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Verleihung des Franz-Emanuel-Weinert-Preises 2011

Einleitung

Auf der Diplomfeier am 16.12.2011 wurde zum 11. Mal der Franz-Emanuel-Weinert-Preis für herausragende Diplomarbeiten vergeben. Die diesjährige Preisträgerin ist Dipl.-Psych. Celina Kacperski.

Die Laudatio auf die Arbeit hielt Prof. Dr. Henning Plessner im Namen des Auswahlkomitees (Prof. Dr. Klaus Fiedler, Prof. Dr. Dirk Hagemann, Dipl.-Psych. Malte Stopsack).

Laudatio

Sehr geehrte Damen und Herren, es ist mir eine große Freude, hier ein paar Worte zur diesjährigen Preisträgerin sagen zu dürfen. Dabei muss ich aber zunächst darauf hinweisen, dass ich das in Vertretung von Dr. Florian Kutzner tue, der heute leider verhindert ist. Herr Kutzner war der Erstbetreuer dieser Arbeit und ihm kommt zweifelsfrei der deutlich größere Teil der Betreuungsleistung zu.

Als ich am Dienstag davon erfahren habe, dass Celina den diesjährigen Weinert Preis gewonnen hat, hat das bei mir unmittelbar eine außerordentlich starke Freude ausgelöst. Das hat mehrere Gründe. Einige liegen sicher in der Person von Celina und der Qualität ihrer Arbeit, ein anderer hat aber damit zu tun, dass hiermit eine sportpsychologische Arbeit ausgezeichnet wurde, und als Professor für Sportpsychologie gefällt mir das natürlich besonders.

Aber zunächst zur Person von Celina. Bei der Betreuung ihrer Arbeit wurde mir schnell klar, dass sie eine Reihe von positiven Attributen auszeichnet, wie z.B. eine klare Zielorientierung gepaart mit Fleiß und Zuverlässigkeit. Dazu besitzt sie einen hohen inhaltlichen und methodischen Sachverstand. Ich nehme allerdings an, dass sie diese Eigenschaften mit den meisten der anderen Bewerberinnen und Bewerber um den Weinertpreis teilt. Was sie meines Erachtens aber darüber hinaus besonders auszeichnet, ist die Fähigkeit, mit hohem wissenschaftlichem Selbstbewusstsein eigenständig eine originelle Forschungsidee zu entwickeln und diese dann auch bei aller Offenheit für inhaltliche Anregungen mit einer gewissen Beharrlichkeit konsequent zu verfolgen. Diese Fähigkeit ist auf einer so frühen Stufe der akademischen Karriere nicht allzu häufig anzutreffen. Dieses ist sicher - neben ihren ausgezeichneten Programmierkenntnissen - auch ein Grund dafür, dass sie –soweit ich weiß – in mindestens zwei Abteilungen dieses Instituts als wissenschaftliche Hilfskraft beschäftigt wurde. Dass es sich bei Celina um eine so erfrischend sympathische Person handelt macht das Ganze natürlich umso erfreulicher.

Nun aber zum Inhalt der ausgezeichneten Arbeit. Wie ich bereits erwähnt habe, handelt es sich um eine sportpsychologische Arbeit, und zwar im besten Sinne. Die Sportpsychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die quasi per definitionem interdisziplinär angelegt ist, und zwar im Schnittbereich der Psychologie und der Sportwissenschaft. Erfolgreiches Arbeiten in diesem Bereich setzt die Bereitschaft voraus, psychologische Modelle und Theorien im Rahmen sportwissenschaftlichen Kontextwissens zu untersuchen, was unter anderem eine Auseinandersetzung mit den jeweiligen spezifischen Anforderungen und Eigenheiten der untersuchten Sportarten bedeutet. Das setzt also den Erwerb von Wissen voraus, das über das hinaus geht, was im Psychologiestudium vermittelt werden kann. Für Celina war es daher z.B. eine Selbstverständlichkeit, dass sie ihre Arbeit nicht nur im sozialpsychologischen Kolloquium sondern auch im Kolloquium Sportwissenschaft zur Diskussion gestellt hat.

Die Diplomarbeit von Celina bezieht sich auf die Sportart Tischtennis, was sicher auch damit zu tun hat, dass Celina selber eine ausgezeichnete Tischtennisspielerin ist und das auch regelmäßig auf einem hohen Wettkampfniveau betreibt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der sogenannte Regulatorische Fit Effekt. In der Theorie wird danach unterschieden, ob Menschen Ziele z.B. eher durch das Anstreben von Idealen verfolgen oder durch das Vermeiden von Fehlern. Das erste wird als Promotion-Fokus bezeichnet, das zweite als Prevention-Fokus. Wenn man diese Theorie aus sportliche Leistungen bezieht wird nun des Weiteren behauptet, dass weder der eine noch der andere Fokus per se einen Vorteil bietet. Erst die Passung – der Fit – zwischen dem chronischen Fokus und situativen Anforderungen bringt einen Leistungsvorteil. Beispielsweise sollte es für Verteidiger günstiger sein, einen Preventionfokus einzunehmen und für Stürmer günstiger einen Promotionfokus zu besitzen.

Es gab nun in letzter Zeit eine Reihe von Arbeiten in der sportpsychologischen Literatur, die einen solchen Effekt tatsächlich zeigen können. Allerdings geben sich ja Psychologen in der Regel nicht damit zufrieden so einen Effekt nachweisen zu können, sie wollen auch ganz genau wissen, wie er funktioniert. Und da ist die Arbeit von Celina nun die erste, die einen Hinweis auf den zugrunde liegenden Prozess des Regulatorischen Fit-Effekts im Sport gibt. Das ist deshalb möglich geworden, weil Celina die Schlägerhaltung im Tischtennis als eine entscheidende Prozessvariable identifiziert hat, deren Erfassung eine Auskunft über die prozessuale Ursache von Erfolg vs. Misserfolg in Abhängigkeit von Fit vs. Non-Fit Bedingungen ermöglich. Tatsächlich konnte sie zeigen, dass Tischtennisspieler unter Non-Fit Bedingungen zu häufigeren Wechseln der Spieltaktik neigen und damit weniger ihre besser beherrschte Technik zum Einsatz bringen als unter Fit-Bedingungen.

Dieser Befund ist nicht nur theoretisch bedeutsam sondern erlaubt unmittelbar Ableitungen für sportpraktische Interventionen im Training und in Wettkampf. Und eine wissenschaftliche Arbeit anzufertigen, die gleichermaßen von hoher theoretischer als auch praktischer Relevanz ist, ist der höchste Anspruch, den wir an sie stellen können.

Liebe Celina, ich gratuliere Dir nochmal ganz herzlich zu diesem schönen Erfolg! Prof. Dr. Henning Plessner

Prof. Dr. Henning Plessner

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