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Ansprache des GD Prof. Funke anläßlich der 6. Diplomfeier am 17.12.2004

Liebe Alumni des Jahres 2004, liebe Angehörige und Freunde unserer Diplomierten, liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist mir eine große Freude, sie alle heute zu unserer 6. Diplomfeier begrüßen zu dürfen! Mein Name ist Joachim Funke und ich vertrete den Lehrstuhl für Allgemeine und Theoretische Psychologie.

In meiner Funktion als Geschäftsführender Direktor muss ich zunächst zugeben, dass uns der Ansturm auf diese Feier erneut etwas überrollt hat und unsere logistischen Fähigkeiten auf eine harte Probe stellt. Mit etwa 220 angemeldeten Teilnehmenden ist die Kapazität unseres größten Hörsaals ausgeschöpft. Wir hoffen, dass die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten in erträglichem Rahmen bleiben.

In meiner Funktion als Vorsitzender unseres Ehemaligen-Vereins der Alumni Psychologici bin ich weitaus fröhlicher über die große Resonanz dieses Ereignisses, zeigt es doch, dass die erstmals im Januar 1999 abgehaltene und von den Alumni Psychologici finanzierte Diplomfeier zu einem etablierten Fest in unserem Haus geworden ist! Das Bestreben war und ist, unsere Erleuchteten - die Alumni - nicht "einfach so" weggehen zu lassen, sondern in einem feierlichen Akt das Ende eines Lebensabschnitts gemeinsam im Kreis der Dozierenden, Studierenden und der Angehörigen zu feiern und stolz auf das Erreichte zu sein. Schön, dass Sie so zahlreich gekommen sind! Danke!

In dieser Angelegenheit noch ein Wort in eigener Sache: Das Bewerber-Handbuch, mit dem wir unsere Absolventinnen und Absolventen (also Sie!) bei Personalabteilungen und Entscheidungsträgern andienen, wird ab 2005 in elektronischer Form geführt - Sie alle erhalten im Januar von uns eine Email mit den Zugangsdaten zur Absolventen-Datenbank. Machen Sie davon Gebrauch und tragen Sie Ihre Daten dort ein, selbst dann, wenn Sie schon eine Stelle haben. Diese Datenbank wird auch das Bindeglied zwischen Ihnen und uns sein, über das wir zukünftig kommunizieren.

Ein solcher Moment wie heute - ein möglicher Wendepunkt in ihrem Leben - gibt Anlass zu Rückschau wie auch zur Vorschau gleichermaßen: Rückschau auf ihre Bildung und Ausbildung, die Sie hier im Institut und an damit verbundenen Einrichtungen erfahren haben, Vorschau auf die vielleicht noch ungewisse Zukunft.

Den Blick zurück auf ihre Heidelberger Zeit richten werden nach dem musikalischen Intermezzo stellvertretend für den Jahrgang 2004 die Absolventinnen Grit Ramuschkat und Monika Knapp-Rudolph. Den Blick in die Zukunft will *ich* mir nicht anmaßen. Aber in der Rolle des Hochschullehrers, der die Studierenden unseres Hauses entlässt, seien mir drei Wünsche gestattet.

Mein erster Wunsch: Auch wenn Sie jetzt auf Ihren Abschluss zu recht stolz sein dürfen: Ruhen Sie sich nicht allzu lange auf dem erworbenen Wissen aus - Wissen altert. 20 Jahre alte Lehrbücher enthalten nicht mehr "state of the art"-Informationen. Hier müssen Sie ständig am Ball bleiben und sich fort- und weiterbilden. Würden Sie gerne zu einem Zahnarzt gehen, der sich das letzte Mal vor 5 oder gar 10 Jahren mit den Neu-Entwicklungen seiner Kunst beschäftigt hat? Hier hoffe ich als Alumni-Vorsitzender, dass wir in Kontakt bleiben - und dies nicht nur in sozialer, sondern auch in fachlicher Hinsicht. Der Tempel des Wissens, den sie jetzt verlassen, wird die Türen für Sie immer offen halten. Machen Sie davon Gebrauch! Ich wünsche Ihnen daher Neugier auf die Weiterentwicklungen in unserem Fach!

Mein zweiter Wunsch: Psychologie hat ihr Kerngeschäft im Verstehen des Anderen - nichts ist schwieriger als das zu verstehen, was andere tun und tun wollen. Verstehen heißt: immer wieder Theorien aufstellen, die uns das Tun des Anderen erklären können und vielleicht sogar Vorhersagen möglich machen. Den Anderen zu verstehen setzt übrigens voraus, sich selbst zu verstehen. Das Du und das Ich sind zwar aus dem gleichen Stoff gewebt, aber dennoch lebt jeder in seiner eigenen Welt. Ich wünsche Ihnen viele Einsichten über sich selbst und viele hoffentlich gelungene Verstehensprozesse im Austausch mit Anderen.

Mein dritter Wunsch: Psychologie hat mit auch mit Werten zu tun. Ich hoffe sehr, dass wir Ihnen in den letzten Jahren nicht nur Wissen, sondern auch Werte vermittelt haben. Wertfreie Wissenschaft gibt es nicht. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist vieles gefordert - Toleranz für Anders-Denkende ist einer der wichtigen Werte. Meinen Wahlspruch als Rheinländer kennen Sie vielleicht: Jeder Jeck ist anders! Hans-Georg Gadamer hat das etwas schöner formuliert: „Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.“ Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, abweichende Meinungen ertragen zu können und nicht dogmatisch zu werden!

Neben Toleranz braucht es auch Zivilcourage und Mitmenschlichkeit: den Mut, für andere aufzustehen, die sich nicht selbst helfen können und denen Unrecht droht. Nicht tatenlos zuzusehen, wie anderen ein Unheil widerfährt, ist schwer, zumal wenn man für sich selbst Nachteile befürchten muss - das wissen wir aus der Forschung zum prosozialen Handeln. Ich wünsche Ihnen den Mut und die Kraft, in schwierigen Situationen einen aufrechten Gang gehen zu können und gegen den Strom zu schwimmen. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

Genug der Wünsche und der Worte. Lassen Sie uns nun auf andere Weise - ohne Worte - besinnlich werden und der Musik zuhören. Die Tänze aus der Renaissance für Querflöte und Viola da Gamba werden von den Kindern unserer Mitarbeiterin Eva Vonderlin - Hannah, Ruben und Joscha - vorgetragen, unterstützt von Rebecca Kirchgässner.

Schlusswort

Liebe Diplomierte des Jahrgangs 2004, liebe Gäste: Wir sind fast am Ende der Veranstaltung. Bevor wir zum geselligen Teil übergehen, lassen Sie mich noch einen Punkt hervorheben. Am Zustandekommen dieser Feier haben wie immer eine Vielzahl von Personen mitgewirkt, denen Dank zu sagen ist.

Besonders erwähnen möchte ich meinen Stellvertreter im Amt des Vorsitzenden der Alumni Psychologici und Alumnus des Jahres 2003, Dipl.-Psych. Herbert Wettig, der wie in früheren Jahren durch eine großzügige Spende diese Veranstaltung mitfinanziert.

Danken möchte ich auch meiner Sekretärin Frau Gustava Heß, die schon seit Wochen organisatorische Vorbereitungen trifft und das Gelingen unserer Veranstaltung sicherstellt.

Last but not least darf ich sicher im Namen aller Anwesenden Frau Alexandra Hohneder danken, die das Prüfungssekretariat das ganze Jahr über zu einer Anlaufstelle für die Sorgen von Studierenden gemacht hat und - wie ich gehört habe - dabei viele dieser Sorgen beseitigen konnte.


Herzlichen Dank Ihnen und allen anderen Helfern für diese Tätigkeiten! Und nun laden die Alumni Psychologici Sie alle zu einem kleinen Empfang in den ersten Stock!


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