What's on? Unsere neuesten Forschungsbefunde

Sehbehinderte Ältere stark auf ihre kognitiven Leistungen angewiesen

Immer wieder ist in der Fachliteratur darüber diskutiert worden, wie sensorische Beeinträchtigungen mit kognitiven Veränderungen im Alter zusammen hängen. Kaum untersucht worden ist dabei die Frage, ob sensorisch Beeinträchtigte, speziell seh- und hörbehinderte ältere Menschen, ihre kognitiven Ressourcen auch insgesamt anders nutzen als nicht sensorisch Behinderte. Erste Befunde aus unserem SENSO-AGE Projekt deuten darauf hin, dass sehbehinderte Ältere in stärkerem Maße bei Alltagshandlungen ihre kognitiven Ressourcen einsetzen als nicht sehbehinderte. Dies unterstützt die Notwendigkeit von kognitiven Trainings als Maßnahme der Rehabilitation bei diesen Personen (bei Interesse bitte Kontaktaufnahme mit Hans-Werner Wahl).

GPS kann außerhäusliche Mobilität bei kognitiv beeinträchtigten Älteren unterstützen

National wie international wird viel über den Einsatz von GPS-gestützter Tracking-Technologie zur Unterstützung der Orientierung kognitiv beeinträchtigter älterer Menschen gesprochen. Nicht selten finden sich auch hitzige Diskussionen nach dem Motto „Darf man das überhaupt“? Ist nun der „Big Brother“ endgültig auch in der Altenpflege angekommen? Erste Befunde unseres Forschungsprojekts „SenTra“ zu dieser Fragestellung legen ein differenziertes Bild nahe (siehe Wahl & Shoval, Ruperto Carola 2, 2009).

Wohlbefinden im hohen Alter nicht klein zu kriegen – oder doch?

Wenn es um gesundheitliche Belastungen im Alter geht, wird oft das sogenannte Wohlbefindensparadox zitiert: Demnach können Ältere trotz sich verschlechternder Lebensumstände ein „positives Wohlbefinden“ stabil aufrecht erhalten. Bei unseren Untersuchungen dazu gehen wir davon aus, dass das Wohlbefinden Älterer durchaus unter körperlichen Funktionseinbußen leidet – möglicherweise aber über die Zeit hinweg eine gewisse Anpassung stattfindet, die zur zumindest teilweisen „Wiederherstellung“ führt. Unsere Befunde z.B. für Ältere, die unter fortschreitenden Sehverlusten leiden, zeigen: Teilweise erholt sich mit der Fortdauer solcher Verluste das Wohlbefindens – aber es erscheint auch keine Tendenz zur vollständigen Wiederherstellung, d.h. keine vollständige Aufrechterhaltung im Sinne des Wohlbefindensparadoxons.

Subjektives Erleben des Alterns weiterhin stark an negativen Altersstereotypen ausgerichtet

Immer wieder wird in der psychologischen Alternsforschungsliteratur darüber diskutiert, welche Rolle das chronologische Alter und welche das subjektiv erlebte Alter spielt. In einem gerade erschienenen Aufsatz haben Diehl & Wahl den Versuch unternommen, die bisherigen Ansätze zu subjektivem Alternserleben integrativ zusammenzufassen bzw. ein relativ umfassendes Verständnis von subjektivem Alternserleben zu etablieren (Journal of Gerontology: Social Sciences, in press). Erste empirische Untersuchungen zusammen mit Heidelberger Bachelor-Studierenden vor dem Hintergrund dieses theoretischen Ansatzes zeigen, dass subjektives Alternserleben weiterhin stark an einem Defizitbild des Alterns ausgerichtet ist.

Die objektive Umwelt macht’s (auch): Selbständigkeit im Alter und Bedeutung der Wohngestaltung

Immer wieder wird wie selbstverständlich angenommen, dass die Art der Wohnumwelt etwas mit der verbliebenen Selbständigkeit im Alter zu tun hat. Wir haben kürzlich die gesamte weltweit verfügbare Literatur zu dieser Frage gesichtet und bewertet (Wahl et al., The Gerontologist, Heft 3, 2009). Dabei zeigten sich in der Tat bedeutsame Zusammenhänge zwischen barrierehafteren Wohnungen und einer ungünstigeren Selbständigkeit. Weniger deutlich waren die Zusammenhänge zwischen objektiver Wohnumwelt und Stürzen.

Erobern die "Silver-Surfer" das Internet?

Wie eigene Diffusionsanalysen aus großen Media-Datensätzen wie dem (N)Onliner-Atlas zeigen, hat tatsächlich in den letzten zehn Jahren eine starke Verbreitung des Internets unter älteren Menschen stattgefunden. Mittlerweile gehört jeder Vierte ab 60 Jahren zu den "Onlinern", das sind über 5 Millionen Personen. Dennoch besteht eine große "Digitale Kluft" zwischen Alt und Jung, da die Verbreitung in den jüngeren Altersgruppen noch umfangreicher ausgefallen ist. Zudem zeigen sich innerhalb der Älteren enorme Unterschiede, wonach in erster Linie junge Alte, Männer und Personen mit hoher Bildung und hohem Einkommen das Internet nutzen. In den ältesten Kohorten ab 1929 zeigen sich fast keine Zuwachsraten (Doh, 2009; bei Interesse bitte Kontaktaufnahme mit Michael Doh).

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Letzte Änderung: 11.12.2009
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