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Verleihung des Franz-Emanuel-Weinert-Preises 2014

Einleitung

Auf der Diplom- und Masterfeier am 12.12.2014 wird zum 14. Mal der Franz-Emanuel-Weinert-Preis für herausragende Diplom- und Masterarbeiten vergeben.

Die Laudatio auf die Arbeit hielt Prof. Dr. Oliver Schilling im Namen des Auswahlkomitees, dem noch Prof. Dr. Dirk Hagemann und Dr. Christine Sattler angehörten.

Laudatio

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich sehr, im Namen des Auswahlkomitees, dem Dr. Christine Sattler, Professor Dirk Hagemann und ich angehörten, den „Franz-Emanuel-Weinert-Gedächtnispreis“ für herausragende Diplom- oder Masterarbeiten an unserem Psychologischen Institut verleihen zu dürfen. Der Preis ist dem Andenken an Franz Emanuel Weinert gewidmet, der von 1968-1981 als Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie hier in Heidelberg gewirkt hat und in dieser Zeit einer der herausragenden Forscher und akademischen Lehrer auf diesen Gebieten in Deutschland gewesen ist.

Nachdem ich nun dreimal der Preiskommission angehört habe, weiß ich zu sagen, dass die Auswahl des Preisträgers in der Regel schwer fällt, weil stets mehrere Arbeiten zu Auswahl stehen, die hervorragend und somit auszeichnungswürdig sind. Dieses war in diesem Jahr besonders deutlich der Fall―jede der sechs für den Preis eingereichten Arbeiten war wirklich sehr, sehr gut―so dass es mir ein Anliegen ist, auch den Nicht-Ausgewählten hier zu sagen: Bitte fühlen Sie sich auch mit ausgezeichnet! Und an die Adresse der Kolleginnen und Kollegen ein wenig Eigenlob: Wenn ein Institut Absolventen hervorbringt, die derart exquisite Abschlussarbeiten zu verfassen in der Lage sind, dann kann es um die Qualität der Lehre nicht allzu schlecht bestellt sein.

Den Ausschlag für die Auswahl gab letztendlich die Ausgewogenheit von gründlicher theoretischer und exzellenter methodischer Behandlung des Forschungsgegenstands―die nun ausgezeichnete Arbeit war sozusagen besonders „rund“ hinsichtlich der Gewichtung theoretischer und empirisch-methodischer Anteile: Mit dem Weinert-Preis 2014 wird die Masterarbeit von Ivan Vasilev ausgezeichnet.

Der Titel dieser Arbeit stellt eine vermeintlich sehr einfache Frage: „What is Optimism?“ ― Es mag zunächst einmal verblüffen, dass diese Frage im Jahre 2014, nachdem die Psychologie nun ja auch schon eine geraume Zeit als akademische Disziplin auf dem Buckel hat, nicht längst und erschöpfend beantwortet ist. Denn schließlich ist Optimismus nicht nur uns allen―auch wenn wir nicht akademisch ausgebildete Psychologen sind―ein alltäglicher Begriff, mit dem wir z.B. uns selbst und andere als „Optimisten“ bezeichnen, sondern es wurde auch in der psychologischen Forschung und Theoriebildung der letzten Jahrzehnte Optimismus vielfach beforscht. Somit sollte also in der Psychologie klar definiert sein, was eigentlich Optimismus ist.

Der Titel von Herrn Vasilevs Arbeit enthält nun aber noch einen Zusatz zu der oben genannten Frage: „Exploring the Nomological Network of Different Optimism Constructs“. Tatsächlich wurde in der psychologischen Forschung gewissermaßen nicht nur ein bzw. der Optimismus behandelt, sondern verschiedene Definitionen oder Aspekte―in der Psychologie sagen wir Konstrukte―dieses Begriffs. Wie Herr Vasilev in seiner Arbeit darlegt, gibt es da zunächst den dispositionellen Optimismus―d.i. die generelle Tendenz, für die Zukunft Positives zu erwarten. Dagegen bezeichnet das Konstrukt des „explanatory optimism“ eine optimistische Tendenz in der Beurteilung negativer Ereignisse in unserem Alltagsleben ―ungefähr so: Wenn mir Schlechtes widerfährt, dann kann ich nichts dafür und es geschieht auch nur unter ganz speziellen Umständen und betrifft mich nur vorübergehend. Der „attentional optimism“ bezeichnet sozusagen einen optimistischen Fokus unserer Wahrnehmung, wie er in umgangssprachlichen Redeweisen wie z. B. der „rosa Brille“, durch die wir die Dinge betrachten, zum Ausdruck kommt. Und schließlich wurde auch noch der „comparative optimism“ beforscht, der auch als illusorischer oder unrealistischer Optimismus bezeichnet wurde und die Neigung bezeichnet, Risiken für sich selbst im Vergleich zu anderen als geringer einzuschätzen.

Gibt es also überhaupt den einen Optimismus, oder bezeichnet der Begriff eher eine Art von Dachkonstrukt, unter dem bei hinreichend genauer Betrachtung verschiedene und durchaus voneinander unabhängige Merkmale versammelt sind? Oder auch: Was messen die Messwerte, die wir erheben, wenn wir mit einem der zu den genannten Konstrukten vorgeschlagenen Fragenbogeninstrumente unsere Studienteilnehmer befragen? Zu diesen Fragen liefert Herr Vasilev die Befunde seiner durchaus überzeugenden empirischen Untersuchung: In einer Online-Studie wurden die Studienteilnehmer mit den in der psychologischen Literatur vorfindbaren Fragebogeninstrumenten zur Messung verschiedener Optimismuskonstrukte befragt. Somit wurden von den Teilnehmern eine Vielzahl von Fragebogenitems beantwortet, welche jeweils zur Erfassung irgendeiner Art von Optimismus dienen sollten, und Herr Vasilev analysiert nun, ob bzw. inwieweit diese verschiedenen Items alle dasselbe―also einen generellen, in den vielerlei erfragten Einstellungen immer wieder gleichermaßen aufscheinenden Optimismus―oder eben unterschiedliches, d.h. verschiedene „Optimismen“ bezüglich unterschiedlicher Einstellungsbereiche, erfassen. Die Statistikkundigen unter Ihnen werden erahnen, dass Herr Vasilev hier faktoranalytische Methoden benutzt hat, und ohne Sie mit diesbezüglichen Details zu langweilen will ich zumindest das hohe methodisch-statistische Niveau dieser Analysen erwähnen, die durchaus dem State-of-art der explorativen und konfirmatorischen Faktorenanalysen entsprechen. Deshalb kann Herr Vasilev schließlich auch mit einer gewissen Sicherheit seinen grundlegenden Befund präsentieren, der da nämlich lautet: Es gibt ihn, den einen generellen Optimismusfaktor. Oder, mit den abschließenden Worten der ausgezeichneten Arbeit: „The current study suggests that in future scientific effort should become more focused on the investigation of the general cognitive positivity, the „g-factor” of optimism. The evidence shows that this single optimism core is related with what is good for people − from high satisfaction with life to more psychological health and health behavior”.

Herr Vasilev, ich gratuliere Ihnen zum diesjährigen Franz-Emanuel-Weinert-Preis!


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