Projekt FUTA

Förderliche und hinderliche Faktoren für den Umgang mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien im Alter

 

Hintergrund

In den letzten Jahren zeichnet sich in Deutschland bezüglich der Verbreitung und Nutzung von digitalen Medien auch unter älteren Menschen eine enorme Entwicklung ab. So zählen 2014 45% der Personen ab 60 Jahren zu den Onlinern, 2004 waren es erst 14% (van Eimeren & Frees, 2014). Dennoch verbleiben viele ältere Menschen wegen psychologischen, sozialen, ökonomischen und strukturellen Barrieren technikdistant (Claßen et al., 2014). Vor diesem Hintergrund werden seit einigen Jahren diverse regionale und bundesweite Förderprogramme und Modellprojekte aufgelegt, um ältere Menschen an neue Technologien heranzuführen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat hierzu Ende 2013 die Initiative "Senioren-Technik-Botschafter".initiiert, die auf dem Konzept „Senioren helfen Senioren“ basiert: Technikaffine ältere Personen werden als „Botschafter“ qualifiziert, um ältere technikdistante Personen an neue Informations- und Kommunikationstechnologien heranzuführen. Die Initiative ist Teil des Formats "Forschung für mich - Forschung mit mir" und wurde vom VDI/VDE und der Bundesarbeitsgemein­schaft der Senioren-Organisationen (BAGSO e.V.) koordiniert und begleitet.

Insgesamt wurden 18 Teilprojekte aus zehn Bundesländern gefördert, mit einer Laufzeit von 12 Monaten (bis Oktober 2014). Die Projektträger waren bildungsnahe Einrichtungen wie Seniorencomputerclubs, aber auch Heimatvereine, Mehrgenerationenhäuser, kirchliche Institutionen und Sozialverbände. Entsprechend vielfältig waren die Zielgruppen (u.a. ältere Personen aus dem ländlichen Raum, Frauen, Sehbeeinträchtigte und Blinde, Migranten). Im Fokus standen mobile Endgeräte wie Tablet-PC, Smartphone oder Laptop und altersgerechte Assistenztechnologien wie Hausnotruf- und Gesundheitsassistenzsysteme. Als Lernsettings dienten Kurse, Sprechstunden, Infotreffs und Hausbesuche.

 

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Projektbeschreibung

In der  mediengerontologischen Studie werden sowohl Botschafter als auch (aktuelle) Teilnehmer dieser Projekte befragt. Einbezogen werden in die Stichprobe auch ähnliche ausgerichtete Projekte und Angebote aus dem Bundesgebiet wie z. B. Computerkurse von VHS und Internetcafes, zudem Initiativen wie die "Sprechstunde Internet" und das Netzwerk für Senior-Internet-Initiativen (sii) Baden-Württemberg.

Forschungsziel ist es, hinderliche und förderliche Faktoren im Umgang mit neuen Technologien bei älteren Menschen zu untersuchen. Im Vordergrund stehen personenbezogene Aspekte (u.a. Technikeinstellung, Selbstwirksamkeit, Persönlichkeit, Mediennutzung), umweltbezogene Aspekte (u.a. Infrastruktur der Projekte, Lernsettings, technische Unterstützungsressourcen) sowie produktspezifische Faktoren (u.a. Usability, Accessibility). Darüber hinaus sollen über mehrere Messzeitpunkte hinweg die Entwicklungen in der Mediennutzung sowie psychologischen Konstrukte wie Technikbereitschaft und Selbstwirksamkeit erfasst werden. Das multidisziplinäre Forschungsdesign verbindet theoretische Konzepte wie das Technik-Akzeptanz-Modell (TAM) (Venkatesh & Davis, 2000), Roger´s Diffusionstheorie (2003), den Uses and Gratification-Ansatz (Blumler & Katz, 1974) und Bandura’s Soziale Lerntheorie (1997).

 

Forschungsmethodik

Die Datenerhebung startete Anfang Oktober 2014 und ist als online-basierte quantitative Untersuchung mit mehreren Messzeitpunkten über einen Zeitraum von neun Monaten konzipiert. Zusätzlich findet eine qualitative Untersuchung (Fokusgruppen) statt. Eine Vorstudie zeigte, dass durch die Initiative über 350 ältere Botschafter erreicht wurden. Für die Studie sollen etwa 200 dieser Botschafter und etwa 300 neue Kursteilnehmer einbezogen werden. Nach Abschluss des Projekts wird mittels eines Experten-Seminars der Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis gesichert. Die gewonnenen Befunde sollen dazu dienen, die Passung zwischen den Bedürfnissen der älteren Techniknutzer, den Angebotsstrukturen, Lernumgebungen sowie den technologischen Erfordernissen zu optimieren.

 

Publikationen und Dissemination von Projektergebnissen

  • Doh, M. (2015). Projekt FUTA - Förderliche und hinderliche Faktoren im Umgang mit neuen Informations- und Kommunikations-Technologien im Alter. Vortrag bei der Jahrestagung Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG), Sektion IV: Soziale Gerontologie und Altenarbeit, Mannheim, 18. - 19. September.2015.
  • Doh, M. (2015). Erfahrungen aus der Technikvermittlung und -handhabung Älterer. Vortrag beim 2. BMBF-Zukunftskongresses Demografie, Berlin, 29. - 30. Juni 2015.
  • Doh, M., Schmidt, L. I., Herbolsheimer, F., Jokisch, M. R., & Wahl, H.-W. (2015). Patterns of modern ICT use among „senior technology experts“: The role of demographic variables, subjective beliefs and attitudes. Jia Zhou & Gavriel Salvendy (eds), Human Aspects of IT for the Aged Population. Design for Aging (pp. 177-188). First International Conference, ITAP 2015, Held as Part of HCI International 2015, Los Angeles, CA, USA, August 2-7, 2015. Proceedings, Part I. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag. DOI 10.1007/978-3-319-20892-3.
  • Herbolsheimer, F., Schmidt, L.I., Doh, M., Jokisch, M., & Wahl, H.-W. (2015). Supporting and Limiting Factors for the Use of New Information and Communication Technologies among Older Adults: FUTA Study Protocol. Irish Ageing Studies Review 6, 1. Poster at the International Association of Gerontology and Geriatrics of the European Region (IAGG-EU), 8th Congress, Dublin, April 23 - 26, 2015.
  • Herbolsheimer, F., Schmidt, L.I., Doh, M., Jokisch, M., & Wahl, H.-W. (2015). Volunteers’ Activity and Intention to Remain Voluntarily Active in Old Age: A Social Support Perspective. Poster at the Gerontological Society of America (GSA), 68th Annual Scientific Meeting; Orlando, November 18 - 22, 2015.
  • Jokisch, M. (2015). Neue Medien im Alter: zur Rolle von Selbstwirksamkeit im Kontext von Weiterbildungskursen. Masterarbeit Universität Heidelberg.
  • Jokisch, M. (2015). Project FUTA: The Role of Self-Efficacy in ICT Trainings for Older Adults. Presentation at the HCI International 2015, Los Angeles, CA, USA, August 2 - 7, 2015.
  • Jokisch, M., Schmidt, L.I., Doh, M., Herbolsheimer, F., & Wahl, H.-W. (2015). The Sources of Self-Efficacy in ICT Trainings for Older Adults. Poster at the Gerontological Society of America (GSA), 68th Annual Scientific Meeting; Orlando, November 18 - 22, 2015.

Literatur

  • Claßen, K., Oswald, F., Doh, M., Kleinemas, U. & Wahl, H.-W. (2014).Umwelten des Alterns: Wohnen, Mobilität, Technik und Medien.Stuttgart: Kohlhammer.
  • Claßen, K., Oswald, F., Wahl, H.-W., Heusel, C., & Antfang, P. (2010). Bewertung neuerer Technologien durch Bewohner und Pflegemitarbeiter im institutionellen Kontext: Befunde des Projekts BETAGT. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 210-218.
  • Claßen, K., Schmidt, L. I. & Wahl, H.-W. (2012). Technology and Aging: Potential for European Societies. In C. N. Phellas (Ed.), Aging in European Societies. (p. 33-46). New York: Springer.
  • Doh, M. (2012). Mediennutzung und Partizipation an der Informationsgesellschaft. In H.-W. Wahl, C. Tesch-Römer & J. Ziegelmann (Hrsg.), Angewandte Gerontologie: Interventionen für ein gutes Altern in 100 Schlüsselbegriffen (S. 582-588). Stuttgart: Kohlhammer.
  • Doh, M. (2011a). Heterogenität der Mediennutzung im Alter. Theoretische Konzepte und empirische Befunde. Schriftenreihe Gesellschaft - Altern - Medien Band 2. München: kopaed.
  • Doh, M. (2011b). Der ältere Mensch auf dem Weg zur Informationsgesellschaft – Entwicklungslinien, Potenziale und Barrieren am Beispiel von Internet und Mobiltelefon. In M. Plechaty & H. Plischke (Hrsg.). Ältere Menschen und die Nutzung Neuer Medien (S.38-76). Regionale Symposien zum demographischen Wandel unserer Gesellschaft 2010. Bad Tölz: Peter-Schilffarth-Edition.
  • Doh, M., Wahl, H.-W. & Schmitt, M. (2008). Medienverhalten der 1930/32-Geborenen unter besonderer Berücksichtigung der Internetnutzung: Befunde der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters. Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft (SPIEL ), 1, 35-66.
  • Misoch, S., Doh, M. & Wahl, H.-W. (2014). Neue Medien – neue Lebensläufe? Vergleichende Betrachtungen der Rolle neuer Medien für Kindheit/Jugend und für das höhere Lebensalter. In H.-W. Wahl & A. Kruse (Hrsg.), Lebensläufe im Wandel. Sichtweisen verschiedener Disziplinen (S.272-286). Stuttgart: Kohlhammer.
  • Schmidt, L. I., & Wahl, H.-W. (2012). Performance-related factors for devices differing in diffusion. Gerontechnology, 11, 108-109. doi: 10.4017/gt.2012.11.02.376.00
  • Schmidt, L. I. & Wahl, H. W. (2012). Technology performance in old age: A question of visuo-spatial abilities and working memory or self-efficacy and technology attitudes? The Gerontologist, 52, 337-338. doi: 10.1093/geront/gns201
  • Schmidt, L. I., Wahl, H.-W. & Plischke, H. (2013). Der Einfluss mentaler Leistung auf die Interaktion mit Technik: Spielt leichte kognitive Beeinträchtigung eine Rolle? In VDE/AAL/BMBF (Ed.), Ambient Assisted Living 2013. Berlin: VDE-Verlag.
  • Schmidt, L. I., Wahl, H.-W., & Plischke, H. (2014). Older Adults’ Performance in Technology-Based Tasks: Cognitive Ability and Beyond. Journal of Gerontological Nursing, 40, 18-24. doi:10.3928/00989134-20140218-02
  • Wahl, H.-W., Iwarsson, S., & Oswald, F. (2012). Aging well and the environment: Toward an integrative model and research agenda for the future. The Gerontologist, 52, 306-316. doi: 10.1093/geront/gnr154
  • Wahl, H.-W., Wettstein, M., Shoval, N., Oswald, F., Kaspar, R., Issacson, M., Heinik, J. (2013). Interplay of cognitive and motivational resources for out-of-home behavior in a sample of cognitively heterogeneous older adults: Findings of the SenTra project. The Journals of Gerontology: Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 68B, 691-702. doi: 10.1093/geronb/gbs106.

 

Web Futa Team

Projektleitung

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Studentische Mitarbeiter

  • Annne Josephine Dutt, B.A.
  • Fiona Rupprecht

Förderung

Laufzeit

  • 01.06.2014 - 31.11.2015
Verantwortlich: E-Mail
Letzte Änderung: 26.01.2016
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