Universität Heidelberg

Forschungsmethoden


Zur Datengewinnung verwenden wir unterschiedliche Methoden. Dazu zählen

  1. Verhaltensbeobachtungen im Feld
  2. Verhaltensbeobachtungen in experimentellen Situationen
  3. Leistungen in standardisierten Tests
  4. Hirnstrommessungen
  5. Blickzeitmessungen
  6. Blickbewegungsmessungen
  7. Elternfragebögen

Wenn Sie mehr Informationen zu den einzelnen Verfahren haben möchten, klicken Sie einfach auf das betreffende Feld.

1. Verhaltensbeobachtung im Feld

Interessiert man sich primär dafür, wie Kinder sich in ihrer vertrauten Umgebung verhalten, so sind Feldbeobachtungen das Mittel der Wahl. Im Rahmen unseres Projektes MONDEY geht es zum Beispiel darum, dass Studenten, Eltern und pädagogische Fachkräfte lernen, wichtige Meilensteine der frühkindlichen Entwicklung auf standardisierte Weise in der natürlichen Umgebung der Kinder zu beobachten und zu dokumentieren.

2. Verhaltensbeobachtungen in Laboruntersuchungen

Der überwiegende Teil unserer Studien stützt sich auf die Analyse von Verhalten der Kinder in experimentellen Situationen. In der Regel nimmt das Kind an einer spielerisch gestalteten Aufgabe teil und wir registrieren seine Reaktionen auf unterschiedliche Reize. Im unten abgebildeten Beispiel lernt das Kind, dass nur der längste von drei Stäben lang genug ist, um eine Kugel aus einer Röhre zu schubsen. Nachdem ein Lernkriterium erreicht wurde, tauscht die Versuchsleiterin die Stäbe aus und notiert, an welchen Kriterien sich das Kind nun orientiert, um einen passenden Stab auszusuchen: An Information zur Länge des Stabes oder an der äußerlichen Ähnlichkeit des funktional unwichtigen aber optisch sehr auffälligen Griffes.

3. Leistungen in standardisierten Tests

Verhaltensweisen, die Rückschlüsse auf Fähigkeiten oder Grenzen des Kindes zulassen, werden häufig im Rahmen von standardisierten Testsituationen erfasst. In der Grundlagenforschung kommen dabei vor allem bekannte Entwicklungstests zur Anwendung. So wirken wir aktuell an einer Normierung des neuen Bayley III mit. In unserer Hochschulambulanz werden unterschiedlichste normierte Tests eingesetzt, um die Möglichkeiten und Grenzen eines Kindes möglichst genau und objektiv erfassen zu können. Studierende werden in speziellen Kinder-Diagnostik- und Gutachtenseminaren unseres aktuellen Lehrangebots mit der Anwendung dieser Tests vertraut gemacht.

4. Hirnstrommessungen

Geht es darum, Reaktionen auf Reize zu erfassen, die im Bereich von Millisekunden nach Beginn der Reizpräsentation auftreten und kaum zu äußerlich sichtbaren Veränderungen im Verhalten führen, dann eignet sich dafür vor allem die Hirnstrommessung. Dabei setzen wir dem Kind eine Kappe mit Elektroden auf, die Veränderungen in der Spannung an der Kopfhaut registrieren, welche durch die Reizdarbietung ausgelöst werden. Die elektrischen Aktivitäten werden über ein Kabel an einen Computer geleitet und hier ausgewertet. Weil die Schädeldecke von Babys noch sehr weich und im Allgemeinen weitgehend unbehaart ist, erhält man auch ohne großen Aufwand (Kabine, Darbietung großer Mengen und Versuchsdurchgängen) brauchbare Daten. Das Kind merkt von der Messung nichts - nur das Auf- und Absetzen der Kappe ist spürbar. Wir verwenden Hirnstrommessungen aktuell vor allem, um die Objektverarbeitung bei Babys im Rahmen von Kategorisierungsstudien oder Aufgaben zum sozialen Lernen zu untersuchen.

5. Blickzeitmessungen

Der überwiegende Teil unserer Auswertungen bezieht sich auf Blickzeitmessungen. Wir zeigen dem Kind bestimmte Dinge oder Szenen und erfassen sein Interesse für die präsentierten Reize anhand von Blickzeitmessungen. Dafür messen zwei unabhängige Beobachter, wie lange das Kind in eine bestimmte Richtung schaut. Dabei kamen früher ausschließlich Stoppuhren zum Einsatz. Heute arbeiten wir vermehrt mit moderner Computersoftware und analysieren das Verhalten Bild für Bild am PC.

6. Blickbewegungsmessungen

Blickbewegungen lassen sich nur schwer erfassen. Entweder wir verwenden dafür eine spezielle Computersoftware (Interact), die es uns erlaubt, für jedes Bild eines Films zu bestimmen, wohin das Kind schaut, oder es kommt unser Tobii zum Einsatz. Tobii ist ein System, das die automatische Registrierung von Blickrichtung und -dauer eines Kindes erlaubt, solang dieses auf einen speziellen Monitor schaut. Mit diesem Gerät untersuchen wir beispielsweise, wohin ein Kind in sozialen Lernsituationen blickt.

7. Fragebögen

Manchmal ist es äußerst hilfreich, wenn eine Bezugsperson das Verhalten eines Kindes anhand von Fragebögen beschreibt. So lässt sich beispielsweise das Temperament eines Kindes nicht an einem bestimmten Tag erfassen, sondern beschreibt gerade situationsübergreifend, wie sich das Kind typischerweise verhält. Eltern kennen ihr Kind gut und können Auskunft zum Verhalten in Alltagssituationen geben. Wir nutzen Fragebögen in der Regel als Ergänzung zu anderen Daten und interessieren uns vor allem für die Zusammenhänge zwischen Angaben der Eltern und unseren eigenen Beobachtungen.

 

Stand: 01.08.2017

 

Verantwortlich: E-Mail

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