Teilprojekt C2: Argumente in Konfliktgesprächen zwischen Eltern und Jugendlichen: Ursachen, Repräsentationen und Wirkungen

Fachrichtung: Argumentationstheorie, Sozialpsychologie, Sprachpsychologie
Leiter: Prof. Dr. Manfred Hofer
mail: fp54@rummelplatz.uni-mannheim.de
Mitarbeiter: Dr. B. Pikowsky
Dr. Th. Spranz-Fogasy
Anschrift: Universität Mannheim
Lehrstuhl Erziehungswissenschaften II
Schloß, EO
D-68131 Mannheim
Tel.: +49 (0)621 292-5124, -3553
Fax: +49 (0)621 292-5306
Förderungszeitraum:3/1988 - 6/1992

Thema des Projekts

Forschungsgegenstand dieses Projektes waren sprachliche Äußerungen in konfliktären Gesprächen zwischen Müttern und ihren jugendlichen Töchtern. Den Hintergrund bildete die Individuationstheorie. Schwerpunktmäßig untersucht wurden die Unterschiede zwischen Müttern und Töchtern, die Abhängigkeit der Argumentationen vom Alter der Töchter und von partnerbezogenen Intentionen sowie sequentielle Regelmäßigkeiten im Gesprächsverlauf. Dazu wurden Konfliktgespräche in Mutter-Tochter-Dyaden erhoben und anhand des im Projekt entwickelten und erprobten Mannheimer ArgumentationsKategorienSystems (MAKS) analysiert. Wichtige Variablengruppen des Kategoriensystems sind: Argumentfunktion, argumentative Inhalte und Referenzen.

Unterschiede zwischen Müttern und Töchtern zeigen sich in zahlreichen Kategorien: Die Argumente der Mütter hatten häufiger die Funktion, zu erläutern, die der Töchter die Funktion, Mutter-Argumente zu akzeptieren, aber auch zu schwächen oder abzulehnen. Inhaltlich wurden von Müttern häufiger Normen und Initiativen produziert, die Töchter reagierten stärker. Die Mütter sprachen häufiger über die Gesprächspartnerin sowie über beide gemeinsam, die Töchter referierten dagegen häufiger auf eigene Belange.

Unterschiede im Argumentationsverhalten zwischen jüngeren und älteren Mädchen zeigten sich hinsichtlich der Argumentfunktion insofern, als jüngere Mädchen mehr Argumente der Mutter ablehnten und häufiger Präferenzen äußerten. Ältere Mädchen referierten häufiger auf die Mutter.

Die partnerbezogenen Intentionen wurden unabhängig von der Sprachproduktion erfaßt. Insbesondere für die Töchter erlauben Informationen über ihre Intentionen Vorhersagen auf das Sprachverhalten. So neigten Töchter mit hoher Individuationsintention eher dazu, Argumente der Mutter zu schwächen und seltener zu akzeptieren.

Als sequentielle Regelmäßigkeiten waren positive wie auch negative Reaktionszirkel zu beobachten. Mütter hakten stärker nach als Töchter und dominierten das Gesprächsgeschehen.


Literatur

Hofer, M. & Pikowsky, B. (1993) Partnerintentionen und die Produktion von Argumenten in konfliktären Diskussionen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 25, 281-296.

Hofer, M., Pikowky, B. & Fleischmann, Th. (1993). Argumentationssequenzen in Konfliktgesprächen. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 24, 15-24.

Spranz-Fogasy, Th., Hofer, M. & Pikowsky, B. (1992): Mannheimer ArgumentationsKategorienSystem (MAKS). Ein Kategoriensystem zur Auswertung von Argumentationen in Konfliktgesprächen. Linguistische Berichte, 141, 350-370.