Projekt SENSO-AGE
Zur Entwicklungsrelevanz von Seh- und Höreinbußen im Alter: Bedeutung sozial-räumlicher und psychischer Ressourcen
Projektbeschreibung
Ein nach wie vor ein zentrales Anliegen psychologischer Alternsforschung besteht darin, das Zusammenwirken von person- und umweltbezogenen Ressourcen für gutes Altern besser zu verstehen. Die grundlegende Überlegung des Projekts geht dahin, dass die Untersuchung von Personen mit Seh- bzw. Hörbeeinträchtigungen in einer Studie für die Untersuchung des Wechselspiels zwischen person- und umweltbezogenen Ressourcen besonders vielversprechend ist, weil Sehverlust vor allem eine Störung der Interaktion mit der räumlichen, Hörverlust vor allem eine Störung der Interaktion mit der sozialen Umwelt darstellt.
Anhand eines Rahmenmodells werden zwei personbezogene Ressourcenbereiche (kognitive Leistungsfähigkeit, Persönlichkeit) und zwei umweltbezogene Ressourcenbereiche (soziale Umwelt, räumliche Umwelt) zueinander in Beziehung gesetzt. Im Hinblick auf die Ressource soziale Umwelt wird vor allem auf die sozio-emotionale Selektivitätstheorie (Carstensen), im Hinblick auf die Ressource räumliche Umwelt vor allem auf die ökologische Theorie des Alterns (Lawton) zurückgegriffen. Diese Kombination von theoretischen Ansätzen ermöglicht die Bearbeitung von Forschungszielen bzw. Hypothesen, in denen bei seh- und hörbeeinträchtigten Älteren (und als Kontrastgruppe bei sensorisch Unbeeinträchtigten) gleichzeitig die Adaptivität von Unterschieden in sozialen und räumlichen Beziehungen vor dem Hintergrund unterschiedlicher kognitiver und persönlichkeitsbezogener Ressourcen betrachtet werden kann.
Als Maße für Adaptivität dienen die Bereiche Einsamkeit, alltagsbezogene Autonomie und subjektives Wohlbefinden. Die empirische Basis bilden je N = 200 seh- und hörbeeinträchtigte bzw. sensorisch nicht beeinträchtigte alte Menschen im Alter von 75 bis 94 Jahren, die mit einem international eingeführten Methodenrepertoire untersucht werden. Geprüft werden Hypothesen (a) zu Unterschieden in Ressourcen bzw. in der Ressourcennutzung im Vergleich von Seh- vs. Hörbeeinträchtigten und sensorisch Unbeeinträchtigten, (b) zur je nach Behinderung unterschiedlichen Bedeutung von räumlichen und sozialen Ressourcen für Einsamkeit, alltagsbezogene Autonomie und subjektives Wohlbefinden sowie (c) zu Unterschieden im Zusammenwirken der vier Ressourcenbereiche und zu deren Beziehung zu "Outcomes" im Vergleich von Seh- vs. Hörbeeinträchtigten und sensorisch Unbeeinträchtigten.
Neben ihrer grundlagenwissenschaftlichen Bedeutung können von den Projektergebnissen auch Hinweise zur evidenz-basierten Verbesserung der Lebens- und Versorgungssituation von seh- und hörbeeinträchtigten Älteren erwartet werden.
Projektleitung
Wissenschaftliche Bearbeitung
- Dipl.-Psych. Nadine Langer
Förderung
- Deutsche Forschungsgemeinschaft, Förderkennzeichen: WA 809/7-1
Kooperation
- Zusammenarbeit mit Jewish Home Lifecare, New York (Dr. Amy Horowitz, Dr. Kathrin Boerner, Dr. Joann Reinhardt, Dr. Mark Brennan)
Laufzeit
- 01.04.2006-31.07.2008