahr"). Die Entscheidung für die Selbständigkeit wird nach der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes möglicherweise noch schwerer zu realisieren sein als bisher. Damit könnte die eigene Praxis ihre bisherige Funktion als Entlastungsfaktor für die schwierige Arbeitsmarktsituation - zumindest teilweise - verlieren.

9. Die besondere Situation der Diplom-Psychologen in den Neuen Bundesländern

Hinweise zum Arbeitsmarkt der Psychologen in Ostdeutschland hat es bereits an einigen Stellen dieser Schrift gegeben. Aufgrund der unterschiedlichen Ausbildungs- und Berufslage in der Vergangenheit sowie der noch lückenhaften Datenlage zu diesem Arbeitsmarktsegment in den östlichen Ländern erscheint es sinnvoll, an dieser Stelle einige zusammenfassende Bemerkungen einzufügen.

Die Psychologie der alten Bundesländer ist gekennzeichnet durch ein pluralistisches System von Richtungen, während die DDR-Psychologie als "dialektisch-materialistische Psychologie - wie andere Wissenschaftsbereiche auch - im Dienste des sozialistischen Staates stand."[7] Diese unterschiedlichen Ansätze erschwerten zum Teil einen bruchlosen Übergang.

Zur Arbeitsmarkt- und Berufssituation der Diplom-Psychologen in den neuen Bundesländern hat Angela Schorr im vergangenen Jahr eine interessante Untersuchung vorgelegt[8] ; demnach wiesen ost- und westdeutsche Psychologen entgegen vielfältigen anderen Aussagen durchaus vergleichbare Qualifikationsmuster auf. Auch was Konfliktbereitschaft, Arbeitszufriedenheit und andere berufliche Einstellungsmuster betrifft, gab es erstaunliche Übereinstimmungen zwischen ost- und westdeutschen Psychologen. Ostdeutsche Psychologen waren bezüglich ihrer Berufsausübung wesentlich unabhängiger als ihre Kollegen in den alten Ländern. Diese Einschätzung findet sich auch in der in diesem Abschnitt zitierten Untersuchung zur Lage der ersten freiberuflich tätigen Psychologen in den neuen Ländern wieder.

Die Zahl der in diesen Regionen berufstätigen Psychologen beläuft sich aufgrund der Ergebnisse des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes auf etwa 2000; etwa die Hälfte von ihnen war ursprünglich im Gesundheitswesen beschäftigt. Bei der Umstrukturierung der klinischen Einrichtungen und dem Neuaufbau von Beratungsangeboten in privater und öffentlicher Trägerschaft entstand in den neuen Ländern eine Nachfrage nach Psychologen mit therapeutischer Zusatzqualifikation, die rein quantitativ von den in der ehemaligen DDR ausgebildeten Psychologen nicht gedeckt werden konnte.

Die beschriebenen Umstände führten im wesentlichen zu zwei Konsequenzen:

  1. Positionen, für die entsprechende therapeutische Zusatzqualifikationen erforderlich waren, wurden häufig mit Bewerbern aus den alten Ländern besetzt, manche Stellen blieben wegen des Fehlens geeigneter Bewerber sogar vorübergehend unbesetzt.

  2. Die beschriebene Situation führte zu einer hohen Nachfrage nach bestimmten therapeutischen Zusatzausbildungen, vor allem in den Bereichen Gesprächs-, Verhaltens-, Familien-, Gestalttherapie und Supervision, die nur zum Teil durch Angebote von den Fachvermittlungsdiensten abgedeckt werden konnte.

Einige konkretere Hinweise zur Lage der ersten freiberuflich tätigen Psychologen in den neuen Ländern liefert eine kleine Untersuchung des Instituts für Freie Berufe der Universität Erlangen-Nürnberg.[9] Die von den 70 Befragten am häufigsten genannten Probleme bei der Niederlassung waren:

Überschattet wurden alle übrigen Probleme von der als unbefriedigend empfundenen wirtschaftlichen Lage, die vor allem auf Schwierigkeiten bei der Honorarerzielung zurückgeführt wird.

Die größte Gruppe der Befragten war zu DDR-Zeiten in Polikliniken tätig. Im rückblickenden Vergleich hoben die meisten Psychologen hervor, daß sowohl der Austausch zwischen Ärzten und Psychologen wie auch die individuelle Betreuung der Patienten in den Polikliniken besser funktionierte als unter den neuen Bedingungen. Viele empfanden die Arbeit in den Polikliniken als selbständiger und flexibler und fühlten sich den Ärzten gegenüber im Gegensatz zu heute als gleichberechtigt. Insbesondere das derzeit noch geltende Delegationsverfahren wird von vielen als unbefriedigend empfunden. Folgerichtig fordert deshalb ein großer Teil der Befragten die baldige Verabschiedung des "Psychotherapeutengesetzes".

Aus dem Befragungsergebnis lassen sich vor allem die folgenden Empfehlungen an niederlassungswillige Psychologen herauslesen:

Die spezifischen Arbeitsmarktdaten für Psychologen in den neuen Bundesländern ergaben am Ende des vergangenen Jahres das folgende Bild: Von 278 Bewerbern (Veränderung gegenüber 1994: -15%) waren 191 Frauen (69%).Mithin waren nur 6% aller arbeitssuchenden Psychologen in Deutschland bei Dienststellen der neuen Länder gemeldet. Zur Stichtagserhebung Ende September des vergangenen Jahres waren 51 Psychologen und 111 Psychologinnen arbeitslos gemeldet. Der Anteil der Frauen betrug demnach ebenfalls 69%.

Abbildung 14b: Tätigkeitsfelder Neue Länder

Beim Vergleich der Arbeitsmarktdaten aus den alten mit denen der neuen Bundesländer fällt auf, daß sich die Struktur der Arbeitslosigkeit nach Alter der betroffenen Psychologen und nach der Dauer der Arbeitslosigkeit stark aneinander angeglichen haben.

10. Tätigkeitsfelder

10.1 Klinische Psychologie

Das größte Einsatzgebiet für Psychologen eröffnet sich nach wie vor in der klinischen Psychologie. Der unscharfe Begriff der "klinischen" Tätigkeit wird dabei auf all jene angewandt, in deren Berufstätigkeit Therapie- und Beratungsansätze im Vordergrund stehen. Klinische Psychologen sind anzutreffen in medizinischen Kliniken, insbesondere in den Abteilungen für Psychiatrie und Neurologie, mitunter auch in Abteilungen für Innere Medizin. Kinderkliniken und geriatrische Einrichtungen sind weitere typische Arbeitsplätze für Psychologen.

Ein anderes wesentliches Einsatzgebiet für klinische Psychologen sind die zahlreichen Beratungsstellen in kommunaler, kirchlicher oder freier Trägerschaft. Drogen-, Erziehungs-, Familien- und Eheberatung sind hierbei die wesentlichen Betätigungsfelder. Typisch ist dabei die Arbeit im Team gemeinsam mit Sozialarbeitern, Pädagogen und Medizinern. Aufgrund der sprunghaften Entwicklung der Drogenproblematik sind im Zuge des Ausbaus entsprechender Beratungs- und Betreuungsangebote auch viele neue Arbeitsplätze für Psychologen entstanden.

Ebenso findet man klinische Psychologen in sonderpädagogischen Einrichtungen, z.B. für schwererziehbare Kinder und Jugendliche und in allen denkbaren Behinderteneinrichtungen. Auch in Einrichtungen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation finden sich neben den diagnostisch ausgerichteten Psychologen klinisch-therapeutisch tätige Psychologen.

Daneben ist ein weiteres besonders wichtiges Betätigungsfeld für klinische Psychologen die Arbeit in eigener psychotherapeutischer Praxis. Hier steht die Behandlung psychischer Probleme und Erkrankungen unter Anwendung der unterschiedlichsten therapeutischen Ansätze und Methoden im Vordergrund. In den meisten Fällen wird von den klinisch tätigen Psychologen eine therapeutische Zusatzausbildung, die dem jeweiligen Betätigungsfeld angemessen ist, erwartet. Für Berufsanfänger ohne eine entsprechende Zusatzausbildung ist der Berufseinstieg noch schwieriger. Für in freier Praxis als Psychotherapeuten tätige Psychologen erscheint eine entsprechende Zusatzausbildung sogar unerläßlich. Nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung wird sie deshalb folgerichtig in Zukunft zwingende Voraussetzung für die Berufsausübung sein, entweder in drei Jahren in Vollzeitform oder in fünf Jahren als berufsbegleitende Maßnahme.

Wie bereits erwähnt, ist darüber hinaus die Einrichtung einer selbständigen Praxis mit unternehmerischen Risiken behaftet; neben den nötigen Investitionsmitteln ist daher eine gründliche Standortanalyse und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Psychologen mit einzubeziehen. Neben den angestellten bzw. beamteten und den freiberuflich tätigen Psychologen gibt es gerade in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich viele Personen, die neben der abhängigen Beschäftigung auch noch eine freiberufliche Tätigkeit ausüben.

Weiterführende Links: Fachgruppe Klinische Psychologie der DGPs

10.2 Lehre und Forschung

Nach der klinischen Psychologie war nach der Umfrage von 1991 das zweitgrößte Betätigungsfeld für beruflich tätige Psychologen der Bereich Lehre und Forschung mit einem Anteil von immerhin 15%. Zehn Jahre zuvor betrug der Anteil der hier beschäftigten Psychologen noch etwa 18%.

In der Regel handelt es sich dabei um Positionen im Hochschulbereich, die häufig nur eine befristete Beschäftigung - beispielsweise als Assistent - bieten. Ein kleinerer Teil dieser Psychologen arbeitet auch an außeruniversitären Lehr- und Forschungseinrichtungen, z. B. an Erzieherfachschulen oder an privaten wissenschaftlichen Instituten.

Weiterführende Links: Liste Psychologischer Institute

10.3 Arbeits- und Betriebspsychologie

Der Anteil der Psychologen, die eine Beschäftigung im Bereich der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie gefunden haben, ist in der Dekade zwischen 1981 und 1991 deutlich angewachsen. Diese Entwicklung ging einher mit der wachsenden Bedeutung von Personalauswahl, Personalentwicklung und innerbetrieblicher Weiterbildung, vor allem in privaten Wirtschaftsunternehmen. Dies sind gleichzeitig die typischen Einsatzgebiete der "ABO"-Psychologen. Da an den meisten Universitäten den psychologischen Fachbereichen ein "klinisches Selbstverständnis" zueigen ist, blieb auch die deutliche Dominanz klinischer Studienschwerpunkte bei den Absolventen bestehen. ABO-Psychologen hatten jedoch bei der Suche nach adäquaten Beschäftigungsmöglichkeiten weit geringere Schwierigkeiten als ihre klinisch orientierten Kollegen. Zwar sind durch die rezessive wirtschaftliche Entwicklung auch die Stellenangebote für Arbeits- und Betriebspsychologen zurückgegangen, trotzdem kann mittelfristig aufgrund der starken Expansion vor allem des betrieblichen Fort- und Weiterbildungssektors mit einer relativ positiven Entwicklung auf diesem Teilarbeitsmarkt gerechnet werden.

Auch kann man davon ausgehen, daß die Umsetzung neuer Organisationsstrukturen, wie z.B. "customer focus", "outsourcing", "lean production" und "lean management", in den Unternehmen professionelle psychologische Fachkompetenz benötigt. Diese Annahme läßt sich derzeit noch nicht empirisch belegen. Die mit der konsequenten Umsetzung der neuen Managementmethoden verbundene Verlagerung von Verantwortlichkeit und Sachkompetenz auf untere und unterste Ebenen sowie der Wegfall von Hierarchieebenen müßte geradezu eine Herausforderung für Betriebspsychologen sein.

Weiterführende Links: BDP Sektion ABO-Psychologie; Fachgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie der DGPs

10.4 Marktforschung und Werbung

Auch der Anteil der in der Marktforschung und Werbung tätigen Psychologen hat sich im vergangenen Jahrzehnt erhöht und zwar von 5% im Jahr 1981 auf 7% in 1991. Werbe- und Public Relations-Agenturen, Marktforschungsinstitute, Werbe- und Marketingabteilungen von größeren Unternehmen sowie Verlage sind in der Regel die Arbeitgeber der in diesem Bereich tätigen Psychologen. Auch in diesen Sektoren hatten entsprechend vorgebildete Bewerber bis in die jüngste Vergangenheit bessere Anstellungschancen als klinische Psychologen. Die momentan zu beobachtende Nachfrageabschwächung ist ebenfalls ein Ergebnis der schwachen Konjunktur. Die Analyse der Bedürfnisse und Wünsche potentieller Kunden sowie die psychologische Wirkung der Produktpräsentation in den Medien werden auch in Zukunft ein wachsendes professionelles Know-how erfordern.

10.5 Schulpsychologie

Etwa 4% der berufstätigen Psychologen sind im Bereich der Schulpsychologie beschäftigt. Damit ist die Zahl der in diesem Bereich Beschäftigten im gleichen Umfang gestiegen wie die Gesamtzahl der erwerbstätigen Psychologen; ihre Zahl beläuft sich damit auf etwas über 1000. Da der schulpsychologische Dienst in den einzelnen Bundesländern erst gegen Ende der siebziger Jahre kräftig ausgebaut wurde, dürfte ein großer Teil der seinerzeit eingestellten Psychologen noch eine Reihe von Jahren in den entsprechenden Positionen verbleiben. Der gesellschaftliche Wandel ruft zwar einen ständig steigenden Bedarf für schulpsychologische Interventionen hervor, dennoch ist aufgrund der Haushaltslage der öffentlichen Hand in naher Zukunft kaum mit entsprechenden Stellenausweitungen zu rechnen. Allenfalls könnte die Installierung schulpsychologischer Dienste in Ostdeutschland - vorübergehend - kleine Impulse für diesen Teilarbeitsmarkt auslösen.

Die Aufgaben der Schulpsychologen sind vielfältig: sie beziehen sich sowohl auf die psychologische Untersuchung einzelner Schüler wie auf die Betreuung ganzer Schülergruppen oder auffälliger Klassenverbände und die Beratung der betroffenen Pädagogen und Eltern. Schullaufbahnberatung sowie die Kontrolle und Verbesserung schulpsychologischer Untersuchungsverfahren sowie Lehrerfortbildung und Schulorganisationsberatung gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Weiterführende Links: Fachgruppe Pädagogische Psychologie der DGPs

10.6 Verkehrspsychologie

In diesem Bereich sind rund 2% aller Psychologen tätig. Als eigenständiges Aufgabengebiet hat sich hier insbesondere die Tätigkeit in den medizinisch-psychologischen Untersuchungsstellen der Technischen Überwachungsvereine (TÜV) herauskristallisiert. Im Vordergrund stehen hier neben der psychologischen Eignungsfeststellung der Verkehrstauglichkeit die Verkehrserziehung und die Sicherheits- und Unfallforschung. Neben den TÜV bieten die Bundesanstalt für Straßenwesen, die Bundesanstalt für Flugsicherung und - vereinzelt- die Automobil- und die Luft- und Raumfahrtindustrie Beschäftigungsmöglichkeiten für entsprechend qualifizierte Psychologen.

10.7 Forensische Psychologie

Die forensische Psychologie gehört mit 5% aller Beschäftigten ebenfalls zu den kleineren Einsatzgebieten der Psychologen. Allerdings hat sich ihr Anteil zwischen 1981 und 1991 um drei Prozentpunkte erhöht und damit mehr als verdoppelt. Es handelt sich hier um Aufgaben bei den Justizbehörden (Gerichten) und im Strafvollzug. Zu den konkreten Aufgaben der Gerichts- und Kriminalpsychologen gehören die psychologische Untersuchung von Untersuchungshäftlingen und Strafgefangenen hinsichtlich der Verantwortlichkeit, der Tatmotivation und der Schuldfähigkeit. Die Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen, die Einschaltung bei Sorgerechtsproblemen der Familiengerichte, meistens im Rahmen von Ehescheidungsverfahren, sowie diagnostische und beratende Funktionen in den Vollzugseinrichtungen, stellen weitere Aufgaben dar.

Der gesellschaftlich zu definierende Bedarf an forensischen Psychologen ist weiter steigend. Ob die leeren Kassen der öffentlichen Haushalte auch in Zukunft die Deckung dieses Bedarfs erlauben ist dagegen zweifelhaft.

Weiterführende Links: Fachgruppe Rechtspsychologie der DGPs

10.8 Sonstige Tätigkeitsfelder

In der Bundesanstalt für Arbeit spielt der Psychologische Dienst in den einzelnen Arbeitsämtern eine wichtige Rolle, z.B. bei der Berufswahlentscheidung von Jugendlichen hinsichtlich ihrer Eignung, bei der Einleitung von Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation, bei der Feststellung der psychischen Belastbarkeit von Arbeitnehmern in ihrer gegenwärtigen oder geplanten Berufstätigkeit. Hierbei werden jeweils überwiegend diagnostische Methoden angewandt. Daneben gehört die psychologische Schulung von Beratern, Vermittlern und anderen Mitarbeitern der Arbeitsämter zu ihrem Aufgabengebiet.

Beim Psychologischen Dienst der Bundeswehr gehören u.a. die Eignungsfestellung bei Wehrpflichtigen, die Mitwirkung bei der Auswahl von Offiziersanwärtern, die Mitarbeit bei der Lösung ergonomischer Probleme bei Waffensystemen und bei der militärischen Ausbildung und die Unfallforschung zu den wesentlichen Tätigkeiten.

In bescheidenerem Umfang bieten auch die Psychologischen Dienste der Bundesbahn, der Polizeiverwaltungen der Länder, der Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, der Lufthansa und anderer Institutionen Beschäftigungsmöglichkeiten für Psychologen.

Weitere Betätigungsfelder sind in den vergangenen Jahren in den Bereichen der Freizeit-, Sport- und Umweltpsychologie entstanden, diese lassen sich jedoch nicht in jedem Fall bestimmten Arbeitgebern oder Institutionen zuordnen.

11. Einstiegsgehälter

Ein beträchtlicher Teil der Berufsanfänger unter den Psychologen findet nach wie vor sein erstes Anstellungsverhältnis im Öffentlichen Dienst oder in Einrichtungen, deren Tarifgestaltung sich an die Vergütungsrichtlinien des Öffentlichen Dienstes anlehnt. Insofern gelten in Kliniken in öffentlicher oder kirchlicher Trägerschaft, in Beratungsstellen, die von Kommunen oder überörtlichen Sozialhilfeträgern betrieben werden, in den Schulbehörden oder im Justizdienst - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - vergleichbare Gehaltsstrukturen. Die Vergütungen im öffentlichen Dienst sind sehr stark abhängig von den persönlichen und familiären Verhältnissen. So würde ein 29jähriger lediger Psychologe knapp 70000 DM Jahresgehalt (BAT IIa, brutto) erwarten können. Ein Beamter im gleichen Alter verfügt zwar über ein geringeres Bruttogehalt, aufgrund der entfallenden Sozialversicherungsbeiträge übersteigen jedoch die Nettobezüge in der Regel die eines Angestellten.

In Bezug auf die Privatwirtschaft lassen sich nur sehr allgemeine Hinweise zu den Einstiegsgehältern geben, da man auf sehr unterschiedliche Tarifvereinbarungen trifft; in kleineren Agenturen und privaten Forschungsinstituten greifen Tarifvereinbarungen zum Teil überhaupt nicht. Die Mehrzahl der Einstiegsgehälter wird sich im Bereich zwischen 50000 und 75000 DM bewegen. Zur Einkommenssituation freiberuflich tätiger Psychologen läßt sich keine verbindliche Aussage treffen, da diese sehr stark vom eingebrachten zeitlichen Aufwand und zum Beispiel von der Zahl der zu therapierenden Patienten abhängt.

12. Qualifikationsanforderungen

Die meisten Hochschulabsolventen des Faches Psychologie sind nach wie vor klinisch ausgerichtet. Vielen Arbeitgebern, die Einstiegspositionen in Kliniken oder Beratungsstellen zu vergeben haben, reichen die theoretischen und methodischen Grundlagen der Psychotherapie, die Absolventen aus den Hochschulen mitbringen, nicht aus. Ohne therapeutische Zusatzausbildungen sind Bewerbungen in diesen Bereichen oft vergebens. Je nach Art der Tätigkeit sind auch die Erwartungen an die Zusatzausbildungen unterschiedlich.

Für die Zusatzqualifikation"Klinischer Psychologe/Psychotherapeut" ist eine verbandsinterne Regelung des "Berufsverbandes Deutscher Psychologen" (BDP) [10] gefunden worden, zu der auch die Verleihung.dieser Qualifikation durch den BDP gehört. Für Abrechnungsmodalitäten mit bestimmten Krankenkassen kann eine solche Zusatzausbildung von entscheidender Bedeutung sein.

Daneben gibt es eine Vielzahl anderer Institutionen, mit zum Teil sehr unterschiedlichen theoretischen Ansätzen, die therapeutische Zusatzausbildungen anbieten. Beispielhaft seien hier genannt: Gesprächspsychotherapie, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gestalttherapie und Psychodrama. Vielfach werden derartige Ausbildungen auch berufsbegleitend angeboten; hier besteht die Schwierigkeit oft darin, eine für die berufsbegleitende Aus- oder Fortbildung sinnvollerweise vorausgesetzte Tätigkeit zu finden.

Auch für Tätigkeiten in der Wirtschaft reicht der formale Abschluß "Diplom-Psychologe" in der Regel nicht aus. Entweder wird eine Spezialisierung in Richtung "Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie" oder aber wirtschaftsnahe Zusatzkenntnisse in BWL oder EDV erwartet.

Die wachsende Bedeutung der sogenannten außerfachlichen Qualifikationen bei der Einstellung von akademisch vorgebildetem Personal in den Unternehmen trifft in besonders hohem Maße auch für Psychologen zu. In einer 1993 durchgeführten Umfrage hat das Institut der Deutschen Wirtschaft[11] als absolute Spitzenreiter in den Erwartungen der Unternehmen die folgenden Eigenschaften ermittelt:

Leistungsbereitschaft, Problemlösungsfähigkeit, Initiative, Kooperationsfähigkeit, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit.

Daneben wird - wie bei anderen Akademikern auch - vorausgesetzt, daß die durchschnittliche Studiendauer nicht wesentlich überschritten wird und die fachliche Kompetenz durch eine gute Diplomnote zum Ausdruck kommt.

13. Bewerbungshinweise

Nicht allein die fachliche und persönliche Eignung ist ausschlaggebend für den Erfolg bei der Arbeitsplatzsuche. Fragen, die Form und Gestaltung von Bewerbungsunterlagen betreffen, werden häufig auch von hochqualifizierten Bewerbern in ihrer Bedeutung unterschätzt. Die Bewerbung selbst sollte für jede Stelle bzw. jede Institution, bei der man sich bewirbt, maßgeschneidert sein. Besondere Fähigkeiten, erworbene Spezialkenntnisse und persönliche Interessen sollten stets im Hinblick auf gestellte Anforderungen präzise und wahrheitsgemäß dargelegt werden.

Neben der Bewerbung auf einschlägige Stellenanzeigen in der überregionalen und Fachpresse bietet sich gerade für den Berufsanfänger die Möglichkeit, sich unaufgefordert bei Kliniken, Unternehmen und anderen Einrichtungen zu bewerben. Wenn die persönlichen, bzw. fachlichen Voraussetzungen passen, bestehen durchaus Chancen, auf diese Art eine geeignete Stelle zu finden. Persönliche Kontakte, die z.B. durch Hospitationen oder Praktika erworben wurden, sollten dabei intensiv genutzt werden.

Wer bei der Suche nach einem Arbeitsplatz das Informations-, Beratungs- und Vermittlungsangebot der Bundesanstalt für Arbeit in Anspruch nehmen möchte, sollte folgende Hinweise beachten:

Alle Arbeitsämter sind untereinander durch EDV vernetzt, so daß im Bedarfsfalle ein bundesweiter Überblick über die einzelnen Teil-arbeitsmärkte jederzeit möglich ist. Deshalb genügt es, sich an das für den Wohnort regional zuständige Arbeitsamt zu wenden.

Die MANAGEMENTVERMITTLUNG NATIONAL der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) wird nur dann tätig, wenn der Bewerber sich für Positionen der oberen und obersten Führungsebene von Unternehmen, Verbänden und Institutionen qualifiziert hat. Über die MANAGEMENTVERMITTLUNG INTERNATIONAL ist die Vermittlung ins Ausland möglich.

Zum Thema BEWERBUNG hat die Fachvermittlung der Bundesanstalt für Arbeit die Schrift "Tips für Ihre Stellensuche" herausgegeben, die auf Anfrage gerne zur Verfügung gestellt wird.

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Fußnoten

1 Nach Angaben der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS).

2Schorr, Angela: Psychologen Ost und West - zwei Gesichter einer Profession? in: Report Psychologie Nr. 1 u. 2, 1995.

3Seit dem WS 1992/93 sind bei den Zahlen auch die Studenten der neuen Bundeslän der enthalten.

4Zur Situation von Frauen, insbes. von sogenannten "Spätberufenen", im Psychologiestudium vgl. auch Kuhn, Monika; Leitfaden für Spätberufene, Konstanz 1995

5Köther, Theresa, Krampen, Günther: Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt für Diplom-Psychologen/innen im Spiegel von Stellenanzeigen, in: Report Psychologie, Nr. 1, 1995.

6Vgl. Schorr, Angela: Psychologen im Beruf, Bonn 1991.

7Probst, Paul: Die deutsche Psychologie nach der Wiedervereinigung, in: Report Psychologie, Nr. 3, 1993, S. 8 ff.

8Vgl. Schorr, Angela, a.a.O.

9Freie Berufe in den neuen Bundesländern, Bd. 1, hrsg. vom Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1993.

10Auskünfte erteilt die Fortbildungs-GmbH des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Heilsbachstr. 22, 52123 Bonn, Tel. 0228/98731- 28.

11STUDIEREN UND WAS DANN, Ergebnisse einer Unternehmensbefragung, Deutscher Instituts-Verlag, Köln 1993.


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