Richtlinien und Beispiele für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch
 
 
Inhalt :
Hintergrund: Warum ist es sinnvoll, generische Maskulina zu vermeiden?
   Einleitung   Definition: generisches Maskulinum     Sprachliche Aspekte     Historische Aspekte       Psychologische Aspekte

Einleitung
    "Die Sprache ist das wichtigste Verständigungsmittel der Menschen. Sie spielt in allen Lebensbereichen eine zentrale Rolle; und dort, wo sie in mündlicher oder schriftlicher Form nicht eingesetzt werden kann, müssen andere Verständigungsmittel wie beispielsweise die Gebärdensprache der Gehörlosen oder die Flaggencodes in der Schiffahrt entwickelt werden. Die Sprache dient aber nicht nur der Verständigung. Sie ist auch ein Instrument, die Welt wahrzunehmen und zu erfassen, Erfahrungen zu ordnen, zu analysieren und zu begreifen. Dabei sind Sprache und Sprachverhalten immer in gesellschaftliche Prozesse eingebunden; sie widerspiegeln Wert- und Normvorstellungen der jeweiligen Gesellschaft. Die Sprache ist kulturell geprägt und legt daher jeweils auch Zeugnis ab über die in einer Kultur geltenden Verhältnisse.

    Die Sprache widerspiegelt aber nicht nur gesellschaftliche Gegebenheiten, sondern sie kann auch dazu beitragen, gewisse Sachverhalte zu untermauern, zu zementieren, indem sie die vorherrschenden Bilder und Normen bestätigt und unterstützt, Minderheiten- oder unerwünschte Positionen dagegen marginalisiert, abwertet oder unterdrückt. Diese Prozesse werden z.T. auch ganz bewusst eingesetzt, etwa wenn es darum geht, bestimmten Inhalten auch formal entsprechendes Gewicht zu verleihen. So kann Sprache aber auch gesellschaftlichen Wandel unterstützen, indem sie mit neuen Formulierungen hilft, das Bewusstsein für das angestrebte Ziel zu stärken.

    Die Sprache ist nichts Festgelegtes, Unveränderliches, sondern so offen, lebendig und spielerisch wie ihre jeweiligen Benutzerinnen und Benutzer." (Schweizerische Bundeskanzlei, 1991)

Definition "generisches Maskulinum"
    Das generische Maskulinum (im folgenden GM) ist kein "viertes Genus" der deutschen Sprache, sondern stellt die Konvention dar, das maskuline Genus in solchen Kontexten stellvertretend für Maskulinum und Femininum zu verwenden, in denen das Geschlecht der benannten Personen keine Rolle spielt oder männliche und weibliche Personen in gleicher Weise gemeint sind. Maskuline Personenbezeichnungen sollen unter diesen Umständen Männer und Frauen in gleicher Weise repräsentieren.

    Auch im Englischen, dessen Substantive in der Regel nicht formal einem grammatischen Geschlecht zugeordnet sind (mit Ausnahme seltener Formen wie poetess, actress, etc.) gibt es eine vergleichbare Konvention, nach der in bestimmten Kontexten maskuline Pronomen verwendet werden können, um geschlechtsunspezifisch auf Substantive zu referieren (z.B. A teacher... he/his/him... ). In die Kategorie der generischen Maskulina fallen im Englischen auch Bezeichnungen wie chairman, spokesman, etc.
     

Sprachliche Aspekte
    Bedeutsam für eine Bewertung des generischen Maskulinums ist die Frage nach dem Zusammenhang zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht, das so genannte Genus-Sexus-Problem. Für den Bereich der Personenbezeichnungen, welcher Gegenstand der Debatte um das GM ist, schreibt der Grammatik-Duden:

    "Das Genus der Substantive, mit denen Personen benannt werden, darunter besonders das der Verwandtschaftsbezeichnungen, stimmt im allgemeinen mit dem natürlichen Geschlecht (dem Sexus) der Person überein" (Grammatik-Duden, 1984, S. 200).

    Zum einen stellt die generische Verwendung des Maskulinums also eine Ausnahme von dieser Regel dar, zum anderen geht es bei der Betrachtung des generischen Maskulinums nicht um die Frage, warum Objekte wie der Stuhl oder die Lampe ein bestimmtes grammatisches Geschlecht haben.

Historische Aspekte
    Sprachgeschichtliche Untersuchungen zum generischen Maskulinum deuten darauf hin, dass diese Konvention einen ideologischen und sexistischen Ursprung hat. Dieser besteht in der Idee, die grammatischen Geschlechter spiegelten die natürliche Ordnung der (natürlichen) Geschlechter wider. Aus diesem Grund sei das Maskulinum höher zu bewerten als das Femininum und könne stellvertretend für dieses verwendet werden (s. Baron, 1986; Bodine, 1975; Irmen & Köhncke, 1996 für Zitate und Quellenangaben). 

    Diese Argumentation wird natürlich heute für die Rechtfertigung der generischen Verwendung des Maskulinums nicht mehr bemüht. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass das grammatische Geschlecht eine rein formale Eigenschaft von Begriffen sei, die mit dem natürlichen Geschlecht in keinem systematischen Zusammenhang stehe (siehe dazu aber die Differenzierung zwischen Personen und Objekten im Abschnitt "Sprachliche Aspekte"), oder auf eine lange Tradition dieser sprachlichen Konvention und der aus ihr resultierenden Vereinfachung der Sprache hingewiesen. 

    Zur These der langen Tradition ist anzumerken, dass für den englischen Sprachraum ein konkretes Datum einer Art offiziellen Einführung des generischen Maskulinums genannt werden kann: 1850 beschloss das britische Parlament die Nutzung des GM für die Acts of Parliament. Die Auswertung früherer Texte und Grammatiken zeigt, dass die generische Verwendung des Maskulinums nicht allgemein verbreitet und üblich war. Es handelt sich also um ein sprachgeschichtlich vergleichsweise junges Phänomen. Von einer verbreiteten Nutzung des Maskulinums als generisches Genus ist erst in neuerer Zeit auszugehen. Zur These der Vereinfachung der Sprache durch die generische Verwendung des Maskulinums siehe den zugehörigen Abschnitt  "Kuriositäten durch die Uneindeutigkeit maskuliner Formen".

Psychologische Aspekte
    Ein psychologisch relevanter Aspekt des generischen Maskulinums liegt in der Frage, ob der sprachlichen Konvention eine psychologische Realität des Sprachverständnisses entspricht, ob also generisch verwendete Maskulina tatsächlich als geschlechtsabstrahierend verstanden werden. Verschiedene empirische Untersuchungen zur englischen und deutschen Sprache (siehe Abschnitt Literatur) weisen darauf hin, dass es eine geschlechtsunspezifische Repräsentation von Personenbezeichnungen geben kann. Wird aber die Konkretisierung einer Personenbezeichnung gefordert, z.B. durch die Frage, wer mit der Bezeichnung "Radfahrer" gemeint sein könnte, werden generische Maskulina eher männlich  als weiblich interpretiert. Dies zeigt sich in so verschiedenen Maßen wie Reaktionszeiten, Kategorienzuordnungen, Schätzungen von Prozentanteilen von Frauen und Männern an einer genannten Gruppe, etc. 
 
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Inhalt : Hintergrund
Argumente pro und contra generische Maskulina
Kuriositäten durch die Uneindeutigkeit maskuliner Formen 
Alternativen zu generischen Maskulina
Literatur
 
Seite erstellt am 22.12.2000 durch Dr. Lisa Irmen und Claudia Sander , Psychologisches Institut Heidelberg 
Letzte Änderung am 19.03.02
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