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Einleitung
Die Sprache widerspiegelt aber nicht nur gesellschaftliche Gegebenheiten, sondern sie kann auch dazu beitragen, gewisse Sachverhalte zu untermauern, zu zementieren, indem sie die vorherrschenden Bilder und Normen bestätigt und unterstützt, Minderheiten- oder unerwünschte Positionen dagegen marginalisiert, abwertet oder unterdrückt. Diese Prozesse werden z.T. auch ganz bewusst eingesetzt, etwa wenn es darum geht, bestimmten Inhalten auch formal entsprechendes Gewicht zu verleihen. So kann Sprache aber auch gesellschaftlichen Wandel unterstützen, indem sie mit neuen Formulierungen hilft, das Bewusstsein für das angestrebte Ziel zu stärken. Die Sprache ist nichts Festgelegtes, Unveränderliches, sondern so offen, lebendig und spielerisch wie ihre jeweiligen Benutzerinnen und Benutzer." (Schweizerische Bundeskanzlei, 1991)
Auch im Englischen, dessen Substantive
in der Regel nicht formal einem grammatischen Geschlecht zugeordnet sind
(mit Ausnahme seltener Formen wie poetess, actress, etc.) gibt es
eine vergleichbare Konvention, nach der in bestimmten Kontexten maskuline
Pronomen verwendet werden können, um geschlechtsunspezifisch auf Substantive
zu referieren (z.B. A teacher... he/his/him... ). In die Kategorie der
generischen Maskulina fallen im Englischen auch Bezeichnungen wie chairman,
spokesman,
etc.
"Das Genus der Substantive, mit denen Personen benannt werden, darunter besonders das der Verwandtschaftsbezeichnungen, stimmt im allgemeinen mit dem natürlichen Geschlecht (dem Sexus) der Person überein" (Grammatik-Duden, 1984, S. 200). Zum einen stellt die generische Verwendung des Maskulinums also eine Ausnahme von dieser Regel dar, zum anderen geht es bei der Betrachtung des generischen Maskulinums nicht um die Frage, warum Objekte wie der Stuhl oder die Lampe ein bestimmtes grammatisches Geschlecht haben.
Diese Argumentation wird natürlich heute für die Rechtfertigung der generischen Verwendung des Maskulinums nicht mehr bemüht. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass das grammatische Geschlecht eine rein formale Eigenschaft von Begriffen sei, die mit dem natürlichen Geschlecht in keinem systematischen Zusammenhang stehe (siehe dazu aber die Differenzierung zwischen Personen und Objekten im Abschnitt "Sprachliche Aspekte"), oder auf eine lange Tradition dieser sprachlichen Konvention und der aus ihr resultierenden Vereinfachung der Sprache hingewiesen. Zur These der langen Tradition ist anzumerken, dass für den englischen Sprachraum ein konkretes Datum einer Art offiziellen Einführung des generischen Maskulinums genannt werden kann: 1850 beschloss das britische Parlament die Nutzung des GM für die Acts of Parliament. Die Auswertung früherer Texte und Grammatiken zeigt, dass die generische Verwendung des Maskulinums nicht allgemein verbreitet und üblich war. Es handelt sich also um ein sprachgeschichtlich vergleichsweise junges Phänomen. Von einer verbreiteten Nutzung des Maskulinums als generisches Genus ist erst in neuerer Zeit auszugehen. Zur These der Vereinfachung der Sprache durch die generische Verwendung des Maskulinums siehe den zugehörigen Abschnitt "Kuriositäten durch die Uneindeutigkeit maskuliner Formen".
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Letzte Änderung am 19.03.02 Anregungen & Kritik bitte senden an: Lisa.Irmen@psychologie.uni-heidelberg.de |