Teilprojekt B2: Sprachliche Diskriminierung

Fachrichtung: Sprach- und Sozialpsychologie
Leiter: Prof. Dr. Carl Friedrich Graumann
Mitarbeiter: Mark Galliker, Dr. phil. habil.
Daniel Weimer, Dipl.-Psych.
Renate Höer, Dipl.-Psych.
Anschrift: Universität Heidelberg
Psychologisches Institut
Hauptstr. 47-51
D-69117 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221 54-7360 (C.F. Graumann)
Fax: +49 (0)6221 54-7703
Förderungszeitraum:4/1989 - 12/1996

Thema des Projekts

Ziel des Projekts ist die Überprüfung eines von Graumann & Wintermantel (1989) entwickelten und in der ersten Projektphase modifizierten Modells sprachlicher Diskriminierung. Sprachliche Diskriminierung wird definiert als soziale Diskriminierung, die sprachlich realisiert wird. Eine soziale Diskriminierung besteht aus einer kategorialen Behandlung und einer damit verbundenen (meist negativen) Bewertung anderer. Eine Diskriminierung ist explizit, wenn sowohl die soziale Kategorie als auch die Bewertung in der Äußerung selbst enthalten sind. Können die soziale Kategorie oder die Bewertung nur aus dem Kontext bzw. der Situation erschlossen werden, sprechen wir von impliziter Diskriminierung.

In einer sprachlichen Diskriminierung sind Aspekte des "Trennens" (Abgrenzung), der "Devaluation" (Abwertung) und des "Fixierens" (Festlegung, Zuordnung zu einem Typus) enthalten. Diese zentralen Funktionen von Diskriminierung wurden mit Hilfe der Facettentheorie formal gefaßt und empirisch überprüft. Verschiedene Diskriminierungen wurden Deutschen und Ausländern zur Beurteilung vorgelegt. Dabei konnte gezeigt werden, daß die modellierten Facetten bei der Beurteilung Verwendung finden. Nach der internen Validierung wird zur Zeit experimentell überprüft, ob und wie sich die Facetten bei der Wiedergabe vorgegebener Diskriminierungen auswirken. Dabei wird ein Fragebogen eingesetzt, der die Akzeptanz von Ausländern mißt. Er wird anhand verschiedener Personengruppen (Studierende, Berufstätige, Arbeitslose, Rentner) validiert. Es wird vermutet, daß sich ein realer bzw. wahrgenommener Gruppenkonflikt (z.B. Sorge um Arbeitsplätze) im Ausmaß der Akzeptanz und der Diskriminierungsbereitschaft niederschlägt.


Literatur

Galliker, M., Huerkamp, M., Wagner, F. & Graumann, C.F. (1994a). Validierung eines facettentheoretischen Modells sprachlicher Diskriminierung anhand von Beurteilungen deutscher und ausländischer Probanden. Sprache & Kognition, 13 (4), 203-220.

Galliker, M., Huerkamp, M. & Wagner, F. (1994). The social perception and judgement of foreigners. In B.Boothe & R.Hirsig (Eds.). Perception-Evaluation-Interpretation (pp.134-140). Bonn: Huber.

Graumann, C. F. (1994). A phenomenological approach to social research: The perspective of the other. In I. Borg & P. P. Mohler (Eds.), Trends and perspectives in empirical social research (pp. 283-294). Berlin: de Gruyter.

Graumann, C. F. (1995). Discriminatory discourse. Patterns of Prejudice, 29, 69-83.

Graumann, C.F. & Wintermantel, M. (1989). Discriminatory speech acts: A functional approach. In D.Bar-Tal, C.F.Graumann, A.W.Kruglanski & W.Stroebe (Eds.). Stereotyping and prejudice: Changing conceptions (pp.184-204). New York: Springer-Verlag.