Projekt INNOVAGE

Projekt „Langzeitpflege in Bewegung“ („Long-term Care in Motion“) Innovage Logo

 

Projektbeschreibung
Das Projekt ist ein Teilprojekt des von der EU geförderten multidisziplinären Projektes „Social Innovations Promoting Active and Healthy Ageing“ (INNOVAGE). Das EU-Projekt untersucht soziale Innovationen, die die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden Älterer – speziell die Anzahl an gesunden Lebensjahren – fördern.

 

Projektziele
Das Projekt geht davon aus, dass die sehr starke Evidenz zur Bedeutung von Bewegungsförderung im Alter bislang im Kontext von Pflegeheime erst ansatzweise angekommen ist bzw. genutzt wird. Übergeordnetes Ziel des Teilprojektes ist es deshalb, Aspekte des Bewegungsverhaltens, der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der sozialen Partizipation von Menschen im Pflegeheim besser zu verstehen und systematisch zu fördern. Dabei soll neben den Bewohnerinnen und Bewohnern auch das Umfeld Pflegeheim inklusive der Mitarbeiter/-innen einbezogen werden. Insgesamt ist nicht ein rigoroses Design, speziell eine randomisierte Interventions-Kontrollgruppen-Vergleichsstudie angestrebt, sondern ein inhaltlich und methodisch innovatives Demonstrationsprojekt unter teilkontrollierten Bedingungen.

Spezielle Ziele des Projekts sind:

  • Erstellung eines systematischen Reviews zum existierenden Forschungsstand zu Mobilitäts- und Aktivitätsförderung im Heimkontext
    Zur Planung und Vorbereitung der psychosozialen und körperlichen Interventionen wird ein systematisches Review erstellt, das die zu diesem Themenbereich existierende Forschungsliteratur aufbereitet. Auf Grundlage dieses Reviews werden die Interventionen geplant und anschließend im Heimkontext vorgetestet.
  • Erfassung der Aktivität von Heimbewohnern/-innen
    Um die tagtägliche Aktivität der Heimbewohner/innen objektiv abbilden zu können, wird diese mittels unauffälliger hochsensibler Aktivitätssensoren, die am Körper getragen werden, über einen Zeitraum von etwa drei Tagen erfasst. Hier werden wir neueste Technologielösungen im Bereich des Mobilitäts-Monitoring mit mehreren Intentionen nutzen: Wir möchten (1) die volle Machbarkeit und Nutzbarkeit dieses methodisch anspruchsvollen Assessment auch bei einer Pflegeheimpopulation zeigen; (2) Daten sammeln, welche allgemein die Mobilitätsmuster von Heimbewohnern besser verstehen lassen; (3) eine Vorher-Nachher und 6-Monats-Follow-up-Messung auf der Grundlage dieser Methodik im Rahmen der geplanten Mobilitäts- und Aktivitätsförderung vornehmen; (4) zeigen, dass solche Technologien in einer Praxissicht auch für Professionelle im Heim Wissen zu den Mobilitätsmustern der Heimbewohner bereitstellen und damit helfen können, mobilitätsfördernde Maßnahmen im Pflegeheimkontext zu implementieren und zu supervidieren.

Aktivitätssensoren

Innovage Sensor Front       Innovage Sensor Back
© F. Kronbach

 

Beispielhafte Darstellung der mit den spezifischen Messsystemen gewonnenen Daten

Innovage Activity ProfileInnovage Activity Pattern
 
 
  • Körperliche Intervention
    Kern der standardisierten Gruppentrainingsangebote ist ein Kraft- und Funktionstraining, welches von der Arbeitsgruppe um Prof. Klaus Hauer speziell für hochaltrige Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung entwickelt und wissenschaftlich evaluiert wurde. Der Schwerpunkt des Trainingsprogrammes liegt auf der Verbesserung motorischer Schlüsselqualifikationen (Gehen, sicherer Stand, Aufstehen-Hinsetzen), die für die Mobilität, Autonomie und Bewegungssicherheit eine bedeutende Rolle spielen. Diese motorischen Trainingsinhalte werden um spezifische kognitiv-motorische Aufgaben ergänzt (z.B. Dual Task).
  • Psychosoziale Intervention
    Neben den aktivitätsbezogenen Parametern werden gesundheitliche und psychologische Aspekte das Training anreichern. Zusätzlich zu den körperlichen Trainingsangeboten sollen anhand psychosozialer Komponenten Bewegungsanlässe bzw. Motivationsbrücken geschaffen werden (z.B. Bewegungspartner suchen; Einbezug von Elementen des Erlebens des eigenen Alters bzw. Abbaus negativer Altersstereotype; Förderung von Elementen der Selbstwirksamkeit). Diese Komponenten werden so strukturiert werden, dass sich ich ebenfalls für Personen eignen, bei denen Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit bzw. demenzielle Veränderungen vorliegen. Ferner sollen neben den Bewohnern/-innen auch Mitarbeiter/-innen und Angehörige systematisch einbezogen werden.
  • Serious Games: virtuelle Spielangebote
    Oftmals können Personen durch herkömmliche Übungsangebote nur in geringem Ausmaß zu körperlicher Aktivität motiviert werden. Insbesondere für diese Personengruppe können virtuelle Bewegungsangebote sinnvoll sein, bei denen Bewegungsaufgaben in ein Spielsetting eingebettet sind und die es ermöglichen, andere Bewegungsmotive anzusprechen (gemeinsames, spielbetontes Bewegen). Die so genannten „Serious Games“ können als Weiterentwicklung verstanden werden, bei der unter Beibehaltung der Spielkomponente diejenigen Bewegungsanforderungen geübt werden, die sich für ein zielgerichtetes Training als effektiv herausgestellt haben (z.B. Gehen oder Gleichgewicht-Halten bei gleichzeitigem Lösen von Gedächtnisaufgaben). Im Rahmen einer Pilottestung wird die Eignung der Serious Games für den Bereich der Aktivitätsförderung im Heimkontext überprüft, um diese Komponente anschließend in der Interventionsphase in das körperliche Trainingsprogramm zu integrieren.

 

Beurteilung der Wirksamkeit der Interventionen
Das zentrale Ziel der Studie besteht darin, die Mobilität bzw. Aktivität der Bewohner/-innen sowohl kurz- als auch längerfristig durch die Durchführung von körperlichen und psychosozialen Interventionen zu steigern und damit letztlich auch einen Beitrag zur Verlängerung von Lebensjahren in relativer Gesundheit und Funktionsfähigkeit im Heimkontext zu leisten.

Um zu beurteilen, ob sich die Aktivität der Bewohner/-innen direkt nach der Teilnahme an den Interventionen gesteigert hat, wird ihre Aktivität vor dem Training mit der nach dem Training verglichen. Dabei werden wir das Mobilitäts-Monitoring sowie Fragebogeninstrumente und Fremdbeurteilungen nutzen. Zur Beurteilung der längerfristigen Effekte des Trainings wird die Aktivität der Bewohner/-innen nach einem Zeitraum von 6 Monaten erneut erfasst und zum einen mit der Aktivität vor Studienbeginn, zum anderen mit der Aktivität direkt nach der Intervention verglichen. Zusätzlich findet ein Vergleich mit einer ähnlichen Einrichtung statt, in der (noch) kein solches spezifisches körperliches Training durchgeführt wird.

 

Publikationen

  • Diegelmann, M., Jansen, C.-P., Wahl, H.-W., Schilling, O. K., Schnabel, E.-L., & Hauer, K. (2017). Does a physical activity program in the nursing home impact on depressive symptoms? A generalized linear mixed-model approach. Aging and Mental Health. Advance online publication. https://doi.org/10.1080/13607863.2017.1310804

  • Diegelmann, M., Wahl, H.-W., Schilling, O. K., Jansen, C.-P., Claßen, K., & Hauer, K. (2017). A new look at nursing home residents’ depressive symptoms: The role of basic versus expanded everyday competence. International Psychogeriatrics, 29(1), 165–175. https://doi.org/10.1017/S1041610216001563

  • Jansen, C.-P., Diegelmann, M., Schnabel, E.-L., Wahl, H.-W., & Hauer, K. (2017). Life-space and movement behavior in nursing home residents: Results of a new sensor-based assessment and associated factors. BMC Geriatrics, 17, 36. https://doi.org/10.1186/s12877-017-0430-7

  • Schnabel, E.-L., Jansen, C.-P., Diegelmann, M., Wahl, H.-W., & Hauer, K. (2016). Mobil und motiviert - Bewegungsprogramme in Pflegeheimen. ProAlter, 02/2016, S: 56-59.

  • Wingerath, C. (2016). Auswirkungen einer 12-wöchigen Trainingsintervention auf die motorische Leistungsfähigkeit von Pflegeheimbewohnern [Effects of a 12-week training on nursing home residents' motor functioning] (Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen). Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg.

  • Jansen, C.-P., Claßen, K., Schnabel, E.-L., Diegelmann, M., Hauer, K., & Wahl, H.-W. (2015). Long-term care in motion (LTCMo): A guidebook. Retrieved from http://www.innovage.group.shef.ac.uk/assets/images/D5.1%20Guidebook_Final%20Version%202.0.pdf

  • Jansen, C.-P., Claßen, K., Wahl, H.-W., & Hauer, K. (2015). Effects of interventions on physical activity in nursing home residents. European Journal of Ageing, 12(3), 261–271. https://doi.org/10.1007/s10433-015-0344-1

  • Mittwede, S. (2015). Activity in Nursing Home Residents: The Role of Self-Efficacy and Control Beliefs (Master’s Thesis). Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg.

  • Jansen, C.-P., Claßen, K., Hauer, K., Diegelmann, M., & Wahl, H.-W. (2014). Assessing the effect of a physical activity intervention in a nursing home ecology: A natural lab approach. BMC Geriatrics, 14, 117. https://doi.org/10.1186/1471-2318-14-117

 

Projektleitung

 

Wissenschaftliche Mitarbeiter

 

Consultants

  • Prof. Dr. Martina Schäufele, Dipl.-Psychologin; Lehrstuhl für Gerontologie und Soziale Arbeit mit alten Menschen, Hochschule Mannheim - University of Applied Sciences
  • Matthias Hoben, Diplom-Pflegewirt (FH); Gesundheits- & Pflegewissenschaften, M.Sc. (Netzwerk Alternsforschung NAR)

 

Förderung
Europäische Kommission (INNOVAGE - “Social Innovations Promoting Active and Healthy Ageing“) [HEALTH.2012.3.2-3])

 

Laufzeit
01.12.2012 - 30.11.2015

Verantwortlich: E-Mail
Letzte Änderung: 22.05.2017
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