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Ansprache des GD Prof. Funke anläßlich der 7. Diplomfeier am 16.12.2005

Liebe Alumni des Jahres 2004, liebe Angehörige und Freunde unserer Diplomierten, liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist mir eine große Freude, sie alle heute zu unserer 7. Diplomfeier begrüßen zu dürfen! Mein Name ist Joachim Funke und ich vertrete den Lehrstuhl für Allgemeine und Theoretische Psychologie. In meiner Funktion als Geschäftsführender Direktor muß ich zunächst zugeben, dass der Ansturm auf diese Feier unsere logistischen Fähigkeiten auf eine harte Probe stellt. Mit knapp 250 angemeldeten Teilnehmenden, davon 70 Diplomierte, ist die Kapazität unseres größten Hörsaals etwas überschritten. Wir hoffen, dass die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten in erträglichem Rahmen bleiben.

In meiner Funktion als Vorsitzender unseres Ehemaligen-Vereins, den Alumni Psychologici, bin ich weitaus fröhlicher über die große Resonanz dieses Ereignisses, zeigt es doch, dass die erstmals im Januar 1999 abgehaltene und von den Alumni Psychologici finanzierte Diplomfeier zu einem etablierten Fest in unserem Haus geworden ist! Das verflixte siebte Jahr ist für die Alumni keine Bedrohung.

Als wir diese Feier erstmalig geplant hatten, war das Bestreben (und ist es heute noch), unsere Erleuchteten - die Alumni - nicht "einfach so" weggehen zu lassen, sondern in einem feierlichen Akt das Ende eines Lebensabschnitts gemeinsam im Kreis der Dozierenden, Studierenden und der Angehörigen zu feiern. Schön, dass Sie so zahlreich gekommen sind!

Ein solcher Moment - ein Wendepunkt in ihrem Leben - gibt Anlaß zu Rückschau wie auch zur Vorschau gleichermaßen: Rückschau auf ihre Bildung und Ausbildung, die Sie hier im Institut und an damit verbundenen Einrichtungen erfahren haben, Vorschau auf die vielleicht noch ungewisse Zukunft. Den Blick zurück auf ihre Heidelberger Zeit richten werden nach dem musikalischen Intermezzo stellvertretend für den Jahrgang 2005 die Absolventinnen Eva Daschek, Sonja Kiko und Axel Konrad. Den Blick in die Zukunft will *ich* mir nicht anmaßen, einen Wahrsager wollte ich Ihnen nicht zumuten. Aber in der Rolle des Hochschullehrers, der die Studierenden unseres Hauses entläßt, seien mir drei Wünsche gestattet.

Mein erster Wunsch: Auch wenn Sie jetzt auf Ihren Abschluß zu recht stolz sein dürfen: Ruhen Sie sich nicht allzu lange auf dem erworbenen Wissen aus - Wissen altert. 20 Jahre alte Lehrbücher enthalten nicht "state of the art"-Informationen. Hier müssen Sie ständig am Ball bleiben und sich fort- und weiterbilden. Würden Sie gerne zu einem Zahnarzt gehen, der sich das letzte Mal vor 5 oder gar 10 Jahren mit den Neu-Entwicklungen seiner Kunst beschäftigt hat? Hier hoffe ich als Alumni-Vorsitzender, dass wir in Kontakt bleiben - und dies nicht nur in sozialer, sondern auch in fachlicher Hinsicht. Der Tempel des Wissens, den sie jetzt verlassen, wird die Türen für Sie immer offen halten. Machen Sie davon Gebrauch! Ich wünsche Ihnen daher Neugier auf die Weiterentwicklungen in unserem Fach - und diese kommen nicht nur aus der Biopsychologie!

Mein zweiter Wunsch: Psychologie hat ihr Kerngeschäft im Verstehen des Anderen - nichts ist schwieriger als das zu verstehen, was andere tun, getan haben oder tun wollen. Verstehen heisst: immer wieder Theorien aufstellen, die uns das Tun des Anderen erklären können und vielleicht sogar Vorhersagen möglich machen. Den Anderen zu verstehen setzt übrigens voraus, sich selbst zu verstehen. Das Du und das Ich sind zwar aus dem gleichen Stoff gewebt, aber dennoch lebt jeder in seiner eigenen Welt. Ich wünsche Ihnen viele Einsichten über sich selbst und viele hoffentlich gelungene Verstehensprozesse im Austausch mit Anderen.

Mein dritter Wunsch: Psychologie hat mit auch mit Werten zu tun. Ich hoffe sehr, dass wir Ihnen in den letzten Jahren nicht nur Wissen, sondern auch Werte vermittelt haben. Wertfreie Wissenschaft gibt es nicht. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist vieles gefordert - Toleranz für Anders-Denkende ist einer der wichtigen Werte. Meinen Wahlspruch als Rheinländer kennen Sie vielleicht: Jeder Jeck ist anders! Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, abweichende Meinungen ertragen zu können und nicht dogmatisch zu werden! - Neben Toleranz braucht es auch Zivilcourage und Mitmenschlichkeit: den Mut, für andere aufzustehen, die sich nicht helfen können und denen Unrecht droht. Nicht tatenlos zuzusehen, wie anderen ein Unheil widerfährt, ist schwer, zumal wenn ich für mich selbst Nachteile befürchten muss - das wissen wir aus der Forschung zum prosozialen Handeln. Ich wünsche Ihnen den Mut und die Kraft, in schwierigen Situationen einen aufrechten Gang gehen zu können und gegen den Strom zu schwimmen.

Genug der Wünsche, aber noch nicht genug der Worte. Am Zustandekommen dieser Feier haben wie immer eine Vielzahl von Personen mitgewirkt, denen Dank zu sagen ist. Besonders erwähnen möchte ich meinen Stellvertreter im Amt des Vorsitzenden der Alumni Psychologici, der wie in früheren Jahren durch eine großzügige Spende diese etwa 1200 Euro teure Veranstaltung mitfinanziert. Danke möchte ich auch meiner Sekretärin Frau Heß, die schon seit Wochen organisatorische Vorbereitungen trifft. Der Seele unseres Hauses in Person von Gerd Müller ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung bei der Technik. Last but not least darf ich sicher im Namen aller Diplomierten Frau Hohneder danken, die das Prüfungssekretariat das ganze Jahr über zu einer Anlaufstelle für die Sorgen von Studierenden gemacht hat und - wie ich gehört habe - dabei viele dieser Sorgen beseitigen konnte. Herzlichen Dank Ihnen allen für diese Tätigkeiten!

Lassen Sie uns nun auf andere Weise - ohne Worte - besinnlich werden und der Musik unseres Streichquartetts zuhören. Arvid Neumann an der Viola ist übrigens Psychologie-Student. Als erstes hören wir von Wolfgang Amadeus Mozart das Allegro aus dem Streichquartett in C-Dur KV 157.


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