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Ansprache des GD Prof. Funke anläßlich der 5. Diplomfeier am 19.12.2003

Liebe Alumni des Jahres 2003, liebe Angehörige und Freunde unserer Diplomierten, liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Herr Dekan,

es ist mir eine große Freude, sie alle heute zu unserer 5. Diplomfeier begrüßen zu dürfen! Mein Name ist Joachim Funke und ich vertrete den Lehrstuhl für Allgemeine und Theoretische Psychologie.

In meiner Funktion als Geschäftsführender Direktor muß ich zunächst zugeben, dass uns der Ansturm auf diese Feier etwas überrollt hat und unsere logistischen Fähigkeiten auf eine harte Probe stellt. Mit gut 230 angemeldeten Teilnehmenden ist nicht nur die zahlenmäßig größte Diplomfeier erreicht, sondern auch die Kapazität unseres größten Hörsaals überschritten, weshalb wir zum ersten Mal in der Institutsgeschichte eine Videoübertragung aus dem Hörsaal 2 in den Vorraum vornehmen müssen. Wir hoffen, dass die Technik funktioniert und die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten in erträglichem Rahmen bleiben.

In meiner Funktion als Vorsitzender unseres Ehemaligen-Vereins der Alumni Psychologici bin ich weitaus fröhlicher über die große Resonanz dieses Ereignisses, zeigt es doch, dass die erstmals im Januar 1999 abgehaltene und von den Alumni Psychologici finanzierte Diplomfeier zu einem etablierten Fest in unserem Haus geworden ist! Das Bestreben war und ist, unsere Erleuchteten - die Alumni - nicht "einfach so" weggehen zu lassen, sondern in einem feierlichen Akt das Ende eines Lebensabschnitts gemeinsam im Kreis der Dozierenden, Studierenden und der Angehörigen zu feiern. Schön, dass Sie so zahlreich gekommen sind! Das ist ein vorweggenommenes Weihnachtsgeschenk für mich! Danke!

Ein solcher Moment - ein möglicher Wendepunkt in ihrem Leben - gibt Anlaß zu Rückschau wie auch zur Vorschau gleichermaßen: Rückschau auf ihre Bildung und Ausbildung, die Sie hier im Institut und an damit verbundenen Einrichtungen erfahren haben, Vorschau auf die vielleicht noch ungewisse Zukunft. Den Blick zurück auf ihre Heidelberger Zeit richten werden nach dem musikalischen Intermeszzo stellvertretend für den Jahrgang 2003 die Absolventinnen Saskia Grotheer und Nadja Rossberg. Den Blick in die Zukunft will *ich* mir nicht anmaßen, einen Wahrsager wollte ich Ihnen nicht zumuten. Aber in der Rolle des Hochschullehrers, der die Studierenden unseres Hauses entläßt, seien mir drei Wünsche gestattet.

Mein erster Wunsch: Auch wenn Sie jetzt auf Ihren Abschluß zu recht stolz sein dürfen: Ruhen Sie sich nicht allzu lange auf dem erworbenen Wissen aus - Wissen altert. 20 Jahre alte Lehrbücher enthalten nicht "state of the art"-Informationen. Hier müssen Sie ständig am Ball bleiben und sich fort- und weiterbilden. Würden Sie gerne zu einem Zahnarzt gehen, der sich das letzte Mal vor 5 oder gar 10 Jahren mit den Neu-Entwicklungen seiner Kunst beschäftigt hat? Hier hoffe ich als Alumni-Vorsitzender, dass wir in Kontakt bleiben - und dies nicht nur in sozialer, sondern auch in fachlicher Hinsicht. Der Tempel des Wissens, den sie jetzt verlassen, wird die Türen für Sie immer offen halten. Machen Sie davon Gebrauch! Ich wünsche Ihnen daher Neugier auf die Weiterentwicklungen in unserem Fach!

Mein zweiter Wunsch: Psychologie hat ihr Kerngeschäft im Verstehen des Anderen - nichts ist schwieriger als das zu verstehen, was andere tun und tun wollen. Verstehen heisst: immer wieder Theorien aufstellen, die uns das Tun des Anderen erklären können und vielleicht sogar Vorhersagen möglich machen. Den Anderen zu verstehen setzt übrigens voraus, sich selbst zu verstehen. Das Du und das Ich sind zwar aus dem gleichen Stoff gewebt, aber dennoch lebt jeder in seiner eigenen Welt. Ich wünsche Ihnen viele Einsichten über sich selbst und viele hoffentlich gelungene Verstehensprozesse im Austausch mit Anderen.

Mein dritter Wunsch: Psychologie hat mit auch mit Werten zu tun. Ich hoffe sehr, dass wir Ihnen in den letzten Jahren nicht nur Wissen, sondern auch Werte vermittelt haben. Wertfreie Wissenschaft gibt es nicht. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist vieles gefordert - Toleranz für Anders-Denkende ist einer der wichtigen Werte. Meinen Wahlspruch als Rheinländer kennen Sie vielleicht: Jeder Jäck ist anders! Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, abweichende Meinungen ertragen zu können und nicht dogmatisch zu werden! - Neben Toleranz braucht es auch Zivilcourage und Mitmenschlichkeit: den Mut, für andere aufzustehen, die sich nicht helfen können und denen Unrecht droht. Nicht tatenlos zuzusehen, wie anderen ein Unheil widerfährt, ist schwer, zumal wenn ich für mich selbst Nachteile befürchten muss - das wissen wir aus der Forschung zum prosozialen Handeln. Ich wünsche Ihnen den Mut und die Kraft, in schwierigen Situationen einen aufrechten Gang gehen zu können und gegen den Strom zu schwimmen.

Genug der Wünsche, aber noch nicht genug der Worte. Ein letztes: Am Zustandekommen dieser Feier haben wie immer eine Vielzahl von Personen mitgewirkt, denen Dank zu sagen ist. Besonders erwähnen möchte ich meinen Stellvertreter im Amt des Vorsitzenden der Alumni Psychologici, Herbert Wettig, der wie in früheren Jahren durch eine großzügige Spende diese etwa 1500 Euro teure Veranstaltung mitfinanziert. Danken möchte ich auch meiner Sekretärin Frau Heß, die schon seit Wochen organisatorische Vorbereitungen trifft. Der technischen Seele unseres Hauses in Person von Gerd Müller ein herzliches Dankeschön für die Ermöglichung der Videoübertragung. Last but not least darf ich sicher im Namen aller Anwesenden Frau Hohneder danken, die das Prüfungssekretariat das ganze Jahr über zu einer Anlaufstelle für die Sorgen von Studierenden gemacht hat und - wie ich gehört habe - dabei viele dieser Sorgen beseitigen konnte. Herzlichen Dank Ihnen allen für diese Tätigkeiten!

Lassen Sie uns nun auf andere Weise - ohne Worte - besinnlich werden und der Musik unseres Streichquartetts zuhören. Doris Erbe an der Viola ist übrigens Psychologie-Studentin.


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