Ausgangslage und Problemstellung

Die aktuellen Entwicklungen im ökonomischen, technologischen und gesellschaftlichen Bereich führen zu einer immer stärkeren Bedeutung des Themas Work-Life-Balance für Unternehmen, deren Beschäftigte und die Gesellschaft. Zum einen haben sich durch eine veränderte wirtschaftliche Situation die Arbeitsbedingungen sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst verändert. Zunehmend befristete Verträge sowie knappe finanzielle Ressourcen beeinflussen das Bedürfnis nach Stabilität und Sicherheit auf Seiten der Erwerbstätigen und führen auf Seiten der Unternehmen zu veränderten Anforderungen an die Flexibilität ihrer Mitarbeiter.[1] Technologische Innovationen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (z.B. elektronische Hilfsmittel wie Laptop und Smartphone) haben nicht nur Umstrukturierungen im Arbeitsumfeld ausgelöst, sondern auch umfassende Veränderungen des Alltags der Erwerbstätigen bewirkt: sie fördern die Entwicklung von räumlich und zeitlich entgrenzter Arbeit.[2] Auswirkungen auf das Arbeitsleben ergeben sich auch aus gesellschaftlichen Veränderungen - so bewirkt der Trend zur Individualisierung einen Anstieg von Doppelkarriere-Paaren und berufstätigen Müttern mit Kleinkindern.[3] Im Hinblick auf den demografischen Wandel sorgt die alternde Gesellschaft für einen wachsenden Bedarf bei der Pflege und Versorgung von Angehörigen[4], der von der erwerbstätigen Bevölkerung (persönlich oder finanziell) zu stellen ist. Die derzeitigen Entwicklungen erfordern eine Neugestaltung der Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter langfristig zu sichern. Hierzu müssen zunächst aktuelle Bedarfe verschiedener Mitarbeitergruppen erfasst werden, um entsprechende Angebote und Prozesse gestalten zu können. Das Projekt "Work-Life-Balance: Wege zur nachhaltigen Verankerung von Work-Life-Balance in der Kultur von Unternehmen und Organisationen" setzt an der Analyse der Wirkfaktoren und der Entwicklung entsprechender Instrumente und der Umsetzung praktikabler Verfahrensweisen an.
[1] Vgl. Kronauer & Linne (2005)
[2] Vgl. Kirchler, Meier-Pesti & Hofmann (2008)
[3] Vgl. Allen, Herst, Bruck et al. (2000)
[4] Vgl. Klimpel & Schütte (2006), Schobert (2007)

Ausgangslage (Definition):

Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund veränderter und sich dynamisch wandelnder Rahmenbedingungen.

Die Vereinbarkeit von Anforderungen und Interessen des Arbeits- und Privatlebens hängt sowohl von den organisatorischen Bedingungen als auch von der persönlichen Wahrnehmung und dem individuellen Verhalten ab.

Ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeits- und Privatleben fördert ganzheitlich erfolgreiche Berufsbiografien unter Rücksichtnahme auf soziale, familiäre, kulturelle, gesundheitliche, ehrenamtliche und sonstige private Erfordernisse bzw. Interessen.

Eine gelungene Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben wirkt sich positiv auf die Person, die Organisation und die Gesellschaft aus.

(Teile aus BMFSFJ, 2005)