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Joachim Funke: Begutachtete Diplomarbeiten
2012
1. Alina Bindewald
Die Rolle des Spiegelneuronensystems beim Handlungs- und Intentionsverständnis
According to several influential theories, the
function of the mirror neuron system is
understanding other people's actions
(direct-matching model and model of
goal-mirroring) as well as unterstanding the
intentions unterlying these actions (model of
chains of logically related mirror neurons).
Under the terms of the neuroscientific
definition, action unterstanding consists in
recognizing several movements as belonging to one
action. Intention unterstanding is narrowed to
the understanding of the motor intention and
equated with the recognition of the action goal.
The present theoretical thesis examines the
postulated functions of the mirror neuron system
by critically discussing the empirical literature
and by presenting alternative explanatory models.
The result of the examination demonstrated that
based on the current research level, mirror
neuron activity is neither necessary nor
sufficient for intention and action
unterstanding. The thesis stresses the importance
of accurately weighting neuroscientific evidence
and its influences on psychology.
2. Waldemar Domme
Die Genese des Menschenbildes. Analyse anhand der ethischen Richtlinien
(1953-2010) der American Psychological Association
3. Sarah Heid (delegiert an Prof. Dr. Bernd Reuschenbach)
Veränderungsrelevante Ereignisse im Coaching. Eine qualitative Vergleichsstudie der Wahrnehmungen von Coachs und Klienten im Hinblick auf Ziele, Erfolgsfaktoren und Auswirkungen
4. Hanna Mochart
Kreativität und psychische Gesundheit
Ziel der vorliegenden Diplomarbeit war die Exploration des Zusammenhangs zwischen Kreativität, subjektiver Sinnerfüllung und psychischer Beeinträchtigung. An der Studie nahmen 100 Personen teil, 80 % dieser Personen waren Studenten bzw. Hochschulabsolventen. Es wurden drei inhaltliche Hypothesen empirisch überprüft: Erstens wurde angenommen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Kreativität und subjektiver Sinnerfüllung in einem negativen linearen Zusammenhang zu psychischer Beeinträchtigung steht. Die Operationalisierung der theoretischen Konstrukte erfolgte mit Hilfe folgender Instrumente: "Fragen an kreative Talente" von Ripke (2005) und "Test zum Schöpferischen Denken - Zeichnerisch" von Urban & Jellen (1995) zur Erhebung der Kreativität; "Sense of Coherence" (Kurzform) von Antonovsky, 1984 und "Existenz-Skala" von Länge, Orgler & Kundi (2000) zur Erfassung subjektiver Sinnerfüllung sowie "Brief Symptom Inventory" von Franke (2000) zur Selbsteinschätzung der psychischen Beeinträchtigung. Die Ergebnisse zeigten hyptohesenkonform einen positiven linearen Zusammenhang zwischen Kreativität und der Subskala des SOC-Fragebogens "Bedeutsamkeit" sowie dem Superfaktor der Existenz-Skala "Personalität". Der umgekehrte U-förmige Zusammenhang zwischen Kreativität und psychischer Beeinträchtigung wurde nicht bestätigt. Im Gegensatz dazu ergab die Regressionsanalyse zwischen der subjekten Sinnerfüllung und psychischen Beeinträchtigung ein mit der 3. Hypothese übereinstimmendes hochsignifikantes Ergebnis. Damit offenbaren die Befunde eine gesundheitsfördernde Funktion der Kreativität, die durch Erhöhung emotionaler Bedeutsamkeit der zu lösenden Aufgaben zum Erhalten der psychischen Gesundheit beitragen kann.
5. Tanja Schildmann
Experimentelle Längsschnittstudie zur Evaluation der Effektivität von Selbstcoaching-Interventionen: Einflüsse auf Zielerreichung, Hoffnung und subjektives Wohlbefinden
Coaching boomt, doch gibt es bisher nur wenige wissenschaftlich abgesicherte Belege für dessen Wirksamkeit. Mit der vorliegenden Studie wurde der Versuch unternommen, unter Berücksichtigung von Befunden aus dem Bereich der Positiven Psychologie und im Rahmen eines randomisierten Kontrollstudiendesigns, einen Beitrag zur Evaluation der Effektivität von Coaching-Interventionen zu leisten. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein Coaching auch ohne Coach (also ein Selbstcoaching) effektiv und somit sinnvoll sein kann. In der vorliegenden Arbeit wurde daher speziell die Effektivität verschiedener Selbstcoaching-Interventionen zur Steigerung von Zielerreichung, Hoffnung und subjektivem Wohlbefinden im Vergleich zu einer Kontrollbedingung überprüft. Darüber hinaus wurde postuliert, dass insbesondere die Personen von einem Selbstcoaching profitieren, die aufgrund ihrer individuellen Persönlichkeitsausprägung Schwierigkeiten haben, Aufgaben in ihrem Leben aus eigener Kraft erfolgreich zu meistern. Die Probanden (N = 386) wurden zum Prätest-Zeitpunkt aufgefordert, ein persönliches Veränderungsziel zu formulieren, für das sie das Selbstcoaching-Programm nutzen wollten. Die Experimentalgruppen absolvierten daraufhin ein dreiwöchiges Selbstcoaching-Programm, die Probanden der Kontrollgruppe erhielten eine Placebo-Intervention. Im Prä-Posttest-Vergleich zeigte sich hypothesenkonform ein signifikanter Anstieg in den untersuchten Variablen über die Gruppen hinweg. Nicht bestätigt werden konnte hingegen die Hypothese, dass die Umsetzung von Selbstcoaching-Interventionen im Vergleich zur Kontrollbedingung zu einem signifikant höheren Anstieg in den Untersuchungsvariablen führt. Dennoch gibt es Hinweise auf die Effektivität des Selbstcoaching-Programms. Die postulierten Einflüsse der Persönlichkeitsvariablen Neurotizismus, Extraversion und Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung auf den erzielten Selbstcoaching-Effekt konnten in der Tendenz bestätigt werden, erwiesen sich aber nicht bzw. nur als marginal statistisch signifikant. Es werden mögliche Erklärungen für die Befunde dieser Pilotstudie diskutiert und Anregungen für die weiterführende Forschung geliefert.
2011
1. Charlotte Hentze (delegiert an Dr. Andre Rupp)
Neuromagnetic representation of ramped and damped sounds in the auditory cortex of dyslexics and controls
Dyslexics suffer from unexpected difficulties in correct spelling and accurate reading, that can- not be explained by the lack of education, intelligence or other cognitive abilities. In addition to an underdeveloped phonological awareness, difficulties in the auditory sensory processing of rapidly presented sounds as well as less sensitivity to discriminate different amplitude envelopes are reported to be responsible for this impairment. In the current study, exponentially rising (ramped) and falling (damped) sinusoids with rise times of 0.5, 1, 4, 16 and 32 ms half-life time (HLT) were presented to sixteen dyslexics and sixteen controls using magnetencephalography for recording auditory evoked fields. Two different stimulations were used, one consisting of transient sounds with the duration of eight times their HLT and the other of steady-state sounds where transients were added up to a total duration of 1000 ms per stimulus. The resulting cortical activity was evaluated by spatio-temporal source analysis and root mean square (RMS) analysis. Damped and ramped sounds elicited well-defined N1m and P2m components as well as a negative sustained field (SF). Regarding the transient stimulation, the only significantly diminished auditory evoked potential (AEP) among dyslexics could be observed for the N1m in the condition ramped 4 ms HLT. More prominent effects were found for the response to the steady-state stimulation. Whereas N1m did not show any differences between both groups, P2m was significantly diminished among dyslexics compared to the controls for the conditions damped 0.5 ms HLT and damped 16 ms HLT. However, the most prominent differences could be observed for the SF. Statistical tests revealed diminished magnitudes of dyslexics' SF for the conditions damped 0.5 ms HLT, damped 4 ms HLT, ramped 4 ms HLT, ramped 16 ms HLT, damped 32 ms HLT and ramped 32 ms HLT regarding results from RMS analysis. These SF differences detect dyslexics impaired sensitivity to amplitude envelope rise time and can be interpreted as an insufficient processing of the auditory cortex resulting in an inadequate temporal integration mechanism, which is displayed by the SF and seems to be crucial for a proper development of literacy.
2. Lisa Mattes
Tempus fugit. Über Manipulationen der subjektiven Zeit und ihre Anwendung während Systemantwortzeiten
Da sich lange Systemreaktionszeiten in vielerlei Hinsicht negativ auswirken können, wurden im Rahmen dieser Arbeit Möglichkeiten untersucht, mit denen man ihre Dauer kürzer *erscheinen* lassen kann. Zu diesem Zweck wurde der während dieser Zeitspannen angezeigte Warte-Indikator in den Fokus genommen. In insgesamt drei Versuchen, in denen Versuchspersonen die Dauer von Zeitspannen durch Angabe einer Linienlänge bewerteten, wurden zwei unterschiedliche Ansätze verfolgt. Zunächst wurde versucht, die subjektive Dauer durch eine Verzögerung der Anzeige des Warte-Indikators zu verkürzen. Tatsächlich führte hier eine längere Verzögerung zu einer kürzeren subjektiven Dauer. Es wurde hypothetisiert, dass sich dieser Effekt bei langen Verzögerungen umkehrt. Stattdessen konnte zwischen den längsten untersuchten Verzögerungen (1,5 s bzw. 2 s) kein Unterschied in der empfundenen Dauer gefunden werden. Diese Annahme konnte daher nicht abschließend geklärt werden. Im nächsten Schritt wurden Gestaltungsaspekte von Warte-Indikatoren untersucht. Bei systematischer Variation abstrahierter Warte-Indikatoren führte eine komplexere Bewegung, sowie eine höhere Anzahl an bewegten Elementen zu einer längeren subjektiven Dauer. Ebenso wurden Uhren als länger bewertet. Die Ergebnisse dieses Versuchs entsprachen im Wesentlichen aus Theorie und Empirie abgeleiteten Vorhersagen und fanden auch bei der Untersuchung realer Warte-Indikatoren zumindest teilweise Unterstützung. Zusätzlich zeigte sich für abstrahierte Indikatoren ein positiver Zusammenhang von subjektiven Bewertungen der Komplexität, Größe, sowie Auffälligkeit mit der subjektiven Dauer. Insgesamt kann auf Basis dieser Arbeit die Empfehlung gegeben werden, Warte-Indikatoren zu verzögern. Insbesondere scheint eine Verzögerung von 1 s bis 1,5 s angemessen. Außerdem scheint es ratsam, sich bei der Gestaltung von Warte-Indikatoren an den Grundsatz "weniger ist weniger" zu halten. Allerdings weist diese Arbeit eine geringe externe Validität auf, sodass insbesondere Folgeuntersuchungen in realen Kontexten erforderlich sind. Auch bleibt offen, ob eine kürzere subjektive Dauer tatsächlich die negativen Effekte langer Systemreaktionszeiten reduzieren kann.
3. Alena Mehlau
The significance of identity for conflict resolution. Empirical evidence from a computer simulation modeling the Israeli-Palestinian conflict
A flexible, open thinking-style is known to facilitate conflict resolution progress. However, actors often think in a closed-minded way, thereby impeding it. This study aimed to examine the extent to which a strong association of persons' personal and social identitiy with the conflict explains closed-mindedness. Identity, defined here over religion, geocultural origin, values and social affiliation, plays an important role in today's political conflict landscape. 124 participants attempted to solve the Israeli-Palestinian conflict in the commercial computer game PeaceMaker. In doing so, high identity-associated participants showed a closed processing mode. They relied more on general conflict schemata, accessed less information sources and showed worse performance in a delayed recall test about features of the game than low identity associated participants. They also experienced a stronger emotional reaction to the conflict situation in terms of higher levels of affective arousal and stronger decreases in pleasantness ratings as compared to the lowly associated group. A Latent Growth Curve Modeling approach combined with hierarchical multiple regressions revealed that affect was playing a mediating role in the relationship between identity association on the one hand and information search and recall on the other. I discuss these findings against the backdrop of theories on the relation between affect and problem solving and derive suggestions for the conflict resolution and mediation practice.
4. Jakob Müller
Ökologische Krise als Herausforderung. Konzeption eines Problemlöseszenarios in systemtheoretischer Perspektive
Ziel der Arbeit war es, ein ökologisches Problemlöseszenario in Form eines Brettspiels anzufertigen und als Pilotstudie durchzuführen. Es wurde versucht, die experimentelle Untersuchung des Umweltverhaltens aus der Perspektive der komplexen Problemlöseforschung mit der Systemtheorie Niklas Luhmanns zu verknüpfen. Die Aufgabe war, Versuchspersonen in ein nach systemtheoretischen Konzepten modelliertes komplexes Wirkungsgefüge von psychischen, gesellschaftlichen und ökologischen Systemvariablen zu versetzen und dabei ihre ökologische Problemlöseleistung zu analysieren. Hierzu mussten bestimmte begriffliche Konzepte aus der Systemtheorie ausgewählt, übertragen und im Spieldesign praktisch umgesetzt werden. Das Brettspiel wurde eigenhändig entworfen, hergestellt und in Probedurchläufen angepasst. Danach wurden ein den ausgearbeiteten Fragestellungen entsprechendes Versuchsdesign sowie Fragebögen und Operationalisierungen entwickelt, schließlich der Versuch in sieben Spielrunden (n-42) von je 3-5 Stunden Länge durchgeführt. Die graphische Datenauswertung und qualitative Analyse der Ergebnisse unter Bezugnahme auf die entwickelten Konzepte bildeten den Abschluss der Arbeit.
5. Tanja Müller
Hinduistische Mantrameditation und ihre Untersuchung bezüglich ihrer meditativen Tiefenstruktur
In dieser Arbeit wurde eine Gruppe Nichtmeditierender mit 47 Personen und eine Meditationsgruppe mit 55 Probanden hinsichtlichihrer Meditationstiefe untersucht. An der Meditierendengruppe nahmen ausschließlich Meditierende teil, die hinduistische Mantren praktizieren. Der Großteil dieser Gruppe rezitiert Mantren nach Swami Kaleshwar.
Es wurde der Frage nachgegangen, ob sich die Mantrameditierenden hinsichtlich der Meditationstiefe von den Nichtmeditierenden unterscheiden. Erwartungsgemäß konnte ein deutlich signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen zugunsten der Mantrameditierenden ermittelt werden.
Die zweite und dritte Fragestellung zielte auf die direkt erfahrenen Tiefestufen der beiden Gruppen ab. Hierbei konnten beide Hypothesen nicht bestätigt werden. Die Nichtmeditierenden erreichten überraschenderweise im Mittel die zweite Tiefenstufe "Entspannung". Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass bei Nichtmeditierenden der Faktor "Alter" für eine zunehmende Tiefeerfahrung eine Rolle spielen könnte. Die Meditierenden verfehlten im Mittel die vierte Stufe "transpersonale Qualitäten" knapp. Die Parameter: überdurchschnittliches Alter, Summenscore im MTF, Meditationspraxis, sowie überdurchschnittlich hohe Stufe im MTI wurden als mögliche Einflussfaktoren am Zustandekommen der Ergebnisse diskutiert.
6. Ursula E. Pöll (delegiert an Dr. Bernd Reuschenbach)
Student to Student Coaching - didaktisches Konzept des Seminars und des begleitenden Lehrfilms
7. Lisa Reinecke
The role of semantic embedding during complex problem solving and the further development of complex problem solving measures
An experiment of Beckmann (1994) showed that problem solvers, exploring an abstract scenario, gained more knowledge about the system than problem solvers exploring a semantic scenario, even though both employed scenarios were structurally identical. This experiment showed as well that the semantic scenario activated many expectations about the functioning of the system whereas the abstract scenario activated no expectations at all. Beckmann referred to these findings as the "semantic effect". To explain these findings, Beckmann suggested that, on the one hand, the expectations activated in the semantic scenario formed a complex initial representation of the system which had to be reduced during knowledge aquisition. On the other hand, as the abstract scenario activated no expectations, the initial representation of the system was rather simple which yielded to a process of increasing complexity. To explain why performance was better in the abstract scenario, Beckmann suggested that the process of reducing complexity was more difficult than increasing complexity. To test Beckmann's theory, this diploma thesis asked 64 participants to either reduce or increase complexity. The experiment showed no significant differences between reducing and increasing complexitiy. This, Beckmann's theory could not be confirmed in this diploma thesis. However, the study revealed considerable gender effects in complex problem solving performance that should be investigated in future research. Furthermore, next to the experimental focus of this diploma thesis, the second focus was on the further development of complex problem solving indices. Firstly, minor changes on Beckmann's Sensitivity Measure (1994) for system knowledge were suggested to achieve full standardization. Secondly, two new standardized control performance measures were introduced and its advantages over the traditional non-standard control performance measures are discussed.
8. Pablina Denise Lara Roth
The benefit from intuition's reliance on prior experiences
In regard to the learning perspective on intuition, it was hypothesized that people predict more video scene outcomes correctly when following intuition in comparison to deliberation in case domain of decision task matches domain of prior experiences. No benefit of intuition was expected in case of a shortage of prior experiences or a domain-scpecific non-fit between domain of prior experiences and domain of decision task. A sample of 98 students received either instruction to decide spontaneously or analytically. In regard to results of a questionnaire about prior experiences, 44 participants were classified as people with and 44 participants as people without prior soccer experiences. An ANOVA for three-way, mixed designs revealed non-significant ressults. (Overall level of alpha was 0.05). Post-hoc contrasts supported the assumptions that in case of a domain-specific fit people tend to benefit from intuition, whereas in case of a non-fit people tend to not benefit from intuition. Researchers have to investigate the role of diversified prior experiences for intuition's benefit.
2010
1. Helen Fischer
Zur Vorhersage exponentieller Wachstums- und Zerfallsprozesse
In einer experimentellen Studie (N = 45) wurde die Vorhersage exponentieller Prozesse im Paradigma des Funktionslernens untersucht. Hierfür sollten unterschiedlich steile exponentielle Prozesse (steigend und fallend) während jeweils zweier Trainings- und Testphasen mittels Feedback gelernt und extrapoliert werden. Die Ergebnisse zeigten, dass Versuchspersonen im Sinne der Erwartung anhand einer Geraden durch die beiden äußersten, bekannten Datenpunkte extrapolieren: Die Vorhersage einer Kontrollfunktion fiel nicht schlechter aus, wenn mit einer anderen Funktion trainiert wurde, solange die beiden äußersten, bekannten Punkte in beiden Fällen identisch waren. Zusätzlich fiel die Vorhersage der Kontrollfunktion schlechter aus, wenn zwar diese Funktion trainiert, aber die beiden äußersten Punkte verändert wurden. Entgegen der Erwartung zeigte sich, dass eine bessere Vorhersage exponentiellen Zerfalls im Vergleich zu exponentiellem Wachstum auf die Konvergenz der fallenden Prozesse zurückgeführt werden kann, jedoch nicht auf die Konvergenz gegen Null. Die Hypothese, dass a priori von einem linearen Zusammenhang ausgegangen wird, konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Methode und bisheriger Studien diskutiert.
2. Philipp Höhl
Einheit und quantitative Struktur. Das Problem der Messung als homomorpher Abbildung in der Psychometrie
Die vorliegende Arbeit analysiert die Möglichkeiten der Psychometrie, psychologische Attribute homomorph in quantitativer Form abzubilden. Dabei wird ausführlich die Kritik Joel Michells (1997, 1999, 2000) diskutiert, der die Psychometrie als "Pathologische Wissenschaft" bezeichnet, weil sie die Quantitativität psychologischer Attribute voraussetzt, anstatt sie empirisch zu prüfen, aber auch über sie hinausgegangen: denn während Michell (1999) seine Hoffnungen auf eine empirische Fundierung der Psychometrie noch in das Conjoint Measurement and Luce und Tukey (1964) setzt, zeigt eine Analyse der üblichen, psychometrischen Einheiten - also der Items - dass die Psychometrie schon auf der Ebene der fundamentalen Messoperation, nämlich der Konkatenation von Messeinheiten zu Messwerten, nicht mit Quantitäten im klassischen Sinne und deren homomorpher Abbildung in Einklang zu bringen ist. Auch das unter Psychometrikern immer beliebtere Rasch-Modell bildet hier, wenn auch mitunter behauptet (Borsboom & Mellenbergh, 2004) keine Ausnahme.
3. Carolin Krejtscha
Einfluss von Stimmung und bevorzugtem Entscheidungsstil auf bewusste und unbewusste Präferenzurteile
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Stimmung sowie bevorzugtem Entscheidungsstil auf Präferenzurteile im Zusammenhang mit der Unconscious Thought Theory von Dijksterhuis (Dijksterhuis, 2004, Dijksterhuis, Bos, Nordgren & van Baaren, 2006; Dijksterhuis & Nordren, 2006). Gleichzeitig wurde eine Replikation der in der Unconscious Thought Theory (UTT) postulierten Überlegenheit von unbewussten gegenüber bewussten Denkprozessen in komplexen Entscheidungssituationen versucht. Der besondere Ansatz der insgesamt vier UTT-Aufgaben mit allen Kombinationen der Bedingungen bewusstes Denken (CT) vs. unbewusstes Denken (UT) und positiver vs. negativer Stimmung. Die Stimmung der 80 Versuchsteilnehmer wurde mithilfe fröhlicher und trauriger Musikzusammenstellungen manipuliert. Als Maß für individuelle Unterschiede wurde die Präferenz für die Herleitung der Hypothesen zum Einfluss von Stimmung auf das Abschneiden in den UTT-Aufgaben wurde eine Verknüpfung der UTT mit dem Zwei-Kräfte-Modell von Fiedler hergestellt. Die Hypothesen, dass negative Stimmung die Performanz in der CT-Bedingung und positive Stimmung die Performanz in der UT-Bedingung steigert, wurden nicht bestätigt. Ebenso wurde keine Replikation der Ergebnisse von Dijksterhuis in Form einer Überlegenheit von UT gegenüber CT erzielt. Die Hypothesen zum Zusammenhang von Präferenz für Intuition zeigte sich nicht, jedoch wurde ein deutlicher Zusammenhang von Präferenz für Intuition und Deliberation mit Performanz in der CT und UT-Bedingung konnte dagegen teilweise bestätigt werden. Der postulierte Zusammenhang von UT mit der Präferenz für Intuition zeigte sich nicht, jedoch wurde ein deutlicher Zusammenhang von Präferenz für Deliberation mit Performanz in der CT-Bedingung gefunden. Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist ebenso die äußerst niedrige gefundene interne Konsistenz der UTT-Aufgaben. Die postulierte theoretische Verknüpfung zwischen Zwei-Kräfte-Modell und den Denkmodi C-t und UT wird schließlich kritisch hinterfragt und ein alternatives Erklärungsmodell vorgestellt, welches die gefundenen Ergebnisse sowie die geringe Reliabilität der UTT-Aufgaben zusammenführt und erklärt.
4. Karin Lauterbach
Nicht ganz normal. Aus den Krankenakten der Privatheilanstalt Kennenburg/Esslingen 1876-1907
Diese Arbeit ist eine interdisziplinäre: Historische Krankenakten einer privaten Heilanstalt werden sowohl mit geschichtswissenschaftlichen Methoden qualitativ als auch mit sozialwissenschaftlichen Methoden quantitativ ausgewertet. Insgesamt verfolgt die Arbeit zwei Ziele: Erstens eine grundlegende Darstellung der Geschichte der Heilanstalt Kennenburg bei Stuttgart/Esslingen in der Zeit von 1876-1907. Zweitens die Überprüfung von Hypothesen zu den Problemfeldern Geschlechtsunterschied, Untergewicht und Veränderung in Kennenburg.
Es konnte gezeigt werden, dass sich Frauen und Männer zwar nicht in ihren Diagnosen, wohl aber in ihrem Familienstand bei der Aufnahme in Kennenburg unterscheiden. Darüber hinaus zeigte sich, wie angenommen, ein Cluster von deutlich untergewichtigen jungen Frauen, die in relativ kurzer Zeit überdurchschnittlich viel an BMI-Werten zunehmen. Außerdem konnte mit Hilfe historischer Quellenarbeit am Einzelfall gezeigt werden, dass diese Veränderung keine psychopathologischen, sondern sozio-normative Ursachen hat.
5. Arvid Neumann
Mind the gap. Causal explanation in psychology
In this thesis I analyze what it means to causally explain something and I discuss prospects for providing such explanations in psychology. Rather than explaining by reference to laws (as the deductive-nomological model claims), causal explanations need to specify the process by which the explanandum phenomenon is brought about. Such explanations go beyond a statement of causal dependencies and most intuitively imply a realist ontology. Causal explanations can be mechanistic explanations, which describe how a phenomenon is produced by the orchestrated interplay of a mechanism's entities and activities. Herbert Simon's perspective on explanation, despite frequent reference to "causal mechanisms" does not meet these criteria for causal explanations, but closely resembles the deductive-nomological model. I discuss some problems with Simon's conception of explanation by criticizing his proposal of "explanation by simulation". Providing adequate causal or mechanistic explanations in psychology requires realizing that there is an explanatory gap between physical processes and psychological phenomena.
6. Julia Obergfell (zusammen mit Laura Schmidt)
Zwangsjacke Bachelor?! Der Einfluss von Anforderungen und Entscheidungsfreiräumen auf das Stressempfinden und die Gesundheit Studierender - Ein Vergleich von Bachelor- und Diplomstudierenden im Rahmen des Demand-Control-Modells von Karasek
Hintergrund: Als Folge der 1999 beschlossenen Bologna-Erklärung zur Vereinheitlichung der europäischen Bildungsabschlüsse fanden weitgreifende Reformen an den deutschen Hochschulen statt. Eine der bekanntesten Folgen ist die Umstellung auf die Bachelor/Master-Studienstruktur. Häufigste Kritikpunkte daran sind die geringen Wahlmöglichkeiten und Entscheidungsfreiräume in den neuen Studiengängen, verbunden mit erhöhter Prüfungsbelastung. Bislang gibt es kaum Forschung zu Auswirkungen der strukturellen Gegebenheiten auf körperliches und psychisches Wohlbefinden von Studierenden. Mit dem "Demand-Control-Model" von Karasek (1979) existiert ein in der Arbeitswelt bewährtes psychologisches Modell, das bei der Kombination von hohen Anforderungen und niedrigen Entscheidungsfreiräumen (= High Strain) hohe Gesundheitsrisiken vorhersagt und belegt.Fragestellung: Auswirkungen unterschiedlicher Studienstrukturen auf die körperliche und psychische Gesundheit Studierender sollen anhand des Demand-Control-Models untersucht werden. In dieser Pilotstudie werden Studierende aus einem ursprünglichen Diplomstudiengang mit Studierenden aus einem Bachelorstudiengang sowie einem modularisierten Diplomstudiengang verglichen. Es soll dargestellt werden, welche Unterschiede sich in den Karasek-Dimensionen ergeben und wie diese mit Unterschieden bezüglich Beschwerden, Stress und Wohlbefinden einhergehen.
Methodik: Karaseks "Job Content Questionnaire" wurde auf den Studierenden-Kontext übertragen und in einem Vortest auf Anwendbarkeit überprüft. Anschließend wurden Psychologiestudierende aus drei verschiedenen Studiengängen (Bachelor- und Diplomstudium Heidelberg, modularisiertes Diplomstudium Potsdam) hinsichtlich der Karasek-Dimensionen und ihrer physischen und psychischen Beeinträchtigung an zwei Messzeitpunkten verglichen. Art und Ausprägung der Beeinträchtigung wurde hierfür unter anderem mittels Beschwerdeliste (BL), State-Trait-Anxiety-Inventory (STAI), Becks Depressionsinventar (BDI-V), Studien- und Lebenszufriedenheitsskala (LSZ) und verschiedenen Items zu subjektivem Stresserleben, zur Studiensituation und zum Workload untersucht.
Ergebnisse: Deutliche Unterschiede bezüglich der Karasek-Dimensionen konnten gezeigt werden. Von den BA-Studierenden befanden sich 77% in High-Strain-Konstellationen, die mit potentiellen gesundheitlichen Risiken verbunden sind, bei den Potsdamer Studierenden und Heidelberger Diplomstudierenden waren es 36% bzw. 14%. Bezüglich der körperlichen Beschwerden gab es keine Unterschiede in der erwarteten Richtung, die BA-Studierenden wiesen aber höhere State-Angst und eine geringere Studienzufriedenheit auf. Alle Studierenden hatten hohe Depressivitätswerte. Wie erwartet zeigten BA-Studierende höheres Stresserleben, gefolgt von Studierenden im modularisierten Studiengang und schließlich Diplomstudierenden. Die Karasek-Dimensionen klärten diesbezüglich 20% zusätzliche Varianz auf.
Schlussfolgerungen: Das Demand-Control-Model lässt sich auf den studentischen Kontest übertragen und kann als Grundlage für weitere Studien zu den Auswirkungen der Bologna-Reform auf die Gesundheit und das Wohlbefinden Studierender dienen. Die hier gefundenen ungünstigen Werte innerhalb der BA-Studierenden geben Hinweise auf psychisch belastende Strukturen und Nachbesserungsbedarf in den neuen Studiengängen. Weitere Forschung, insbesondere auf einer breiteren Datenbasis und über verschiedene Studienfächer hinweg ist nötig. Möglichkeiten hierfür werden aufgezeigt.
7. Laura Schmidt (zusammen mit Julia Obergfell)
Zwangsjacke Bachelor?! Der Einfluss von Anforderungen und Entscheidungsfreiräumen auf das Stressempfinden und die Gesundheit Studierender - Ein Vergleich von Bachelor- und Diplomstudierenden im Rahmen des Demand-Control-Modells von Karasek
(Zusammenfassung siehe Julia Obergfell)
8. Bettina Zweck
Einfluss verschiedener Desktophintergründe auf Leistung und Kreativität
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen verschiedener Desktophintergründe auf Leistung und Kreativität. Es wurde sowohl der Einfluss unterschiedlicher Desktophintergrundfarben, als auch der Einfluss von auf dem Desktophintergrund vorhandenen Geld-Hinweisreizen untersucht. Auch mögliche mediierende Effekte von Motivationsart, Aufmerksamkeitsfokus und Selbstgenügsamkeit - ein Konstrukt, das sich unter anderem durch Beharrlichkeit auszeichnet - wurden betrachtet. Die Hypothesen konnten überwiegend nicht bestätigt werden. Die Ergebnisse wurden abschließend hinsichtlich des methodischen Vorgehens und alternativer Erklärungsansätze kritisch diskutiert. Sich daraus ableitende Implikationen für Theorie und Praxis wurden dargestellt.
2009
Ergebnisse von Coaching und Einflussfaktoren im Verlauf
2. Nicole Hermschulte-Christophel
Der Einfluss der inhaltlichen Komplexität auf Wissenserwerb und Cognitive Load beim Lernen mit linearen Informationsmedien und Hypertext
Die vorliegende Studie untersuchte die Unterschiede im Lernerfolg und der kognitiven Belastung beim Lernen am Computer. Variiert wurden die inhaltliche Komplexität sowie die Art der Textpräsentation. Zwei verschieden komplexe Lerntexte wurden entweder linear oder als Hypertext am Computer gezeigt. Während der Lernerfolg im Multiple-Choice-Test beim inhaltlich einfachen Thema, präsentiert als Hypertext, hypothesenkonform signifikant absinkt, zeigt die Messung des Lernerfolgs mit Hilfe eines Essays, beim komplexen Thema, einen signifikanten Nachteil der linearen Präsentation. Die kognitive Belastung wurde mittels der Mental Effort Rating Scale (MERS) (Paas, Van Merrienboer & Adam, 1994) sowie des NASA Task Load Index (NASA-TLX) (Hart & Staveland, 1998) erfasst. Auch hier ergaben sich Unterschiede: Bei der MERS zeigte sich, in Übereinstimmung mit der Hypothese, in der linearen Bedingung bei geringer Komplexität die geringste kognitive Belastung. Während der NASA-TLX einen hochsignifikanten Interaktionseffekt zwischen den beiden unabhängigen Variablen "inhaltliche Komplexität" und "Art der Textpräsentation" präsentierte. Eine pauschale Annahme des Cognitive Overhead wird, nach Auslegung der Studienresultate, verworfen.
3. Mirjam Hölzel
Looking afield - Investigating children's understanding of representational changes and false belief in Gua (Papua New Guinea)
This study represents a cross-cultural replication of two traditional paradigms employed in theory-of-mind research. A deceptive container task and a location change game were played with 40 Yupno children living in a small and isolated village in the Finisterre Range of Papua New Guinea to investigate their understanding of representational change and false belief. Analyses revealed that performance depend on the type of task for children aged between 3 to 6 years. While participants of all age groups demonstrated severe difficulties in the critical verbal conditions of both games, performance in the nonverbal trials was similar to children in Europe, America and Australia. There was a tendency for children aged between verbal and nonverbal false-belief tasks were thought to reflect greater suitability for the nonverbal location change task within the sociocultural environment of Gua.
4. Sara Köser (delegiert an Dr. Sabine Koch)
Wahrnehmung und Einfluss geschlechtsstereotyper Gesichtsmerkmale bei der Personalauswahl
5. Anita Schick
Die Tonhöhenwahrnehmung bei Grundton- und Obertonhörern. Eine magnetencephalographische und psychoakustische Untersuchung
Die wahrgenommenen Tonhöhen harmonisch komplexer Töne ist interindividuell unterschiedlich ausgeprägt, v.a. bei der Vergabe inkompletter Töne. Es werden die einzelnen Obertöne (Obertonhörer) oder der Grundton (Grundtonhörer) mehr oder weniger stark wahrgenommen. Dieses Merkmal ist über die Zeit äußerst stabil und wurde schon von Helmholtz (1863) beschrieben. Ein neurophysiologisches Korrelat der perzipierten Tonhöhe und Salienz ist die Latenz und Amplitude der mittels Magnetencephalographie (MEG) registrierten N1000m Komponente des auditorisch evozierten Feldes (Pitch Onset Response - POR). Das Anliegen der vorliegenden Arbeit war, die Untersuchung der POR bei Grundton- und Obertonhörern, um physiologische Korrelate der psychoakustischen Differenzen nachzuweisen. Die psychoakustische Bestimmung des Hörertyps erfolgte bei 75 Probanden. Die MEG-Untersuchung beinhaltete einen Extremgruppenvergleich der extremen Oberton- und Grundtonhörer (1. und 4. Quartil, N = 20). Als Stimuli wurden harmonisch komplexe Töne zweier Grundfrequenzen eingesetzt, bei denen die Anzahl der physikalisch präsenten unteren Harmonischen sukzessive reduziert wurde. Wie erwartet unterschied sich die Morphologie der POR zwischen Grundton- und Obertonhörern. Die Amplitude der POR war bei Grundtonhörern im Vergleich zu Obertonhörern kleiner, zudem nahm sie mit abnehmender Teiltonanzahl ab. Ein Hemisphärenunterschied der Amplitude konnte nicht nachgewiesen werden. Darüber hinaus besaß die POR bei Grundtonhörern eine kürzere Latenz als bei Obertonhörern. Mit abnehmender Teiltonanzahl stieg die Latenz insgesamt an. Linkshemisphä risch war eine Latenzverzögerung bei Obertonhörern zu beobachten. Die psychoakustisch beobachteten Unterschiede beider Hörertypen spiegeln sich in der Amplitude und Latenz der POR wider. Dies deutet auf einen fundamentalen Unterschied in der Tonhöhenverarbeitung hin, der in künftigen Arbeiten zum besseren Verständis der zugrundeliegenden Kodierung zu untersuchen ist.
6. Alexandra Tietz
A cross-cultural study on the development of theory of mind: Representational change and false belief understanding in Tongan children
According to previous research within developmental psychology, children gain a theory of mind at the age of five. The cross-cultural study at hand investigates the onset of false belief understanding in Tongang children aged between three and six. A total of 101 children, comprising inhabitants of various Tongan islands, completed two experiments testing false belief understanding: More specifically, a change of location and a deceptive container task. The latter one also examined the subject's ability to perform a representational change of their own prior false belief. Both experimental designs were initially modified with regard to the given cultural meaningful assessment of theory of mind. According to the results of the change of location test, Tongan children seemed to gain an understanding of false belief between the ages to five to six years, which supports the notion of conceptual change. However, participants showed no significant improvement of performance by the age of six with respect to the deceptive container task. This was the case for representational change as well as false belief understanding. Findings stress the importance of adjusting experimental designs in-depth to the particular cultural context in order to ensure valid examination of theory of mind development. Implications for future cross-cultural research within the field of developmental psychology are discussed.
2008
1. Martin Andermann
Die neuromagnetische Scale-Repräsentation von Streichinstrumenten: Einfluß von Musikalität und Tonhöhenwahrnehmung
Vokale enthalten akustische Informationen über die Größe des Sprechers. Experimentalbefunde deuten darauf hin, daß der auditorische Prozeß, der diese "Scale"-Informationen verarbeitet, nicht auf Sprachlaute beschränkt ist, sondern auch auf andere periodische Reize angewendet wird, beispielsweise auf die Töne von Musikinstrumenten. In dieser Arbeit wurde versucht, mittels Magnetencephalographie (MEG) eine spezifische neuromagnetische "Scale-Komponente" in den auditorisch evozierten Feldern (AEFs) zu identifizieren, die als Antwort auf Töne auftritt, welche von unterschiedlich großen Streichinstumenten gespielt werden (Violine vs. Violoncello). Daneben wurde der Frage nachgegangen, ob diese Scale-Komponente durch das Ausmaß an Musikalität und durch den individuellen Modus der Tonhöhenwahrnehmung beeinflußt wird. Innerhalb des auditorischen N1-Komplexes wurde die Existenz einer Scale-Komponente ("Scale-N1m") nachgewiesen, deren Amplitude bei musikalischen Personen stärker ausgeprägt war. Zudem zeigte sich auch ein Einfluß der Tonhöhenwahrnehmung auf die Scale-N1m. Die Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich als neurophysiologischer Hinweis auf eine cortikale Scale-Verarbeitung am Beispiel der Töne von Streichinstrumenten interpretieren und betonen besonders die Bedeutung spektraler Stimuluseigenschaften für den auditorischen N1-Komplex. In weiterführenden Überlegungen werden die evolutionäre Relevanz akustischer Größeninformation sowie die Bedeutung von Scale-Informationen für technische Anwendungen diskutiert.
2. Peter Baldermann
Strategien zur Terrorismusbekämpfung aus Sicht des komplexen Problemlösens - Eine explorative Studie.
Mit der vorliegenden Arbeit wurde das aktuelle Thema Terrorismus unter dem Blickwinkel der psychologischen Theorie des komplexen Problemlösens betrachtet. Dazu wurden mithilfe einer Onlinestudie 137 Teilnehmer nach Strategien zur Terrorismusbekämpfung befragt. Die Ergebnisse wurden daraufhin inhaltsanalytisch ausgewertet bezüglich der Komplexität der Strategien, wobei ein experimentelles Maß Anwendung fand, das sich an den fünf Merkmalen komplexer Probleme gemäß Dörner (1989) orientierte.
Es zeigte sich, dass die Komplexität der Problemlösung relativ niedrig war. Bei keinem der Probanden wurde die Komplexität, die Vernetztheit, die Polytelie, die Dynamik und die Intransparenz komplexer Probleme berücksichtigt. Es zeigte sich auch kein Zusammenhang mit Bildung, Interesse oder politischem Vorwissen. Im Diskussionsteil der Arbeit wurden die Ergebnisse daraufhin kritisch beleuchtet und auf mögliche Fehlerquellen hinsichtlich der Methode oder des Untersuchungsdesigns untersucht.
Es ergaben sich einige Ansätze für weitere Forschung, so zeigte sich ein großes Interesse an bislang fehlendem Fachwissen auf diesem Gebiet hinsichtlich psychologischer Aspekte des Terrors und der Terroristen. Zudem ergaben sich erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Beruf bzw. (Fach-)Ausbildung und Strategiewahl.
Das wichtigste Ergebnis der Studie, der Befund, dass Terrorismus nicht als ein komplexes Problem behandelt wurde, bedarf einer erneuteten Testung. Sollte er allerdings repliziert werden, kann dies als ein erster Ansatzpunkt dafür gesehen werden, dass die Komplexität des Gegenstandbereichs nicht nur vermehrt erforscht sondern auch im öffentlichen Bewusstsein verankert werden muss um potentiell auch auf einer globaleren, insbesondere politischen Ebene zu einer angemesseneren Problemlösung zu gelangen.
3. Jennifer Bayha (delegiert an Dipl.-Psych. Sascha Gönner)
Unvollständigkeitserleben und Schadensvermeidung als Bindeglieder zwischen zwanghaften und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitszügen und spezifischen Symptomdimensionen der Zwangsstörung
Theoretischer Hintergrund: Die theoretische Grundlage dieser Diplomarbeit bilden das Modell zur Heterogenität und Komorbidität der Zwangsstörungen von Rasmussen und Eisen (1992) und dessen Weiterentwicklungen. Demnach liegen Zwangsstörungen zwei motivationale Kerndimensionen zugrunde - Schadensvermeidung und Unvollständigkeitsgefühle. Unvollständigkeitsgefühle gehen auf die Theorie zu Zwangsstörungen von Pierre Janet (1904) zurück und sind erst in den letzten Jahren wieder zentraler Gegenstand der Zwangsforschung geworden. Ecker und Gönner (2007a) konnten zeigen, dass zwanghafte Persönlichkeitszüge selektiv mit unvollständigkeitsassoziierten Symptomdimensionen zusammenhängen und dieser Zusammenhang durch Unvollständigkeitsgefühle moderiert wird. Ob die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung selektiv mit schadesvermeidungsassoziierten Symptomdimensionen zusammenhängt und, ob Schadensvermeidung eine bedeutende Rolle bei diesem Zusammenhang spielt, ist weitgehend unerforscht. In diesem Sinne ist es Ziel dieser Diplomarbeit, an einer nicht-klinischen Stichprobe zu untersuchen, ob Unvollständigkeitsgefühle ein Bindeglied für den Zusammenhang zwischen Zwangsstörungen und der zwanghaften Persönlichkeitsstörung darstellen, und, ob Schadensvermeidung ein Bindeglied für den Zusammenhang zwischen Zwangsstörungen und der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung darstellt.
Methode: Durchgeführt wurde diese Diplomarbeit mit Hilfe einer Online-Untersuchung, bei der die Probanden gebeten wurden, verschiedene Selbstbeurteilungsfragebögen zu Zwangsstörungen, Unvollständigkeitsgefühlen, Schadensvermeidung, Angststörungen, Depressionen und der zwanghaften sowie der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörungen zu beantworten. Nach Ausschluss der Probanden, die angaben, innerhalb der letzten zwei Jahre unter einer psychischen Störung gelitten zu haben, umfasste die nicht-klinische Stichprobe 225 Probanden.
Ergebnisse: Zwangsstörungen weisen einen substanziellen Zusammenhang mit der zwanghaften Persönlichkeitsstörung auf, der weitgehend von Unvollständigkeitsgefühlen moderiert wird. Zwangsstörungen und die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung weisen einen substanziellen Zusammenhang auf, der durch Schadensvermeidung moderiert wird.
Schlussfolgerungen: Unvollständigkeitsgefühle scheinen ein Bindeglied zwischen Zwangsstörungen und der zwanghaften Persönlichkeitsstörung zu sein. Ebenfalls scheint Schadensvermeidung ein Bindeglied zwischen Zwangsstörungen und der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung zu sein. Die Ergebnisse auf der Ebene der einzelnen Symptomdimensionen sind uneinheitlich. Dass Unvollständigkeitsgefühle ein Bindeglied zwischen unvollständigkeitsassoziierten Symptomdimensionen und der zwanghaften Persönlichkeitsstörung sind, zeigt sich in dieser Diplomarbeit nur in der Tendenz für Ordnungs- und Kontrollzwänge. Die Rolle von Schadensvermeidung als Bindeglied zwischen schadensvermeidungsassoziierten Symptomdimensionen und der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung wird nur für Kontrollzwänge gefunden.
4. Judith Frischmann
Rushhour im Kinderzimmer. Der Einfluss der Hände auf das einfache Problemlösen bei Vorschülern und Drittklässlern
Fördernde und hemmende Faktoren hinsichtlich der Therapiemotivation bei forensischen Patientinnen und Patienten - Eine qualitative Studie im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden Wiesloch
6. Waltraud Ilmberger
Schön und gut? Über den Zusammenhang von Ästhetik und Usability bei der Bewertung von Benutzungsschnittstellen
Die berichtete Untersuchung war ein erster Schritt um die Frage zu beantworten, welche kognitiven Prozesse hinter dem Zusammenhang zwischen ästhetischen Eigenschaften und wahrgenommener Usability von Benutzeroberflächen liegen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass sowohl die Stimmung von Nutzern als auch der Gesamteindruck eine Rolle spielen. Es gilt, je besser die Stimmungsvalenz, desto besser auch die Usability-Bewertung. Die gleiche Tendenz ergibt sich auch für den Gesamteindruck. Allerdings konnte die kausale Richtung dieser Zusammenhänge noch nicht klar nachgewiesen werden.
Die Annahme, dass die hohen Korrelationen zwischen Usability und Ästhetik (Kurosu & Kashimura, 1995; Tractinsky, 1997; Tractinsky et al., 2000) aufgrund fehlender Usability-Informationen zustande kamen, infolgedessen die Probanden eine "Waht is beautiful is usable" Heuristik zur Bewertung hinzuzogen, konnte nicht bestätigt werden. Stattdessen zeigte sich, dass der Zusammenhang nach einer kurzen Demonstration der Shop-Benutzeroberfläche eher niedrig ausfiel und erst nach der tatsächlichen Interaktion anstieg.
Weiterführende Auswertungen lassen zudem auf einen Zusammenhang in Richtung "What is good is beautiful" schließen, der auch im Bereich der Gesichterwahrnehmung (Little et al., 2006) gefunden wurde. So wurden die gebrauchstauglicheren Onlineshops nach der Interaktion auch als visuell ästhetischer bewertet. Dieser Zusammenhang ist somit genau umgekehrt zu der ursprünglich angenommenen "What is beautiful is usable" Heuristik und muss in Folgeuntersuchungen noch überprüft werden.
7. Marianne Escaida Navarro
Psychologische Determinanten von Umweltbewusstsein. Ein Vergleich zwischen Deutschland und Chile
Diese Arbeit untersucht psychologische Determinanten von Umweltbewusstsein durch eine Gegenüberstellung von Deutschland und Chile. Aufgrund vielfacher internationaler Vergleiche zum Thema Umweltbewusstsein und Umweltschutz wurden die Ausgangshypothesen unter der Annahme formuliert, dass die Nationalität einen Einfluss auf das Umweltbewusstsein habe bzw. Deutsche umweltbewusster als Chilenen seien. Es wurde erwartet, dass die Nationalität in einem Zusammenhang mit Variablen wie umweltspezifischem Wissen, der Fähigkeit im Umgang mit komplexen ökologischen Systemen, allgemeinen und umweltspezifischen Werten, der Gesellschaftsart, aus der ein Individuum stammt (individualistisch oder kollektivistisch) und sozialer Erwünschtheit steht. Es wurde davon ausgegangen, dass diese Variablen wiederum das Umweltbewusstsein des Individuums beeinflussen.
Die Studie ergab bei der Analyse mit multivariaten Verfahren, dass die Determinanten, die den bedeutendsten Einfluss auf das Umweltbewusstsein der Einwohner beider Nationen haben, der Werte-Typ "Universalism", der im weiten Sinne für Altruismus steht, und das umweltspezifische Wissen, über das ein Individuum verfügt, sind. Von ähnlich großer Bedeutung in der Beeinflussung des Umweltbewusstseins sind die umweltspezifischen Werte und das Bewusstsein bezüglich der Konsequenzen des Verhaltens für die Umwelt. Die Überprüfung mit einem univariaten Verfahren ergab, dass sie signifikant positiv im Zusammenhang mit Umweltbewusstsein stehen. Außerdem stehen in einem positiven, wenn auch nicht signifikanten Zusammenhang mit Umweltbewusstsein die Fähigkeit im Umgang mit komplexen ökologischen Systemen sowie das Ausmaß, in dem sich die Teilnehmer der Studie auf sozial erwünschte Weise dargestellt haben.
8. Kjell Kühne
Das Aha-Erlebnis
Das Aha-Erlebnis, ein von Karl Bühler (1907) eingeführtes Konzept, wird in dieser Arbeit tiefergehend erörtert. Es wird definiert als das schlagartige und unwillkürliche Erkennen eines neuen und kohärenten Zusammenhangs zwischen bekannter Information, das von einer emotionalen Reaktion begleitet ist. Die Annahme, dass es sich dabei um ein grundlegendes menschliches Phänomen handelt wird in zwei Kulturen (Deutschland und Mexiko) anhand eines Fragebogens getestet. Plötzlichkeit, Unwillkürlichkeit, Erkennen eines neuen Zusammenhangs und emotionale Reaktion wurden von Mexikanern und Deutschen bestätigt. Eine Gegenüberstellung der Konzepte "Aha-Erlebnis" und "Einsicht" führt zu dem Schluss, dass das erstere geeigneter ist, um menschliches Verstehen zu beschreiben und ausserdem relevanter für den Alltag, da es in einer größeren Anzahl von Bereichen vorkommt. Eine Hypothese des Aha-Erlebnisses als "verzögertes Erkennen" wird vorgestellt, die es als auf normalen Wahrnehmungsprozessen basierend betrachtet und zwischen einer Wahrnehmungs- und einer emotionalen Komponente unterscheidet.
9. Kerstin Lenzen (delegiert an Dr. Lisa Irmen)
Blickbewegungen bei Planungsprozessen in Abhängigkeit der Arbeitsgedächtniskapazität. Eine experimentelle Untersuchung auf der Basis der Computersimulation Plan-A-Day
Diese Studie untersuchte den Einfluss des Arbeitsgedächtnisses auf Blickbewegungen, während die Testpersonen Planungsaufgaben auf der Basis des Computerszenarios Plan-A-Day (Funke & Krüger, 1995) durchführten. 41 weibliche und männliche Testpersonen bearbeiteten hierzu am Computer mental Planungsaufgaben, d.h. ohne Zuhilfenahme von Stift und Papier. Die Blickbewegungen wurden anhand einer Versuchsanlage vom Typ EyeLink II mit 500 Aufnahmen pro Sekunde aufgenommen. Durch die Steigerung der Anforderungen an die Lösungskompetenz bei Planungsaufgaben sollte das Arbeitsgedächtnis zunehmend belastet werden, und Unterschiede der Testpersonen sollten sich in unterschiedlichen Blickbewegungsmustern manifestieren.
Die Ergebnisse konnten jedoch keine Unterschiede in den Blickbewegungsmaßnahmen zwischen der Gruppe mit niedriger Arbeitsgedächtniskapazität und der Gruppe mit hoher Arbeitsgedächtniskapazität aufdecken. Allerdings ließ sich mit zunehmender Komplexität der Planungsaufgaben ein deutlicher Anstieg der Fixationsdauer und -häufigkeit verzeichnen. Beide Gruppen unterschieden sich nicht bezüglich der Lösungsgüte, 85 % der Aufgaben wurden korrekt gelöst.
10. Judith Maisenbacher
Rushhour im Kinderzimmer. Der Einfluss der Hände auf das einfache Problemlösen bei Vorschülern und Drittklässlern
11. Andreas Mayer
Synchrony in the onset of false belief understanding across cultures? A study among children in Western Samoa
The present paper deals with the development of false belief understanding among Samoan children between 3 and 14 years of age. 288 children on the islands of Savai'i and Upolu were tested in pre- and primary schools with a change-of-location paradigm that involved two children. Child 1 had to hide a toy under one of three identical cups and to leave the room afterwards. Then Child 2 was encouraged to play a trick on Child 1 and to put the toy under another cup. After that, he or she was asked where Child 1 would look for the toy when coming back. The typical improvements between 2 and 5 years of age could not be found. Samoan children improved only gradually and there was no successful majority before 8 years of age. In a binary logistic regression, the children's age was the only significant predictor. The results are interpreted as a further proof of a universal improvement with age in false belief understanding as well as a proof for cultural variations concerning the onset of such an understanding. Anthropological factors as well as methodological considerations are suggested as an explanation for the results which are also embedded in existing theories.
12. Anne Schubert (delegiert an Dipl.-Psych. Sascha Gönner)
Unvollständigkeitsgefühle, Zwangssymptome und dissoziatives Erleben
Theoretischer Hintergrund: Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit einem wiederentdeckten Symptom der Zwangsstörung, dem so genannten "Unvollständigkeitsgefühl" (Ecker & Gönner, 2006a; Hoffmann, 1998). Das kognitiv-behaviorale Modell der Zwangsstörung (Salkovskis, 2000, 2003) geht von der zentralen Annahme aus, dass Zwangsphänomene ein "normales" Phänomen sind. Als solche sind sie nicht nur bei Zwangspatienten, sondern auch bei Nicht-Betroffenen beobachtbar. Solide Messinstrumente, mit einwandfreien psychometrischen Eigenschaften sowohl bei klinischen Stichproben als auch bei möglichst repräsentativen Normalbevölkerungsstichproben, sind dafür unerlässlich. In diesem Sinne wurden die Untersuchungen dieser Diplomarbeit zu Unvollständigkeitsgefühlen, Zwangssymptomen und dissoziativem Erleben an einer nicht-klinischen Stichprobe durchgeführt.
Methode: Selbstbeurteilungsinstrumente zur psychometrischen Erfassung von Unvollständigkeitsgefühlen, die bereits an klinischen Stichproben validiert worden sind, wurden im Rahmen dieser Arbeit an einer nicht-klinischen Stichprobe validiert: Der "Obsessive-Compulsive Trait Core Dimensions Questionnaire - Revised" (OC-TCDQ-R; Ecker, Gönner & Leonhart, 2007b) als deutsche Adaptation und revidierte Fassung des OC-TCDQ (Summerfeldt, Kloosterman, Parker, Antony & Swinson, 2001) und der "Fragebogen zum Unvollständigkeitserleben" (FU; Ecker & Gönner, 2006b; Ecker, Gönner & Leonhart, 2007a). Zur Untersuchung der divergenten Validität wurde der Zusammenhang zwischen Unvollständigkeitsgefühlen und Depressivität sowie Angst ermittelt. Außerdem wurde der Zusammenhang von Unvollständigkeitsgefühlen und dissoziativem Erleben (Depersonalisation/Derealisation) untersucht. Die Stichprobe wurde im Internet über das so genannte "WebLAB" des Psychologischen Instituts der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg rekrutiert, die Datenerhebung erfolgte in Form einer Online-Befragung. Ausschlusskriterium für die Berücksichtigung von Probanden bei der Datenanalyse war die Angabe einer Diagnosestellung für eine psychische Störung im Zeitraum der vergangenen zwei Jahre.
Zentrale Ergebnisse: Die Gesamtskala des FU hat eine sehr gute innere Konsistenz (alpha = .89). Auch die Subskalen des OC-TCDQ-R erweisen sich als reliabel (alpha = .84 für INC und alpha = .76 für HA). Beide Messinstrumente erfüllen die an sie gestellten Erwartungen bezüglich der Konstruktvalidität auf relativ zufrieden stellende Weise. Die Abgrenzung zu Depression gelingt sehr deutlich, allerdings korreliert der FU stärker mit Angst und Schadensvermeidung (HA) als mit Unvollständigkeitsgefühlen (INC) als zuvor angenommen. Die faktorielle Validität wurde aufgrund geringer Streuungen der Merkmalsausprägungen in der gesunden Stichprobe nicht überprüft. Die Skalenmittelwerte sind im Vergleich zu klinischen Stichproben klar niedriger ausgeprägt. Zwischen Unvollständigkeitsgefühlen (FU) und Angst besteht ein viel engerer Zusammenhang als erwartet.
Schlussfolgerung: Die guten psychometrischen Eigenschaften des FU und des OC-TCDQ-R konnten an einer Stichprobe von Gesunden repliziert werden. Beide Messinstrumente erfassen Unvollständigkeitsgefühle (FU) bzw. Unvollständigkeitsgefühle (INC) und Schadensvermeidung (HA) in reliabler, relativ valider Weise. Problematisch bleibt, dass der FU wesentlich stärker mit HA korreliert als mit INC. Dies ist als wichtiges Indiz dafür zu werten, dass beide Messinstrumente Konstrukte weitaus unterschiedlicherer Inhaltsbereiche erfassen, als durch ihre Konstruktionsabsicht nahe gelegt wurde.
13. Almut Weidmann
Die Theory of Mind is beeinträchtigt bei Morbus Parkinson
Die "Theory of Mind" (ToM) wird als Fähigkeit verstanden, sich und anderen Personen Wünsche, Absichten und Überzeugungen zuzuschreiben. In der vorliegenden Studie nahm ich an, dass Patienten mit Morbus Parkinson in der ToM schlechter abschneiden als Kontrollprobanden. Dieser Gruppenunterschied sollte aber nicht durch einen Einfluss exekutiver Funktionen erklärt werden können. Zusätzlich sollten die Parkinsonpatienten auch in der Alexithymie, der Unfähigkeit, eigene Gefühle zu benennen, auffällig sein.
An der Studie nehmen 20 nicht demente, nicht depressive Parkinsonpatienten und 20 Kontrollpersonen teil, die sich in Geschlecht, Alter, Intelligenz, Schul- und Berufsausbildungsdauer nicht signifikant unterschieden. Sie führten als ToM-Tests den Fauxpas-Test (von Stone, Baron-Cohen & Knight, 1998) und den "Intention Inference" Test (von Sarfati, Hardy-Baylé, Brunet & Widlöcher, 1999) durch, als exekutive Tests den Warb-Wort Test, eine Kurzform des "Wisconsin Card Sorting Tests", eine semantische Wortflüssigkeitsaufgabe und den "Digit Ordering Test". Als Alexithymietest diente die "Levels of Emotional Awareness Scale" (LEAS). Zusätzlich wurden Gedächtnis und Intelligenz kontrolliert.
Die Ergebnisse zeigten. dass Parkinsonpatienten einen Fauxpas weniger gut verstanden als Kontrollprobanden (d = .88) und auch den "Intention Inference" Test schlechter lösten (d = 1.11). Dagegen waren sie ebenso gut wie die Kontrollpersonen in der Lage, Gefühle aus einer "Ich"- und "Anderen"-Perspektive zu benennen und können damit nicht als alexithym angesehen werden. Der Gruppenunterschied in beiden ToM-Tests ist unabhängig von den Ergebnissen in Demenz- und Depressionstest, sowie von geschätzter verbaler Intelligenz und von fast allen hier getesteten exekutiven Funktionen. Nur die Gedächtnisleistungen (Langzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, Wiedererkennen) können einen Teil der Gruppenunterschiede in beiden ToM-Tests erklären. Diese Erkenntnisse sprechen für eine Beeinträchtigung der ToM bei Morbus Parkinson, auch wenn die ToM-Defizite nicht ganz frei von Gedächtnisleistungen interpretiert werden können.
2007
1. Julia Adler
Einflussfaktoren auf das Compliance-Verhalten und auf das Non-Compliance-Verhalten bei Familien mit PKU-kranken Kindern
Ziel dieser Arbeit war es, mögliche Einflussfaktoren der Compliance bei Familien mit einem PKU kranken Kind zu identifizieren. Um dies zu erreichen, wurden Eltern von jeweils acht hoch bzw. tief eingestellten Kindern über die Anfangszeit nach dem Krankenhausaufenthalt, die Kenntnisse der Behandlungsvorgaben seitens der Klinik, die Wichtigkeit der Ziele, die Ergebnisqualität der Behandlungsaspekte, die Beteiligung dritter an der Behandlung, das Erziehungsverhalten der Eltern, soziale Unterstützung und Barrieren sowie die im Zusammenhang mit der PKU empfundenen Emotionen interviewt. Zusätzlich hatten die Eltern noch die Möglichkeit unangesprochene, nicht durch das Interview abgedeckte Aspekte zu ergänzen und darüber hinaus auch Ratschläge zu formulieren. Aus den unterschiedlichen Antworten der Eltern konnten Einflussfaktoren auf das Compliance Verhalten abgeleitet werden. So konnte u.a. ein unterschiedlich gut ausgepräger Organisationsgrad in den Familien der beiden Gruppen festgestellt werden, wobei die Eltern der tief eingestellten Kinder wesentlich effizienter organisiert erschienen. Auch das Alter um den Kindergarteneintritt ließ auf einen weiteren Einflussfaktor schließen. Zwar berichteten beide Gruppen von einem in diesem Zusammenhang problematischen Alter, den Eltern der Kinder aus der tief eingestellten Gruppe gelang es jeodch deutlich besser mit den altersbedingten Problemen fertig zu werden, wodurch letztlich ein negativer Einfluss auf die Behandlungsdurchführung vermieden werden konnte. Positiv auf die Krankeheitsverarbeitung wirken sich außerdem folgende, die Familien der tief einstellten Kinder charakterisierenden Verhaltensweisen aus: eine hohe Einschätzung der eigenen Ressourcen, das häufige Erleben positiver Emotionen, ein intensives Copingverhalten sowie aktive Krankheitsverarbeitungsansätze. Ferner wurde die Häufigkeit des Auftretens von Problemen als Einflussfaktor auf die Compliance identifiziert. So wurden die Familien der hoch eingestellten Kinder häufiger mit Problemen konfrontiert und hatten deswegen weniger Ressourcen für die Krankheitsverarbeitung zur Verfügung. Insgesamt konnte also auch im Rahmen dieser Arbeit die bereits in der Forschung etablierte Meinung untermauert werden, dass die Ausprägung der Compliance nicht ein Zufallsprodukt, sondern eine (zumindest in gewissem Maße) durch Faktoren bestimmbare Größe ist.
2. Saskia Decker
Das Verhältnis von Kreativität und psychischen Belastungen
Über die vorgenommenen Korrelationsrechnungen lässt sich zusammenfassend folgendes sagen: zwischen der Variablen der Denkstile zeigten sich bedeutsame Zusammenhänge. Es ergab sich hierbei eine hochsignifikante, negative Korrelation zwischen allgemeiner psychischer Belastung und dem Denkstil des Optimierers. Alle übrigen Denkstile zeigten keine bedeutenden Zusammenhänge.
Bei der Überprüfung des Zusammenhangs zwischen depressiven Störungen und den vier Denkstilen zeigten sich keine signifikanten Korrelationen zwischen dem Gesamtscore des BDI und den Denkstilen. Lediglich für die Unterskala Depressivität der SCL-90-R ließen sich signifikante Zusammenhänge zwischen depressiver Symptomatik und den verschiedenen Denkstilen nachweisen. Der Denkstil des Optimierers korreliert hierbei negativ und signifikant mit psychischer Belastung.
Als Gegenentwurf zur Annahme, dass vorwiegend affektive Störungen mit Kreativität korrelieren, wurde geprüft, ob sich auch für Psychotizismus und die vier Denkstile Zusammenhänge nachweisen lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass dies bei der vorliegenden Stichprobe nicht der Fall ist, es zeigten sich für keinen der vier Quadranten signifikante Beziehungen zur Unterskala Psychotizismus der SCL-90-R.
Zusätzlich zu den Zusammenhängen zwischen allgemeiner psychischer Belastung, depressiven Störungen und Psychotizismus zeigten sich hochsignifikante Beziehungen zwischen den vier kreativen Denkstilen und den Unterskalen Ängstlichkeit und Phobische Angst der SCL-90-R. Der Denkstil des Optimierers korreliert erneut hochsignifikant und negativ mit den Skalen Ängstlichkeit und Phobische Angst, alle übrigen Denkstile zeigten keine bedeutenden Korrelationen.
Über alle Korrelationen hinweg lässt sich der Trend beobachten, dass der Denkstil des Generators positiv mit den Unterskalen korreliert und jener des Optimierers ohne Ausnahme negativ. Statistische Signifikanz ergab sich nur für die Zusammenhänge zwischen Optimierer und den überprüften Variablen.
3. Yvonne Haelbig
Zur Diagnostik exekutiver Funktionen an Grundschülern: welchen Beitrag kann das Zoo-Spiel leisten?
Für Kinder im Alter von 6,5 bis 9 Jahren existiert im deutschen Sprachraum ein Mangel an standardisierten Testverfahren zur Diagnostik exekutiver Funktionen. Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich das Zoo-Spiel (Fritz & Hussy, 2000) - ein Verfahren zur Erfassung von Planungsfähigkeit - auch für die Diagnostik exekutiver Funktionen eignet. 74 Kinder ohne und 14 Kinder mit Hirnfunktionsstörungen bearbeiten das Zoo-Spiel, den Modified Card Sorting Test von Nelson (1976) in der Version 1.1 von Truong (1993) sowie Aufgaben zur Erfassung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz. Für die Kinder ohne Hirnfunktionsstörungen sind sehr geringe Korrelationen zwischen den beiden Messinstrumenten exekutiver Funktionen festzustellen. Bei den Kindern mit Hirnfunktionsstörungen hingegen sind unerwartet hohe Korrelationen zu beobachten, wobei mögliche Einflüsse von Konzentrations- und Gedächtnisleistungen nicht ausgeschlossen werden können.
Insgesamt ergeben sich aus den Ergebnissen deutliche Anhaltspunkte für eine Erfassung unterschiedlicher exekutiver Funktionen durch das Zoo-Spiel und den MCST. Ob sich das Zoo-Spiel als Diagnostikinstrument eignet, konnte durch die vorliegende Untersuchung nicht abschließend geklärt werden. Jedoch spricht einiges für den Einsatz als Verfahren zur Erfassung exekutiver Funktionen.
4. Daniela Kreitz
Einfluss des Internet auf das Studierverhalten Heidelberger und Mannheimer Studierender
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Fragebogenuntersuchung zum Thema "Einfluss des Internet auf das Studierverhalten Heidelberger und Mannheimer Studierender". Ziel war es, zu erfassen, wie sich der Studienalltag Heidelberg und Mannheimer Studierender durch die Existenz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien gestaltet. Es war von Interesse, welche Möglichkeiten internetbasierter Informationssuche und computervermittelter Kommunikation von den Studierenden in Anspruch genommen werden, ob sich gruppenspezifische Unterschiede im Informations- und Kommunikationsverhalten nachweisen lassen und ob sich Ursachen für die Charakteristik des Informations- und Kommunikationsverhaltens nachweisen lassen. Da computervermittelte Kommunikation gegenüber traditionellen Kommunikationsformen einige Besonderheiten aufweist und die spezifische Organisation der Information in Computernetzen psychologische und pädagogische Implikationen nach sich zieht, ist die durchgeführte Untersuchung von Interesse für die Psychologische Forschung.
Auf der Basis von N=1850 Fragebögen konnte ermittelt werden, dass das Internet einen festen Platz im studentischen Lernalltag eingenommen hat. Das Potential des Internets wird jedoch von den Befragten noch nicht vollkommen ausgeschöpft. Die Studierenden bevorzugen wenig strukturierte Angebote, wie die "freie Suche mittels Suchmaschinen". Diese sind zwar vergleichsweise einfach zu bedienen, sie liefern jedoch häufig unübersichtliche und irrelevante Ergebnisse. Auf einen großen Teil der elektronisch verfügbaren Information kann auf diese Weise nicht zugegriffen werden. Die Angebote, welche von den Studierenden vergleichsweise selten genutzt werden, könnten deren Informationsbedürfnis in stärkerem Maße entsprechen.
Es ließen sich bei allen, aufgrund verschiedener soziodemographischer Variablen gebildeten Untergruppen Unterschiede in der Charakteristik des Informations- und Kommunikationsverhaltens nachweisen und es ließen sich auch einige der determinierenden Faktoren für studienbezogene Internetnutzung ermitteln. Es scheint, als würde die Integration der modernen Medien in Lehrveranstaltungen zunehmend voranschreiten und die Maßnahmen der Bundesregierung zur Integration des Internets in den Schul- und Hochschulbetrieb allmählich greifen. Die Integration geht zunehmend über die bloße Bereitstellung der nernetzten Rechner hinaus. Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass der Fachbereich auf die adäquate und ausschöpfende Nutzung der Informationsmedien Einfluss nehmen kann und die Lehrenden durch ihr eigenes Verhalten das Verhalten der Studierenden in dieser Hinsicht beeinflussen können.
5. Katharina Theresa Krück
Phobien und Problemlösen. Eine Studie zur Problemlösefähigkeit von Personen mit spezifischer Phobie unter Verwendung des "Turm von Hanoi" und Rushhour
In dieser Diplomarbeit wird untersucht, ob es Unterschiede zwischen spezifischen Phobikern und einer gesunden Kontrollgruppe beim Lösen einfacher sequenzieller Problemstellungen gibt. Zudem sollen Ergebnisse zu der relativ neuen Rushhour Problemstellung gesammelt werden. Anhand des "Turm von Hanoi" und Rushhour sowie des d2-Aufmerksamkeitstests und den Standard Progressive Matrices (SPM) wurden insgesamt 53 Versuchspersonen untersucht. Bei den 21 Personen mit spezifischer Phobie spielte der Typus keine Rolle Die Ergebnisse zeigten einen signifikanten Unterschied in der Problemlösefähigkeit der spezifischen Phobiker beim "Turm von Hanoi", was auf Rushhour nur bedingt zutraf. Diese Problemstellung scheint besonders stark von der Intelligenz der Versuchspersonen beeinflusst. Dennoch scheinen beide Problemlöseaufgaben vergleichbar zu sein, wenn auch Rushhour reliablere Ergebnisse liefern könnte.
6. Katajun Lindenberg
ARIMA versus Spectral Analysis: An Application on Mood Diaries
This thesis aims to introduce the reader to the time-domain and frequency-domain techniques of time series analysis. Both methods are compared and their equivalence is discussed. The application in psychological research is demonstrated on an example of mood diaries, similar to the study of Larsen and Kasimatis (1990). Univeriate and bivariate time series analysis is done regarding the question whether time series techniques reveal deeper information than traditional methods. Special methodological issues and possible errors are discussed in terms of technical advancement. Empirical results showed that, contrary to the original study, there were no circaseptum rhythms in mood. Methodological results showed that the equivalence of both approaches can be used to crossvalidate the results for an improved model identification. Aggregation of mood raw data appears to be unjustifiable since mood processes differ very much between individuals. Recommendations are made for the user.
7. Natalie Manok-Kraus (delegiert an Dr. Lisa Irmen)
Zur mnestischen Repräsentation von Gemälden bei Experten versus Novizen
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Erinnerung an Werke der visuellen Kunst. Das besondere Interesse liegt hierbei darin, einen möglichen Unterschied, der sich zwischen Kunstlaien und Kunstexperten hinischtlich der Erinnerung an Gemälde ergibt, aufzudecken. In Zusammenarbeit der Psychologischen und Kunstwissenschaftlichen Fakultäten der Universität Heidelberg wurde ein umfangreiches Studiendesign entworfen, das der Analyse der Wahrnehmung und Verarbeitung von betrachteten Gemälden dient. Ein Aspekt des Gesamtdesigns bestand in der Entwicklung von Fragebögen zur Erfassung der mnestischen Repräsentationen von Kunstwerken; diese wurden unter spezifischem Zuschnitt auf die in der Studie verwendeten Gemälde im Rahmen dieser Arbeit entwickelt. Anhand einer kleinen Stichprobe von 22 Studierenden wurde überprüft, ob sich anhand der Auswertung einiger Fragebogenitems Unterschiede zwischen Kunstlaien und Kunstexperten hinsichtlich der Leistung in Gedächtnistests aufzeigen lassen. Dies ist insofern der Fall, als Kunstexperten nach der bisherigen Datenanalyse eine bessere Detailerinnerung an Gemälde haben als Kunstlaien. Des Weiteren ergaben sich Unterschiede in der Erinnerungsleistung zwischen der Experimental- und der Kontrollgruppe. Eine genaue Analyse der Unterschiede zwischen Laien und Experten sowie des Einflusses, den eine Zuteilung zur Experimental- bzw. Kontrollgruppe hat, wird erst nach Auswertung des gesamten Datensatzes und aller Fragebogentitems möglich sein.
8. Eva Oberle
A cross-cultural study on the development of ToM: Understanding of false belief in Micronesian preschoolers
The research paper presents a cross-cultural study on the development of "Theory of Mind" (ToM) among 3- to 5-year-old Yapese and Fais children in Micronesia. The paper is devided into three main parts. The first part highlights the fundamentals of cross-cultural psychology and gives an introduction into research on children's development of a commonsense theory of the mind. The basic principles of an everyday naive psychology as well as the actual state of research on its development throughout childhood are given. The second part presents experimental research on the understanding of false belief among 69 3- to 5-year old preschoolers in the Federate States of Micronesia. The third part contains the evaluation and interpretation of the research results which support an interpretation in terms of universals. The research paper will be completed with a discussion of the results and a prospect on future research.
9. Ortrun Reidick
"3... 2... 1... meins!" Persönlichkeit und die Bereitschaft, bei Online-Auktionen zu bieten. Überprüfung eines Pfadmodells für das Internet-Auktionshaus eBay
In Anlehnung an das 3M Meta-Theoretic Model of Motivation and Personality (3M-Modell) von Mowen (2000) wurde ein integratives hierarchisches Persönlichkeitsmodell zur Vorhersage und Erklärung der Online-Bietbereitschaft, bezogen auf das Internet-Auktionshaus eBay, postuliert. Hierüber soll erstmalig ein differentiell-psychologischer Einblick in die Determinanten der Bietbereitschaft ermöglicht werden.
Das vollständig mediierte rekursive Ausgangsmodell erwies sich als nicht haltbar und erforderte Modifikationen, die anhand der standardisierten Residualmatrix, des Lagrange-Mulitplier- und des Wald-Tests theoriegeleitet durchgeführt wurden. Schließlich wurde ein partiell-rekursives Modell mit Fehlerterm-Korrelationen der intermittierenden Ebene der Compound Traits akzeptiert, welches zusätzlich einen ebenenüberspringenden Parameter enthält. Für dieses Modell ergab sich ein akzeptabler bis guter Fit sowie eine hohe prädikative Leistung, gemessen anhand der Effektstärke, bei ebenfalls hoher Teststärke.
Insgesamt sechs Pfadgewichte erweisen sich als signifikant, wobei lediglich das Involvement die Bietbereitschaft unmittelbar vorhersagen kann; weitere signifikante Prädiktoren sind Verträglichkeit, Neurotizismus, Need for Arousal und Selbstvertrauen. Als überraschend stark in ihrer prädiktiven Güte erwies sich die Ebene der Elemental Traits, für die aufgrund des hohen Abstrahierungsgrads innerhalb des hierarchischen Modells die schwächsten Zusammenhänge angenommen wurden. Dies spricht für die basale Erklärungskraft des Modells und widerspricht bisherigen Befunden, wie etwa Haas (2007).
Als deutliche Schwäche des vorliegenden Modells ist die simultane Operationalisierung zweier Mediatorenebenen unterschiedlichen Spezifitätsgrads zu werten. Die Schwierigkeit der definitorischen Abgrenzung beider Ebenen kann ein Grund dafür sein, dass das Modell einerseits eine gute Datenpassung erzielt, jedoch andererseits aufgrund der enttäuschenden Zusammenhangsstärken der Situational Traits nur schwer zu interpretieren ist. Eine Reduktion der intermittierenden Ebenen des 3M-Modells auf eine Mediatorenebene erscheint daher für nachfolgende Untersuchungen empfehlenswert.
10. Bettina Ubl
Die "Theory of Mind" im interkulturellen Vergleich. Eine Feldstudie zum Verständnis falscher Überzeugungen bei den Bosmun in Papua Neuguinea
"Kulturelles Lernen" (z.B. Tomasello, 1999) und die "Entwicklung sozialen Denkens" sind wissenschaftliche Schlagworte, die nicht nur im Zuge der Globalisierung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Vielmehr sind es Themen, die interdisziplinäres Interesse wecken und demzufolge nach interdisziplinärer und kulturvergleichender Forschung verlangen. Eine Vielzahl an psychologischen Theorien, deren Aussagen vorwiegend in und mit westlichen Kulturen untersucht wurden, erheben ferner den Anspruch universell gültig zu sein (Wassmann, 1988), ohne dafür bislang suffizient empirische Evidenzen erbracht zu haben. Die "Theory of Mind" (Bretherton, McNew, Beeghly & Smith, 1981), im Folgenden abgekürzt mit ToM, ist eine dieser Theorien, die sich mit den Voraussetzungen für den Erwerb kulturellen Wissens beschäftigt. Sie wird definiert als eine universelle, sozial-kognitive Fähigkeit, die es erlaubt das Verhalten unserer Mitmenschen mentalistisch zu klären und vorherzusagen. Die ToM wurde, mit wenigen Ausnahmen, ausschließlich in westlichen oder 'verwestlichten' Kulturen untersucht. Nichtsdestrotz gilt sie als entscheidender Wendepunkt in der kognitiven Entwicklung von Kindern, die mit dem Erwerb einer ToM zu naiven Psychologen (folk psychologists) werden und ihren Mitmenschen beständig komplexer werdende, mentale Zustände zuschreiben. Die vorliegende Arbeit wird die oben erwähnten Gesichtspunkte aufgreifen und vor dem Hintergrund meiner in Papua Neuguinea (PNG) bei 3 und 5-jährigen Kindern erhobenen Daten sowie der aktuell publizierten Forschungsergebnisse diskutieren. Im Speziellen fließen Daten in die Analyse ein, welche sich auf die im Rahmen einer ToM erworbenen Konzepte (a) der falschen Überzeugung (false belief) sowie (b) der Täuschung und Lüge (deception) im Alter von 4 bis 5 Jahren beziehen. Die Untersuchungen zielten ferner darauf ab, die Annahme der Theorie-Theorie zu einer universellen, konzeptuellen Veränderung bei Kindern im Vorschulalter zu prüfen. Zusätzlich wurden Daten erhoben, die die Hypothese stützen, dass die Fähigkeit zur sozialen Perspektivübernahme (ToM-eigene) der Bosmun Kinder im korrelativen Zusammenhang steht mit der visuell-räumlichen Perspektivübernahme (Level 1 und Level 2 perspective taking; Flavell, 1979). Die Ergebnisse der ersten Studie zeigten tatsächlich den im Rahmen der Theorie-Theorie erwarteten Zusammenhang zwischen dem 'Alter' der Bosmun-Kinder und der 'Antwortqualität auf eine standardidierte Aufgabe zum Verständnis falscher Überzeugung'. Im Widerspruch damit stehen die Befunde der Bosmun Kinder in ihrer Fähigkeit zu täuschen. Offensichtlich weisen die inkonsistenten Befunde auf die methodischen Probleme eines rein etischen Vorgehens innerhalb der kulturvergleichenden Psychologie hin. Denn die Ergebnisse der Täuschungsaufgabe sprechen dafür, dass die Wahl geeigneter psychologischer Methoden für die kulturvergleichende Forschung von großer Relevanz ist. Die Befunde der dritten Studie weisen auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Fähigkeiten zur Perspektivübernahme hin. Sie stehen somit im Einklang mit neusten Erkenntnissen aus den sozial-kognitiven Neurowissenschaften (vgl. Vogeley & Fink, 2003).
11. Nadine Ziegler (delegiert an Dr. Bernd Reuschenbach)
Untersuchungen zur deutschen Version des Zimbardo Time Perspective Inventory (ZTPI)
In der vorliegenden Arbeit wird die Güte der deutschen Version des Zimbardo Time Perspective Inventory (ZTPI; Zimbardo & Boyd, 1999; ZTPI-DF, 2003) an N = 161 Probanden untersucht. Der ZTPI erfasst mit den fünf Subskalen Past-Negative, Present-Hedonistic, Future, Past-Positive und Present-Fatalistic verschiedene Dimensionen von Time Perspective (TP). Die deutsche Version erwies sich mit Ausnahme der Future-Skala als reliabel (interne Konsistenz der fünf subskalen und Retest-Reliabilität nach sechs Monaten). Die Korrelationen mit dem IPC-Fragebogen zu Kontrollüberzeugungen (Krampen, 1986), dem Handlungskontrollfragebogen (Kuhl, 1990) und einzelnen Items des Heidelberger Planungsinventars (Funke, Reuschenbach, Pfann, Rock & Ziegler, 2003) liefern Hinweise auf die Konstruktvalidität des ZTPI im Rahmen der KTT. Die Fünffaktorenstruktur von Zimbardo und Boyd (1999) konnte nicht repliziert werden. Die Gültigkeit des Rasch-Modells muss für alle fünf Subskalen verworfen werden. Die Ursache ist nicht in einer denkbaren Personenheterogenität zu sehen, da das mixed Rasch-Modell ebenfalls nicht gilt. Scheinbar sind die Skalen mehrdimensional, d.h. die Konstruktvalidität konnte im Rahmen der Rasch-Analyse nicht nachgewiesen werden. Aufgrund seiner relativen Insensitivität gegenüber Modellabweichungen konnte der Q-Index allerdings keine Heterogenität der Items (mit Ausnahme des Items 52) nachweisen. Weitere Forschung mit sensitiveren Fit-Indizes ist wünschenswert. Aus der Nicht-Gültigkeit des Rasch-Modells ergeben sich Konsequenzen für den ZTPI: der Summenscore ist keine suffiziente Statistik für die Personenfähigkeit, spezifisch objektive Vergleiche sind nicht möglich etc. Zudem erwies sich das fünfstufige Antwortformat als unpassend für den ZTPI, da die Mittelkategorie "neutral" nicht eine bestimmte TP mit mittlerer Intensität erfasst, sondern die Relevanz eines Items für die Person.
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