PD Dr. Sabine C. Koch, Universität Heidelberg  |    Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg   |   Prof.Dr.Cornelia Müller, Universität Viadrina, Frankfurt/Oder

 

Körpersprache von Tanz und Bewegung

Bedeutungsemergenz, Versprachlichung und therapeutische Nutzung

BMBF-Förderrichtlinie "Übersetzungsfunktion der Geisteswissenschaften"

 

Keine neuen Ankündigungen

 

 

Programm zur Konferenz
"Leibgedächtnis und Therapie"
31.03. - 02.04.11/ Heidelberg

 

 

 

 

 

 

Interdisziplinäre Konferenz "Leibgedächtnis & Therapie"

Eine Begegnung zwischen Phänomenologie und Therapie

31. 03 - 02.04 2011

Die interdisziplinäre Konferenz "Leibgedächtnis und Therapie" (Body Memory and Therapy) vom 31. März bis 2. April 2011 im DKFZ in Heidelberg bietet ein Forum für den Austausch von theoretischen und praktischen Erkenntnissen über das Leibgedächtnis und seine Bedeutung für die therapeutische Arbeit.


Hauptvortragende: Prof. Dr. B. Waldenfels
  Prof. Dr. Dr. T. Fuchs
  Prof. Dr. F. Röhricht
  Prof. Dr. P. Jansen
  Prof. Dr. Cornelia Müller
  PD Dr. S. C. Koch
  Dr. Udo Baer & G. Frick-Baer
  Dr. W. Barnowski-Geiser
  Dr. M. Summa
  Dr. des. M. Eberhard

 

Programm

Programmübersicht zum Download HIER

  Donnerstag, 31.03.2011, 1. Konferenztag
09:30
-
12:00*

Pre-Conference Workshops (9.30-12)

1 von Arnim: Spuren des Leibgedächntisses. Die Körperbildskulptur in Diagnostik und Therapie. 

Raum:  M3
2 Konrad: Das Leibgedächntis in der Tanztherapie mit KrebspatientInnen
Raum: M4

3 Ilka Konopatsch: Authentische Bewegung und der Body-Mind Ansatz

Raum: D2
4 Erbe: Contact improvisation-Die Freude unmittelbarer Körperkommunikation in Bewegung
Raum: D3

5 Wagner: TaKeTiNa
(MedPsy)

 

- 25 Euro Gebühr -

*einige Workshops enden bereits etwas früher

12:00 Registrierung
13:15

13:30
Begrüßung
13:30

14:15
Hauptvortrag
Fuchs: Leibgedächtnis, Phänomenologie und Therapie
14:15

15:00
Hauptvortrag
Waldenfels: Zeitverschiebung und Gedächtnis
15:00
-
15:30
Pause

15:30
-
17:30

Symposien: Leibgedächtnis…
VD1...und Phänomenologie (Breyer; Gerstgrasser; Eckert, P., Dornberg)
Raum: D1
VD2...und künstlerische Therapien/ Psychomotorik (Hampe; Kowal-Summek; Bender; Eckert, A.)
Raum: M2

 

 

 

 

 

 

Workshops:  Lebenslange Entwicklung
L1 Rollwagen: Entwicklung der Kinesphäre als Weg zu sozialer Kompetenz
 Raum: M3
L2 Schotte: Brücken zum (scheinbar) Unerreichbaren - Leibgedächtnis und Demenz
Raum: M4
L3 Schaal/Vogel: Die Utilisation des Körpers als intuitive Wissenressource in der hypnosyst. Gesprächtherapie

 Raum: D3
L4 Schneid/ Schultenkämper: Ich bin Leib und habe einen Körper

Raum: D2

17:45
-
18:45

VD3 … in der Onkologie (E. Mannheim)     D1

Plenum (18.00-18.45h): Reflexion                                 D1

18:45 Abendessen
20:00 Abendveranstaltung
Performance “Den Körper im Kopf”

 

  Freitag, 01.04.2011, 2. Konferenztag
8.30
-
9.00
Warm-Up Workshop
Vlamynck: Therap. Klopfen      Raum: D1
Bartmann: Alexandertechnik    Raum:  D2
Mayer: Mindfulness Meditation  Raum:  D3
09:15
-
10:00
Hauptvortrag
Baer & Frick-Baer: Das Drama der Leere – Leere, Leibgedächtnis und Therapie
10.00
-
10.30
Hauptvortrag
Barnowski-Geiser: Hören, was niemand sieht – Leibgedächtnis und Tabu in der Arbeit mit Kindern alkoholkranker Eltern
10:30 Pause
11:00
-
12:30

Symposien: Leibgedächtnis…
VF1 ...in den Kognitionswissenschaften (Tschacher; Koch; Böger)

Raum: D1   
VF2 ...und Zeugenschaft (Kolter; Frohoff; Summa)
Raum: M1                          
VF3 ...in Rhythmen und Entwicklung (Wagner; Reck; Morlinghaus)

Raum: M2     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Workshops: Künstlerische Therapien und Psychomotorik
K1 Hollnack: Leibgedächtnis und Musiktherapie
Raum: D2
K2 Bremer: Das Überraschungspaket. Leibgedächtnis in der Kunsttherapie
Raum: M3
K3 Schmitz: Konzentrative Bewegungstherapie, der Gegenwartmoment und das Leibgedächtnis
Raum: D3
K4 Eckert: Sinnverstehende Entwicklungstherapie. Ein leiblicher Weg kindlicher Begleitung
Raum: M4

12:30

-

14:30

Mittagspause
14:00
-
14:30
Hauptvortrag
Jansen: Leibgedächtnis und Kognitionswissenschaften
14:30
-
15:00
Hauptvortrag
Koch: Leibgedächtnis und Bewegungstherapie
15:00 Pause
15:30
-
16:30

Symposium: Leibgedächtnis
VF4 ...und Focusing (Kruithoff)
Raum: D1

Plenum(16:00):
Diskussion/Reflexion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Workshops: Innen und Aussen
(15.30-16.50)
F1 Gunther: Achtsame Körpertherapie für klinische DBT- und Traumatherapie-Gruppen
Raum: D2
F2 Poetsch: Die Arbeit am Tonfeld
Raum: M3
F3 Dawson: Focusing
Raum: D3
F4 Weidert: Leiblichkeit und Pflege von Menschen mit Demenz
Raum: M4
16:30
-
18:30
Spaziergang Philosophenweg zur Altstadt

 

  Samstag, 02.04.2011, 3. Konferenztag
8.30
-
9.00
Warm-Up Workshop
Vlamynck: Therap. Klopfen      Raum: D1
Bartmann: Alexandertechnik    Raum:  D2
Mayer: Mindfulness Meditation  Raum:  D3
09:15
-
10:00
Hauptvortrag
Röhricht: Leibgedächtnis und Körper-Ich, zwei zentrale Bezugspunkte in der körperorientierten Psychotherapie
10.00
-
10.30
Hauptvortrag
Eberhard: Leibgedächtnis und Trauma

10:30

-

11:00

Pause
11:00
-
12:00

Symposien: Leibgedächtnis…
VS1 ...und Ästhetische Aspekte (Sinapius; Saborowski)
Raum: D1
VS2 ...und Gesundheit (Porcher et al; Hentz, Braun, Kasper & Koch; Schmitz et al.; Hentz et al., Mannheim) Postersession

Raum: M1           
VS3 ...und Bewegung aus dem Trauma (Schreiber-Willnow; Bischkopf/ Lankau)
Raum: M2

 

Workshops Emotion und Bewegung
E1 Villiger: Innen ist Aussen
Raum: D2
E2 Clarkworthy: Leibgedächtnis, tänzerisches Verräumen und der sichere Ort
Raum: D3
E3 Goll-Kopka: Multimodale Therapie mit körperlich erkrankten Patienten u. ihren Angehörigen
Raum: M3
E4 Holzinger/Bopp: Tanztherapie in der Psychoonkologie und Forensik
Raum:  M4
12:15
-
13:00

Abschlussplenum der Hauptvortragende: Refelxion und

Diskussion

14:30
-
16:00

Abschluss Workshops
S1 Saborowski: Kontaktimprovisation: Kommunikation in Bewegung und Berührung
(MedPsy)
S2 Gerstgrasser: Sich den Boden zum Freund machen
Raum: M3
S3 Kruithoff: Focusing - die zentralen Konzepte erleben und verstehen
Raum: D2
S4 Waidelich: Was ist IST und was geht GEHT

Raum: D3

S5 Schreiber-Willnow: Von der Körperwahrnehmung zum Leibgedächtnis

Raum BT-Psych

 

16:00 Ende der Konferenz

 

 

Workshops & Syposien

Pre-Conference Workshops

Do. 31.03.2011, 9.30-12.00

 

1. Dr. Angela v. Arnim: Spuren des Leibgedächtnisses: Die Körperbildskulptur in Diagnostik und Therapie. Der KörperbildSkulpturTest als multimodales Evaluationsinstrument in der leibbezogenen Psychotherapie

Beim KörperbildSkulpturTest (KST) handelt es sich um einen projektiven Test zur Erfassung besonders der unbewussten Aspekte des Körperbildes. Der Test wurde erstmals von der Eutonie-Pädagogin Gerda Alexander (1978) angewandt. Sie ließ ihre Schüler/innen mit geschlossenen Augen menschliche Gestalten modellieren. Er wurde in der Folge von Körpertherapeut/-innen zur Diagnose und als therapeutisches Mittel eingesetzt (Joraschky, 1998; von Arnim, 2003) und erscheint „als das bisher einzige Instrument, um das bewusste und unbewusste Körpererleben dreidimensional auszudrücken“ (Wadepuhl, 1994). Der Proband modelliert mit geschlossenen Augen aus Ton eine menschliche Gestalt. Der Test basiert auf der Hypothese, dass bei fehlender visueller Kontrolle das unbewusste Körpererleben zum Ausdruck gebracht werden kann. Über dieses freie und spontan geschaffene Werk wird es dem Probanden ermöglicht, Empfindungen und Konflikte nonverbal auszudrücken. Gefühle des Menschen fließen sozusagen durch die Hand in das Material. Das Ergebnis wird unmittelbar im Anschluss an das Plastizieren besprochen. Das Gespräch wird anhand eines Leitfadens (KörperbildSkulpturInterview, KSI) geführt, um die Auswertung qualitativer Aspekte zu erleichtern. Im Workshop wird nach einer einführenden leibbezogenen Selbsterfahrung von den TN je eine Skulptur angefertigt, die im Anschluss selbst ausgewertet und in Bezug auf die Erfahrungen beim Plastizieren besprochen wird, darüber hinaus Anwendungen des KST in der klinischen Praxis und der Forschung.
Bitte bequeme Kleidung sowie Papier und Stift.

 

Angela v. Arnim,
Fachärztin für Innere u. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Therapeutin und Lehrbeauftragte (a.) der tiefenpsychologisch fundierten Körperpsychotherapemethode  Funktionelle Entspannung, bis 2007 Oberärztin und kommissarische Abteilungsleiterin der psychosomatischen Abteilung an der Psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen, seit 2007 in Berlin - Schöneberg niedergelassen in freier Praxis für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Mitglied der Körperbildwerkstatt der Universität Dresden, der Thure-v.-Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin und des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin, Dozentin im Kollegium für Psychosomatische Medizin Berlin, im Institut für Psychotherapie Potsdam und im Weiterbildungskreis Psychotherapie Erlangen, Entwicklung und Einsatz der Körperbildskulptur im Rahmen der Psychosomatischen und Tiefenpsychologisch Fundierten Psychotherapie, sowie in psychosomatisch-klinischen Behandlungsstudien, zahlreiche Veröffentlichungen zur Wirksamkeit von Körperpsychotherapie, zur Körperbildforschung und zum Körperbildskulpturtest (kst).

 

2. Das Leibgedächtnis in der Tanztherapie mit KrebspatientInnen (Ariane Konrad)

Die Diagnose Krebs konfrontiert uns mit den existenziellen Fragen des menschlichen Daseins. Sie erschüttert den ganzen Menschen - körperlich, emotional und auch kognitiv in seinen Haltungen zum Leben. In der tanztherapeutischen Arbeit mit KrebspatientInnen spielt das Leibgedächtnis eine zentrale Rolle. Nur wenn es gelingt, die primäre Lebensbejahung der PatientInnen zu reaktivieren und zu stabilisieren, kann es zu einer positiven und nachhaltigen Änderung in der Krankheitsverarbeitung kommen. Krankheitsbedingte Ängste und Depressionen können gemindert werden, indem eine ressourcenorientierte Auseinandersetzung mit der Angst vor dem Tod, aber auch der Angst vor dem Leben stattfindet. Dabei ist mit dem Leibgedächtnis sowohl die zeitliche Dimension der Erwartung des Todes bzw. Sterblichkeit als auch die Erinnerung der Geburt bzw. Lebendigkeit des menschlichen Lebens gegeben. In der existenzialistischen Philosophie und Psychotherapie liegt der Schwerpunkt auf der Sinnfindung und Neuorientierung in der Auseinandersetzung mit der Antizipation des Todes, in der Tanztherapie auf der Erweiterung des Bewegungs- und Handlungs­raums im Hier und Jetzt und der Rückerinnerung an leibliche Grunderfahrungen. Die Referentin stellt ihr Konzept vor, das beide Perspektiven zusammennimmt, sowohl existenzialistische als auch lebensphiloso­phische Ansätze heranzieht und das Medium Tanz therapeutisch nutzt, um über die Bewegung beide Dimensionen erfahrbar zu machen. Nach einer kurzen theoretischen Einführung folgen praktische Beispiele.

 

3. Authentische Bewegung und der Body-Mind Ansatz (Ilka Konopatsch)
Authentische Bewegung ist eine ursprünglich von Mary Starks Whitehouse entwickelte Methode, in der sich Teilnehmer durch Bewegung ihrer inneren Welt annähern können.
Zentrales Element des Ansatzes ist das  Witnessing, d.h. die Begleitung und Bezeugung des Prozesses der freien Bewegung und des Sich-Öffnens für innere Impulse durch eine Zeugin. Die spezielle Art der Begleitung ist ebenfalls grundlegend im von Dr. Helen Payne entwickelten BodyMind Approach, einer klinischen Anwendung der Authentischen Bewegung zur Behandlung somatoformer Störungsbilder.
Beide Ansätze sollen im Workshop - insbesondere im Hinblick auf das Witnessing  - kurz vorgestellt und diskutiert werden. In Partnerübungen können Teilnehmer Grundprinzipien der Arbeit selbst erfahren. Wer möchte, bringt bequeme Kleidung und Schreib- oder Malutensilien mit. 

 

Ilka Konopatsch ist Diplom-Psychologin und hat eine Ausbildung in Authentischer Bewegung bei Dr. Helen Payne an der University of Hertfordshire mit einer Spezialisierung in BodyMind Approach absolviert.

 

4. Einführung in die Contact Improvisation – Die Freude unmittelbarer Körper-Kommunikation in Bewegung (Chetan F. Erbe)

Contact Improvisation ist ein Tanz, der die Fähigkeit des Körpers weckt, unmittelbar über die Sinneszellen, Gelenke, Muskelspannung etc. miteinander zu kommunizieren. Dies geschieht durch unterschiedliche Formen von bewegtem Körperkontakt – z.B. Sich-bewegen-lassen/einen anderen Körper aktiv bewegen; Gewicht geben/nehmen; sanftes bis kräftiges Berühren; Momentum; Lifts - , in welchem eine absichtslose, jedoch durchaus fühlend-achtsame Berührung ("empty touch") im Vordergrund steht. Das wertfreie Spielen, Tanzen und Ausprobieren in Kontakt ermöglicht vielfältige Bewegungs-Qualitäten und Eindrücke, die das ganze Wesen erreichen. Contact Improvisation (C.I.) stärkt die Präsenz im Körper und erzeugt bei vielen Menschen ein Gefühl von "Genährt-Werden" auf allen Ebenen. Im Tanz mit einem/r PartnerIn können und dürfen Emotionen, Sinneslust und Empfindungen jeder Art auftauchen und da sein, werden aber nicht gesucht und nicht festgehalten.
Im Rahmen einer leiblich orientierten Therapie können Elemente aus der C.I. gezielt eingesetzt werden, um dem/r KlientIn bestimmte Erfahrungen unmittelbar zu ermöglichen und/oder im Leib gespeicherte, auch traumatische Erlebnisse zu heilen. In diesem Sinne kann C.I. insbesondere die Fähigkeit zur Beziehungsgestaltung unterstützen. C.I. ist eine Ende der 1970er Jahre vom Westen der USA nach Europa kommende Tanzform, in der die Möglichkeiten von Körperkontakt in einem gemeinsamen improviserten Tanz genutzt werden. Der Workshop wird einen (kleinen) Einblick in die Möglichkeiten der C.I. geben. Die Workshop-TeilnehmerInnen werden dies am eigenen Leib erfahren und begleitend die wesentlichen Prinzipien von C.I. kennenlernen. Bitte bequeme bewegungstaugliche Kleidung mitbringen!

 

5. TaKe TiNa Rhythmusarbeit: Selbsterfahrung im Loslassen durch Rhythmus (Ingrid Wagner)            

TaKeTiNa ist wie ein spielerisch zu lernender rhythmischer Tanz, der Freude macht und heilend wirkt. Im TaKeTiNa wird der eigene Körper zum Musikinstrument.
Wir beginnen mit einfachen Schritten, rhythmischem Klatschen und wechselseitigem Gesang. Die Musik, die dabei entsteht, wird unterstützt durch eine tiefe Basstrommel und den eigentümlichen, vielschichtig tönenden Klang des Berimbaus, eines Ein-Seiten-Instruments aus Brasilien. Alle unsere Sinne werden angesprochen.
Jeder trägt zum Gesamtklang der Gruppe bei und kann sich gleichzeitig von ihr tragen lassen. Auf spielerische Art können durch das Zusammenwirken von Machen und  Geschehen lassen, „Rausfallen“ und wieder „Reinfallen“, Ordnung und Chaos persönliche Grenzen und der Umgang damit entdeckt werden.
Manchmal wird dadurch Unbewusstes bewusst und kann im guten Sinn verarbeitet werden. Rhythmus, die allgegenwärtige Kraft, kann den Prozess der „Erdung“  unterstützen, heilsam sein und helfen, authentischer zu werden.
Statt es richtig zu machen, können wir Erfahrungen machen und im eigenen Zeitmaß  spielerisch lernen. Diese andere Art des Lernens ermöglicht ein Loslassen von Anspannungen und Erwartungen und führt zu mehr Gelassenheit und Leichtigkeit.

 

 

L Workshops: Lebenslange Entwicklung  

Do. 31.03.2011, 15.30-17:00h

 

1. Entwicklung  der Kinesphäre als Weg zu  sozialer Kompetenz - neurobiologische Begründung und Praxis. (Bettina Rollwagen)

Hier hast du meine Grenze überschritten, sagen wir im Volksmund, der oftmals verkörperlichte Weisheit enthält. Grenzen haben mit Raumerfahrung und speziell unserem persönlichen Umraum (Kinesphäre nach R. Laban) zu tun. Viele der sozialen Konflikte entstehen, da die Kinder ihren eigen persönlichen Umraum nicht wahrnehmen können und in Folge, den der anderen nicht spüren, überschreiten, beziehungsweise unbefugt betreten.
Aber auch wir, als Lehrer können uns bewusst werden, wo und wie wir den Raum des Kindes betreten, und eine Grundlage zum respektvollen Umgang miteinander legen. Dieser Workshop umfasst viele Bewegungsübungen, die um die Wahrnehmung und Etablierung des eigenen Umraums/der eigenen Grenzen kreisen und Konflikte im Vorfelde entschärfen oder vermeiden. Dazu werden wir auch den neurobiologischen Zusammenhang zwischen den Bewegungsmustern und Verbindungen im Gehirn betreffend Abgrenzung und Respekt beleuchten. Die Übungen können sowohl im Bewegungsunterricht als auch im Klassenraum angewendet werden.

 

Bettina Rollwagen, Diplomsportwissenschaftlerin  (DSHS Köln), CMA (LIMS), Fachkraft Spiraldynamik, Lerntrainerin, Psychomotorische Ganzheitstherapie Dr. Kannegießer – Leitner, Zusatzausbildungen im  Reha-Sport, Psychomotorik; in BMC und KMP, 10 Jahre Tätigkeit im Bereich Spiel, Musik, Sport, Bewegungsfrüh-förderung, Psychomotorik; Fortbildungen für Physiotherapeuten und Motopäden, Lehrer, Veröffentlichungen in Fachjournalen, Bewegungs- und Förder-Unterricht an einer Schule für soziale und emotionale Förderung, Vorträge undFortbildungen Laban Bewegungsanalyse für Kinder mit Lernstörungen / „AD(H)S“. Gründung u. Leitung Instituts für Bewegungs- und Lernentwicklung, B. Rollwagen und Leitung der Ausbildung lernen.bewegt.entwickeln in Hamburg. Lehre an der Uni Hamburg in Bewegungswissenschaften.

 

2. Brücken zum (scheinbar) Unerreichbaren – Leibgedächtnis und Demenz (Gabi Schotte)

Menschen in der Demenz werden häufig aus dem defizitären Blickwinkel begleitet, da vorrangig die kognitiven Aspekte des Gedächtnisses Beachtung findet. Auch wenn sich dies durch die Krankheit verändert, kann das Leibgedächtnis noch lange aktiv bleiben und zudem auch neu aktiviert werden. Darin liegt die große Chance in der Begleitung dementer Menschen. Über das Leib-gedächtnis wieder Zugang zu Erinnerungen, zu Ressourcen und  zur eigenen Identität zu ermöglichen, beinhaltet, wieder Selbstwert zu erfahren und damit Lebensqualität zu steigern.
In diesem Workshop möchte ich über erlebensorientierte Sinneserfahrungen den Facettenreichtum des Leibgedächtnisses spürbar und die Vielfalt daraus resultierender Wege und Chancen in der Begleitung dementer Menschen greifbar machen.

 

Gabi Schotte, Dipl. Sozialpädagogin, Kreative Leibtherapeutin, Kreative Gerontotherapeutin nach SMEI, Langjährige Tätigkeit in der offenen und stationären Altenhilfe, Ausbildungsleitung im Fachbereich Geronto/Demenz der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Mitautorin des Buches „Das Herz wird nicht dement“.

 

3. Die Utilisation des Körpers als intuitive Wissensressource in der hypnosystemischen Gesprächstherapie. (Amrei Schaal, Paul Vogel)

Die hypnotherapeutischen Verfahren nach Milton Erickson gründen auf der Prämisse, dass jeder Klient - bewusst oder unbewusst - über alle notwendigen Fähigkeiten und das intuitive Wissen verfügt, seine Probleme zu lösen. Daher ist es ein zentrales Anliegen der ericksonianischen Therapie, den Klienten darin zu unterstützen, seine individuellen Ressourcen zu erfahren und zu nutzen. Klassischerweise kann dieser Prozess mithilfe verschiedener Techniken entwickelt werden wie zum Beispiel Trance, Utilisation, Fokussierung auf Ausnahmen, (Ziel)visualisierungen oder Metaphernarbeit. Hierfür bietet sich das Einbeziehen der nonverbalen Informationen des Körpers als vielfältige Quelle intuitiven Wissens und gespeicherter Erfahrungen auch oder gerade innerhalb gesprächstherapeutischer Settings an. Auf diese Weise können die oben genannten Interventionen gemäß den Bedürfnissen und Erfahrungen des Klienten entwickelt, implementiert und langfristig verankert werden.
Durch Verbindung mit Körpererfahrungen werden kognitive Reflexionen für den Klienten eher explorierbar und zugänglich, wodurch sich zusätzlich die Möglichkeit der unmittelbaren Überprüfung und ggf. der Modifikation der Interventionen bietet.
In dem von uns angebotenen Workshop wollen wir mit Hilfe von körperfokussierenden Techniken zeigen, wie Körperwissen in der hypnosystemischen Gesprächstherapie effektiv und kreativ genutzt werden kann. Vor dem Hintergrund der hypnosystemischen Konzepte nach Gunther Schmidt soll die Utilisation des Körpers als intuitive Wissensressource in der hypnosystemischen Gesprächstherapie theoretisch vorgestellt und für die Teilnehmer durch Übungen erfahrbar gemacht werden.

 

Dipl.-Psych. Amrei Schaal, in Approbationsausbildung zur Verhaltenstherapeutin (WiPP), Yogalehrerin (BYV), in Ausbildung in hypnosystemischer Therapie bei Dr. Gunther Schmidt, Psychologin in der psychiatrischen Abteilung des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Dipl.-Psych. Paul Vogel, in Approbationsausbildung zum Verhaltenstherapeuten (WiPP). Ausbildung in hypnosystemischer Therapie und Coaching bei Dr. Gunter Schmidt; Ausbildung in Hypnotherapie (Centro Ericksoniano de Mexiko) bei Dr. Teresa Robles, Psychologe in der hypnosystemsichen Abteilung der AHG Fachklink Hardberg in Breuberg.

 

4. Concepteigenraum - emotionale Körperarbeit “Ich bin Leib und habe einen Körper.” (Bernd Schneid, Dorothea Schultenkämper)

“concepteigenraum” wurde im Jahr 2000 von Dorothea Schultenkämper entwickelt und basiert auf konzeptuelle Verbindungen von Intuition, Erfahrung und Wissenschaft. Die direkte Anwendung bezieht sich auf Lily Ehrenfried, Francoise Mézière (Theorie der dorsalen Muskelkette) und Thérèse Bertherat (antigymnastik) als erfahrene Praktikerinnen. Die wissenschaftliche Fundierung führt zu Sigmund Freud, Georg Groddeck (Das Buch vom Es 1923), Wilhelm Reich (Charakteranalyse 1933), Paul Schilder (The Image and Appearance of the Human Body 1950), Maurice Merleau-Ponty (Phänomenologie der Wahrnehmung 1966), Fritz Perls (Gestalttherapie in Aktion 1969), Francoise Dolto (L’image inconsciente du corps 1984), Elaine Scarry (The Body in Pain 1985), Barral/Mercier (Viszerale Osteopathie 2002) u. a.
“concepteigenraum” ist work in progress und geht immer methodisch vor. Über Bewegung, (Selbst-) Berührung, Perzeption und Artikulation kommt der Praktizierende mit sich auf eine neue Art in körperliche, psychische und somit leibliche Erfahrung. “concepteigenraum” arbeitet am Saum des Vegetativums, in einem geschützten Raum, den der Addressat/Pilot herstellt, und überlässt so den Praktizierenden seinem eigenen Rhythmus. “concepteigenraum” ist keine Therapie im herkömmlichen Sinne und richtet sich in der praktischen Sequenz an das Leibgedächtnis und an das autobiographische Gedächtnis in der Verbalisierung. Interessant wäre die Frage ans Plenum, inwieweit “concepteigenraum” Impulse an die Wissenschaft geben kann und vice versa.

 

 

Warm-Up Workshops

Fr. 01.04. + Sa. 02.04.2011, 8.30-9.00h; D1 + D2

 

1. Klopfen – eine neue therapeutische Methode (Astrid Vlamynck)

Erfahren Sie eine ergänzende, neuere „Embodiment centred“ Methode in der Psychotherapie. Erfahren Sie ihre Selbsthilfemöglichkeiten bei Befindlichkeitsstörungen und zur Ressourcenaktivierung. Multisensorische Selbstberührungsübungen aus der Energy Psychology® werden vorgestellt als eine Möglichkeit zur Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Der Einsatz dieser Methode und zum emotionalen Selbstmanagement, zum Überwinden von und Schutz vor Burn-out und Traumatisierung (auch in Liebesangelegenheiten) wird vorgestellt. Blockaden und Selbstsabotagemuster aus Sicht der Energy Psychology werden erläutert. Es besteht dringender und erfolgversprechender Forschungsbedarf, was diese Technik angeht

 

Astrid Vlamynck, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse, Level II Trainerin Energy Psychology® (Dr. Fred P. Gallo), ärztlich-psychotherapeutisch tätig in eigener Praxis in Berlin. Zusatzmethoden: EMDR (Institut für Traumatherapie Berlin), Hypnotherapie (M.E.G.), NLP  (DVNLP- Lehrtrainerin, DVNLP-Coach), Bonding-Psychotherapie, systemische Therapie, zertifizierte Level II Trainerin Energy Psychology® / EDxTMTM (Fred P. Gallo). Seit Nutzung der Energetischen Psychologie in Therapie und Coaching. Seit 2002 regelmäßige Fortbildungs- und Supervisiontätigkeit. Schwerpunkte: Überwindung von Angststörungen und Leistungsblockaden, Trauma-, Sucht-Therapie. Selbst-Coaching. Glück in der Liebe.

 

2. Alexandertechnik als Methode der Leibtherapie (Alexander Bartmann)

Freitag: Praxis der Intersubjektivität am Beispiel der Alexandermethode -  I. Vom Aufhören
Samstag: Praxis der Intersubjektivität am Beispiel der Alexandermethode - II. Vom Beginnen

Alexander Bartmann, Studium der Sozialpädagogik, Aus- und Weiterbildung in klientzentrierter Beratung und Alexandertechnik.
Patientenberatung für die Universitätsklinik Freiburg, Abt. Neurologie, seit 1988 freiberuflich als Lehrer der Alexander-Technik, seit 1993 Ausbilder und Leiter des Alexander-Institut-Heidelberg. Besondere Schwerpunkte: Wahrnehmungsschulung, Sinneslehre, Leibphänomenologie.


3. Achtsamkeitsbasierte Meditation: Eine Einführung (Andreas Mayer)

Abstract folgt

 

 

K Workshops: Künstlerische Therapien, KBT, Psychomotorik

Fr. 01.04.2011, 11.00-12.30h

                                                

1. Leibgedächtnis und Musiktherapie (Ralf Hollnack)

In der leiborientierten Musiktherapie kommt dem Leibgedächtnis vor allem in der musikalischen Biografiearbeit eine zentrale Bedeutung zu. Über das Hören von Musiktiteln, die im Leben der Klienten bedeutsam waren erschließen sich Erinnerungen an wichtige Situationen und prägende Beziehungen. Über diese Erinnerungen hinaus werden aber auch oft das individuelle Lebensgefühl und die atmosphärische Qualität des damaligen Lebensraumes leiblich reaktiviert. Hierdurch erschließen sich oftmals Zugänge zu vergessenen Lebensträumen und den damit verknüpften Hoffnungen, Sehnsüchten und Ressourcen. Anhand von praktischen Beispielen werden in diesem Workshop Anwendungsmöglichkeiten und Besonderheiten dieser Arbeit vorgestellt und gemeinsam diskutiert.

 

Ralf Hollnack, Musiktherapeut und Kreativer Leibtherapeut, Langjährige Tätigkeit in Psychiatrie und Psychosomatik, Ausbildungsleiter für Musiktherapie bei der Zukunftswerkstatt therapie kreativ.

 

2. Das Überraschungspaket – Leibgedächtnis in der Kunsttherapie (Sabine Bremer)

Das Leibgedächtnis ist auch in der leiborientierten Kunsttherapie meist der entscheidende Zugang zu unzugänglichem Erleben. Durch sinnliche Erfahrungen wie Malen, Gestalten mit Ton, Objekte aus Zeitungspapier Herstellen oder das Verwandeln des Bildes  ermöglichen wir Ausdruck des Unsagbaren und Unsäglichen, der Leiden und Freuden, der Kraft und der Sehnsucht. In diesem Workshop geht es darum, einen kleinen Einblick in die Kraft der Gestaltung durch eigenes Erleben zu erfahren. Ich möchte Ihnen die Methode des “blindgemalten Selbstportraits” vorstellen, eine Methode zum Thema “Selbstbilder”, bei der Überraschendes sichtbar werden kann und der Zugang zum Leibgedächtnis spürbar wird. Neugier und Freude sind herzlich willkommen.

 

Sabine Bremer, Kunst- und Gestaltungstherapeutin, Kreative Gestalt- und Leibtherapeutin, Kreative Supervisorin und TZI-Diplom, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Ausbildungsleiterin in der Kunsttherapie Basic und Practitioner-Fortbildung der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Ausbildungsleiterin in der Kreativen Supervisions-Fortbildung, Künstlerin, Dipl.-Designerin

 

3. Konzentrative Bewegungstherapie, der Gegenwartsmoment und das Leibgedächtnis (Ulrike Schmitz)

Geprägt werden wir von Tatsachen und Erfahrungen aus der Vergangenheit. Das Planen und entwerfen in die Zukunft hinein ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wie wir in diesem Spannungsfeld den kurzen Moment der Gegenwart für unser Handeln nutzen können, um Einfluss auf unser Leben zu bekommen, ist auch für die Therapie die Gretchenfrage.
In diesem Workshop soll das bewusste Erleben des Augenblicks in der Konzentrativen Bewegungstherapie im Mittelpunkt stehen und deutlich machen, wie wir über das Leibgedächtnis unsere Vergangenheit in uns tragen. Dabei soll spürbar werden, wie in diesen drei Sekunden Gegenwart das Fühlen und Akzeptieren des So-Geworden-seins die Basis bildet, um Entwicklung anzustoßen und neue Erfahrungen leiblich zu verankern.

 

Ulrike Schmitz, Therapeutin für Konzentrative Bewegungstherapie seit 1993 an der Klinik für Psychosomatik und psychotherapeutische Medizin, Ambulante Praxis für Einzel-, Paar- und Gruppentherapie, Eltern-Kindberatung (Schreibabys), Lehrtherapeutin und Supervisorin im DAKBT, Dozentin in psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Instituten und in der ärztlichen Weiterbildung (Akkreditierung durch die Bayerische Psychotherapeutenkammer), Veröffentlichungen: zahlreiche Veröffentlichungen, Vorträge und Seminare zu den Themen: KBT zur Traumabewältigung, KBT und Neurobiologie, KBT und Säuglings- und Bindungsforschung

 

4. Sinnverstehende Entwicklungstherapie -  Ein leiblicher Weg kindlicher Begleitung (Prof. Amara R. Eckert, Gerhard Fichtner)

Sinnverstehende Entwicklungstherapie ist ein körperpsychotherapeutisch fundierter Weg, um Kinder auf ihrem Weg in die Autonomie zu begleiten und zu unterstützen. Dies geschieht durch die Wahrnehmung leiblicher Resonanz und das Erkennen leiblicher Botschaften, sowohl beim Kind als auch beim Begleiter. Es geht also darum, die Botschaften kindlicher Symptome zu verstehen und die damit verbundenen schwierigen und traumatischen Erlebnisse gemeinsam mit den Kindern zu verarbeiten. Dies geschieht in einem Setting, das Bewegung und großräumiges Spiel und somit die leibliche Symbolik einlädt. Im Workshop werden Grundlagen und Wirkungen sinnverstehender Entwicklungstherapie vorgestellt und letztere praktisch erfahren.

 

 

F Workshops: Innen und Außen

Fr. 01.04.2011, 15.30-16.50h

 

1. Achtsame Körpertherapie für klinische DBT- und Traumatherapie-Gruppen (Claire Gunther)

Der Begriff Achtsamkeit entspringt der zen-buddhistischen Ethik und bezeichnet eine innere Haltung, die darauf zielt, sich selbst, die persönliche Umwelt und Mitmenschen wertfrei wahrzunehmen. In diesem Workshop werden Sie praktische Einblicke in eine methoden-übergreifende Körpertherapie bekommen, die ich klinischen DBT- und Traumatherapie-Gruppen anbiete. Das Zulassen von Körpererinnerungen stellt für komplex traumatisierte Menschen eine enorme Herausforderung dar. Affekte (wie Scham, Ekel, Angst, Hass, Trauer, Ohnmacht) und eine Vielzahl von Abwehr- bzw. Schutzmechanismen (wie Dissoziationen, Somatisierungen, Rationalisierungen, chronische Schmerzen) hüten zunächst unaussprechliche Erinnerungen in bewusstseins­fernen Selbstanteilen. In den ersten Phasen der DBT- und Traumatherapie stehen wir als Therapeuten/innen vor der Aufgabe, diesen Menschen eine validierende, stützend-haltende therapeutische Beziehung zu bieten und ihnen hilfreiche Techniken (bzw. DBT-Skills) zu vermitteln, die sie in späteren Phasen selbstwirksam anwenden können, um ihren traumatischen Erinnerungen zu begegnen.
In der Achtsamen Körpertherapie leite ich deshalb Sinneswahrnehmungs-, Imaginations-, Entspannungs-, und Bewegungsübungen aus der Tanztherapie, dem Qi Gong, Kampfsport und Yoga an und verfolge dabei u.a. folgende Therapieziele: Beruhigung des vegetativen Nervensystems und Förderung der Erdung, Zentrierung, Stabilisierung, Körperwahrnehmung, Nähe-Distanzregulierung, Stresstoleranz, Impulskontrolle, Spannungs- und Affektregulierung.Bringen Sie bitte bequeme Kleidung und leichte Schuhe, bzw. rutschfeste Socken mit.

 

Claire Gunther, Studium der Sozial-Wissenschaften mit Schwerpunkt Psychologie / Uni-Hagen, Tanztherapie-Ausbildung / Langen Institut, seit 1995 als Tanz- und Bewegungstherapeutin tätig im Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik - St. Agustinus Kliniken / Neuss, seit 2002 freiberufliche Tätigkeit als Tanz- und Ausdruckstherapeutin, ECP - European Certificate of Psychotherapie, Lehrkraft am Langen Institut / Düsseldorf, Kompaktausbildung Systemisches Coaching - Sieger Consulting / Darmstadt        

 

2. Die Arbeit am Tonfeld (Manfred Poetsch)

---  Im Greifen sich Begreifen ---  Das haptische Geschehen als Möglichkeit zur Bewusstseinsbildung
Grundlage der Arbeit ist das Berühren und gleichzeitig berührt werden. Der Tastakt ist ein Beziehungsgeschehen. Bewegung führt zur Wahrnehmung und Wahrnehmung vollzieht sich in Bewegung. Im Erleben nehmen wir bewegt wahr und in der Wahrnehmung erscheint uns ein Anderes, an dem wir uns selbst zukommen, weil es uns bewegt. Somit sind wir in der Arbeit zur Verwirklichung unserer Subjektivität als Gestaltbildung aufgerufen. Der Ort dieses Grunderlebens ist der des Leibes. Wegen seiner Zentralität der Grund von Begegnung, Orientierung und Begenwärtigkeit. Als Begleiter vermag ich die Gerichtetheit von Bewegungen des Arbeitenden zu empfinden, sie nachzubilden und leibhaftig zu beantworten. In der Zeit ist der Leib Träger der leibhaftigen Lebensgeschichte. Im Wechselspiel von einerseits intentional gerichteter Aktivität und andererseits empfangend mitschwingender Wahrnehmung kann sich Verstehen und Einsichtnahme in Gestaltbildung vollziehen.


Im Workshop werden in Einzelarbeit in der Gruppe exemplarisch Bewegungsqualitäten und deren Entwicklung zu Gestaltbildungen in der Arbeit am Tonfeld aufgewiesen.

 

 Manfred Poetsch, Jg. 1961, grad. Kunst - und Gestaltungstherapeut (DFKGT), Heilpraktiker (Psychotherapie), Ausbildung in der Arbeit am Tonfeld bei Prof. Heinz Deuser, Ausbildung an der Kölner Schule für Kunsttherapie, langjährige Tätigkeit an psychiatrisch – psychotherapeutischen Kliniken.
Schwerpunkt ist die Arbeit im Bereich der Traumatisierungen und Persönlichkeitsstörungen mit Verknüpfung von Leiberleben und Gestaltbildung.

 

 

3. Focusing (Teresa Dawson)

Gibt es eine verlässliche, logische Struktur für Intuition? Für den Verstand kommt sie eher wie ein Zufallstreffer oder wie Glücksache daher. Darauf zu hören ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Das "komische Gefühl" gibt in der ersten körperlichen Spürbarkeit seine Informationen nicht preis. Es braucht ein paar Schritte zum "Auspacken". Eugene Gendlin's Beitrag zu diesem Phänomen des Körpers heisst Felt Sense: wir spüren deutlich etwas, dessen Zusammenhang und Inhalt wir nicht sofort erklären können. Wir sind nicht geschult, uns mit Vagen, Diffusen, Unklaren so zu beschäftigen, dass wir ihm gar ein Stück weit die Führung überlassen. Genau das hat Gendlin getan. Er lehrte bei dem zu bleiben, was nicht definiert ist, und zu erleben, wie sich genau dadurch etwas öffnet, was Hand und Fuss hat, zu uns passt und Sinn macht, uns aktuell weiterbringt. Die praktikable Methode, die mit diesem Felt Sense arbeitet, nannte er Focusing. Im Workshop wird der einfache Ablauf von Focusing vorgestellt und in kurzen Uebungen ausprobiert.

 

Teresa Dawson,
Zertifizierende Koordinatorin und Ausbildnerin des Internationalen Focusing Instituts, Psychotherapeutin in Zürich und Luzern, Engagement seit 25 Jahren im In- und Ausland für Focusing, Focusing-Traumarbeit und Focusing TAE (Thinking at the Edge), Focusing Aus- und Weiterbildungen für unterschiedlichste Berufsgruppen, mehrjährige Zusammenarbeit mit Gene Gendlin in New York

 

4. Leiblichkeit in der Pflege von Menschen mit Demenz (Sabine Weidert)

Zielsetzung: Ausbildung der leiblichen Resonanzfähigkeit von Pflegefachpersonen.
Materialien und Methoden: Eine qualitative Untersuchung ermittelte das Empfinden von Pflegefachpersonen bezüglich der Begleitung demenzkranker Patienten. Die Belastungen der Pflegenden wurden unter Rückgriff auf die Leibphilosophie detailliert als die Hauptkategorie der Auswertung identifiziert. Dies führte teilweise zum Beziehungsabbruch zu den Demenzerkrankten. Die Autorin nimmt an, dass eine Optimierung der Versorgung Demenzkranker Menschen im Krankenhaus im Wesentlichen über die Steigerung der Pflege-Beziehungs-Kompetenz erreicht werden kann. Diese wird nicht allein durch das Anhäufen von Sach- und Fachwissen erzielt, sondern bedarf insbesondere eines Angebotes emotional-leiblicher Dimension. Eine Schulungskonzeption sucht nach Lösungen für die dargelegten Problemzusammenhänge. Die Besonderheit: Über kreative Methoden aus dem Bereich der Ästhetischen Bildung werden gezielt Situationen herbeigeführt, welche belastende Erfahrungen reflektierbar machen, sie gleichzeitig jedoch als Material nutzt, den eigenen Leib als Wahrnehmungsorgan für Atmosphären, Stimmungen und Gefühle auszubilden.
Im Workshop wird nach der kurzen Darstellung des theoretischen Hintergrundes in Form einer praktischen Übung (malen eines Klangbildes) ein Beispiel aus dem Bereich der Ästhetischen Bildung am eigenen Leibe erfahrbar. Anschließend kann die Formulierung von Resonanzen auf das entstandene Bild genutzt werden, um auf Rückschlüsse zum Arbeitskontext der Teilnehmenden hinzuführen.

 

Sabine Weidert, Krankenschwester, Dipl.-Sozialpädagogin (FH), Praxisbegl. für Basale Stimulation, systemisch-integrative Familienberaterin (DGSF), internat. Lehr- und Ausbildungstätigkeit, Mitarbeiterin der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung e.V., Fachbuchautorin: Leiblichkeit in der Pflege von Menschen mit Demenz. Zum Umgang mit anspruchsvollen Situationen im Klinikalltag, Frankfurt a.M., 2007.

 

 

Warm-Up Workshops

Fr. 01.04. + Sa. 02.04.2011, 8.30-9.00h; D1 + D2

 

1. Klopfen – eine neue therapeutische Methode (Astrid Vlamynck)

Erfahren Sie eine ergänzende, neuere „Embodiment centred“ Methode in der Psychotherapie. Erfahren Sie ihre Selbsthilfemöglichkeiten bei Befindlichkeitsstörungen und zur Ressourcenaktivierung. Multisensorische Selbstberührungsübungen aus der Energy Psychology® werden vorgestellt als eine Möglichkeit zur Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Der Einsatz dieser Methode und zum emotionalen Selbstmanagement, zum Überwinden von und Schutz vor Burn-out und Traumatisierung (auch in Liebesangelegenheiten) wird vorgestellt. Blockaden und Selbstsabotagemuster aus Sicht der Energy Psychology werden erläutert. Es besteht dringender und erfolgversprechender Forschungsbedarf, was diese Technik angeht

 

Astrid Vlamynck, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse, Level II Trainerin Energy Psychology® (Dr. Fred P. Gallo), ärztlich-psychotherapeutisch tätig in eigener Praxis in Berlin. Zusatzmethoden: EMDR (Institut für Traumatherapie Berlin), Hypnotherapie (M.E.G.), NLP  (DVNLP- Lehrtrainerin, DVNLP-Coach), Bonding-Psychotherapie, systemische Therapie, zertifizierte Level II Trainerin Energy Psychology® / EDxTMTM (Fred P. Gallo). Seit Nutzung der Energetischen Psychologie in Therapie und Coaching. Seit 2002 regelmäßige Fortbildungs- und Supervisiontätigkeit. Schwerpunkte: Überwindung von Angststörungen und Leistungsblockaden, Trauma-, Sucht-Therapie. Selbst-Coaching. Glück in der Liebe.

 

2. Alexandertechnik als Methode der Leibtherapie (Alexander Bartmann)

Freitag: Praxis der Intersubjektivität am Beispiel der Alexandermethode -  I. Vom Aufhören
Samstag: Praxis der Intersubjektivität am Beispiel der Alexandermethode - II. Vom Beginnen

Alexander Bartmann, Studium der Sozialpädagogik, Aus- und Weiterbildung in klientzentrierter Beratung und Alexandertechnik.
Patientenberatung für die Universitätsklinik Freiburg, Abt. Neurologie, seit 1988 freiberuflich als Lehrer der Alexander-Technik, seit 1993 Ausbilder und Leiter des Alexander-Institut-Heidelberg. Besondere Schwerpunkte: Wahrnehmungsschulung, Sinneslehre, Leibphänomenologie.


3. Achtsamkeitsbasierte Meditation: Eine Einführung (Andreas Mayer)

Abstract folgt

 

E Workshops: Emotion und Bewegung

Sa. 02.04.2011, 11.00-12.00h

 

1. Innen ist wie Aussen (Thomas Villiger)

Das Finden von innerer Stabilität - und damit Sicherheit - ist eine grundlegende Anforderung für die Zusammenarbeit mit Menschen mit Traumafolgestörungen. In der therap. Kooperation lassen sich Bewegungserfahrung, die Gestaltung unserer Sprachmuster, Sprechrhythmik und Körper-Koordination verstehen wie indirekt hypnotische Induktionen. Gerade bei traumatisierten Menschen kann die Arbeit mit eigenaktiver Bewegungserfahrung, Stimme und Stimmgebung wesentlich beitragen zu einer achtsamen Beziehungsgestaltung zu und mit uns selbst (Propriozeption) bzw. zu unseren Klienten; und damit zu einem hilfreichen Einordnen von Körperempfindungen, das das  Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und die eigenen Fähigkeiten stärkt. Raum- und Bewegungserfahrung sind gute Antidissoziativa, sehr geeignet das Zwerchfell anzuregen und können gute Ent-Spannungshilfen sein.
Was z.B. haben die Füße (oder z.B. Zwerchfell oder die Resonanzräume im Kopf) zu tun mit einer  möglichst freien Stimme, die sich wiederum auf die Kooperation auswirkt?
Erfahrungs-WS: Leicht umsetzbare Übungen zum eigenem Stand und Stimme; zum Einsatz von (inneren) Stimme(n) bzw. eines Chor; und v.a. aber auch zum Körpergewahr­sein (vgl. Rothschild). Ablauf: Kurze Einführung, Fallvignette; praktische Übungen, Erfahrungsaustausch. Anregungen zur Weiterentwicklung sind herzlich willkommen.

 

Thomas Villinger, lic. phil., Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie FSP, Mitglied von ghyps, smsh und assoziiert der MEG, tätig zu einem Teil als selbständiger Psychotherapeut in privater Praxis, berufl. Rehabilitations-Beratung (v.a. Beratung von Unfallklienten und Klienten mit sog. psychosomat. Fragestellungen), Fortbildung in rhythmisch-organischer Bewegungsbildung und Tanz an der zhdk in Stimmbildung/Sprechen Seit längerem Einzel-Gesangsunterricht bei einem Berufs-Bassbariton.

 

2. Leibgedächtnis, tänzerisches Verraumen und der sichere Ort (Conya Clackworthy)

Räumlichkeit ist eine Qualität des Erlebens. Jedes Erleben hat eine räumliche Dimension. Die therapeutische Methode des Verraumens basiert darauf und bietet so differenzierte Wege, mit denen Klient/innen und Patient/innen leibliche Veränderungen angehen können.
Das Leibgedächtnis ist auch immer ein Räumliches. Im Verraumen treten leibliche Erfahrungen aktuell in den Vordergrund des Erlebens und drängen auf Veränderung. Erstarrtes kann in Bewegung kommen.
Dies ist besonders relevant in der Arbeit mit traumatisierten Menschen. In deren Leibgedächtnis spielen Erfahrungen der Verunsicherung eine große Rolle. Der “sichere Ort” als Erlebensort ist brüchig und oft nicht zugänglich. Der Workshop zeigt Möglichkeiten, wie tanztherapeutisch mit dem sicheren Ort gearbeitet werden kann, und demonstriert dabei das therapeutische Verraumen.

 

Conya Clarckworthy, Tanztherapeutin, Kreative Leibtherapeutin, Dozentin für Tanztherapie, Traumatherapie und kreative Psychotherapie / Zukunftswerkstatt therapie kreativ, freischaffende Künstlerin, langjährige therapeutische Praxis mit dem Schwerpunkt Traumatherapie und Supervision.

 

3. Multimodale Therapie mit körperlich erkrankten Patienten und ihren Angehörigen (Andrea Goll-Kopka)

In diesem Workshop wird das multimodale Vorgehen in der Arbeit mit Patienten und deren Angehörigen mit (lebensbedrohlichen) körperlichen Erkrankungen, die auch Psychotraumatisierungen durch die medizinische Diagnosephase und eingreifenden medizinisch-klinischen Interventionen erlebt haben, vorgestellt. Somatisch erkrankte Patienten und ihre Angehörige berichten eindrücklich nach der akuten Krankheitsphase von prägenden sie belastenden inneren Bildern, Körpererinnerungen und Erlebnissen in der medizinisch-klinischen Umgebung. Neben der Verarbeitung dieser Erfahrungen sind die Patienten und ihre Angehörigen oftmals überfordert von den psychischen Folgen des Auftretens und Erleidens der Erkrankungen – sie sind überflutet von Gefühlen der Ohnmacht, Angst oder Trauer und sie belastenden quälenden Körpererinnerungen, und inneren „Schreckensbildern“. Um diese prägenden inneren Bilder, weitreichenden intensiven Körpererfahrungen und überflutenden Gefühle aufzuarbeiten und zu integrieren reicht die Sprache oftmals nicht aus. Hier möchte ich einen die verbale Ebene ergänzenden multimodalen Ansatz vorstellen: Gemeinsame Bewegungsinteraktionen, Authentischen Bewegung, Malen, Arbeit mit Symbolen, Imaginationen, Rituale etc. können unterstützende Interventionen im therapeutischen Prozess für Patienten und Angehörige sein. Es werden Fallvignetten, Therapieverläufe, Interventionsmöglichkeiten für Einzelpatienten, Paare und Gruppen vorgestellt und den Teilnehmern bei Wunsch auch Selbsterfahrungsmöglichkeiten angeboten.

 

Andrea Goll-Kopka, Dipl.-Psych., Psychol. Psychotherapeutin & Kinder- & Jugendlichenth.; tiefenpsychol. Psychotherapeutin (Kassen - und Lehrpraxis); Lehrtherapeutin Tanz- und Bewegungstherapie (BTD); Systemische Therapeutin und Supervisorin (DGSF); Weiterbildung in KBT; Zusammenarbeit mit der Dt. Krebshilfe, Mucoviscidosegesellschaft, SPZ Frankfurt; etc. Lehre, Tagungsbeiträge und Veröffentlichungen.

 

4. Tanztherapie in Psychoonkologie und Forensik (Anja Holzinger / Nina Bopp)

Bewegungstherapeutinnen aus der Heidelberger Region stellen ihre Arbeit vor:

a. Anja Holzinger: "Hinter der Mauer": Gehen als Zentrierung in der geschlossenen Forensischen Psychiatrie / Tanztherapeutische Erfahrungen in der Forensischen Psychiatrie am Beispiel Körperschema/Körperbild oder „Zeigt her eure Füße!“
Eine tanztherapeutische Intervention für Maßregel-Patienten aus acht Tanz- und Bewegungstherapie-Einheiten, die regelmäßig in der forensischen Psychiatrie am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden eingesetzt wird, wird vorgestellt. Der Workshop beinhaltet die Ideen, Zielsetzungen, eine Übungsauswahl und die Ergebnisse der forensischen Arbeit.

 

Anja Holzinger, Sportpädagogin, M.A.(Fächer: Sportwissenschaft, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Pädagogik), Tanz- und Bewegungstherapeutin (BTD), seit 1994 als Sport- und Bewegungstherapeutin und Lehrerin am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in der Klinik für Forensische Psychiatrie tätig.

 

b. Nina Bopp: Tanztherapie in der onkologischen Nachsorge und mit Schmerz-/traumatisierten Patientinnen in der Rehabilitation
Tanztherapie für onkologische Patientinnen, Schmerzpatientinnen und traumatisierte Patientinnen im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen wird von PatientInnenseite sehr gut angenommen. In diesem Workshop werden die Grundlagen, die Zielsetzung und die Erfahrungen aus der praktischen bewegungstherapeutischen Arbeit in der Psychoonkologie vorgestellt.

 

 Nina Bopp, Leiterin des Horts an der Grundschule Hagenbach, Tanztherapeutin BTD, Kreative Fachtherapeutin für Psychoonkologie, seit 2002 stationäre und ambulante Tanztherapie an der Mediclin Kraichgau-Klinik in Bad Rappenau und der SLK-Klinik Heilbronn.

 

 

S Abschluss Workshops

Sa. 02.04.2011, 14.30-16.00h

 

1. Kontaktimprovisation: Kommunikation in Bewegung und Berührung (Maxine Saborowski)

In diesem Workshop möchte ich einen kleinen Einblick geben in die Kontaktimprovisation: Ein Spiel in der Dimension zwischen dem eigenen Leib und anderen, eine Kommunikation, die auf der Wahrnehmung von Berührung, Gewicht, Richtung, Schwerkraft und vielem mehr beruht.

Der Workshop beginnt mit einfachen Wahrnehmungsübungen, die uns helfen, unseren Körper in seiner Lebendigkeit, im Sich-Bewegen und Wahrnehmen zu erspüren. Danach arbeiten wir in Berührung mit einem Partner mit Elementen wie Führen und Folgen. Schließlich werden wir in Duetten frei experimentieren: Die gemeinsame Bewegung entsteht aus dem Wahrnehmen des Kontakts heraus, in Kommunikation.
Kontaktimprovisation, diese Form der „Kommunikation in Bewegung und Berührung“, kann z.B. Pädagogen und Therapeuten als Spiegel der eigenen kommunikativen Fähigkeiten dienen und ausgehend von der leiblichen Auseinandersetzung die Reflexion professionellen Handelns anstoßen.

 

2. Sich den Boden zum Freund machen! (Brigitte Gerstgrasser, Pavlo Eckert)

Eine Hinführung zum Leibtherapeutischen Tanzen im Kreis
Einschneidende Lebensereignisse können oft dazu führen, dass Betroffene den Boden unter den Füßen verlieren, und dass sie sich und den Boden nicht mehr spüren. In der Rhythmischen Leibtherapie wird diese Befindlichkeit als leibhaftige Wirklichkeitserfahrung des Klienten anerkannt. Entsprechend ergeht das Angebot, sich den verlorenen Boden zum Freund zu machen. Wenn dies zunehmend gelingt, erfahren sich Klienten als getragen, gehalten, geborgen und zum Kreis zugehörig.
Das Medium, in dem solche Erfahrungen aus erster Hand mit anderen geteilt werden können, ist das Leibtherapeutische Tanzen im Kreis, das eine neue mediale Struktur leibbasierten therapeutischen Wirkens und Handelns anbietet. Dabei handelt sich um eine praktische Verknüpfung von Erkenntnissen der Neuen Säuglingsforschung und der Leibphänomenologie mit dem jahrtausendealten Kulturgut des griechischen Kreistanzes. Dieses leibbasierte Tanzen im Kreis knüpft unmittelbar am impliziten Leibwissen an: am rhythmischen Bewegungs- und Wachstumswissen, das der Embryo im Mutterleib sich bereits im „Tanz zwischen Mutter und Kind“ einbildet,  der dann über die gesamte Lebensspanne hinweg immer weiter entfaltet wird. Der Workshop macht das Angebot zu erfahren, wie dieses implizite Leibwissen in der therapeutischen Situation aktiviert und genutzt werden kann. Anhand fokussierender Achtsamkeitsübungen kann im gemeinsamen rhythmischen Schwingen der Boden wieder neu gespürt, Gehalten- und Getragensein erlebt werden.

 

Brigitte Gerstgrasser, Leibtherapeutin, Musiktherapeutin, Traueragogin, Gerontagogin

 

Pavlo Eckert: Leibtherapeut und Gerontagoge, Studium der Geschichte, Psychologie und Philosophie.

 

Seit 1997 gemeinsam von Brigitte Gerstgrasser und Pavlo Eckert geleitete therapeutische Seminare sowie die Entwicklung der leibökologischen Konzeption der Rhythmischen Leibtherapie, 2007 Gründung der Akademie der Rhythmischen Leibtherapie, 2010 Erscheinen des ersten gemeinsamen Buches "Wenn Heilkräfte entspringen", 2011 Vorankündigung des zweiten Buches "Werdenshemmung und Entfaltungsschwung"

 

3. Focusing – die zentralen Konzepte erleben und verstehen (Elmar Kruithoff)

Focusing beschreibt ein erlernbares Verhalten sich selbst und den eigenen Erlebensprozessen gegenüber, welches essentiell für das Verständnis von persönlicher Veränderung ist. Veränderung wird dadurch möglich, dass sich implizit vorhandene, fühlbar neue Zusammenhänge innerhalb von komplexenThemen und Fragestellungen entfalten können. In diesem Workshop beschäftigen wir uns aktiv mit den wichtigsten Elementen von Focusing: Präsenz, Innere Beziehung und Felt Sense.

 

4. Was ist IST und was geht GEHT - ein tanztherapeutischer  Ansatz der Ressourcenfindung bei Menschen mit der Diagnose einer "sogenannten" Persönlichkeitsstörung. (Heidrun Waidelich)

Gestützt auf implizit gespeicherte Bewegungsfähigkeiten der PatientInnen (wie z.B. Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen) ist es Aufgabe der TherapeutIn, solche Möglichkeiten als primäre Ressourcen im Verhalten der PatientInnen aufzurufen. Wichtig wird in der Bewegungsarbeit, eine Verbindung zu kontaktbejahenden Zielen zu etablieren und das Erleben von selbstwirksamen Erfahrungsschleifen zu fördern. Solche Selbstwirksamkeits­erfahrungen werden u.a. ermöglicht, wenn das Bewegen der PatientInnen unter dem Aspekt des Außen- bzw. Umweltbezugs angeregt und durch die spezifischen Bewegungs­interventionen gestützt wird. Der Wechselprozess von Einwirken auf die Umgebung und des Bewirktwerdens dadurch kann das Daseinsgefühles stärken. Weitere wichtige Ziele können zum einen die Einregulierung in ein beruhigteres „Still Werden“ sein und zum anderen das Schaffen von wohltuenden leiblichen Erfahrungen, die Freude am leiblichen Sein und Handeln ermöglichen.
Im Workshop wird erfahrbar; gemacht, welche Bewegungsinhalte kleinschrittig zu den oben genannten Zielen beitragen können und wie interveniert werden kann, um den Außenbezug und die Selbstwirksamkeit über Bewegung herzustellen. Theoretische Reflexionen ergänzen den Workshop.

 

Heidrun Waidelich, Integrative Tanztherapeutin DGT, Integrative Bewegungstherapeutin FPI,   Psychotherapeutin HPG, C.M.A.-Laban NY, Tanzpädagogikstudium Uni Nevada, 1974 –1990 Tanztherapie Fortbildung b. Trudi Schoop, seit 1980 Leitung Zentrum f. Tanz, Therapie, Gestaltung Tübingen, Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Tanztherapie, seit 1979 Lehrtrainerin der DGT, Lehrtherapeutin für Tanztherapie am FPI, seit 2000 Dozentin für Körperschulung an der Musikhochschule Karlsruhe am Institut für Musiktheater. Seit 1983 private Praxis für Psychotherapie und Tanztherapie in Tübingen.

 

5. Von der Körperwahrnehmung zum Leibgedächtnis
(Karin Schreiber-Willnow)

In dem Workshop wird angeboten, Materialien der Konzentrativen Bewegungstherapie wie  Kugel oder Stab in Ruhe und Bewegung mit allen Sinnen zu erkunden und über das „konzentrative Erspüren“ den Zusammenhang von Körperwahrnehmung und Leibgedächtnis zu erleben. Über die Erkundung der Gegenstände werden Erinnerungen an frühere Begegnungen mit Gegenständen oder Personen, die durch diese Gegenstände symbolisiert werden, geweckt.
Das Konzept der Aktivierung des Leibgedächtnisses durch die Erkundung von Materialien in der therapeutischen Gruppe wird im Anschluss dargestellt und durch die Erfahrungen der Teilnehmer und klinische Fallbeispiele illustriert.

Möglichst eine Decke und Socken mitbringen

 

Symposien

VD1: Leibgedächtnis und Phänomenologie

Do. 31.03.2011, 15.30-17.30h

 

1. Dr. Thiemo Breyer
Das Phantom im Spiegel. Ein phänomenologischer Versuch über somatosensorische Plastizität und Leibgedächtnis

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die „virtual reality box“ des Neurologen Ramachandran, ein Kasten, in dem ein Spiegel vor Patienten mit Phantomsymptomen in einer amputierten Hand so positioniert wird, dass die Bewegungsreflexion der intakten Hand auf die gefühlte Stelle der Phantomhand projiziert wird. Zweck dieser Apparatur ist „to resurrect the phantom visually to study inter-sensory effects“. Eine der Beobachtungen der Studie ist das Auftreten von kinästhetischen Empfindungen in der Phantomhand in 60% der Fälle. Der visuelle Sinn vermittelt hier zwischen zwei leiblichen Empfindungen, der originären kinästhetischen Empfindung der intakten Hand und der (quasi-) kinästhetischen Empfindung der Phantomhand. Wichtig ist dabei die Lokalisierung der Empfindung, die erst durch das Spiegelbild und das es verarbeitende visuelle Sensorium geleistet wird. Wenn der Patient sieht, wo sich die Phantomhand befindet und eine implizite Verbindung zur sich tatsächlich bewegenden intakten Hand herstellt, kann sich eine „analogische Sensation“ in der Phantomhand einstellen – mit positiven therapeutischen Effekten. Diese Situation birgt interessante Ansatzpunkte für die Phänomenologie der Leiblichkeit und Intersubjektivität. Durch den Spiegel, in dem ich mir als Anderer begegne, entsteht eine synästhetische Konstellation, in welcher der Leib sich durch intermodale Transformation an sich selbst erinnert, an sein Vermögen, das verlorene Glied zu bewegen und angemessen zu spüren.

 

2. Brigitte Gerstgrasser
Leibgedächtnis und Entfaltungsschwung. Ein Beitrag zur Phänomenologie des werdenden Leibes

Die Krisendiagnose Rilkes vom „Tun ohne Bild“ führt zur Eingangsfrage des Vortrags: Mit welcher Metapher oder mit welchem Bildfeld können wir uns dem Phänomen des impliziten Leibwissens angemessen nähern? Ein Angebot findet sich bei Schopenhauer, der das Gedächtnis mit einem Tuch vergleicht, das die Falten, in die es einmal gelegt war, noch lange bewahrt. Davon abgeleitet hat sich in der Rhythmischen Leibtherapie die Metaphorik des Gewands bewährt, dessen Faltenwurf sich im lebendigen Bewegungsschwung entfaltet - in einer Werdenshemmung jedoch gefaltet bleibt. 

Der Vortrag greift das Angebot der neueren Säuglingsforschung auf, den Entfaltungsschwung zwischenleiblichen Geschehens als „Tanz zwischen Mutter und Kind“ zu verstehen, in dem wechselseitig Bewegungs- und Beziehungswissen in rhythmischer Ordnung eingeleibt wird. Es wird betont, dass diese zwischenleiblichen Vollzugsformen der frühen Jahre bereits im Mutterleib als pränatale Choreographien (ein)gebildet werden. Erst aufgrund dieser ursprünglichen „Naturgabe“ (Kant), kann der vorgeburtliche Fundus des impliziten Leibgedächtnisses lebenslang Entfaltung finden.

Wie dieser ursprüngliche Fundus des impliziten Leibgedächtnisses Veränderungsprozesse selbst im hohen Erwachsenenalter therapeutisch wirksam werden lässt, soll im zweiten Teil des Vortrags verdeutlicht werden.

 

3. Pavlo Eckert
Leibgedächtnis’ trifft ‚seelischen Apparat. Eine Begegnung zwischen Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud

Freuds tiefenpsychologischer Begriff der Trauerarbeit hat über die Grenzen der Psychoanalyse hinweg Eingang in andere Therapiekonzeptionen sowie ins Alltagsleben gefunden. Das diesen Vortrag leitende Interesse ist es, mit dem Rückgang zur Trauerwerkstatt Freuds, eine Revision seiner Trauertheorie und damit eine Entgrenzung seines eingegrenzten Menschenbilds einzuleiten. Ein Revisionskriterium wird die Frage sein, ob seine Theorie den existenziellen Selbsteinschluss ermöglicht - oder Trauertheorie und persönliche Trauer sich unversöhnt entgegenstehen.
In Freuds Essay Vergänglichkeit wird mit der Fallanalyse „eines jungen Dichters“ ein weiterer psychopathologischer Baustein in die Metatheorie des ‚seelischen Apparats’ eingefügt. Dabei bleibt der Dichter anonym und kommt nicht selbst zu Wort. Da es sich in diesem Fall um Rainer Maria Rilke handelt, der uns von Verlust, Trauer und Abschied gedichtet hat, dürfen wir von ihm Aussagen über das theoretisch ‚unsäglich’ gebliebene erhoffen: nämlich darüber, was in Freuds Theorie ausgespart blieb, weil „die Trauer dem Psychologen ein großes Rätsel ist“ (Freud).
In einer langjährigen Lebens- und Schaffenskrise stehend, widerfährt Rilke das Erlebnis leiblich-mystischer Partizipation. Seine Aufzeichnung darüber, die von der Forschung bisher nicht gewürdigt wurde, nennt er „die intimste, die ich je aufgeschrieben habe“. In der „unbedingtesten Gestaltung“, in deren Verlauf „sein Körper wie eine Seele behandelt wurde“, erfährt Rilke die Wendung seiner Lebenskrise zum „Herz-Werk“ der Duineser Elegien und der Sonette an Orpheus.

 

4. Martin Dornberg
Leib-/Körpergedächtnis und Therapie bei V. v. Weizsäcker und Thure von Uexküll

In dem Vortrag sollen einige wesentliche Gedanken von V. v. Weizsäcker und Thure von Uexküll zum Leib/Körper und zu deren „Gedächtnis“ referiert und auf ihre Konsequenzen für hilfreiche therapeutische Beziehungen befragt werden. Insbesondere wird auf die Theorien des Gestalt- bzw. des Funktions-/Situationskreises und das daraus resultierende Verständnis von Leib/Körper und Heilung eingegangen. Krankheit und Gesundheit werden dann als Folge mehr oder weniger gelingender oder misslingender Passungs- und  Gestaltungsprozesse verstehbar. Dabei zeigt sich, dass ein entwickeltes Verständnis von Leib/Körpergedächtnis, das den Leib/Körper als umweltbezogen anerkennt, und den Körperbegriff entsprechend systemisch erweitert, wichtige Beiträge zu Theorie und Praxis ärztlichen und psychotherapeutischen Handelns liefern kann.

 

 

VD2: Leibgedächtnis in künstlerischen Therapien und Psychomotorik

Do. 31.03.2011, 15.30-17.00h

 

1. Prof. Dr. phil. habil. Ruth Hampe
Leiberleben und Spiegelmetaphern im ästhetischen Gestaltungsprozess. Exemplarische Darstellung zur Kunsttherapie in einer Akutklinik

Im Rahmen der Präsentation werden exemplarisch Gestaltungsformen von Frauen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern an einer Frauenklinik vorgestellt. Es wird auf das Leibgedächtnis und Spiegelmetaphern in dialogischen Gestaltungsprozessen eingegangen, um ausgehend davon Interventionsformen zu reflektieren. In Anlehnung an Viktor von Weizsäcker, der in seiner Pathosophie von der Transformation als Wirksamkeit des Ungelebten und Verwirklichung des Ungelebten ausgeht, kann dem ästhetischen Prozess die Aufgabe zukommen, im Krankheitsprozess im Sinne einer Salutogenese über Selbstaktivierung auf eigene kreative Potentiale zu rekurrieren bzw. Selbstbewegung zu stützen, um in der Entwicklung veränderter Lebensperspektiven Möglichkeiten zu einer neuen Gesundung zu finden. Die Akutklinik nimmt in der Hinsicht eine Brückenfunktion ein, in der Übergänge von Erkrankung zur Gesundung, Abschiednehmen vom alten Zustand und Neuorientierung stattfinden können. Verbunden sein wird die Präsentation mit einer kleinen praktischen Erfahrungsübung.

 

2. Dr. phil. Ludger Kowal-Summek
Musiktherapie und Autismus

Die leiborientierte Musiktherapie (LOM) basiert auf den theoretischen Grundlagen der  Leibphilosophie und der Leibtherapie. In dem Grundlagenwerk zur LOM ‚Klingen, um in sich zu wohnen’ (Baer/Frick-Baer 20092)wird deutlich, dass dem sprachlichen Anteil im Verlauf der Therapie eine große Bedeutung zukommt. Wie aber sieht es aus, wenn es sich wie in meinem Fall bei dem Klienten um einen Menschen mit Autismus handelt, der weder mit mir noch mit anderen Menschen spricht.? In den im Werk von Baer/Frick-Baer wird zwar auf diverse Störungs- oder Krankheitsbilder Bezug genommen, Menschen mit Autismus aber kommen nicht vor.
Auf der Basis sowohl der theoretischen Grundlagen als auch der darauf aufbauenden Modelle leiborientierte Musiktherapie geht es darum, Möglichkeiten musiktherapeutischer Arbeit mit Menschen mit Autismus herauszuarbeiten und letztlich zu zeigen, dass auch im Rahmen dieser Arbeit die LOM die Therapie der Wahl sein kann.

 

3. Susanne Bender
Bewegte Familienrekonstruktion

Auf der Suche nach den Geheimnissen der Herkunftsfamilie hilft die Bewegte Familienrekonstruktion eine aktuelle Lebensfrage zu klären. Wenn in einer Gruppe die Familiengeschichte einer Person rekonstruiert wird, werden die Körper der TeilnehmerInnen zur Repräsentation eines Familienmitglieds. Die Repräsentanten werden zueinander aufgestellt und erhalten meist unmittelbar Körperempfindungen und Bewegungsimpulse, die wichtige Rückschlüsse auf das Familiensystem geben. Die Körper der TeilnehmerInnen werden zu Wissenden des Systems, obwohl ihnen das System gänzlich unbekannt ist. Während in der klassischen Aufstellungsarbeit nur über diese Empfindungen gesprochen wird, bringt die Bewegte Familienrekonstruktion das ganze System in Bewegung, d.h. die Repräsentanten können ihren Körper- und Bewegungsimpulsen nachgehen, so dass Aktionen und Reaktionen im Familiensystem deutlich werden. Dies ermöglicht es den Repräsentanten genaue Informationen über das Familienmitglied zu geben und somit Lösungen zu erkennen. Durch dieses Einfühlen in die Bewegungsdynamik mit all ihren emotionalen Schattierungen werden die Familiengeschichten deutlich, sie werden gemeinsam entschlüsselt, bezeugt und für die zukünftige Lebensgestaltung umgedeutet. Es scheint somit nicht nur ein Körperwissen innerhalb der eigenen Biografie zu geben, sondern auch einen systemisch-körperlichen Austausch von Informationen zwischen Menschen.

 

4. Prof. Dr. Amara R. Eckert
Der Ausdruck prä- und perinataler Erfahrungen in Spiel und Bewegung bei Kindern

Durch teilnehmende Beobachtung, hypothesengeleitete Videoanalysen, Gespräche mit Kindertherapeut(inn)en, Selbstexploration sowie ein Experteninterview wurden die frühesten Lebenserfahrungen von 18 Kindern zwischen 4 und 7 Jahren untersucht. Die Ergebnisse werden anhand von Video-Ausschnitten und Fallgeschichten präsentiert.

 

 

VD3: Leibgedächtnis in der Onkologie Mannheim und Ausstellung

Do. 31.03.2011, 17.45-18:00h

 

Elana Mannheim führt anhand von kurzen Filmbeispielen in die Ausstellung Tanz- und Bewegungstherapie nach Krebs ein. Die Ausstellung umfasst 10 Fotographien und wird von Do.- Sa. im Auditorium zu sehen sein.

Elana G. Mannheim, Tanztherapeutin BTD, European Certified Psychotherapist (EAP), Heilpraktikerin (Psychotherapie), Psychoonkologin, seit 1996 Tanztherapie an onkologischen Kliniken und in eigener Praxis, Entwicklung eines tanztherapeutischen Konzeptes für die Onkologie, Vorträge über Tanztherapie für Patienten und Fachpublikum, an Fachhochschulen und Weiterbildungsinstitutionen, Fortbildungsseminare für Gesundheits- und Sozialberufe, Mitgliedschaft im Berufsverband der TanztherapeutInnen Deutschlands e.V., BTD; und  Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V., dapo.

 

 

VF 1: Leibgedächtnis in den Kognitionswissenschaften

Fr. 01.04.2011, 11.00-12.30h

1. Prof. Dr. Wolfgang Tschacher
Nonverbale Synchronie in der Psychotherapie

Nonverbales Verhalten spielt in verschiedener Hinsicht eine grosse Rolle bei der psychotherapeutischen Interaktion: über die Ebenen der Gestik, Mimik, Körperbewegung und Prosodie werden wichtige Kommunikationen über den kognitiv-emotionalen Zustand der Interaktanden vermittelt. Nonverbale Signale zeigen an, welche sozialen und affiliativen Wünsche vorhanden sind und wie gut etabliert die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist. Das ist zumindest, was jeder Therapeut zu wissen meint, was aber praktisch noch nie wissenschaftlich nachgewiesen wurde. In einer Studie (1) verwendeten wir deshalb ein Analyseverfahren zur Bestimmung der Bewegungsenergie (Motion energy analysis, MEA), mit dem die Körperbewegungen jedes Interaktanden automatisch gemessen werden. MEA funktioniert ähnlich wie ein verfeinerter Bewegungsmelder, indem auf der Basis von Therapievideos jede Bewegung in jeder Region einer Videoaufzeichnung quantifiziert wird. Auf diese Weise berechneten wir die "Nonverbale Synchronie" im Verlauf von Therapien als die Korrelation der Bewegungsenergien von Therapeut und Klient. Wir konnten zeigen, dass dieser objektive Index mit semantischen Einschätzungen der Beziehungsqualität, mit den interaktionellen Problemen der Klienten und dem allgemeinen Therapieoutcome signifikant verknüpft ist. Diese Ergebnisse zeigen, dass das Therapiegeschehen in der Synchronie der motorischen Bewegungen verkörpert ist, was man als einen Aspekt des Embodiment (2) von Psychotherapie ansehen kann.

Ramseyer F & Tschacher W (in print). Nonverbal synchrony in psychotherapy: Relationship quality and outcome are reflected by coordinated body-movement. Journal of Consulting and Clinical Psychology.
Storch M, Cantieni B, Hüther G, Tschacher W (2010, 2. erweiterte Auflage). Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern: Verlag Hans Huber.

 

2. Dr. Sabine Koch: Körpergedächtnis und Metaphernemergenz: Eine interdisziplinäre Analyse

Im Rahmen des Forschungsprojektes "Körpersprache von Tanz und Bewegung" werden aus bewegungsanalytischer, psychologischer, kognitiv-linguistischer und philosophischer Perspektive empirische Daten aus den Bereichen Tanztherapie und Tanzpädagogik analysiert, um die empirische Befundlage zu den Themenbereichen Bewegung und Bedeutung, Metaphernemergenz und Versprachlichung von Bewegung sowie dem Leibgedächtnis zu erweitern. In einem an die Bewegungstherapie angelehnten empirischen Setting, wurden neunundvierzig TeilnehmerInnen gebeten, einen Aspekt ihres Lebens in authentische Bewegung umzusetzen. Aus diesem Datenmaterial entstand u.a. eine interdisziplinäre Fallanalyse die in diesem Vortrag vorgestellt werden soll.

Der sukzessive Übergang vom impliziten (leiblichen) Gedächtnis in einer rein körperlichen Bedeutungskonstitution zum expliziten (deklarativen) Gedächtnis in der Versprachlichung kann als Aktivierung von Metaphorizität beschrieben werden (Müller, 2008). Die Körperbewegung liefert gewissermaßen den Erfahrungsbereich, der dann der Metaphorisierung der Lebenssituation zugrunde liegt. Sich wiederholende wellenartige Bewegungen der Hände und des ganzen Körpers und eine sich zunächst nach unten und dann nach oben windende Spirale sind die Bewegungsformen, die aus allen drei disziplinären Perspektiven als die zentralen Bewegungsformen in dieser Sequenz ausgemacht wurden. Die Bewegungen beziehen sich auf den Lebensverlauf und die Seelische Befindlichkeit der Teilnehmerin. Beide werden vor der Versprachlichung in der Bewegung realisiert und verdeutlichen damit eine hier bestehende Nachzeitigkeit der Sprache. Am höchsten Punkt der Mataphernaktivierung erlebt die Teilnehmerin eine Einsicht, die im therapeutischen Prozess direkt genutzt werden kann.

*PD Dr. Sabine C. Koch, Psychologist, Dance/Movement Therapist, M.A., BC-DMT,* is researcher and lecturer at the University of Heidelberg, Germany. Specialist in Kestenberg Movement Profiling (KMP), movement analysis and dance/movement therapy. Present work on "Embodiment: The Influence of Movement on Affect, Attitudes and Cognition". National Research Project on "Language of Movement and Dance" (BMBF). Worked with children, depressed, psychotic, autistic, psychosomatic, elderly, trauma and dissociative identity disorder patients. Research interests include embodiment, personality and social psychology, psycholinguistics, nonverbal communication, gender, health psychology, phenomenology, body psychotherapy, movement analysis, and creative arts therapies.

 

3. Dr. phil. Claudia Böger
Bedeutungsbildung und Leibgedächtnis beim Bewegungslernen

Das Leibgedächtnis kommt immer dann zum Tragen, wenn eine Bewegung ausgeführt wird, die die Funktion eines Bedeutungsträgers innehat. Bewegungserfahrungen werden in spezifischen Situationen gemacht und generieren über den sich gegenseitig bedingenden Vorgang des Handelns und Wahrnehmens Bedeutungen, die damit gleichzeitig im Leibgedächtnis verankert sind. In seiner Funktion als Bedeutungsträger wird das Leibgedächtnis innerhalb der Bewegungsausführung wirksam. Es kann sehr stabil sein und damit eine hohe Ausführungskontinuität der Bewegung ermöglichen. Im Positiven zeigt sich dies zum Beispiel darin, dass sportliche Bewegungen, die man selten ausübt, nicht verlernt werden. Nachteilig wirkt sich das Leibgedächtnis jedoch in den Fällen aus, wenn funktional falsche oder unökonomische Bewegungsmuster verleiblicht werden. Prägen sie sich weiter zu krankhaften Bewegungsmustern aus (z. B. fokale Dystonie bei Musikern), sind sie nur sehr schwer vom Bewegenden selbst aufzulösen. An dieser Stelle müssten Formen des Bewegungsumlernens einsetzen, die die verleiblichten Bedeutungen verändern können. Zum einen könnte Sprache, als leibgebundene Kategorie, diese Funktion übernehmen und zum anderen müssten Formen leibgebundener Arbeit angewendet werden, wie sie in der Sportwissenschaft vorliegen, die dabei helfen, sich aus falschen Bewegungsmustern zu lösen.

 

 

VF2: Leibgedächtnis und Zeugenschaft

Fr. 01.04.2011, 11.00-12.30h

 

1. Dipl.-Psych. Astrid Kolter, Tanztherapeutin i. A. (BTD)
Zeugnis des Ausdrucks von Leibgedächtnis

Die Authentische Bewegung wird begleitet von zwei Zeugen – der inneren und der äußeren Zeugin. Beide Rollen werden in der Präsentation genauer betrachtet und in Übungen erlebt.
Die Bewegerin begibt sich auf eine Reise mit meditativen Zuständen, in der sie sich ganz auf ihre Körperimpulse konzentrieren kann. Die daraus resultierenden Bewegungen werden als Ausdruck des Leibgedächtnisses aufgefasst. Durch Wiederholung der Authentischen Bewegung und die allmähliche Internalisierung der äußeren Zeugin, schärft die Bewegerin ihre Wachsamkeit, also ihre innere Zeugin, gegenüber Empfindungen, Bildern und Emotionen, die während des Ausdrucks entstehen. Implizite Leibgedächtnisinhalte können auf diese Weise expliziert werden.
In der Authentische Bewegung wird die Anwesenheit der äußeren Zeugin als notwendige Bedingung des Erkenntnissprozesses betrachtet. Sie bietet als Zeugin eine wohlwollend unterstützende Präsenz während der Bewegung sowie einen Spiegel in der anschließenden Reflexion.
Ähnlich der Epoché nehmen sowohl äußere als auch innere Zeugin die Haltung der nichtswissenden Beobachterin ein. Unter Zurücknahme des Urteils nimmt die äußere Zeugin zwar aufgrund ihres eigenen Körpergedächtnisses bei der Betrachtung von Bewegung Empfindungen wahr, lässt aber zugleich offen, welche Erinnerungen bei der Bewegerin auftauchen. Der therapeutische Gewinn dieser Interaktion wird anhand von Einzelfallbeispielen verdeutlicht.

 

 Astrid Kolter (Dipl.-Psych.)
Studium der Psychologie an der Philipps-Universität, Marburg bis 2009. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-Projekt "Sprache von Tanz und Bewegung" an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg seit 2009. Seit 2008 Ausbildung zur Tanztherapeutin am Frankfurter Institut für Tanztherapie (BTD). Langjährige Unterrichtserfahrung im Ballett,- Modern,- Jazz- und Steptanz.

 

2. M.A. Sonja Frohoff (Doktorandin der Philosophie, Therapeutin i.A.)
Das Leibgedächtnis in der Kunstbetrachtung
Beispiele der Sammlung Prinzhorn

Der künstlerische Ausdruck als Zeugnis und Verdichtung einer Welterfahrung eines anderen Menschen, fordert zur Betrachtung auf. Im Betrachten von Kunst bin ich Zeuge dieses Ausdrucks. Während diese Zeugenschaft und Resonanz im therapeutischen Kontext unmittelbare intersubjektive Kraft besonders für den, der sich ausdrückt, entfaltet (z.B. gesehen und gespiegelt zu werden), ist der Betrachter im Museum auf sich zurückgeworfen. Seine Zeugenschaft gewinnt einen anderen Charakter, die aber von der leiblichen Erfahrung her betrachtet, Ähnlichkeiten mit dem therapeutischen Setting hat. Im Betrachten von künstlerischen Ausdrücken machen wir Erfahrungen, die uns mit unserem Leibgedächtnis und den Spuren eines anderen Leibgedächtnisses, das sich im Werk manifestiert hat, konfrontieren. Wir greifen auf unseren schon sedimentierten Erfahrungsschatz zurück und stellen im Sehen Sinneinheiten her.Kunstbetrachtung hat eine anregende Funktion, die zum Lernvorgang wird, je mehr Kontext und Bedeutungshintergründe ich erfahre und in die Sinneinheiten integriere. Je mehr die Haltung als Betrachter eine offene, passiv empfangende und aktiv entdeckende zugleich ist, desto mehr entsteht ein Dialog zwischen den vorliegenden Spuren des Leibgedächtnisses im Ausdruck und meinen inneren Archiven. Kunstbetrachtung ist eine leibliche Erfahrung. Was vielleicht mit Staunen begann, entwickelt sich zu einem besonderen Selbstverhältnis der Wahrnehmung, in der eine Art intentionales Netz zwischen Betrachter, Werk und Produzent entsteht. Fragen tauchen auf, auf die nicht unmittelbar Antworten verfügbar sind, sondern die als Unklarheiten und Mehrdeutigkeiten im Raum stehen. Halten wir sie aus, ohne sie zu verlassen oder schnell in ein Urteil zu bringen, werden im Mitschwingen grundsätzliche anthropologische Strukturen von Zeit, Raum und Fremdem spürbar, die produktive Wirkung entfalten: Als Resonanzfähigkeit und Urteilskraft. Beides braucht es sowohl im therapeutischen als auch im sonstigen gesellschaftlichen Kontext.

 

3. Dr. Michela Summa (Philosophin)
Zwischen Anderem und Drittem: Leibgedächtnis und Zeugenschaft

Dialog, Austausch und duale Interaktion zwischen Therapeut und Patient – in Form von Gespräch oder über körperlichen oder künstlerischen Ausdruck – gestaltet eine spezifische zwischenleibliche Raumzeitlichkeit, in der Adressat und Adressant sich durch das Wechselspiel von Ansprechen und Antworten gegenseitig in einem dynamischen Prozess bestimmen.
In diesem Prozess entsteht die Figur eines Chiasmus zwischen Pathos und Response, wobei letztere nicht nur durch die Semantik der Sprache moduliert werden, sondern auch durch den leiblichen Ausdruck (Stimme, Haltung, Bewegung usw.). Wie schon oft gezeigt wurde, spielt diese zwischenleibliche Raumzeitlichkeit eine wichtige Rolle in der phänomenologischen  Erforschung des Leibgedächtnisses, besonders angesichts des verschobenen und durch Symptome vermittelten Auftauchens vom traumatischen Gedächtnis.
Nichtsdestotrotz ist Therapie nicht nur im Sinne einer dualen Interaktion zu verstehen, weil der Therapeut immer schon auch eine dritte Instanz verkörpert. Die Besonderheit im Setting der Authentischen Bewegung besteht darin, dass diese dritte Dimension sich nicht nur mit Bezug auf eine dritte übergeordnete Instanz (z. B. die des psychischen Gesundheit), sondern auch mit Bezug auf die Figur des Zeugen konkretisiert. Die Miteinbeziehung der zwei Figuren der inneren und äußeren Zeugen, die als Korrelaten der aktiven Imagination der beteiligten Personen gleichsam neben dem Patienten und dem Therapeuten an der Gestaltung des therapeutischen Kontextes teilnehmen, verweist auf eine dritte Dimension, die zwischen, aber nicht notwendigerweise über denjenigen des Adressaten und der Adressanten ist. Durch diese komplexe Strukturierung vermehren sich meines Erachtens die chiasmatischen Figuren, die das Setting der Therapie kennzeichnen.
Meine Hypothese in diesem Beitrag ist, dass diese Komplikation des therapeutischen Kontextes durch die Miteinbeziehung eines oder mehreren Dritten einen Einfluss auf den Ausdruck des Leibgedächtnisses ausüben. Ziel dieses Beitrags ist demzufolge, die spezifische Rolle dieser dritten Dimension des Zeugen mit Bezug auf das Leibgedächtnis genauer zu bestimmen. Zu diesem Zweck werden verschiedene Aspekte der Zeugenschaft aus phänomenologischer Perspektive im Zusammenhang mit ihrer Ereignisstruktur thematisiert. Ferner werden diese Betrachtungen mit dem theoretischen Hintergrund der authentischen Bewegung verglichen, um dadurch das Potential der Phänomenologie der Zeugenschaft zur genaueren Bestimmung des therapeutischen Settings zu beleuchten. Diese Reflexionen dienen schließlich als Leitfaden zur Interpretation einiger konkreter Beispiele aus dem therapeutischen Bereich, welche den Zusammenhang zwischen Leibgedächtnis und Zeugenschaft exemplifizieren.

 

 

VF3: Leibgedächtnis in Rhythmen und Entwicklung

Fr. 01.04.2011, 11.00-12.30h

 

1. Dr. Ingrid Wagner

TaKeTiNa und Psychotherapie Bei Patienten, die zusätzlich zur Psychotherapie an TaKeTiNa-Kursen (Körpererfahrung durch Rhythmus und Musik)  teilnehmen, habe ich folgende Beobachtungen gemacht:

  1. TaKeTiNa eröffnet den Zugang zu einer weiteren Erkenntnisebene und das Verständnis des Grundkonfliktes vertieft sich.
  2. Der Therapieverlauf wird beschleunigt.
  3. Die sich einstellenden Veränderungen sind nachhaltiger

TaKeTiNa bietet den Patienten einen geschützten Raum zum sich Ausprobieren. Der eigene Körper wird zum Musikinstrument, die Gruppe wird als tragendes und Halt gebendes Element erlebt. Eine tiefe Trommel unterstützt das Gefühl des sich Erdens.

Das induzierte musikalische Wechselspiel von Ordnung und Chaos macht eingefleischte Verhaltensmuster sichtbar und konfrontiert diese. Indem das kognitive Verstehen durch die Psychotherapie mit nonverbalen Erfahrungen im TaKeTiNa verknüpft werden kann, ergeben sich wechselseitige Beeinflussungen und Ergänzungen.

So tauchen im TaKeTiNa manchmal verdrängte Erinnerungen auf, die in der Psychotherapie verarbeitet werden können. Neu auftretende sinnliche Erfahrungen werden in der gemeinsamen Reflexion verstanden und integriert. Umgekehrt bietet das Medium TaKeTiNa ein Übungsfeld, an hinderlichen Verhaltensmustern, wie z.B. perfekt sein Wollen, zu arbeiten.

Anhand von Fallbeispielen wird diese Verbindung anschaulich gemacht.
 

 

2. Reck, Corinna & 3. Morlinghaus, Katharina
Zum Einfluss von postpartalen Angststörungen auf die Mutter-Kind-Interaktion und die kindliche Entwicklung

Angststörungen sind neben Depressionen die häufigsten psychischen Erkrankungen im Postpartalzeitraum. Störungen der Mutter-Kind-Interaktion sowie kindliche emotionale und kognitive Entwicklungsdefizite konnten im Zusammenhang mit der postpartalen Depression wiederholt nachgewiesen werden. Die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion nimmt dabei als Moderatorvariable zwischen der mütterlichen Psychopathologie und dem kindlichen kognitiven Entwicklungsstand eine zentrale Rolle ein. Im Bereich der Angststörungen liegen bisher hingegen kaum Befunde zum Einfluss der mütterlichen postpartalen Angstsymptomatik auf die Mutter-Kind-Interaktion und die kindliche Entwicklung vor. In dem vorgestellten Forschungsprojekt werden interaktionelle Reaktionsmuster auf mütterlicher und kindlicher Seite während der ersten 6 Lebensmonate der Säuglinge in Verbindung mit der Angsterkrankung der Mutter untersucht. Eine weitere zentrale Fragestellung gilt dem Zusammenhang zwischen der Angsterkrankung, der Qualität der Mutter-Kind-Interaktion und der kognitiven Entwicklung im Alter von 12 Monaten.

In der Studie werden ‚angstgestörte’ Mutter-Kind-Dyaden mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Im Alter von drei und sechs Monaten erfolgt die Analyse spezifischer Muster in der Mutter-Kind-Interaktion und mit 12 Monaten die Untersuchung des kindlichen kognitiven Entwicklungsstandes. Merkmale der Mutter-Kind-Beziehung werden sowohl anhand von Fremd- als auch Selbstbeurteilungs­verfahren ermittelt. Erste Befunde weisen darauf hin, dass nicht die Angststörung der Mutter, sondern die Qualität der Mutter- Kind Interaktion für die kindliche kognitive Entwicklung relevant ist. Anhand eines Fallbeispiels werden störungsspezifische Interaktionsmuster, sowie  Mutter- Kind zentrierte Therapieansätze vorgestellt.

 

VF4: Leibgedächtnis und Focusing

Fr. 01.04.2011, 15.30-16:30h

 

Dipl. psych. Elmar Kruithoff
Focusing – die zentralen Konzepte verstehen und erleben

Focusing beschreibt ein erlernbares Verhalten sich selbst und den eigenen Erlebensprozessen gegenüber, welches essentiell für das Verständnis von persönlicher Veränderung ist. Veränderung wird dadurch möglich, dass sich implizit vorhandene, fühlbar neue Zusammenhänge und Bedeutungen innerhalb von komplexen Themen, Fragestellungen oder Problemen entfalten können.

In diesem kombinierten Vortrag & Workshop werde ich auf die wichtigsten Voraussetzungen und Bedingungen von Focusing sowie auf die Kombinationsmöglichkeit mit anderen Methoden eingehen. Ein weiterer Schwerpunkt wird das zentrale Verständnis von Köper und Körpergedächtnis im Focusing sein, das sich in dem Konzept des Felt Sense zeigt.

 

Elmar Kruithoff ist Diplom-Psychologe, Focusing-Lehrer und leitet das
Focusing Kompetenz Zentrum (http://www.focusing-center.de) in Hamburg und
Kopenhagen. Er war Lehrbeauftragter der Universität Hamburg am Fachbereich
Psychologie, hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinpsychologie
am Universitätsklinikum Hamburg gearbeitet und hält Vorträge und Seminare an
Schulen, Kliniken und in Betrieben.

 

VS1: Ästhetische Aspekte des Leibgedächtnisses

Sa. 02.04.2011 11.00-12.00h

 

1. Prof. Dr. Peter Sinapius
Gegenwartsmomente: Eine Studie über die Ästhetik therapeutischer Beziehungen

Es sollen die Ergebnisse einer phänomenologischen Studie vorgestellt werden, die sich dem Zusammenhang zwischen der Interaktions- und Beziehungsgestaltung und ästhetischen Prozessen in der Therapie gewidmet hat. Vor dem Hintergrund der Philosophie der Ästhetik und der Dialogphilosophie richtet sie den Blick auf die Dynamik des Beziehungsgeschehens zwischen Therapeut und Patient, die sich unterhalb der Schwelle sprachlicher Reflexion vollzieht.

Ästhetische Wahrnehmungen beziehen sich auf das gegenwärtige, unmittelbare Erscheinen von Objekten, Ereignissen oder Handlungen und gehören als Gegenwartsmomente der intersubjektiven Erfahrungswelt zwischen Therapeut und Patient an, die eine gemeinsame Geschichte miteinander teilen. Interaktionen zwischen Therapeut und Patient sind hier als ästhetische Figuren beschreibbar und umfassen neben der sprachlichen Kommunikation szenische und atmosphärische Handlungen und Ereignisse.

Die Ergebnisse der Studie können an phänomenologische Ansätze einer psychotherapeutischen Theoriebildung über die therapeutische Beziehung anschließen und erweitern sie um Aspekte einer Theorie der performativen Ästhetik. Die ästhetischen Dimensionen der Beziehungsgestaltung werden in eine Phänomenologie der therapeutischen Beziehung integriert und als therapeutisch wirksam und bedeutsam begründet.

 

2. Maxine Saborowski
Bewegungsimprovisation und Tanz in der ästhetischen Bildung - Eine bildungstheoretische Annäherung an den Leib

In meinem Vortrag möchte ich untersuchen, welche besonderen ästhetischen Bildungsprozesse Tanz und Bewegungsimprovisation eröffnen. Tanz und Bewegung machen in ganz eigener Weise unsere Leiblichkeit als Spannung von Leib, der ich bin, und Körper, den ich habe, wahrnehmbar. Bisher gab es Versuche, Tanz im Rahmen einer ästhetischen Bildung fruchtbar zu machen, wobei aber der Begriff der ästhetischen Bildung pädagogisch nicht hinreichend spezifiziert war. Dagegen hat zum Beispiel Klaus Mollenhauer ein sehr differenziertes Konzept von ästhetischer Bildung erarbeitet. Die ästhetische Bildung bietet ein Feld, in dem unser leibliches Selbstverhältnis thematisiert, gestaltet und reflektiert werden kann. Dies geschieht vermittelt über künstlerische Tätigkeit und somit anders als in üblichen, traditionellen Bildungsfeldern. Allerdings wurde im Anschluss an Mollenhauers Konzept den Eigentümlichkeiten von Tanz als Kunstform im Speziellen noch keine Beachtung geschenkt.

Es fehlt also bislang noch die Verbindung eines tragfähigen Konzepts ästhetischer Bildung mit einer Reflexion über die charakteristischen Erfahrungsmöglichkeiten, die in der Auseinandersetzung mit tänzerischer Gestaltung liegen. Einen ersten Versuch einer solchen Verbindung möchte ich in meinem Vortrag darstellen.

 

Literatur:
Boehm, Gottfried: „Über die Konsistenz ästhetischer Erfahrung.“ In: Zeitschrift für Pädagogik, Jg. 36, 4 (1990), S. 469-480.
Merleau-Ponty, Maurice: Das Sichtbare und das Unsichtbare. 2. Aufl. München 1994.
Mollenhauer, Klaus: „Ästhetische Bildung zwischen Kritik und Selbstgewißheit“. In: Zeitschrift für Pädagogik, Jg. 36, 4 (1990), S. 481-494.
Rittelmeyer, Christian: Warum und wozu ästhetische Bildung? Über Transferwirkungen künstlerischer Tätigkeiten. Ein Forschungsüberblick. Oberhausen 2010.

 

 

VS2: Leibgedächtnis und Gesundheit (Postersession)

Sa. 02.04.2011 11.00-12.00h

 

1. Porcher-Spark, Welker Paulun, Wisniowski, Huge-Stöhr, Fugger und Nagel Ganzheitliches Gesundheitscoaching als Netzwerk-Angebot

Die gemeinsamen Schritte durchs Leben sind nicht leicht;
jeder hört die Melodie anders….
aber der gemeinsame Tanz ist wunderbar
Unser Netzwerk-Angebot Ganzheitliches Gesundheitscoaching versteht sich als die anregende Begleitung durch ein Netzwerk multidisziplinärer Experten für eine sinnerfüllende Entwicklung in Richtung Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei wird Gesundheit ganzheitlich – also mit ihrer körperlichen, psychischen und sozialen Dimension – verstanden.
Im Gesundheitscoaching arbeiten wir mit dem Ansatz der Salutogenese, der auf Prozesse der Gesunderhaltung fokussiert, ressourcen- und handlungsorientiert ist und deshalb als Ausgangspunkt für hilfreiche Entwicklungsprozesse in Richtung Gesundheit nützlich ist, die weit über das übliche Vermeiden gesundheitsschädigender Einflüsse hinausgehen.
Durch ein Netzwerk von Therapeuten, die mit ganz unterschiedlichen Methoden (z.B. Yoga, TCM, Ayurveda, Reiki, EFT, hypnosystemische Beratung, systemische Familientherapie) arbeiten, ist ein ganzheitliches Netzwerk-Angebot im ambulanten Bereich möglich, bei dem die konsequente Verbindung von Körper, Emotion, Verstand, Psyche und Umwelt im Mittelpunkt steht. Gesundheit wird dabei nicht als ein Zustand sondern als ein vielfach vernetzter lebenslang zu gestaltender Prozess verstanden. Für die Gestaltung dieses Prozesses haben die Klienten im Rahmen des Netzwerk–Angebots die Möglichkeit, unterschiedliche Behandlungsmethoden kennenzulernen und durch kreatives Ausprobieren von Neuem, Erfahrungen zu sammeln.
Durch die systemische Grundhaltung aller beteiligten Therapeuten werden Kooperationen auf der Ebene der Anbieter möglich, die für die Klienten (und die Therapeuten!) neue Spiel-Räume für ansteckende Gesundheit eröffnen. Durch die Nutzung des Wissens aus den unterschiedlichen „Heil-Kulturen“ und dem dadurch möglichen Blick über den eigenen Tellerrand wird eine integrale Zusammenschau der Theorie und Praxis von Gesundheit möglich und es kann ein Feld der Gesundheit entstehen, in dem für alle Beteiligten ein „gemeinsamer Tanz“ möglich wird.

 

Hentz, E., Braun, V., Kasper, D., & Koch, S. C.: Leibgedächtnis – Emprische Befunde zu einem phänomenologischen Konzept

Zahlreiche körperorientierte Therapieformen, in denen der Körper für Diagnose und therapeutische Intervention eine zentrale Rolle spielt, machen sich das dynamische Zusammenwirken von Körper, Emotionen und Kognitionen seit Jahrzehnten erfolgreich zunutze. Phänomenologisches Wissen liefert Anhaltspunkte für diese Zusammenhänge. In der jüngeren sozialpsychologischen Forschung werden zunehmend Körperbewegungen und ihre Auswirkungen auf Kognition und Affekt untersucht und verstärkt in neuere Kognitions­theorien einbezogen. Die vorliegenden Forschungsarbeiten widmeten sich der Frage, ob spezifische körperliche Bewegungen einerseits typische Affekte und andererseits Erinnerun­gen mit charakteristischer Valenz hervorrufen. Das Kestenberg Movement Profile (KMP) lieferte die theoretischen Grundlagen für die Hypothesenbildung, die Konzipierung der Bewegungen und die Affektmessung.

 

Schmitz, J., Tüchler, A., & Rohde, L.: Leibgedächtnis und Bonding Therapie

Die Bonding-Therapie geht auf Dr. Daniel Casriel zurück und greift das Grundbedürfnis des Menschen zu emotionaler und körperlicher Nähe und dessen Ausdruck auf. Psychische Störungen entstehen demnach aus der nicht gelungenen Befriedigung der Grundbedürfnisse, wobei missglückte Bonding- und Bindungserfahrungen in der Kindheit eine große Rolle spielen. Daraus ergeben sich laut Bonding-Theorie dysfunktionale emotionale Schemata, die das weitere Erleben und die Beziehungsgestaltung maßgeblich beeinflussen. Demnach sollen bei der Bonding-Therapie durch das Erleben von körperlicher Nähe und den dazugehörigen Emotionen diese emotionalen Schemata prozessual aktiviert  und damit dem Bewusstsein zugänglich gemacht werden. Durch neue emotional korrigierende Erfahrungen in Form von Stressreduktion und Bedürfnisbefriedigung beim Bonding kann dieser verändert werden. Endziel der Therapie ist es folglich, den Patienten zu der Befriedigung seiner psychosozialen Grundbedürfnisse zu befähigen, wofür eine sichere Bindungsrepräsentation und ein funktionales Beziehungsverhalten entscheidend sind. Das Poster stellt Daten aus einer qualitativen Patientenbefragung nach Teilnahme an einer Bonding Therapie vor.

 

Elana G. Mannheim: Verbesserung der Kommunikation zwischen krebsbetroffenen Müttern und ihren Töchtern im Pubertätsalter – Ergebnisse eines Pilotseminars

Elana G. Mannheim, Tanztherapeutin BTD, European Certified Psychotherapist (EAP), Heilpraktikerin (Psychotherapie), Psychoonkologin, seit 1996 Tanztherapie an onkologischen Kliniken und in eigener Praxis, Entwicklung eines tanztherapeutischen Konzeptes für die Onkologie, Vorträge über Tanztherapie für Patienten und Fachpublikum, an Fachhochschulen und Weiterbildungsinstitutionen, Fortbildungsseminare für Gesundheits- und Sozialberufe, Mitgliedschaft im Berufsverband der TanztherapeutInnen Deutschlands e.V., BTD; und  Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V., dapo.

 

 

VS3: Leibgedächtnis und Bewegung aus dem Trauma

Sa. 02.04.2011 11.00-12.00h

 

1.Dr. rer. medic. Karin Schreiber-Willnow
Der Eindruck der Fahrradstange

In diesem Beitrag wird ein Konzept der Konzentrativen Bewegungstherapie (KBT) erläutert, das für die therapeutische Arbeit mit Patienten in stationären Gruppen bedeutsam ist. Therapeutisch bedeutsame Erinnerungen an konflikthafte oder traumatische Erfahrungen sind oft in der verbalen Therapie (noch) nicht zugänglich. Über Wahrnehmen und Bewegen in einem konzentrativen Zustanden können Patienten einen Zugang zu diesen Erinnerungen bekommen. Im Anspüren von Gegenständen („KBT-Objekte“) wie Kugel, Stab, Seil, Stein oder Decke werden in vier Schritten zunächst die physikalischen Eigenschaften des Gegenstandes erkundet, dann die Empfindungen, Gefühle und Handlungsimpulse, die er auslöst, bewusst gemacht, und anschließend wird nach Erinnerungen, Bildern und Phantasien gefragt. Auf diese Weise werden leibhaftige Erinnerungen geweckt und können schließlich in Worte gefasst werden. Diese Arbeit mit dem Leibgedächtnis wird theoretisch begründet und an Fallbeispielen verdeutlicht. Abschließend kann dazu ein kurzes Bewegungsangebot das Gehörte erlebbar machen.

 

2. Dr. Jeannette Bischkopf & Maria Lankau
Tanztherapie mit traumatisierten Flüchtlingen: Eine explorative Untersuchung aus Nutzerperspektive

Der Einbezug des Körpers in die psychotherapeutische Arbeit ist besonders nach traumatischen Erfahrungen indiziert, da Trauma körpergebunden gespeichert und verarbeitet wird. In der vorliegenden Studie wurde ein tanztherapeutisches Gruppenangebot für Flüchtlinge in einem psychosozialen Beratungssetting aus der Perspektive der Nutzer untersucht. Wie erleben Klientinnen tanz- und bewegungstherapeutische Gruppenarbeit? Was sind hinderliche und förderliche Erfahrungen und wie verändern sich diese im Verlauf? Was sind bedeutsame Momente im Therapieverlauf? Vier Klientinnen aus zwei Tanztherapiegruppen wurden nach der 1., 5. und 10. Sitzung mit Unterstützung muttersprachlicher Dolmetscherinnen in Anlehnung an das Change Interview (Elliott, 2001) befragt. Fallbezogene und Fallübergreifende Ergebnisse der Qualitativen Inhaltsanalyse dieser Interviewdaten werden zur Diskussion gestellt.

 

 

 

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Letzte Änderung 08.06.11